Was ist der neue Energiekostenvergleich?

Ab 1. Oktober 2021 muss an zahlreichen deutschen Tankstellen der neue Energiekostenvergleich aushängen. Dabei handelt es sich um ein Plakat oder auch einen Bildschirm, auf dem die Kosten verschiedener Energieträger – Benzin, Diesel, Erdgas, Autogas, Strom und Wasserstoff – pro 100 Kilometer Fahrstrecke aufgelistet sind. Der Aushang soll es Tankstellenkunden ermöglichen, trotz unterschiedlicher Maßeinheiten (Liter, Kilogramm, Kilowattstunden) einfach Preise zu vergleichen. Die Aushangpflicht trifft alle Tankstellen mit mehr als sechs Zapfsäulen, an denen jeweils verschiedene Produkte zur Auswahl stehen, sogenannte "Mehrproduktzapfsäulen". (Hier geht's zum großen Stromtarif-Vergleich!)
Hintergrund ist die bereits im Oktober 2014 erlassene EU-Richtlinie über den Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe. Sie legt fest, dass die Kosten verschiedener Energieträger künftig ausgeschildert werden müssen, und zwar bezogen auf eine Maßeinheit (Euro/100 km). Deutschland half in einem Pilotprojekt als eines von neun Ländern, die Kriterien für den Kraftstoffkostenvergleich zu erarbeiten. Das Pilotprojekt umfasste sowohl einen Praxistest verschiedener Werbemittel an 15 Berliner Tankstellen als auch Umfragen vor Ort und online. Laut Bundeswirtschaftsministerium stuften dabei mehr als 80 Prozent der Befragten ihr Wissen zu alternativen Kraftstoffen und die Hälfte ihr Wissen zu batterieelektrischen Antrieben als nicht ausreichend ein. 55 Prozent der Befragten gaben an, dass zusätzliche Informationen zu den Kraftstoffkosten ihre nächste Fahrzeugwahl beeinflussen würden.
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Der Mineralölverband kritisierte die Maßnahme als wettbewerbsverzerrend, da für die Berechnung der Strompreise ausschließlich Hausstrompreise herangezogen würden. "Öffentliches und vor allem schnelles Laden ist meist teurer, und das reduziert den Preisunterschied zum Benziner erheblich", sagte der Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV), Christian Küchen, der WELT am SONNTAG.

 Wie sieht der Energiekostenvergleich aus?

Die Plakate stehen in verschiedenen Größen auf der Internetseite des Wirtschaftsministeriums zum Herunterladen bereit. Der Vergleich muss entweder an der Hälfte aller Zapfsäulen oder im Kassenbereich zu finden sein, alternativ auch als digitale Anzeige
Der Energiekostenvergleich soll Verbrauchern einen schnellen und einfachen Preisvergleich ermöglichen.

 Wie berechnet sich der Energiekostenvergleich?

Pro dargestellter Fahrzeugklasse werden die drei meistverkauften deutschen Modelle herangezogen und nach Verkaufszahlen gewichtet. Die WLTP-Verbräuche werden bei den Herstellern erfragt. Die Verbräuche (auf 100 Kilometer berechnet) werden dann mit dem durchschnittlichen Preis des Kraftstoffs im letzten Quartal multipliziert. Die Berechnungen werden alle drei Monate aktualisiert – es geht also nicht darum, einen möglichst aktuellen Preis zu zeigen. Vielmehr soll der Energiekostenvergleich ermöglichen, die Preise der unterschiedlichen Energieträger miteinander besser zu vergleichen. Da es in der Klein- und Kompaktwagenklasse noch keine Wasserstofffahrzeuge gibt, ist dieses Feld noch nicht ausgefüllt.

