"Ihr spinnt doch!" Das war einer der Kommentare, als Co-Pilot Boris Pieritz und der AUTO BILD-Reporter vor der Elektro-Rallye ED1000 verkündeten, den Normverbrauch des Opel Astra Sports Tourer Electric um 25 Prozent zu unterbieten – mindestens. Denn solch ein Ziel bedeutet eine extrem strombewusste Fahrweise – über 1000 km, bei hochsommerlichen Temperaturen. Aber ist ein Elektroauto-Marathon über diese Distanz an nur einem Tag nicht die richtige Veranstaltung für solche Pläne?
Zunächst kommt es aufs Auto an. Der Kombi Astra Sports Tourer bietet eine flache Front und verbraucht von Haus aus nicht viel. Nächste Bedingung: Die richtige Fahrweise. Einfach drauftreten und das Tempo halten, damit kommt man zwar ans Ziel. Doch Verbrauchsrekorde erzielt man so nicht.

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ED1000: tausend Kilometer an nur einem Tag

Ein massives Unterbieten des Normverbrauchs ist möglich, das haben die letztjährige ED1000 in gleicher Besetzung und auch die WLTP-Challenge im Herbst 2025 bewiesen – Letztere bei deutlich niedrigeren Temperaturen. Da sprangen Mini-Verbrauchswerte von 11,4 und 10,8 kWh/100 km heraus. Würde bei der ED1000 auch 2026 ein neuer Rekord fallen, bei hochsommerlichen Temperaturen zwischen 20 und 29 Grad?
Das AUTO BILD-Team auf der ED1000: Boris Pieritz (l.) und Matthias Brügge
Das AUTO BILD-Team auf der ED1000: Die Rallye-Teilnehmer Boris Pieritz (l.) und Matthias Brügge kurz vor der Abfahrt in Duisburg. Wegen der sommerlichen Temperaturen waren kurze Hosen erlaubt!
Bild: Jens Stratmann
Wozu die ED1000 dient? Das erklärt Jens Stratmann von "Electric Drive" gegenüber AUTO BILD: "Die ED1000 soll zeigen, dass elektrische Langstrecke längst alltagstauglich ist. Entscheidend bleibt aber, wie effizient ein Fahrzeug mit seiner Energie umgeht, denn Sparverbrauch ist inzwischen die eigentliche Königsdisziplin."

Technische Daten Opel Astra Sports Tourer Electric (Ultimate)*

Technische Daten Opel Astra Sports Tourer Electric (Ultimate)*
Reichweite (WLTP) 
585 km
Verbrauch (WLTP)
15,8 kW/100 km
Akkugröße 
55 kWh
max. Ladeleistung DC 
100 kW
max. Drehmoment 
270 Nm
Höchstgeschwindigkeit 
170 km/h
Testwagenpreis 
ca. 46.000 Euro

Was muss man beachten für einen Mini-Verbrauch?

Das war also das Motto. Doch einen Mini-Verbrauch erreicht man nur mit viel Disziplin. Die wichtigste Regel lautet: Verzicht auf hohe Endgeschwindigkeiten! Denn der Luftwiderstand ist der größte Stromräuber. Bei Tempo 130 verbraucht ein sparsames Auto wie der Cupra Raval schon 15,2 kWh/100 km, während im AUTO BILD-Test (Stadt, Landstraße, Autobahn) nur 13,7 kWh fällig werden. Für die Rallye wäre das zu viel. Also heißt es: maximal Tempo 90!
Opel Astra Sports Tourer Electric auf der ED1000
Unterwegs im Opel Astra Sports Tourer Electric auf der ED1000 auf der ersten Rallye-Schleife Richtung Nordsee.
Bild: Jasper Pape
Zweite Regel: Der Strom bleibt dem Motor vorbehalten, denn Nebenverbraucher mindern die Reichweite und erzwingen häufigeres Nachladen. Anstatt an der Ladestation zu stehen, kann man die Zeit zum Fahren nutzen. Insgesamt muss der Opel mit seiner nominalen Reichweite von 445 km nur zweimal nachgeladen werden.
Opel Astra Sports Tourer Electric beim Laden am Supercharger
Auf 1005 km wurde nur zweimal geladen – einmal am Tesla Supercharger in den Niederlanden.
Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD
Das bedeutet: Die Klimaanlage bleibt aus! Selbst auf die Lüftung sollte man verzichten, auf alle möglichen Assistenten sowieso. Die dritte Regel: Man fährt im Eco-Modus, anders geht es nicht. Und, wichtig: Nach jedem Stopp checken, ob der Eco-Modus auch aktiv ist. Hier half ein Post-it auf dem Armaturenbrett – und man behielt das Ziel vor Augen.
Erinnerung auf Post-it: Die Regeln vor jeder Abfahrt
Ein wichtiges Post-it zeigt, welche Einstellungen vor jeder Abfahrt zu beachten sind.
Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD

