Alles über Oldtimer-Kennzeichen

Oldtimer: Saison-, H- und 07-Kennzeichen – alle Infos

— 07.04.2017

Ab Oktober gibt's das "H" auch saisonal!

Oldie-Besitzer können sparen: Fahrzeuge mit H-Kennzeichen dürfen auch saisonal angemeldet werden. Jetzt ist der Temin raus! Alle Infos zum Oldtimer- und Saisonkennzeichen.

Künftig erlauben die Zulassungsbehörden die Kombination aus H-Kennzeichen und Saison-Kennzeichen! Das hat der Bundesrat entschieden. Damit muss für Oldtimer nicht mehr die pauschale Kfz-Steuer in Höhe von 191,73 pro Jahr bezahlt werden. Stattdessen ist eine Zulassung für zwei bis elf Monate möglich. Die Kfz-Steuer wird dann anteilig berechnet. Die neue Fahrzeug-Zulassungsverordnung, aus der die Änderung hervorgeht, tritt am 1. Oktober 2017 in Kraft. Das dürfte jeden freuen, der sein historisches Schätzchen im Winter eingemottet in der Garage abstellt. Wer seinen Klassiker beispielsweise für sechs Monate von April bis September anmeldet, zahlt künftig nur noch 95 Euro Steuer pro Jahr!

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'Saisonkennzeichen für Oldtimer: Wechseln Sie?'

In der im Februar 2017 verabschiedeten Drucksache 770/16 des Bundesrats heißt es: "Auch Oldtimerkennzeichen (...) können als Saisonkennzeichen zugeteilt werden." Laut Bundesgesetzblatt Nr. 14 vom 29. März 2017 tritt die Änderung am 1. Oktober in Kraft. Dann könnten Besitzer historischer Autos richtig Geld sparen, wenn sie ihren Oldie nur für die Sommermonate anmelden. Zumindest dann, wenn sie für ihr Fahrzeug mit einem regulären Kennzeichen mehr als besagte 191 Euro Kfz-Steuer pro Jahr bezahlt haben. War es weniger, ist ein übliches Saisonkennzeichen immer noch günstiger als ein H-Saisonkennzeichen. Auch wenn letzteres deutlich prestigeträchtiger ist. Das Ausse­hen der Kennzeichen ist bereits festgelegt: Sie tragen sowohl das "H" als auch dahin­ter die beiden Zahlen, die den Saisonzeit­raum eingrenzen. Vor dem "H" dürfen bei einzeiligen Kennzeichen maximal sieben Buchstaben und Ziffern stehen, etwa NWM-ND 24 oder HH AE-212.
Hier die wichtigsten Fragen und Anworten zu H- und Saisonkennzeichen:

Wer bekommt ein H-Kennzeichen?

Das H-Kennzeichen ist seit 1997 ein spezielles Kennzeichen für historische Fahrzeuge, die vor frühestens 30 Jahren erstmals zugelassen wurden und in einem guten, originalen oder zeitgenössisch restauriertem Zustand sind. Es sieht aus wie ein ganz normales Nummernschild, endet aber mit dem Buchstaben "H" (für historisch). Es bietet nicht nur für viele Oldtimer-Besitzer steuerliche Vorteile (es müssen nur pauschal 191,73 Euro pro Jahr Kfz-Steuer bezahlt werden, unabhängig von Hubraum und Verbrauch), sondern zeichnet den Kennzeichenträger als rollendes Kulturgut aus. Wer dieses besondere Kennzeichen möchte, muss ein Gutachten vorlegen, das belegt, dass das Auto nicht verbastelt wurde, das der Wagen weitestgehend original ist.

Reif fürs H-Kennzeichen: Klassiker von 1987

Was kostet die neue Regelung denn Staat?

Die Regierung geht davon aus, dass viele Oldie-Besitzer ihr Fahrzeug ummelden und die H-Zulassung auf die Sommermonate be­schränken, um außerhalb der Saison Kfz- Steuer und Versicherungsprämien zu spa­ren. Es sei "von einer großen Inanspruch­nahme dieser Kombination auszugehen", heißt es in der Verordnung des Finanzministeriums. Es erwartet Mindereinnahmen von 20 Millionen Euro jährlich.

Wieviel kann ich mit einem H-Kennzeichen sparen?

