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Artz Cordett: Opel Kadett E GSi, Chevrolet Corvette C4

Dieser Opel Kadett GSi ist tatsächlich eine Chevrolet Corvette C4

Der Artz Cordett sieht auf den ersten Blick aus wie ein Opel Kadett E GSi. Doch unter der aufwändig umgebauten Karosserie steckt eine Chevrolet Corvette C4. AUTO BILD KLASSIK erzählt dessen Geschichte.
Am Ende wurde sogar Hand an das GSi-Emblem gelegt. Auseinandergenommen und in die Breite gezogen, wurde es wieder fein säuberlich am Kühlergrill montiert, damit es zu den neuen Proportionen passt. Damit der Cordett, der eine Corvette C4 im Look eines Kadett E ist, ganz lebensecht und unauffällig nach Opel aussieht. Wer macht so was? Und warum?
Die erste Frage lässt sich leichter beantworten als die zweite. Es war Günter Artz aus Hannover. Und er hat diesen krassen Umbau vermutlich einfach deshalb durchgeführt, weil er es kann konnte. Und wohl auch, weil es ihm Spaß machte, viel Leistung und Tempo entgegen allen Tuningregeln betont unauffällig zu verpacken und so den Überraschungseffekt zu maximieren.
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1969 begann Günter Artz mit dem VW "Nordstadt-Express"

Der 5,7-Liter-V8 der Corvette sitzt weit hinten. Artz hat das Aggregat bei Spezialist Callaway tunen lassen.

©Roman Raetzke / AUTO BILD

Als Günter Artz 1989 den Cordett erfand, war er mit dieser Masche schon seit 20 Jahren im Geschäft. Immer ging es um viel PS bei zahmem Auftreten, um den Wolf im Schafspelz. 1969 schuf Artz als Geschäftsführer des VW-Autohauses Nordstadt in Hannover den "Nordstadt-Express", einen viertürigen VW 411 mit 911-Motor im Heck. Drei Jahre später kombinierte Artz das Chassis eines VW Porsche 914/6 mit der Karosserie eines Käfer 1302 und dem 190-PS-Motor eines 911 S, nur um kurz darauf mittig das Triebwerk eines 911 Carrera RS 2.7 zu installieren. Stärker ging es nicht, selbst wenn das Ganze erst mal kaum auffiel.

Vorgänger des Cordett war der Art Golf 928

Im Innenraum offenbart sich der Ami-Sportler seinen Kennern auf den ersten Blick.

©Roman Raetzke / AUTO BILD

Als direkter Vorgänger des Cordett darf der ganz ähnlich gestrickte Artz Golf 928 gelten. Auf Fahrgestell und grundlegender Karosseriestruktur eines verunfallten Porsche 928 baute Günter Artz 1979 einen 240 PS starken XXL-Golf, der serienmäßig aussah, in Wirklichkeit aber 21 Zentimeter breiter und gut 30 Zentimeter länger war als die VW-Vorlage. Gestoppte 232 km/h ging der Hybride im Test, als Preis wurden 150.000 Mark genannt – ein ab 1980 verfügbarer 928 S mit 300 PS kostete neu rund die Hälfte. Kein Wunder, dass nur zwei Artz Golf 928 gebaut wurden. Weitere Umbauten folgten: VW Jetta Cabrio, "Sciwago"-Sportkombi , Audi quattro Limousine sowie 200 5T und 928 S Kombi. 1980 verließ Günter Artz VW und eröffnete zwei Jahre später in der Vahrenwalder Straße 236, in Sichtweite seines alten Arbeitsplatzes, das Autohaus Opel Blitz. Das schlug ein! Jetzt baute er mit erprobten Fachleuten aus alten Nordstadt-Tagen Autos wie Senator Caravan und Corsa mit GTE-Motor und 115 PS.

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Komplizierter Bau des Artz Cordett

Wer nicht genau genug hinsieht, der erkennt im Artz Cordett nicht sofort den V8-Kraftprotz.

©Roman Raetzke / AUTO BILD

Mit dem Kauf eines nagelneuen Corvette Cabrio bereitete Artz Ende 1986 die nächste Eskalationsstufe vor: den Cordett. Schon dass bis zur Zulassung drei Jahre vergingen, beweist, dass es dieses Mal komplizierter war. Die erste handgearbeitete Front, die nach durchschnittlichem Kadett E aussah, erzeugte zu viel Auftrieb – also wurde sie umgearbeitet im Stil des GSi und mit passendem Spoiler. Natürlich ist die riesige einteilige Wagenfront aus Blech länger als beim Serien-Kadett, weil der 5,7-Liter-V8 weit nach hinten gerückt kurz vor der Frontscheibe liegt. Auch am Heck gerieten die Proportionen durcheinander. Wo beim Kadett E in jeder Ecke ein Rad steht, trägt der Cordett einen Überhang, in dessen Boden der Tank liegt. An der grundlegenden Struktur der Corvette ließ sich nicht rütteln, auch wenn der Cordett rund 30 Zentimeter kürzer und 20 höher als die C4-Basis ist.

Tuner Callaway steigerte die Leistung auf 306 PS

Aus dieser Perspektive sieht man die Breite und die einzigartigen Überhänge des Cordett.

©Roman Raetzke / AUTO BILD

Am Ende war es wie beim Artz-Golf: Die Heckklappe wurde aus zwei Serienteilen zusammengesetzt, und in der zweiten Reihe fanden Porsche-928-Rücksitze Platz. Nur die Türen blieben Serie. Anders als bei vorherigen Projekten ließ Günter Artz sogar Hand an den Motor legen. Mit bearbeiteten Köpfen, einem neuen Ansaugtrakt und Krümmern steigerte Tuner Callaway die Leistung des V8 auf 306 PS bei 4600/min, rund 70 PS mehr als beim Serienmotor. Dass die spitze Leistungscharakeristik des vorwärtsdrängenden Smallblocks in den vier Stufen der zahmen Automatik versackt und den verwirrend groß und finster wirkenden Übergrößen-Kadett eine spürbare Anfahrschwäche plagt, ist ein zu vernachlässigender Kunstfehler. Der Cordett ist mehr Kunstwerk als Auto, ein Statement in Understatement. Bei niedrig geschätzten Kosten um die 240.000 Mark war der Corvette-Kadett auch immer zum Einzelschicksal verdammt.

*Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und zu den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen und gegebenenfalls zum Stromverbrauch neuer Pkw können dem "Leitfaden über den offiziellen Kraftstoffverbrauch" entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der "Deutschen Automobil Treuhand GmbH" unentgeltlich erhältlich ist (www.dat.de).

Fotos: Roman Raetzke / AUTO BILD

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