So spart man beim Fahren: Rollen mit Stufe "N"

Nun zur Fahrweise: Neben einem sanften Stromfuß sollte man die Höhenunterschiede auf der Straße ausnutzen. Heißt: Geht es bergab, lässt du das Auto auf Fahrstufe "N" rollen, bis das Tempo zu sehr absinkt oder bis die erlaubte Höchstgeschwindigkeit erreicht ist. Aufs Bremsen wird, wo immer möglich, verzichtet, denn das vernichtet nur wertvolle Bewegungsenergie. Statt zu bremsen kann man rekuperieren, doch auch nur, wenn nötig. Auch das Rekuperieren während der Fahrt, beim Astra über Paddel am Lenkrad in vier Stufen einstellbar, wird auf 0 gestellt.
Wer das Auto permanent auf diese Weise aktiv fährt, erreicht außergewöhnliche Reichweiten, die den WLTP-Normwert unterbieten. Genau 1000 Kilometer sind die Distanz, die bei der ED1000 zurückgelegt werden müssen – und zwar an einem Tag und im Wettbewerb gegen andere Teams. Die Rallye-Veranstalter trennen das Feld in Autos mit 800- und 400-Volt-Plattform, und es gab zwei Herausforderungen:
Wer fährt in seiner Klasse
  • die schnellste Zeit und
  • den niedrigsten Verbrauch?

Was ist die ED1000?

Die Elektrorallye ED1000 hat das Ziel, an einem Tag 1000 Kilometer elektrisch zurückzulegen. Dabei rücken die Ladestrategie und vor allem der Energieverbrauch in den Fokus. Teams treten mit unterschiedlichen batterieelektrischen Autos in verschiedenen Klassen gegeneinander an. Es geht um die schnellste Zeit in der 800-Volt-Klasse und in der 400-Volt-Klasse sowie um den geringsten Verbrauch auf 1000 km. Es ist eine Rallye gegen die Reichweitenangst, die beweist, wie alltagstauglich Elektroautos sind. Die ED1000 fand 2026 zum sechsten Mal statt.

Welche Strecken wurden gefahren?

Zwei Schleifen machten die ED1000 2026 aus: Die erste, rund 620 km lange Runde führte von Duisburg zum Oosterscheldekering an die niederländische Nordseeküste. Am Autostrand Brouwersdam wurde kehrtgemacht, um über Rotterdam und Nijmegen die Rückfahrt nach Duisburg anzutreten.
Die zweite, kürzere Etappe führte durch das märkische Land über Brügge (Westf.) und Lüdenscheid nach Drolshagen. Die Wegpunkte: Siegtalbrücke an der A45 und Lahntalbrücke Limburg. Das Ziel war wieder der Startpunkt in Duisburg.

