Bis zu eineinhalb Jahre auf ein neues Elektroauto warten? Nee, nicht hier! In diesem ehemaligen Opel-Autohaus in Neukirchen im Knüllgebirge (Hessen) verkauft Kfz-Meister Mark Philipp Pauer (43) alles, was auf drei oder vier Rädern maximal 45 km/h fährt. Und zwar elektrisch.

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Seit Neuestem hat er sogar "Autos" seiner eigenen Marke Green Speed im Angebot. AUTO BILD zu Besuch in Deutschlands abgefahrenstem Autohaus!

Pauers E-Mobile sind 45 km/h schnell

Pauer müsste eigentlich Power mit Nachnamen heißen, bastelte erst an Zweirädern, dann an Autos – und hat seine Firma "Schwalm Speed" vor 26 Jahren gegründet, als 17-jähriger Teenager. Das Wort "Schwalm" kommt von der Gegend, in der seine beiden Betriebe (Schwalmstadt und Neukirchen) zu Hause sind.
Mark Phlipp Pauer und sein Green Speed
Mark Philipp Pauer und seine beiden Elektro-Microcars: der Cube mit vier Rädern (rosa) und das Modell Trike in Mattschwarz.
Bild: AUTO BILD/Andreas May
Speed gibt Pauer in den letzten Jahren vor allem elektrisch. Vor sieben Jahren hat er sich erstmals solche China-Stromer auf den Hof gestellt: drei oder vier Räder, bis zu 45 km/h "schnell", also kleines Versicherungskennzeichen, sprich maximal 100 Euro im Jahr. Die Dreiräder fahren auch gern mal nur 25 Sachen, dann haben "Sprities" mit gelochter Pappe zumindest einen fahrbaren Untersatz, wenn sie nicht aufs Fahrrad steigen wollen.
Bei "Schwalm Speed" stehen Pritschen-Dreiräder für unter 3000 Euro oder Ware von "Elektro-Frosch" mit geschlossener Kabine, Heizung und Rückfahrkamera für 4490 Euro. Der Einsitzer-Kastenwagen steht mit 4990 Euro auf dem Hof, ein Dreirad mit Campingzelt obendrauf soll 5490 Euro kosten.
Mark Phlipp Pauer und sein Green Speed
Kleine Kiste in "Schweinchenrosa": Eigentlich sollte dieses 45-km/h-E-Auto orange sein, jetzt glänzt es eben rosarot.
Bild: AUTO BILD/Andreas May
Dann wäre da noch der Frosch für vier (allerdings sehr schmale) Passagiere für 8990 Euro. Über 250 E-Mobile hat der Meister in den letzten sieben Jahren verkauft, meist über eBay oder eBay Kleinanzeigen.

Maximal stecken 80 Kilometer Reichweite im Akku

Jetzt steht er vor seiner neuesten Idee und muss laut lachen: "Ich habe KTM-Orange bestellt und Schweinchen-Rosa bekommen", sagt Pauer und zeigt auf ein vierrädriges Microcar, auf dessen Markenemblem "Green Speed" steht, also Pauers Firma. Der Kfz-Meister ist also jetzt auch "Autohersteller", hat zunächst zwei eigene Mobile im Angebot.
Mark Philipp Pauer und sein Green Speed
Vier Räder und Platz für zwei: Im Modell Cube sitzen die Passagiere hintereinander.
Bild: AUTO BILD/Andreas May
Das Modell mit vier Rädern heißt Green Speed Cube Premium, das mit drei Trike Premium. Die ersten 16 Exemplare parken auf dem Betriebshof neben über 50 anderen Elektro-Kisten oder stehen hochkant und mit Folie zusammengebunden auf Stahlträgern, sind ja gerade erst mit dem Schiff aus China gekommen. Alle mit Blei-Gel-Akku, 2,2-kW-Elektromotor, also knapp vier PS, Reichweite je nach Temperatur und Fahrweise bis zu 80 Kilometer, geladen wird zu Hause an der ganz normalen Steckdose.

Die kleine Kiste will mit viel Ausstattung überzeugen

Pauer legt Wert auf das Wörtchen "Premium", denn als er seine beiden neuen Modelle in Auftrag gegeben hat, ist viel von dem eingeflossen, was die Kunden und seine Mechaniker in den letzten sieben Jahren zu mäkeln hatten.

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Trike und Cube fühlen sich im Vergleich zu den anderen Elektro-Microcars eine ganze Ecke feiner an. Da wären: LED-Licht mit durchgezogenem Leuchtband vorn, Rückfahrkamera mit Bild direkt auf dem Zentralinstrument hinterm Lenkrad, USB-Buchse zum Handyladen und Freisprecheinrichtung für selbiges, Scheibenwischanlage mit Spritzdüsen (nicht selbstverständlich in dieser Liga), Nebelschlussleuchte und Heizung mit Lüftung, Aluräder, Glas-Aufstelldach, Heckscheibe aufklappbar, Fensterheber elektrisch. Die beiden Passagiere sitzen hintereinander, der Fahrer hat einen Dreipunkt und der Hintermann einen Beckengurt.
Mark Philipp Pauer und sein Green Speed
Der Arbeitsplatz: Im Viersitzer gibt es ein echtes Lenkrad, dahinter einen Digitaltacho, auf dem auch das Bild der Rückfahrkamera angezeigt wird.
Bild: AUTO BILD/Andreas May

Ist das nicht mutig, seine eigene Autofirma zu gründen? Der Meister muss schon wieder lachen. Dann sagt er: "Einer muss es ja versuchen, entweder es geht gut oder eben nicht." Aber ein Scheitern kann er sich nach all den Erfahrungen mit Elektro-Kleinstfahrzeugen nicht vorstellen. Zumal er sich mit den Preisen an den nicht ganz so gut ausgestatteten Konkurrenten orientiert: Sein Vierrad-Mobil soll 7990 Euro kosten, fürs Dreirad will Pauer 7490 Euro. Beide fahren 45 km/h, das Dreirad lässt sich auch auf 25 Sachen drosseln.

Mark Philipp Pauer und sein Green Speed
Frische Ware aus Fernost: Die "Autos" von Green Speed werden in China produziert, Farbe nach Wahl. Hier ist einer in Pastellgrün und Weiß lackiert  – der T1-Bulli lässt grüßen.
Bild: AUTO BILD/Andreas May

Auf Wunsch kann der Kunde alle möglichen Farben haben

Und das mit dem Schweinchenrosa soll eine einmalige Ausnahme sein, die nächsten Exemplare werden wirklich orange glänzen, sagt Pauer. Einige der zum Verkauf stehenden Autos sind – wie damals der VW-T1-Bulli – zweifarbig lackiert, in Weiß mit Hellgrün oder Blau, andere sind schwarz matt, blau oder weiß.
Und natürlich sind alle anderen Farben je nach Kundenwunsch lieferbar. Dann dauert es aber, so wie bei den "großen" Herstellern. Zwar nicht eineinhalb Jahre, aber drei Monate.