Schnellladesäule von EnBW

So groß ist die Reichweite von E-Autos

Elektroautos: Schnellladen, Kosten, Leistung, kW, Ladepunkte

Elektromobilität: So steht es ums Schnellladen in Deutschland

Ionity, Tesla Supercharger, einzelne Anbieter: Beim Schnellladen tut sich was. Bald soll ein Deutschlandnetz von 1000 Schnellladestationen folgen – mit einer Preisobergrenze. Übersicht!

Was als Schnellladen gilt

Schnelles Laden ist ein wichtiges Kriterium für Kunden bei einem möglichen E-Autokauf (oder lieber Leasen?). Der Grund ist klar: Wer nicht nur in der Stadt unterwegs ist, sondern auf Strecke geht, will keine langen Pausen mit dem Aufladen verbringen. Schnellladen beginnt bei 22 Kilowatt (kW) Ladeleistung und reicht mittlerweile bis zu 350 kW. Das schnelle Laden stellt durch den hohen Ladestrom eine besondere Belastung für das Material dar.
Beim Schnellladen dauert das Laden für 100 Kilometer Reichweite nur wenige Minuten. Als Zielzeit gilt ein voller Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent (State of Charge/SOC) in weniger als 20 Minuten. Neben der Leistungsfähigkeit der Ladestationen ist auch das Batteriemanagement der Elektrofahrzeuge enorm wichtig. Wegen der Bedeutung kurzer Ladezeiten bieten große Autohersteller sowohl einzeln als auch im Verbund, aber auch unabhängige Anbieter Ladepunkte zum Schnellladen an (hier ist eine Übersicht der Ladetarife).

1000 geförderte Schnelllader mit Preisdeckel

Der Bund fördert über seine Nationale Leitstelle Infrastruktur das öffentliche Schnellladen mit insgesamt zwei Milliarden Euro. Bis Ende 2023 soll das sogenannte Deutschlandnetz entstehen: Stromtankstellen mit mehreren DC-Ladepunkten an 1000 Standorten, 200 davon an Autobahnen. Unternehmen können sich für den Aufbau und Betrieb im Losverfahren bewerben. Der Bund unterstützt finanziell und kassiert zunächst acht Jahre lang den Großteil der Einnahmen. Laut Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sollen E-Autofahrer künftig überall die nächste Schnellladesäule in zehn Minuten erreichen können.
Noch wichtiger für den Verbraucher: Ladeleistungen bis 300 kW müssen vor Ort ermöglicht werden. Der Preis pro Kilowattstunde Ladestrom soll maximal 44 Cent betragen, allerdings ist dies laut Ausschreibung eine "atmende Preisobergrenze", die an Inflation und Preisentwicklung auf dem Strommarkt angepasst werden kann. Zum Vergleich: Im engmaschigsten Netz EnBW mobility+ kostet 1 kWh Schnellladestrom 46 Cent plus 5,99 Euro monatliche Grundgebühr. Im Verbund Ionity (s. u.) ist man sogar mit happigen 79 Cent/kWh dabei (Große Übersicht: Das kostet öffentliches E-Auto-Laden). Ein Kilowatt Hausstrom für deutlich langsameres Laden kostet derzeit rund 31 Cent.

Ionity-Netzwerk im Aufbau

400 Schnellladeparks von Ionity soll es bald in Europa geben, 101 davon in Deutschland.

©DPA

Für den Aufbau eines eigenen Schnellladenetzes gründeten die deutschen Autobauer Volkswagen (VW, Audi und Porsche), Mercedes und BMW (mit Mini) zusammen mit Ford das Joint Venture Ionity, seit Herbst 2020 ist die Hyundai Motor Group mit beteiligt. Das Gemeinschaftsunternehmen stattet Fernreiserouten in Nord-, Mittel- und Südeuropa mit HPC-Ladern (High Power Charger) aus. Geplant sind 400 Ladeparks mit durchschnittlich sechs Ladepunkten, derzeit sind nach eigenen Angaben 361 in Betrieb und 39 im Aufbau. Ionity verwendet den europäischen CCS-Standard und verspricht Ladeleistungen von bis zu 350 kW. Damit ist nach Angaben des Unternehmens das Laden von 50 kWh in neun Minuten möglich. Abschreckend ist jedoch der saftige Preis von 79 Cent pro kWh Strom.