Für Diesel-Fahrer lohnt ein H-Kennzeichen schon ab 600 cm3 Hubraum, bei Benzinern ab 800 cm3. Soviel können Sie sparen:
Vergleich Kfz-Steuer: Reguläres Kennzeichen — H-Kennzeichen
Hubraum (cm3) 600 800 1200 1400 2000 3000
Steuer für Benziner (Euro / Jahr) 152,16 202,88 304,32 355,04 507,20 760,80
Steuer für Diesel-Pkw (Euro / Jahr) 232,68 310,24 465,36 542,92 775,60 1163,40
Steuer mit H-Kennzeichen (Euro / Jahr) 191,73
Differenz Benziner (Euro / Jahr) +39,57 -11,15 -112,59 -163,31 -315,47 -569,07
Differenz Diesel-Pkw (Euro / Jahr) -40,95 -118,51 -273,63 -351,19 -583,87 -971,67
Quelle: GTÜ

Wem nützt ein Saisonkennzeichen?

Mit einem Saisonkennzeichen können Autos für zwei bis elf Monate pro Jahr zugelassen werden, die Kfz-Steuer wird anteilig berechnet.

Ein Saisonkennzeichen ist sinnvoll für alle, die nicht das ganze Jahr mit dem Auto fahren wollen, sondern beispielsweise nur im Sommer. Gerade Oldtimer sind im Winter wegen Frost und Streusalz ja besser in der Garage aufgehoben. Möglich ist eine Zulassung zwischen zwei und elf Monaten, die Kfz-Steuer wird anteilig berechnet. Von wann bis wann das Kennzeichen gültig ist (z. B. 04/10 vom 1. April bis 31. Oktober) steht am rechten Rand des Kennzeichens. In diesem Zeitraum ist das Fahrzeug zugelassen.
Alle Infos zum Saisonkennzeichen

Wie bekomme ich ein H-Gutachten?

Das Gutachten ist eine hohe Hürde. Denn: Obwohl im Jahr 2011 die "Richtlinie für die Begutachtung von Oldtimern nach § 23 StVZO" geändert wurde, ist nach wie vor nicht eindeutig festgelegt, welche Voraussetzungen ein Auto genau mitbringen muss, um eine positive Beurteilung zu bekommen. Grundsätzlich gilt: Der Zustand muss gut sein, und die Hauptbauteile müssen im Originalzustand oder zumindest zeitgenössisch ersetzt worden sein. Vor allem letzteres ist aber nicht genau definiert. 

Reif fürs H-Kennzeichen: Klassiker von 1985

Nimmt man die Richtlinie wörtlich, dürften Fahrzeuge mit Edelstahl-Auspuff kein H-Kennzeichen bekommen.

Experten bemängeln, dass in der Richtlinie zur Beurteilung wiederholt Begriffe wie "Originalausführung" auftauchen, die der Text jedoch nicht erläu­tert. Denn: Originalausführung meint eigentlich ein Bauteil in seiner ersten, ur­sprünglichen Form. Das schließt, genau genommen, Nachbauten aus, auch originalgetreue. Noch dazu, weil diese an einigen Stel­len der Richtlinie ausdrücklich erwähnt werden. Je nach Gutdünken des Prüfers kann also das Gutachten auch negativ ausfallen, wenn beispielsweise der Motor zwar ein historisch korrekter, aber nicht der ursprünglich verbaute ist. Missverständlich ist in der Richtlinie beispielsweise der Passus, der den Umgang mit den Abgasanla­gen beschreibt: Waren bislang originalgetreue Nachbauten auch in Edelstahl zulässig, fehlt in der neuen Richtlinie das Wort "auch". Liest man genau – was bei Richt­linien erwünscht sein sollte –, dürfte es keine H-Zulassung ge­ben, wenn nun ein simpler Er­satz-Auspufftopf aus Stahlblech montiert wurde. Das war sicher nicht gewollt.

Was genau wird für's H-Kennzeichen begutachtet?

