Harley-Davidson Pan America 1250: Fahrbericht

So fährt die brandneue Gelände-Harley

Harley-Davidson will den Markt der dicken Reise-Enduros aufmischen und mit der Pan America 1250 der BMW R 1250 GS Konkurrenz machen. Geht das auf? Fahrbericht. Dazu passend: die neue AUTO BILD MOTORRAD.
Platz da! Oder besser: Get out of my way! Denn so kommt sie rüber. Die Harley-Davidson Pan America 1250 wirkt. Stattlich, präsent, ein mächtiges Stück Metall, ein selbstbewusster Haufen Maschinenbau. Das muss so sein. So ist die Liga. Die Liga der großen Reise-Enduros rund um BMW R 1250 GS, Ducati Multistrada und KTM Super Adventure. Diese Groß-Enduros sind durch die Bank fahrende Hightech-Hochsitze mit prallem Prestige und besten Allround-Eigenschaften
Reisen, kraxeln, buckeln, Alpenpässe abhaken - das beinhaltet schon ihre Grundausbildung. Die BMW GS ist unter anderem dank ihrer Vielseitigkeit das meistverkaufte Motorrad in Deutschland. Klar, dass Harley von diesem Kuchen ein Stück abhaben möchte. Die Prophezeiung von AUTO BILD MOTORRAD: Auf dem Teller der Amis werden nicht nur ein paar Krümel landen. Die Pan America hat die richtigen Anlagen, die richtige Selbstdarstellung, den richtigen Preis.

Die Pan America hat einen tollen Motor und ein präzises Getriebe

Der tolle Motor und das hervorragend abgestimmte Getriebe sind zwei Highlights dieser Harley.

©Wim Woeber / AUTO BILD

Der 1250 Kubik große Zweizylinder mit 152 PS der Pan America glänzt mit einer großen Bandbreite. Aus dem Drehzahlkeller legt er saftig los. Dann kommt eine ebenso weiche wie kraftvolle Mitte. Und das Auswringen bis in den roten Bereich hinein scheut der Motor ebenfalls nicht. Zwei Ausgleichswellen zähmen die Massenunruhen. Der Motor arbeitet kultiviert und dennoch kernig genug für diese Hubraumliga. Klasse: Im Modus Sport reißt der Revolution-Max-Motor schon bei leichtem Gasgeben mit vollem Eifer an der Kette, geht am Ende herrlich meckernd in den Drehzahlbegrenzer. Ganz anders im Regenmodus. Da portioniert die Steuerelektronik der Drosselklappenelemente die Newtonmeter angenehm sanft in Richtung Antrieb.
Motorradbekleidung bei Amazon

Shoei GT-Air Wanderer 2 Motorradhelm

Preis*: 329,00 Euro

Alpinestars Motorradjacke mit Protektoren

Preis*: 242,45 Euro

Dainese-MIG C2 Unisex Handschuhe

Preis*: 76,45 Euro

Büse Stream Nierengurt

Preis*: 17,45 Euro

Spirit Motors Motorrad-Jeans

Preis*: 87,49 Euro

Daytona Arrow Sport GTX Gore-Tex Motorradstiefel

Preis*: 253,82 Euro

*Preise: Stand 12.01.2021
Wirklich gelungen: Das Getriebe schaltet sich extrem sauber und angenehm schlüssig rastend. Man hört sie Mechanik, spürt sie aber nie unangenehm kratzend unter dem Fuß. Schade dagegen: Der V2 klingt nach - sagen wir es ruhig in aller Deutlichkeit – nüscht! Voluminöse Bass-Tonarten oder sonst irgendein zorniges Grollen hat Harley mit der Pan America nicht einstudiert. Dafür waren die Amis mit ihr im Fitnessstudio. Fünf Zentner auf dem Papier? Wo sind die oberhalb von Schrittgeschwindigkeit? Ist die Groß-Enduro nur minimal in Schwung, geht das große Staunen los. Du kannst Sie so richtig vorwärts dreschen, dir den Kurveneingang entschlossen vorknöpfen, beherzt ankern. Die Pan America steckt das Tempo souverän weg.

Man sitzt auf der Gelände-Harley – und gleichzeitig mittendrin

On- und Offroad thront der Pilot nicht einfach nur obendrauf, er sitzt mittendrin in der Maschine.

