Porsche-Patent für Hybrid, E-Auto und Verbrenner in einem
Porsche erfindet den V8 neu – mit E-Motor und Range Extender

Porsche hat sich ein Patent auf einen äußerst vielseitigen Motor gesichert: eine Kombination aus Verbrenner, Elektromotor und Range Extender. Alle Infos!
Bild: Wolfgang Blaube / AUTO BILD
Wer sich zwischen Elektroauto, Hybridfahrzeug und Verbrenner partout nicht entscheiden kann, wird vielleicht bei dieser neuen Alternative fündig: Porsche hat das Patent zu einem Auto angemeldet, das drei Antriebs-Alternativen in sich vereint. Doch es ist mehr als ein klassisches Hybridfahrzeug.
Bei der Konstruktion handelt es sich um das Schema eines potenten V8-Motors mit Benzinantrieb – so weit von Porsche bekannt. Die GT-Limousine Panamera gibt es in verschiedenen Ausführungen mit einem V8 mit vier Liter Hubraum, der zwischen 474 und 599 PS leistet. Auch das große SUV Cayenne wird weiterhin mit V8 angeboten.
In der nun skizzierten Anwendung treibt der V8 mit unbekannter Leistung direkt die Räder an – oder einen Generator, der über einen "elektrischen Energiespeicher" (z. B. Akku oder Kondensator) einen Elektromotor speist. Das sind zwei mögliche Antriebsvarianten: als reiner Verbrenner und als reines Elektroauto (mit dem Verbrenner als Reichweitenverlängerer).

So wird die Konstruktion in der Patentschrift dargestellt. Links der V8, die Zahl 3 bezeichnet den Elektromotor, dazwischen sitzt der Generator.
Bild: Porsche AG
In der dritten Variante treibt der V8 die Räder an, und der Elektromotor wirkt unterstützend. "Eine Dynamik und Leistungsspreizung übernimmt die Elektromaschine", erläutert die Patentschrift. Das entspricht der Arbeitsweise eines klassischen Hybridantriebs, wie es ihn seit dem Toyota Prius 1 gibt.
Verbrenner und E-Motor treiben Räder "alternativ"
Die dritte Variante wird in der Patentschrift, die am 3. Juni 2026 vom Deutschen Patent- und Markenamt veröffentlicht wurde und den langjährig für Porsche tätigen Ingenieur Fatih Sarikoc als Erfinder benennt, nur am Rande erwähnt.

Im Porsche Cayenne GTS leistet der V8 maximal 500 PS.
Bild: Porsche AG
Aber es ist naheliegend, dass der V8-Benziner und der Elektromotor auch gemeinsam – also als klassischer Hybridantrieb – das Porsche-Modell antreiben könnten. Gerade bei einer Marke, deren Produkte auf ein Leistungsmaximum abzielen, erscheint es als reizvoll, auf Wunsch die geballte Kraft beider Maschinen im Konzert einzusetzen.
Zylinderabschaltung ist ebenfalls Teil des Antriebs
Ein weiteres Detail erwähnt die Patentschrift: Demnach soll ein Teil des Verbrennungsmotors (eine der beiden Zylinderbänke) abschaltbar sein. Dieses Verfahren der Zylinderabschaltung dient dem Kraftstoffsparen und ist inzwischen bei diversen Herstellern erprobt. Hinzu kommt eine variable Ventileinstellung. Der V8 soll so während der Stromerzeugung "einen höheren Wirkungsgrad" erreichen, steht in der Patentschrift.
Interessant: Im weiteren Verlauf nennt das Dokument nicht nur eine V-Anordnung als mögliche Antriebsmaschine, sondern auch einen Boxermotor. Auch mit der Zahl der Zylinder nimmt Porsche es nicht so genau, es werden alternativ auch vier, sechs oder mehr als acht Zylinder genannt.

In einem alternativen Betriebsmodus ist die Hälfte der Zylinder abgeschaltet; der Motor versorgt nun über einen Generator den Elektroantrieb mit Strom.
Bild: Porsche AG
Die abschaltbaren Zylinder sollen sich von denjenigen, die in jedem Fall laufen, in der Beschaffenheit unterscheiden. Das könnte bedeuten, dass sie eine besonders reibungsarme Beschichtung erhalten, um während des antriebslosen Mitlaufens wenig Verluste zu erzeugen. Auch die Pleuellager könnten so ausgeführt sein. Im Text ist von keramischen Materialien die Rede.
Neu ist bei dem Antrieb die Kombinationsvielfalt
Der Antrieb erinnert in seiner Ausgestaltung entfernt an den ersten BMW i3, gebaut 2013 bis 2022. In einer Modellvariante "REx" (Abkürzung für Range Extender) ist ein Zweizylinder-Benzinmotor an Bord, der bei niedrigem Ladestand des Akkus anspringt und Energie für den Akku erzeugt, um so die elektrische Reichweite zu verlängern.
Allerdings kann beim i3 der Reichweitenverlängerer nur Strom für die Batterie generieren, er ist nicht mit den Antriebsrädern verbunden. Somit hat der patentierte Antrieb eine bisher unerreichte Kombinationsvielfalt. Darin ähnelt er dem neuartigen Hybridmotor, den kürzlich der weltgrößte Erdöl-Konzern Aramco vorgestellt hat.
Mehr Nachfrage nach E-Autos mit Range Extender
Auch andere Hersteller, zum Beispiel VW mit dem ID.Era 9X oder BMW befassen sich mit einem derartigen Antrieb. Die Zulieferer ZF und Magna haben ebenfalls Pläne in der Schublade. Eine gewichtige Rolle für diesen Trend spielt der chinesische Automarkt: Der Bedarf nach Autos mit Range Extender wächst dort, weil das Ladenetz nicht schnell genug ausgebaut werden kann, um in dem riesigen Land flächendeckend Lademöglichkeiten für E-Autos zu bieten.
Ob ein derartiger Antrieb jemals auf den Markt kommt bzw. als Teil der Motorenpalette von Porsche angeboten wird, ist allerdings offen. Mitunter werden Konstruktionen von Unternehmen auch nur zum Patent angemeldet, um Mitbewerbern die Vermarktung ähnlicher Entwicklungen zu erschweren oder ganz zu verstellen.
Fazit
Ist dieser Antrieb das Beste aus drei Welten? Hybridkonzepte mit Range Extender gibt es bereits einige. Wenn sich Porsche der Sache annimmt, lässt sich zumindest eines sagen: Da steckt mehr dahinter als bloße Spielerei. Insbesondere die Zylinderabschaltung zeigt, dass es hier um beinharte Effizienz geht. Nun ist abzuwarten, ob Porsche sein vielseitiges Antriebskonzept wirklich baut.
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