Erstellen kann so ein Gutachten seit 2007 jeder geschulte Prüfingenieur. Zur Begutachtung gehört eine Untersuchung im Umfang einer Hauptuntersuchung sowie eine Beurteilung des Pflege-/Erhaltungszustands des Gesamtfahrzeugs und die Originalität seiner Hauptbaugruppen. Dazu gehören:
● Aufbau/Karosserie
● Rahmen/Fahrwerk
● Motor/Antrieb
● Bremsanlage
● Lenkung
● Räder/Reifen
● elektrische Anlage
● der Fahrzeuginnenraum


Ein Sonderfall sind getunte Fahrzeuge. Wurde das Tuning vor mindestens 30 Jahren durchgeführt und spiegelt den damaligen Tuning-Stil wider, kann das Fahrzeug durchaus als "automobiles Kulturgut" gelten, auch wenn es sich nicht im Originalzustand befindet. Grundsätzlich ist in so einem Fall auch die Ausgabe eines H-Kennzeichens möglich.

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Welche Abweichungen vom Originalzustand sind erlaubt?

Ausnahmen bestätigen die Regel. Welche das genau sind, ist allerdings recht eng definiert. Laut GTÜ sind erlaubt:

● Änderungen am Fahrzeug, die nachweislich innerhalb der ersten zehn Jahre nach Erstzulassung oder gegebenenfalls Herstellungsdatum erfolgt sind oder hätten erfolgen können und damit zeitgenössisch sind
● technische Änderungen, die innerhalb der Fahrzeugbaureihe bereits für zulässig/möglich erklärt wurden
● nicht zeitgenössische Änderungen, die nachweislich vor mindestens 30 Jahren durchgeführt wurden

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Wie kann ich beweisen, dass Änderungen zeitgenössisch sind? 

Glücklich ist, wer Unterlagen aufbewahrt hat, beispielsweise Originalprospekte, die besondere Felgen zeigen. Auch Betriebsanleitungen, damalige Herstellerfreigaben oder historische Gutachten eignen sich für den Nachweis der Originalität. Bei der Frage der erlaubten Felgengröße ist die Kopie eines alten Kfz-Scheins hilfreich, auf dem sie vermerkt sind. Wer so etwas nicht zur Hand hat, kann in Archiven stöbern: Auch Presseveröffentlichungen wie z.B. Fahrberichte, in denen das jeweilige Detail erwähnt wird, können als Beweismittel dienen. Der Fahrzeugbrief (oder Zulassungsbescheinigung Teil II) eines anderen Fahrzeugs desselben Typs kann auch helfen, den Prüfer von der Zulässigkeit der Änderungen zu überzeugen.

Was kostet ein H-Kennzeichen?

Das Erteilen eines H-Kennzeichens kostet rund 200 Euro. Bezahlt werden müssen:
● das Gutachten, etwa 100 Euro (variiert je nach Fahrzeugart)
● die Hauptuntersuchung, etwa 70 Euro
● die Zulassung, etwa 30 Euro, ggf. plus Kosten für ein Wunschkennzeichen (12,80 Euro)
Außerdem muss das Fahrzeug versichert werden, einige Versicherungen bieten für Oldies spezielle Tarife an.

Dürfen historische Fahrzeuge in Umweltzonen fahren?

Ja, dürfen sie! Laut Paragraph 2 Nr. 22 ist es historischen Fahrzeugen erlaubt, sich auch ohne Umweltplakette innerhalb der Umweltzone zu bewegen.
Mehr zum Thema Umweltzone und blaue Plakette

Müssen H-Autos auch Pkw-Maut bezahlen?

Ja, und zwar den Höchstsatz, also 130 Euro pro Jahr. Allerdings werden die mit der Kfz-Steuer von 191 Euro verrechnet. Das BMVI begründet das damit, dass Oldtimer "typischerweise hohe Schadstoffemissionen" haben und normalerweise Bundesfernstraßen "uneingeschränkt" nutzen können. Bei Fahrzeugen mit Saisonkennzeichen wird die Infrastrukturabgabe anteilig berechnet – wer sein Auto für sechs Monate anmeldet, zahlt dementspechend 65 Euro pro Jahr.

Für wen lohnt sich kein H-Kennzeichen?

Für Benziner mit weniger als 800 cm3 Hubraum lohnt der Umstieg auf's H-Kennzeichen steuerlich nicht.

