Porsche 911 Carrera 2
Ein Milder unter Wilden

Porsches 911 der frühen 90er ist weniger rau als alle Vorgänger. Seine Nähe zum Alltag galt früher als uncool – und ist heute ein Kaufargument. Echter Geheimtipp: der 964 Targa als letzter Elfer mit herausnehmbarem Dachteil.
Spätsommer 1988, Porsche stellt den rundum renovierten 911 Carrera vor, die erste konstruktive Neuinterpretation des Themas seit dem Debüt 1963. Sofort nimmt das Verhängnis seinen Lauf: Kaum steht ein neuer Elfer im Laden, sehen dessen gusseiserne Anhänger das Ende des Abendlandes heraufziehen. Zu beklagen gibt es für Traditionalisten einiges: Der 911 trägt jetzt Stoßfänger in blähender Plastik-Optik. Hinzu kommen Beliebigkeiten wie ein Schraubenfeder-Fahrwerk, Servolenkung und ABS serienmäßig. Alles längst verziehen, auch die Probleme der ersten Jahre, als Kinderkrankheiten die Ankunft des intern Typ 964 genannten Elfers begleiteten. Lange haben ihn die Auskenner und Schlaumeier der 911-Szene gering geachtet und den Vorgänger Carrera 3.2 zum vermeintlich letzten echten 911 stilisiert.
Sportwagen für jeden Tag: BMW 635 CSi und VW Scirocco II

Bild: Andreas Lindlahr
Sportwagen für jeden Tag: Mercedes 450 SLC 5.0 und MG B GT

Bild: Andreas Lindlahr
Plus/Minus Trotz formaler und technischer Neuerungen, trotz Elektronik und Tiptronic: Der 964 ist ganz klar ein klassischer Elfer, auch wenn sich die gusseisernen 911-Piloten am gebotenen Komfort stören. Darüber hinaus ist er, von einigen längst behobenen Kinderkrankheiten einmal abgesehen, überaus solide, schnell und alltagstauglich – einige exotische Spielarten wie der extreme Speedster ausgenommen. Dummerweise hat sich das inzwischen herumgesprochen. In der Käufergunst hat der 911 Carrera 2/4 im Vergleich zum Vorgänger 911 Carrera 3.2 und dem allseits beliebten Nachfolger 993 deutlich aufholen können. Wertverlust ist nicht mehr zu befürchten.
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Ersatzteile Nur weil Porsche oder freie Anbieter alle Ersatzteile liefern, heißt das nicht, dass sie deswegen billig sind. Ein Elfer war und bleibt teuer. Weil beim 964 die Elektronik Einzug gehalten hat und er viele Neuerungen mit sich herumträgt, sind ein paar potenzielle Störquellen hinzugekommen. Auch hier gilt die alte Faustregel: Wer beim Kauf spart, wird sein Geld wenig später in der Werkstatt los. Billig im Unterhalt wird ein Elfer nie.
Marktlage Der Markt zeigt sich gut bestückt, am größten ist das Angebot beim Coupé mit Heckantrieb. Gut für Käufer, dass private Anbieter mit Porsche-Betrieben und freien Händlern konkurrieren. Wer warten kann und über finanziellen Spielraum verfügt, wird sogar seine Wunsch-Kombination in Außenfarbe und Ausstattung finden. Sehr gute Carrera 2 Coupés pendeln um 30.000 Euro, Targa und Cabrio notieren rund 5000 Euro höher. Allradantrieb kostet extra – Olditax nennt 35.000 Euro für ein Coupé in Zustand 2.
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Empfehlung Der 911 der Generation C2/C4 ist ein Sportwagen, der auch den Alltag meistert und aller Erfahrung nach zum Sammlerstück reifen wird. Zum Kauf empfehlen sich möglichst originale Fahrzeuge, bei entsprechender Pflege verliert die Laufleistung dabei an Bedeutung. Besonders interessant, aber sehr teuer, sind die extremen RS- und Turbo-Versionen. Echter Geheimtipp: der 964 Targa als letzter Elfer mit herausnehmbarem Dachteil.
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