 Die Kraftstoffe – von teuer bis billig nach dem Energiekostenvergleich 

Super/Super E10 ist mit Abstand am teuersten

Für Super-Kraftstoff werden derzeit pro 100 Kilometer 9,26 Euro (Klein- und Kompaktklasse) bzw. 11,42 Euro (Mittel- und Oberklasse) fällig. E10 ist pro Liter ca. fünf Cent billiger und daher im Energiekostenvergleich insgesamt günstiger. In der Praxis ist der Energiegehalt von E10 jedoch niedriger, was zu einem geringen Anstieg des Kraftstoffverbrauchs führt. (Hybridautos sollen die Vorteile von Benzin und Elektro verbinden. Mehr dazu finden Sie hier)

Wasserstoff-Modelle gibt es aktuell nur zwei

Ein Kilogramm Wasserstoff kostet an deutschen Tankstellen derzeit knapp zehn Euro. Klingt teuer, aber gemessen am Gewicht ist die Energiedichte sehr hoch. So verbraucht ein Hyundai Nexo mit Brennstoffzelle laut WLTP lediglich 0,95 Kilogramm Wasserstoff auf 100 Kilometer. Ein Mittel-/Oberklassefahrzeug verursacht so 7,60 Euro Energiekosten auf 100 Kilometer Strecke. Das andere Brennstoffzellen-Fahrzeug auf dem Markt (von insgesamt zwei Modellen) ist der Toyota Mirai. Klein- und Kompaktwagen, die mit Wasserstoff betrieben werden, gibt es aktuell nicht.

Diesel ergibt vor allem für Vielfahrer Sinn

Diesel ist günstiger als Benzin – vor allem, weil auf Diesel eine geringere Mineralölsteuer anfällt, das sogenannte "Dieselprivileg". Da Dieselmotoren zusätzlich energieeffizienter arbeiten und weniger verbrauchen, ergibt sich ein Preis von 6,55 Euro/100 km in der Kleinwagen- und Kompaktklasse, sowie 7,48 Euro/100 km in der Mittel-/Oberklasse. Allerdings ist die Energiedichte auch größer als die von Benzin. Für Dieselfahrzeuge wird eine höhere Kfz-Steuer fällig.

Erdgas (CNG) – höhere Energiedichte als Benzin und Diesel

Erdgas ist ein fossiler Energieträger und wird in Kilogramm gemessen. Der Energiegehalt ist höher als bei Diesel und Benzin. Unterschieden wird noch in H-Gas und L-Gas. Bei L-Gas ("Low calorific gas") ist der Methangehalt und damit auch der Energiegehalt geringer als bei H-Gas ("High calorific gas"). H-Gas für 100 Kilometer kostet für Klein- und Mittelklassefahrzeuge im Durchschnitt 5,49 Euro, für Mittel- und Oberklasseautos 6,39 Euro.

Autogas (LPG) – die unterschätzte Alternative?

Autogas ist eher ein Nebenprodukt von Öl- und Erdgasgewinnung. Ein Liter Autogas kostet um die 70 Cent, der Energiegehalt ist jedoch geringer als bei Benzin oder Diesel. Preise: 5,09 Euro in der Kleinwagen- und Kompaktklasse, sogar 13 Cent weniger in der Mittel- und Oberklasse. Auf Autogas lassen sich viele Benziner auch nachträglich umrüsten. Das kann durchaus eine Überlegung wert sein.

Strom ist zu Hause am günstigsten

Der Energiekostenvergleich zieht für die Berechnung der Stromkosten lediglich Hausstromtarife heran – also die Kosten, wenn man zu Hause lädt und nicht unterwegs. Unterwegs zu laden, kann deutlich schneller gehen, ist aber je nach Anbieter auch meist teurer. Eine Kilowattstunde kostet zu Hause je nach Tarif zwischen 21 und 31 Cent. Es wird weiterhin unterschieden zwischen Hoch- und Niedertarifzeit; das bedeutet, dass der Strom nachts günstiger ist als tagsüber. Laut Energiekostenvergleich werden pro 100 Kilometer 4,74 Euro für die Klein- und Kompaktklasse fällig, für die Mittel- und Oberklasse 10 Cent mehr. Unterwegs zu laden, kann deutlich stärker ins Geld gehen. (So funktioniert ein E-Auto)
Natürlich sollten vor dem Autokauf noch weitere Kosten berücksichtigt werden. Ob es sich lohnt, vom Verbrenner auf ein E-Auto umzusteigen, erfahren Sie hier!