Aus steuerlichen Gründen haben viele Oldtimerbesitzer bislang aufs prestigeträchtige H-Kennzeichen verzichtet. Der Grund: Für jedes Auto mit H-Zulassung zahlte der Halter pauschal 191 Euro im Jahr, unabhängig von Abgasnorm und Hubraum – das heißt, für Benziner-Kleinwagen bis 800 ccm Hubraum, beispielsweise also eine BMW Isetta, ist eine normale Zulassung günstiger. Das ändert sich auch mit der neuen Änderung des H-Saisonkennzeichens nicht, denn auch anteilig gerechnet bleiben Hubraum-Zwerge mit regulären Saisonkennzeichen günstiger. Für die Halter aller Autos bis 1,3 Liter Hubraum, die bisher mit einer Siebenmonats-Zulassung als Saisonkennzeichen fuhren, dürfte sich der Umstieg auf's H-Saisonkennzeichen lohnen. Dann würde der anteilige Steuer-Betrag unter 191 Euro fallen.
Rechenbeispiel Opel Kadett A
Bisherige Regelung ohne Saison-Zulassung: Für einen 1965er Opel Kadett mit 996 cmm fallen pro Jahr 252 Euro Kfz-Steuern an. Mit Saisonkennzeichen von April bis Oktober müssen 147 Euro bezahlt werden – also deutlich weniger als die 191 Euro fürs ganzjährige H-Kennzeichen.
Neue Regelung mit möglicher Saison-Zulassung: Wird derselbe Kadett A mit H-Kennzeichen für sieben Monate zugelassen, muss der Besitzer nur 111 Euro bezahlen. Ein unterjähriges H-Kennzeichen würde sich also lohnen!

Wie viele Fahrzeuge tragen H-, 07- und Saisonkennzeichen? 

Nach einer aktuellen Statistik des Kraftfahrzeug-Bundesamtes (KBA) waren in Deutschland zum Stichtag 1.1.2017 insgesamt 430.590 Kfz und Kfz-Anhänger mit einem Historienkennzeichen zugelassen, das ist ein Plus gegenüber 2015 von 10,9 Prozent. Rund 60.000 rote 07-Nummern sollen vergeben sein. Weil Experten davon ausgehen, dass die Nummer im Schnitt für drei Fahrzeuge
benutzt wird, dürften etwa 180.000 Fahrzeuge mit roter 07er-Nummer fahren. Mit Saisonkennzeichen waren laut KBA knapp 2,3 Millionen Fahrzeuge unterwegs.

Ist das rote 07er-Kennzeichen eine Alternative?

Mehrere historische Fahrzeuge eines Halters können ein 07er-Kennzeichen führen, aber die Nutzung ist eingeschränkt.

Kommt darauf an. Das 1994 eingeführte rote Oldtimer-Kennzeichen (auch 07er-Nummer genannt) ist gedacht für die wechselnde Verwendung an mehreren, mindestens 30 Jahre alten Fahrzeugen einer Fahrzeugart (Motorrad oder andere Kfz), die die gleichen Voraussetzungen erfüllen müssen wie für ein H-Kennzeichen (guter, originalgetreuer Zustand). Im Unterschied zum H-Kennzeichen ist keine regelmäßige HU nötig, aber die Nutzung ist stark eingeschränkt. Nutzung des 07er-Kennzeichens: Derart eingestufte Fahrzeuge sind nicht generell zugelassen. Sie dürfen nur bewegt werden zur Teilnahme an Oldtimerveranstaltungen, Probe- und Überführungsfahrten, oder Fahrten zur Werkstatt. Fahrten zur Arbeit oder zum Supermarkt sind nicht erlaubt. Bei Missbrauch kann die rote 07er-Nummer entzogen werden. Wer mehrere Fahrzeuge besitzt, die er aber jeweils nur zwei Mal im Jahr zu einer Klassik-Rallye oder einer Oldtimer-Schau fahren möchte, ist mit einem roten Oldtimer-Kennzeichen gut bedient. Wer mit dem historischen Fahrzeug einfach so eine Ausfahrt machen will, kann es nicht mit der 07er-Nummer tun. Die Kfz-Steuer für das rote Oldtimer-Kennzeichen beträgt wie beim H-Kennzeichen pauschal 191 Euro pro Jahr (46 Euro für Motorräder).

Müssen Halter für 07er-Nummern die Pkw-Maut bezahlen?

Unter Verweis auf §2 Abs. I Nr.1 des Gesetzentwurfs hat das Bundesverkehrsministerium entschieden, dass Autos mit roten 07er-Kennzeichen mautfrei fahren.

Infos: H-Kennzeichen und 07er-Nummer



Autor: Maike Schade

Stichworte:

H-Kennzeichen Oldtimer

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