Mazda CX-90
Exklusive Fahrt in Mazdas größtem SUV CX-90
Schon mit dem CX-60 ist Mazda hierzulande steil auf Premium-Kurs. Doch wer in Amerika in den neuen CX-90 steigt, der muss zweimal überlegen, ob das jetzt ein Mazda oder ein Mercedes ist.
Bild: AUTO BILD
Sie sind so etwas wie die Gallier unter den Japanern. Denn nicht nur, dass Mazda vom Diesotto bis hin Wankelmotor beim Antrieb so ziemlich alles anders macht als die anderen und sich lange gegen den Trend zum Elektroauto gesperrt hat, legen sie sich jetzt auch noch mit den ganz Großen an – und gehen steil auf Premium-Kurs.
Und während die deutschen Dickschiffe alle aussehen wie Sumoringer, erteilen uns ausgerechnet die Japaner eine Lektion in Leichtigkeit und Diätkunst. Denn ganz ohne Chichi, sondern einfach nur mit perfekten Proportionen und sehr dezentem Ornat haben sie ein 5,10 Meter langes Schmuckstück auf die Räder gestellt, dem man seine Größe kaum ansieht.

Der neue Mazda CX-90 macht sich über fünf Meter lang, sieht dennoch elegant aus.
Bild: AUTO BILD Syndication/JAMES THORNTON III
Platz da im Mazda – beim CX-90 ist das nicht nur ein Spruch
Zumindest von außen. Aber wer in den CX-90 einsteigt, dem kommt als Erstes das alberne "ach Platz da im Mazda" in den Sinn. Denn so geräumig wie im CX-90 geht es in keinem anderen Modell der Marke zu: 3,12 Meter Radstand, drei Sitzreihen, hinten wahlweise mit Bänken oder Einzelsitzen, reichlich Beinfreiheit in der zweiten und menschenwürdige Platzverhältnisse in der dritten sowie ein Kofferraum für alle Eventualitäten machen den CX-90 zum perfekten Pampersbomber für die Großfamilie oder zum idealen Roadtrip-Auto.

Die Einzelsitze in der zweiten und dritten Reihe bieten guten Komfort.
Bild: AUTO BILD Syndication/JAMES THORNTON III
Das Ambiente ist für die Amis neu, für uns aber ein alter Hut. Denn die offenporigen hellen Hölzer und die blank polierten Metalle kennen wir schon aus dem CX-60 – genau wie das eigenwillige Anzeigenkonzept mit einem mittlerweile fast schon mickrigen Display ohne Touchscreen und dem von BMW inspirierten Zentral-Controller. Das funktioniert zwar alles tadellos und ist fein ausgeführt, ist aber weniger "digital detox" als 90er-Jahre-Style und passt nicht so recht zum ansonsten noblen und zeitgemäßen Ambiente.
Der Reihensechszylinder-Turbo macht dem CX-90 ordentlich Beine
Das Ambiente mag für uns vertraut sein. Aber der Antrieb ist neu. Denn auch wenn sich die SUV über den Atlantik hinweg die Architektur mit längs eingebauten Motoren und dem obligatorischen Allradantrieb teilen, hat Mazda – wie es sich für ein Flaggschiff gehört – unter der Haube noch mal nachgelegt.
Neben einem 280 PS starken Sechszylinder fürs Basismodell und dem aus Europa bekannten Plug-in mit 327 PS Systemleistung und rund 60 Kilometern elektrischer Reichweite gibt es den 3,3 Liter großen Reihensechser deshalb auch als Turbo mit 340 PS und 500 Nm. Damit ist er entsprechend flott bei der Sache: 0 auf 100 km/h in sechs Sekunden und bei Vollgas 210 km/h reichen, um zumindest den Amis ein wenig Fracksausen zu bereiten.
Im Mazda CX-90 kommt ein Hauch von MX-5-Feeling auf
Den sportlichen Anspruch kann man beim Fahren sehr wohl spüren. Auch ohne Premium-Finessen wie eine Allradlenkung oder adaptive Dämpfer wirkt der CX-90 angenehm agil, direkt und verbindlich, lässt so einen Hauch von MX-5-Feeling aufkommen – nur eben eine Etage höher.

Sauber verarbeitetes Cockpit mit feinen Materialien, der zentrale Bildschirm bleibt aber recht klein.
Bild: AUTO BILD Syndication/JAMES THORNTON III
Klar lösen sich die 2,2 Tonnen genauso wenig in Luft auf wie die 5,10 Meter. Und Autos wie ein BMW X5 fahren dann doch in einer anderen Liga. Aber US-Konkurrenten wie der Toyota Highlander, der Nissan Pathfinder und allen voran der VW Atlas wirken plötzlich ziemlich behäbig.
Gegenüber Q7 und GLE wäre das große SUV ein Schnäppchen
Viel Platz, tolle Proportionen und obendrein noch richtig Power, wer da schon neidisch wird beim Blick über den Atlantik, der sollte besser gar nicht erst nach den Preisen googeln. Denn los geht's bei umgerechnet rund 37.500 Euro, und selbst das Topmodell kostet keine 56.000 Euro. Da verlieren nicht nur Audi Q7 oder Mercedes GLE gewaltig an Reiz. Sondern da erscheint auch der in unserer Topversion fast genau gleich teure CX-60 schon wie Wucher.
Fazit
Ja, er sieht klasse aus, ist piekfein ausstaffiert und bietet jede Menge Platz. Aber nein, bei aller Liebe zählt der CX-90 nicht zur Luxusklasse. Dafür fehlen ihm vor allem bei der Technik Finessen wie ein adaptives Fahrwerk oder eine Hinterachslenkung, und innen bräuchte es ein aufwendigeres Infotainment. Und trotzdem könnten wir das Flaggschiff auch bei uns gut gebrauchen. Denn seit die Vans ausgestorben sind, fehlen schmucke Familienkutschen mit Platz und Prestige. Erst recht für diesen Preis.
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