Als VW ihn 2017 präsentiert hat, sollte er für die Niedersachsen Amerika aus den Angeln heben. Ganz so weit ist es zwar vielleicht nicht gekommen. Doch während der lokale Passat schon lange wieder Geschichte ist und der ID.4 noch nicht viel mehr als eine Fußnote, hat es der Atlas mit mittlerweile einer Million Exemplaren zur tragenden Stütze im US-Programm geschafft – und ist so buchstäblich zu einer festen Größe geworden.
Deshalb fährt das Werk in Chattanooga jetzt auch mit Hochdruck die Produktion für die zweite Generation hoch, die noch in diesem Jahr in den Handel kommt und die Europäer endlich mal wieder etwas neidisch über den großen Teich blicken lässt. Mag ja sein, dass Washington uns den Blick nach Amerika mit seinen Irrungen und Wirrungen gerade ein wenig trübt. Aber zumindest in Tennessee wissen sie, wie man es besser macht und sich die Sehnsucht der alten Welt sichert.

Die besten Mittelklasse- und großen SUV im Test

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Komplette Liste: Die besten Mittelklasse- und großen SUV im Test
Denn während VW uns gerade den Touareg gestrichen hat und der zum Tayron aufgeblasene Tiguan mit sieben Sitzen die SUV-Sippe anführt, dürfen die Amis weiter in der Fünf-Meter-Klasse fahren und bekommen mit dem neuen Atlas wieder einen echten Big Mac serviert statt aufgewärmter Currywurst.

Großes Facelift statt echter Neuanfang

Wobei: So ganz knusprig ist die zweite Generation des US-Giganten freilich auch nicht gebraten. Sondern genau wie seine fernen Vettern auf unserem Kontinent nutzt er nur die nächste Evolutionsstufe des Modularen Querbaukastens (MQB) und ist deshalb streng genommen lediglich ein großes Facelift.
Doch zumindest das machen die Amis gründlich: Außen gibt es deshalb einen neuen Look, bei dem neue Lampen und der beleuchtete Grill für mehr Präsenz sorgen und die Bleche etwas prägnanter geprägt sind. Und drinnen haben sich die Controller nicht lumpen lassen und eine Handvoll Dollar für feinere Materialien freigegeben.
Außerdem spendieren die Niedersachsen dem Atlas ein neues Infotainment mit größeren Screens und zumindest ein paar mehr Knöpfen und Schaltern, mit denen die Bedienung wieder etwas besser wird, während die Smartphones jetzt wie bei uns zum Beispiel im Skoda Elroq mit MagSafe-Haltern geladen werden.
VW Atlas
Der neue Atlas bleibt ein Gigant: Über fünf Meter lang, drei Sitzreihen und jede Menge Platz für Familie und Gepäck.
Bild: VW
Was bleibt, ist das üppige Platzangebot: Bei 5,16 Meter Länge und 2,98 Meter Radstand sitzt man in der ersten Reihe fürstlich, in der zweiten noch ganz gemütlich, und selbst in der dritten können es anders als in unserem Tayron auch mal Erwachsene aushalten. Und wer mit dem Atlas auf einen Roadtrip geht, der bekommt zu seinen Koffern auch noch jede Menge Einkäufe hinter die große Klappe.

Entspannt unterwegs auf Amerikas Straßen

Apropos Roadtrip: Dafür eignet sich der Atlas auch wegen seines Fahrverhaltens. Klar gibt es bei VW handlichere Geländewagen und welche, die verbindlicher sind, die präziser lenken und strammer federn. Aber wer im Mutterland des Tempolimits mit kaum mehr als Standgas durch die Gegend gondelt und oft stundenlang im Auto sitzt, der wird die entspannte Art des Riesen schnell lieben lernen.
Gelassen rollt er über Highways und Byways, lässt sich auch von üblen Schäden im Asphalt nicht aus der Ruhe bringen und vermittelt dir dieses souveräne King-of-the-Road-Feeling, das mit der schieren Größe einhergeht, der erhabenen Sitzposition und dem lässigen Setup. In Chemnitz oder im Chiemgau mag der Atlas fehl am Platz sein. Aber rund um Chattanooga passt er perfekt.
VW Atlas
Frischer Look, neuer Innenraum: Der Atlas bekommt mehr Technik, bessere Materialien und ein modernes Infotainment.
Bild: T. Geiger
Zwar hat VW dem Auftritt nachgelegt und beim Ambiente, beim Antrieb aber eine Chance vertan. Denn auch beim vermeintlichen Generationswechsel feiert der schon vor rund zwei Jahren ausgemusterte V6 kein Comeback mehr, und es bleibt beim großen Vierzylinder.
Immerhin hat der ein bisschen an Leistung zugelegt, kommt jetzt auf 282 PS und geht mit bestenfalls 350 Nm so stramm zur Sache, dass er den seligen Sechszylinder auf dem Papier klar aussticht. Aber selbst wenn der 2,0-Liter alles besser macht als der alte 3,6-Liter, klingt er halt nicht ganz so souverän und streichelt die Psyche nicht ganz so schön.
Und ja, wenn VW bald auch in den USA den Hybrid einführt, wie es ihn bei uns jetzt in Golf und T-Roc gibt und Toyota jenseits des Atlantiks nahezu zum Standard für den Verbrenner gemacht hat, gibt's ein bisschen mehr Leistung und ein bisschen mehr Bums. Doch unter so eine große Haube gehört auch ein großer Motor. Wenn schon Big Mac, dann bitte richtig. Und nicht mit Brief und Siegel der Weight Watchers.

Ein Schnäppchen, das Europa verpasst

Das ist allerdings der einzige Vorwurf, den man den Niedersachsen machen kann. Außer vielleicht, dass sie auch weiterhin nicht im Traum daran denken, den Atlas zu uns zu bringen. Dabei startet er selbst nach einem Generationswechsel-Zuschlag von rund 1000 Dollar bei noch immer lachhaften 41.160 Dollar, die ihn spätestens beim Umrechnen zum Schnäppchen machen. Denn mit dann nicht einmal 37.000 Euro wäre er noch etwa 20 Prozent günstiger als ein Tayron.
VW Atlas
Schade für Europa: Der große VW-SUV bleibt weiterhin exklusiv für den nordamerikanischen Markt.
Bild: VW
Aber vielleicht ist genau das der Grund, weshalb er den Amerikanern vorbehalten bleibt. Und natürlich all denen, die im Urlaub nach dem richtigen Mietwagen fragen. Doch Vorsicht: Wer einmal mit dem Atlas durch Amerika gefahren ist, dem macht der Tiguan in Deutschland nur noch halb so viel Spaß.

Fazit

Der Atlas ist auch in schwierigen Zeiten ein gutes Stück Amerika, weil er viel Auto fürs Geld bietet und das Zeug zum Alltagshelden hat. Wer Präzision sucht, Performance und Prestige, der muss einen gebrauchten Touareg suchen. Aber wer einfach nur souverän und entspannt in einem großen Auto viel Strecke machen will, für den ist der freundliche Riese erste Wahl. Zumindest beim nächsten Urlaub in Amerika.