In fünf Tagen zum Motorrad-Führerschein

Motorradfahren: Schnell zum Führerschein

— 09.06.2017

Motorradfahrer in fünf Tagen

Intensivfahrschulen bieten Führerschein-Schnellkurse für Eilige an, auch fürs Motorrad. Redakteur Frank Rosin hat ausprobiert, wie sinnvoll so ein Crashkurs ist.

Plötzlich bin ich wieder 18. Ich stehe in einer Fahrschule, zum ersten Mal seit fast 32 Jahren. Im Frühjahr 1984, direkt nach dem Abi, machte ich den Pkw-Führerschein. Zwölf Wochen Theorie, zwölf Fahrstunden, 1200 Mark, das war damals meine Formel zum Erfolg. Motorradfahren? Viel zu gefährlich! Jetzt, mit knapp 50, bin ich im richtigen Alter dafür. Problem: Vollzeitjob, alleinerziehend, keine Zeit. Also muss ein Crashkurs her. "Ausbildung Klasse A in fünf Tagen" verspricht die örtliche Intensiv-Fahrschule. Von Montag bis Freitag jeweils vier Stunden Theorie plus zwei bis drei Fahrstunden. Kann das klappen? Es muss! Durchzufallen wäre echt peinlich, gerade als AUTO BILD-Redakteur.

Porsh 918 Spyder trifft BMW S 1000 RR

BMW S 1000 RR Porsche 918 Spyder BMW S 1000 RR Porsche 918 Spyder BMW S 1000 RR

Fünf mal vier Stunden Theorie: Einiges hat sich verändert, seit Rosin 1984 seinen Pkw-Schein gemacht hat.

Tag 1: Mit 13 Mitschülern sitze ich im Theorieunterricht. Die meisten machen Klasse B, also Pkw, und sind um die 18. Ein Endzwanziger lernt wie ich Motorrad. Der Theorielehrer ist ein lustiger Vogel. Ich frage mich allerdings, wie wir in fünf Tagen das dicke Übungsbuch schaffen wollen. Die Jüngeren kennen ja nicht einmal die Verkehrszeichen, an die ich mich drei Jahrzehnte lang gewöhnen konnte. Nachmittags die ersten zwei Fahrstunden, auf dem Übungsplatz. Fahrlehrer Heiko Schween erklärt mir die Fahrschul-Maschine, eine Kawasaki ER-6, 650 Kubik, 72 PS, 185 Kilo. Für mich noch ein Ungeheuer, das beim kleinsten Dreh am Gasgriff giftig aufheult. Anfahren, Kupplung schleifen lassen, schalten – ganz schön schwierig.

Tag 2: In der Theorie geht es um Verkehrsschilder und Straßenarten. In der Mittagspause am iPad ein paar Übungen. Praxis: Heute geht es direkt in den Stadtverkehr. Später, auf dem Übungsplatz, wieder die "Grundfahraufgaben": Stop-and-go, Gefahrbremsungen, Slalom, Ausweichmanöver. Bei Letzteren habe ich Schiss, traue mich nicht, zum Ausweichen den Lenker in die "falsche" Richtung zu drücken. Aber Heiko führt vor, und dann klappt es. Am Ende noch ein bisschen durchs Alte Land am Elbdeich entlanggefahren, schön langsam. Ich fühle mich schon ein bisschen sicherer auf dem Bock.

Coach Gülten Acikgöz bietet Schülern mit Prüfungsangst kostenloses Coaching an.

Tag 3: Schlecht geschlafen, um halb sechs aufgewacht. Heute will Heiko mit mir auf die Landstraße. Und gestern waren mir die 50 Sachen in der Stadt schon fast zu schnell. Theorieunterricht ist weiter entspannt. Die Nachmittags-Fahrstunden gehen direkt raus auf die Straße. Wohngebiet, 30er-Zone, verkehrsberuhigter Bereich, Landstraße. Habe noch kein Gefühl für Geschwindigkeit, 60 kommen mir irre rasant vor. Fahre kurz 100 – krass. Wie ich morgen die Autobahn schaffen soll, ist mir ein Rätsel. Nach den Fahrstunden nehme ich das Gratis-Coaching gegen Prüfungsangst in der Fahrschule mit. Eine halbe Stunde spreche ich mit Gülten über meine Ängste, hinterher fühle ich mich besser. Abends wieder iPad. Der Schwierigkeitsgrad steigt, meine Fehlerquote auch. Aber die falschen Aufgaben lassen sich systematisch wiederholen. Abends falle ich völlig platt ins Bett.

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Tag 4: Drei Fahrstunden vormittags. Zum ersten Mal Autobahn. 120 km/h – der reinste Wahnsinn! Aber es geht. Ich kriege Routine beim Fahren. Nach der Mittagspause dann vier Stunden spezielle Motorrad-Theorie. Zu Hause, als ich spätnachmittags am iPad die Prüfungsaufgaben übe, merke ich, wie erschöpft ich bin. Fertig mit den Nerven, ungeduldig mit meinen Kindern. Ich schlafe auf dem Sofa ein. Muss versuchen, morgen fit zu sein – und gehe extrafrüh ins Bett.

Tag 5: Es regnet in Strömen! Den Wetterbericht gecheckt: Für den Prüfungstag nächste Woche ist sogar Starkregen angesagt – na toll! Also Grundfahraufgaben noch einmal auf nasser Straße geübt. Dank ABS bekomme ich's ganz gut hin. Nur noch ganz selten erwische ich mich bei der Frage, ob ich zum Schalten den Fußhebel hoch- oder runtertreten muss. Motorrad-Theorie ist wieder sehr interessant, beispielsweise war mir vorher nicht klar, dass es zwei unterschiedliche Techniken gibt, Kurven zu fahren: legen oder drücken. Am Ende dieser Woche bin ich richtig k.o. Aber die Prüfungen nächste Woche will ich unbedingt bestehen!

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Prüfungen: Theorie ist einfach. Die iPad-Lernsoftware der Fahrschule ist identisch mit den offiziellen Prüfungsaufgaben. Also die gleiche, gewohnte Optik bei der Prüfung am amtlichen Tablet-Computer. Ich bestehe lässig mit null Fehlern. Vor der praktischen Prüfung habe ich mehr Respekt. Heiko empfiehlt eine weitere Fahrstunde direkt vor dem Termin, zum "Warmfahren". Obwohl es an dem Morgen nicht stark regnet, sondern nur nieselt, wollen mir die Ausweichmanöver anfangs nicht gelingen. Die Temperaturen liegen zehn Grad unter denen der Vorwoche, ich friere. In der Prüfung selbst setze ich bei der Grundfahrübung "Gefahrbremsung" den Fuß zweimal auf – Fehler! Doch der Prüfer ist nett und sagt: "Nun atmen Sie mal ruhig durch, das klappt schon!" Augenblicklich entspanne ich mich, und der Rest der Prüfung verläuft ohne Zwischenfälle. Nach einer Stunde halte ich meinen neuen Führerschein in der Hand. Geschafft! Jetzt bin ich Biker!

In fünf Tagen zum Motorrad-Führerschein

Autor:

Frank Rosin

Fazit

Eine Woche statt drei Monate, das ist die steile Abkürzung zum Führerschein. Aber sie ist mühsam. Und billig ist die Intensivausbildung auch nicht: Auch mit nur 14 Fahrstunden standen 1542 Euro auf der Rechnung. Trotzdem: Ich würde die gleiche Wahl wieder treffen! Vielleicht irgendwann beim Lkw-Schein.

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