Die Spannung bei den Antriebssystemen von Elektroautos steigt immer weiter: 400 und 800 Volt sind bereits üblich, die Neue Klasse von BMW und der Mercedes CLA sind gerade mit superschnell ladendem Antriebsnetz auf den Markt gekommen. BYD und Lucid haben bereits Systeme mit 1000 Volt entwickelt.
Doch das ist offenbar noch lange nicht das Limit: Das europäische Forschungsprojekt "ODYSSEV" mit Partnern aus Wissenschaft und Industrie lotet aus, wie stark sich die Spannung steigern lässt. 1200 Volt sind die aktuelle Messlatte.

Energie fließt schneller bei 1200 Volt Spannung

Wo liegt der Vorteil? Höhere Spannung bedeutet mehr Tempo beim Energieabruf und -zulauf. Autos mit 1200-Volt-System können daher noch schneller laden – und auch ein höherer Leistungsgrad des Motors wäre möglich.
Mercedes CLA 250+
Der neue Mercedes CLA ist mit einem 800-Volt-System ausgestattet. Damit kann der Akku in 22 Minuten von 10 auf 80 Prozent geladen werden – mit 1200 Volt wäre es in unter 15 Minuten möglich. Dazu müssten aber auch Akku und Ladesäulen technisch aufgerüstet werden.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Falls das gewünscht ist: Bereits aktuelle Modelle kommen auf gewaltige Leistungswerte, wie etwa die Rekord-Orgie des elektrischen Supersportwagens Nevera R im vergangenen Jahr 2025 zeigte: 2136 PS wuchten das E-Getüm in 25,79 Sekunden von 0 auf 400 km/h. Das verlangt gewiss nicht jeder Elektroauto-Fahrer.

Höhere Spannung potenziell gefährlicher

Massentauglich ist da eher die zu erwartende Steigerung des Ladetempos. Mit 1200-Volt-Technologie wäre es rein rechnerisch möglich, in fünf Minuten ausreichend elektrische Energie für 500 Kilometer Reichweite in den Akku zu pumpen. Dann würde das Laden so schnell wie das Tanken.
Ein weiterer Vorteil ist die Gewichtsersparnis, weil niedrigere Leitungsquerschnitte im Hochvoltsystem geringere Mengen Kupfer erfordern. Zugleich steigt der Bedarf an Sicherheitspuffern, etwa durch Isolierung, weil die höhere Spannung leichter überspringt und potenziell gefährlicher ist.

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Das steckt hinter dem Forschungsprojekt

Am Projekt ODYSSEV (Abkürzung für "Optimised Dynamics of High-Voltage Powertrains: Developing Sustainable Systems for Electric Vehicles") arbeiten unter anderem ZF Friedrichshafen, Mitsubishi Electric Europe, dazu auf Hochschulseite die Universität Bremen und das University College London.
Anfang 2026 erfolgte der Startschuss, die EU fördert das Vorhaben. Ziel: Europa soll eine technologische Spitzenposition bei Elektroantrieben einnehmen, auch um die Klimaziele im Verkehrssektor zu erreichen. 2029 ist das Projekt abgeschlossen.
Lucid Air Dream Edition Performance
Der US-Hersteller Lucid hat bereits ein 1000-Volt-System in seinen Fahrzeugen. Laut Hersteller kann die Spitzenversion innerhalb von 16 Minuten Strom für 400 km tanken.
Bild: Lucid Motors
Es ist ein ganzheitlicher Ansatz, denn die gewaltigen Dimensionen der Physik verlangen auch Anpassungen bei Isolation, Bordsystemen und letztendlich am Akku selbst. Oberhalb von 1000 Volt beginnt Neuland.
Um die Leistungsarchitektur kümmert sich die Fachhochschule Dortmund. Ein wichtiger Schwerpunkt der Arbeit: Das System soll abwärtskompatibel sein, sodass man mit einem 1200-Volt-System auch an einer 400-Volt-Ladesäule den Akku füllen kann.

Ist mit 1200 Volt das Ende erreicht?

Wann kommen die ersten E-Autos mit 1200-Volt-System? "Innerhalb der nächsten zehn Jahre bestimmt", sagt Markus Thoben, Professor für Elektrische Antriebssysteme und Leistungselektronik an der FH Dortmund. Es hänge letztendlich von der Autoindustrie ab, wann die Weiterentwicklung erfolgt.

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Ist bei 1200 Volt die absolute Obergrenze der Spannung erreicht? "Nein", so Thoben. Bis auf 1500 Volt lässt sich das Spiel treiben, sagt der Wissenschaftler. Darüber würde der Aufwand zur Absicherung zu hoch. "Es ist ja zu bedenken, dass Werkstätten die Technik auch reparieren können müssen – und ab 1500 Volt gelten andere Sicherheitsvorschriften."
Bei dieser Voltzahl wachse der vorgeschriebene Sicherheitsabstand zu Systemen, die unter Strom stehen, von einem auf drei Meter – zum Beispiel, um lebensgefährliche Lichtbögen zu vermeiden.