Die Ladetarife unabhängiger Anbieter beim Schnellladen

Dem E-Mobility Excellence Report, einer großen europäischen Preisstudie, zufolge ermöglicht das Schnellladenetz in Deutschland, Österreich und der Schweiz bereits jetzt elektrische Langstreckenmobilität. In einem Ranking unabhängiger Anbieter von Schnellladepunkten (HPC) bietet mobility+ von EnBW mit 3150 angebundenen Ladepunkten das engmaschigste Netz. Auf den Plätzen folgen Shell Recharge (3080 Ladepunkte) sowie EinfachStromLaden von Maingau Energie (2790 Ladepunkte) auf Rang drei.

Fastned plant eigene Ladestationen an Autobahnen

Der niederländische Anbieter Fastned will mit eigenen Schnellladern in Deutschland expandieren.

©Fastned B.V.

Der niederländische Anbieter Fastned kündigte mit Blick auf das sich abzeichnende Schnellladegesetz bereits Anfang Mai an, in Deutschland kräftig zu expandieren: Ladestationen mit Dutzenden Schnellladepunkten plant Fastned entlang der Autobahnen. Bereits jetzt betreibt Fastned 22 Ladestationen in Deutschland, 148 in ganz Europa. Der Anbieter ist eigenen Angaben zufolge der größte Betreiber von Schnellladestationen in seinem Heimatmarkt. Im Mittelpunkt der Expansionspläne steht neben dem Laden von E-Autos die Bequemlichkeit der Reisenden: So sollen die Ladepunkte überdacht sein und in ihrer Anmutung modernen Tankstellen gleichen.

Tesla Supercharger: Mehr als 100 Standorte in Deutschland

Tesla hat mit seinen Superchargern in Sachen Schnellladen noch immer die Nase vorn.

©Jens Wolf

Weiter ganz vorne ist Tesla. Die Amerikaner haben nach eigenen Angaben bereits ein Netz von 25.000 Superchargern an rund 2500 Standorten weltweit aufgebaut. Mehr als 100 Standorte befinden sich in Deutschland. Beim Ausbau sollen neben den bislang bevorzugten Autobahnen und Schnellstraßen mehr und mehr auch urbane Regionen berücksichtigt werden. Teslas Supercharger arbeitet mit 480-V-Gleichspannung, einer Leistung zwischen 70 kW und 250 kW und einem eigenen Stecker. Seit Ende 2019 gibt es einen Adapter für andere Ladesysteme, mittlerweile wird in Deutschland auch das gängige CCS (Combined Charging System) verbaut. Die neue Supercharger-Generation V3 verspricht – bei entsprechender Ladetechnik im Auto – eine Ladezeit von fünf Minuten für 120 Kilometer Fahrt.

Schnelllade-Tests von Porsche, BMW und Siemens

Im Rahmen des Projekts FastCharge ("Schnellladen") präsentierten Porsche und BMW Ende 2018 auf einem Autohof an der A8 in Schwaben eine Ultra-Schnellladesäule mit einer Leistung von bis zu 450 kW. Der Prototyp zeigte an zwei Elektro-Forschungsfahrzeugen eine volle Ladefüllung binnen 15 Minuten. Das Ladesystem von Siemens ist geeignet für Batteriesysteme mit 400 Volt wie auch mit 800 Volt, wie beispielsweise beim Porsche Taycan und dem Hyundai Ioniq 5 verbaut.

Fotos: DPA

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