Die früheste Startzeit: Abfahrt um 5:38 Uhr

Die vorhersehbar sehr lange Fahrtzeit – die Veranstalter waren gewarnt durch die Team-Performance im vergangenen Jahr – bescherte dem Opel-Team die früheste Abfahrt: Es ging um 5:38 Uhr los auf das erste, 624 km lange Teilstück zur Nordsee und wieder zurück. Die Wahl fiel auf Landstraßen, wobei nach Überqueren der Landesgrenze auffiel: Die Ampeln in den Niederlanden sind intelligent per Sensor geschaltet. Beim Heranfahren an Kreuzungen sprangen sie häufig, wenn kein Querverkehr zu sehen war, auf Grün! Deutschland, können wir das nicht auch?
Der Opel Grandland in den deutsch-österreichischen Voralpen
Vor der Fahrt noch frisch, nach 17:35 Stunden reiner Fahrtzeit nicht mehr ganz so sehr: AUTO BILD-Redakteur Matthias Brügge.
Bild: Jasper Pape / ED1000
Das dauerhaft geringe Tempo konnte die Stimmung an Bord nicht trüben, doch die Ungeduld anderer Verkehrsteilnehmer musste man aushalten. So passierte es schon mal, dass man auf der Autobahn mit Tempo 85 angehupt und von Fahrschulen überholt wird – da nützten auch die orangefarbenen "ED1000"-Aufkleber auf dem Auto nichts. Die reine Fahrzeit erstreckte sich auf 17 Stunden und 35 Minuten bis zur Ankunft am Ziel um 1:53 Uhr. Die Highlights der Fahrt sind im Video zu sehen.

Die Verbrauchsdaten auf den Teilstrecken der ED1000

Die Verbrauchsdaten auf den Teilstrecken der ED1000
1. Teilstück: 624 km
9,9 kWh
2. Teilstück: 381 km
11,1 kWh
Gesamtstrecke: 1005 km
10,3 kWh

Wie ging die ED1000 aus?

Doch am Ende überzeugt wie immer der Erfolg: Unterm Strich gelang es uns, den Opel Astra Sports Tourer Electric mit einem Mini-Verbrauch von 10,3 kWh auf 100 km zu fahren – bei einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 52 km/h. Der Verbrauchswert überzeugt insofern, als der WLTP-Normverbrauch mit 15,8 kWh auf 100 km angegeben wird. Der erzielte Verbrauch lag also satte 34,81 Prozent unter dem Normwert – und zwar auf einer Distanz von exakt 1005 Kilometern. So wurde der Elektro-Marathon für das AUTO BILD-Team zur ED1005.
Opel Grandland Electro auf der ED1000 Elektrorallye
Der Fotobeweis: Auf exakt 1005 gefahrenen Kilometern hat der Opel laut Bordcomputer 10,3 kWh/100 km verbraucht – das sind 34,81 Prozent unter dem WLTP-Wert von 15,8 kWh/100 km.
Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD
Co-Pilot Boris Pieritz zieht Bilanz: "All meine Freunde, die sich immer noch vehement gegen das Fahren eines Elektroautos wehren, möchte ich gern kräftig schütteln. Denn einmal mehr hat mein AUTO BILD-Pilot auf der ED1000 bewiesen, dass man mit einem E-Auto auch sehr lange Strecken super easy bewältigen kann, ohne 1000-mal nachzuladen. Zugegeben, auf dem ersten 600-km-Loop sind wir relativ langsam gefahren. Aber die letzten 400 Kilometer haben wir komplett in Normalo-Geschwindigkeit bewältigt. Mit einem Sensationsverbrauch. Was für eine tolle Elektro-Rallye!"
Grüne Ampel auf der ED1000
Grüne Ampeln sind dein Freund auf einer Sparfahrt.
Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD

Welche Bilanz der Veranstalter zieht

ED1000-Veranstalter Frank Kreif zieht diesen Schluss: "Die sechste ED1000 war nicht nur im wahrsten Sinne des Wortes die heißeste. Die Bandbreite der unterschiedlichen Strategien – von flott bis extrem effizient – zeigt, dass 1000 Kilometer eine problemlos zu absolvierende Distanz sind. Eine Botschaft, die vielen Erstkäufern oder auch Zweiflern in Sachen Elektromobilität durchaus neue Perspektiven aufzeigen dürfte. Man muss es ja nicht so extrem angehen wie das Team von AUTO BILD."
Diese Reise wurde unterstützt von Opel. Unsere Standards zu Transparenz und journalistischer Unabhängigkeit finden Sie unter go2.as/unabhaengigkeit.
Man kann auch Langstrecken mit Mini-Verbrauch fahren – wenn man sich bei Komfort und Tempo zügelt. Aber wenn man moderat fährt, spart man Strom – und bares Geld beim Fahren. Und man muss seltener laden.