©Wim Woeber / AUTO BILD

Autobahn, 200 km/h aufwärts, voll am Gas, dazu leichte Schräglage: Hier zuckt, pendelt, stampft nichts. Dazu hat Harley die Fahrregelung fehlerfrei programmiert. Schlupf am Ende der Kehre filtert die Elektronik fein und schnell, doch nie unpassend streng heraus. In Schräglage taucht die Pan America angenehm verbindlich ab. Sie sackt dabei nicht übereifrig über ihr Gewicht runter, taucht auch nicht lustlos in die Biegung – sie neigt sich eher würdevoll herab, nimmt ganz verbindlich zum Radius passend eine stoische Schräglage ein. Es ist ein gigantischer Spaß, den Brocken so feinviskos schnell gefahrene Landstraßenwindungen entlangfließen zu lassen. Auch, weil man oben auf und gleichzeitig mitten in der Maschine sitzt, trotz der aufrechten Position und des reisetauglichen Kniewinkels sämtliche Manöver mitfühlt.
Hinter der einstellbaren Frontscheibe finden Fahrer bis ca 1,80 Größe besten Windschutz – größere Piloten sollten die höhere Scheibe aus dem Zubehör bestellen, sonst taumelt der Helm im lauten Wirbelbereich oberhalb der Plexiglaskante. Schade: Die Einstellmechanik des Schildes ist ausgeklügelt konstruiert, jedoch schwer zu erreichen und wirkt bei starkem Gegenwind nur mäßig spielfrei in ihren Kunststoffbuchsen geführt. Um die kleinen Meckereien zu vervollständigen: Die Fahrmodus-Taste finden Daumen oder Zeigefinger nur unter Verrenkungen der rechten Hand, und das hintere Sitzpolster dürfte sich gern fester an seine Unterschale klammern.

Die Pan America zu fahren gleicht einem Fest

AUTO BILD MOTORRAD prophezeit, dass diese Harley mit relativ wenig Mühe viele Fans finden dürfte.

©Wim Woeber / AUTO BILD

Der Rest: ein Fest. Der Kupplungshebel (Seilzug) möchte mit strammer Faust gezogen sein, dosiert dann aber schön feinfühlig in Richtung Kraftschluss. Die Bremsen können sowohl unter leichter Bedienkraft kultiviert anlegen, als auch bei strenger gezogenem Handhebel wuchtig beißen. Die Federung arbeitet zudem feinfühlig, die Multimedia-Ausstattung mit schneller Smartphone-Anbindung sowie guter grafischer Darstellung im großen Berührbildschirm ist vorbildlich aufgestellt. Soweit das Straßenmotorrad. Dann steckt ja noch eine zweite Maschine in der Pan America: der Offroad-Bolide. Der durchdachte Geländeriese. Das fängt mit Kleinigkeiten an: Die Fußrastengummis lassen sich fast während der Fahrt entfernen und in die Jackentasche stecken – sofort hat man griffige Krallen unter den matschigen Stiefeln. Dazu lässt sich der Bremshebel in Sekundenschnelle höher stellen, um das Fahren im Stehen zu erleichtern.
Im Offroad-Modus (es gibt zwei davon) passen sich auch Gasannahme und ABS-Regelung an; so tastet sich die große Harley unerwartet feinfühlig über Schotter und Co. Und sie folgt, stehend gefahren, passabel dem Knieschluss des Fahrers. Sollte der zu den kurzbeinigen Gelände-Kandidaten gehören: Die Harley verstellt im Rangiertempo per E-Motor das hintere Federbein und in Folge die Sitzhöhe um bis zu 50 Millimeter. Sssst – und ruck, zuck macht das Ding einen höflichen Knicks. Zudem bietet die Aufnahme der Sitzbank eine zweite Halterung, sodass auch der Sattel um 25 Millimeter verstellbar ist. Man kann auch sagen, die Pan America passt sich ganz schön an. Oder besser: Sie könnte Everybody’s Darling werden.

Auf keinen Fall verpassen: die neue AUTO BILD MOTORRAD!

Ab sofort im Handel: die neue AUTO BILD MOTORRAD.

©AUTO BILD

Mit welchen technischen Highlights die Harley im Detail aufwartet und welche Chancen sie gegen ihre Konkurrentinnen haben dürfte, erfahren Sie in der brandneuen AUTO BILD MOTORRAD (ab sofort überall im Handel). Und selbstverständlich geht es darin nicht nur um die Harley-Davidson Pan America, sondern um alles Wichtige für die Motorrad-Saison 2021! Neuheiten, Fahrberichte, Tests, Service und jede Menge Zweirad-Faszination.

Autor:

Fotos: Wim Woeber / AUTO BILD

Stichworte:

Motorrad

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.