McLaren 720S: Vorstellung

McLaren 720S: Vorstellung

McLaren 720S McLaren 720S

McLaren 720S (2017) Test: Fahrbericht

— 03.05.2017

Schneller als die Konkurrenz

Der neue McLaren 720S tritt gegen Ferrari 488 GTB und Lamborghini Huracán an. AUTO BILD ist die neue Generation der "Super Series" schon gefahren!

Der Rennsitz Größe M kneift dem Fahrer ganz automatisch die Pobacken zusammen. Das superflache Dachfenster aus Panzerglas wandelt die Helmpflicht in eine vierseitige Haftungsausschluss-Erklärung. Die überfrachtete Mittelkonsole könnte auch als kniffliges Zeigefinger-Sudoku ihr Geld verdienen. Der Anschnallvorgang erinnert an einen Pilates-Grundkurs, aber dafür ist die Sicht aus dem gefühlt 35 Grad warmen Cockpit nach schräg hinten so ungetrübt wie Gin ohne Tonic. Sogar der Einstieg flutscht: hoch die Flügeltüre, rein mit dem rechten und dann mit dem linken Bein, grinsend abtauchen in die enge, strenge Kammer.

McLaren 720S leichter als die Konkurrenz

Das Kürzel 720S steht für 720 Turbo-PS – und das in einer Fahrmaschine, die exakt 1283 Kilo wiegt. Fast alle anderen Supersportler sind schwerer. Und weniger flink. Die 2,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h deuten an, was die 21,4 Sekunden von 0 auf 300 km/h in Szene setzen: eine Kampfansage an die Konkurrenz und an das innere Gleichgewicht. Schon bei 200 Sachen mischt das Großhirn auf dieser Piste Adrenalin mit mehr Mut als Vertrauen, pumpt das Blut im Stakkatotakt durch die Venen. Jetzt noch vier oder fünf langsame Kurven hart anbremsen, die Reifen wieder rund fahren, das zittrige Blickfeld glätten.

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Driften ist im McLaren 720S kein Problem

Das Cockpit ist dem Fahrer zugewandt, ganz neu ist die drehbare Tachoeinheit.

Der Kopf weiß, dass er den siebten Sinn nicht ausblenden darf und den Ehrgeiz unter Kontrolle haben muss. Er lernt die Strecke schneller als der Körper, der Runde für Runde am Timing und am Bewegungsablauf feilt. Weil Selbstdisziplin ein Unwort ist für von Neugier besessene Hooligans, dauert es nicht lang, bis sich die rechte Hand instinktiv durch das Touchscreen-Menu tastet, hin zum ESP-Off-Schalter, zur Variable Drift Control und damit zum wildesten aller Ausfallschritte. Bühne frei für Quietsch & Qualm, mit der Honigfaust aus 770 Nm im Nacken auch gerne im dritten Gang, am Kurvenausgang ratatatat über die Abweiser, bravo, nochmal und dann ab in die Box, denn bei 96,3 Liter Momentanverbrauch droht dem Vierliter-V8 der frühe Tod durch Verdursten.

Auch im Grenzbereich bleibt der 720S gutmütig

Das Heck erinnert an einen Mix aus Ferrari 458 Speciale und McLaren P1.

Der McLaren 720S ist das perfekte Auto zum sich ins Delirium fahren. Er nimmt dich behutsam an die Hand, verknüpft die Ideallinie mit dem Lenkrad, verlängert notfalls den Bremspunkt zur Ellipse, bleibt selbst im Grenzbereich geschmeidig und gutmütig. Es gibt böse Autos, die unvermutet auskeilen oder sich stur stellen, im Dialog zwischen Mensch und Maschine immer das letzte Wort haben müssen. Nicht so dieses Coupé, das stattdessen süchtig macht ob seiner Balance, den lückenlosen Rückmeldungen, den kehlig-kreischenden Volllast-Arien, der super-sensiblen Lenkung, dem Lakritz-Grip der Pirelli-Gummis und diesem körperlich stets präsenten Energievernichtsapparat aus Luftbremse hinten, fetten Verbundscheiben rundum und dem Stehvermögen eines Iron Man auf vier Rädern.

Ab Mai steht der 720S für 247.350 Euro beim Händler

In Runde 37 gehen die roten Lichter an, die Streckenposten schälen sich in Zeitlupe aus der Deckung, die McLaren Jungs füllen noch während der Auslaufrunde das Display mit Telemetriedaten. Der Blick in den Innenspiegel zeigt unter der Starkstrom-Frisur einen hochroten Kopf mit pulsierenden Schläfen, aber die Augen glänzen nach bis tief in die Nacht.

McLaren 720S (2017): Test

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Autor: Georg Kacher

Stichworte:

Supersportwagen V8

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