Gerrit Braun, Mitgründer vom Miniatur Wunderland Hamburg, geht gerne seinen eigenen Weg: Aus einer anfangs kleinen Modellbahnanlage erschuf der gebürtige Hamburger zusammen mit seinem Zwillingsbruder Frederik eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Deutschlands – inklusive Schnellladestationen im Miniaturformat. Vor einigen Monaten erfüllte sich Braun einen ganz besonderen Wunsch: Mit einem E-Auto, das es hierzulande offiziell gar nicht gibt: Sein AUDI E5 Sportback kommt aus China und trägt statt der Audi-Ringe den Markennamen in Großbuchstaben auf dem Kühler.
Das Fahrzeug wurde von Audi und dem chinesischen Hersteller SAIC ausschließlich für den chinesischen Markt konzipiert und ist eines von ganz wenigen Exemplaren in ganz Deutschland. Den Exotenstatus seines neuen E-Autos weiß Braun durchaus zu schätzen: "Die Supercar-Fahrer der Stadt müssen sich daran gewöhnen, dass sie keiner mehr anguckt, wenn ich gerade hinter oder vor ihnen bin", verriet Braun dem "Hamburger Abendblatt".

Brauns erstes E-Auto: ein BMW i3

Die Begeisterung für Autos bekam er vom Vater mit auf den Weg, einem "absoluten Autonarren". Vom ersten Auto für 800 Euro arbeitete er sich langsam hoch, fuhr zwischendurch "leistungsstarke Achtzylinder", bis es 2013 mit dem BMW i3 zur ersten Berührung mit der E‑Mobilität kam. "Ausprobieren, was Neues, neue Technik, wie geht das?" beschreibt er gegenüber dem "Abendblatt" seine Motivation.
China AUDI E5 Sportback
Als erstes Serienmodell der Schwestermarke AUDI wurde der E5 Sportback im Frühjahr 2025 in China erstmals präsentiert.
Bild: Audi
Die Erfahrungen mit dem i3 hätten ihn überzeugt, seitdem verfolge er aufmerksam die Entwicklung der Elektromobilität. Vor allem Chinas rasantes Innovationstempo beeindrucke ihn. Als er zum ersten Mal den AUDI gesehen hat, "war es um ihn geschehen. Ein Auto, das chinesische Innovation mit deutscher Ingenieurarbeit verbindet und dazu ein Design bietet, das sich vom üblichen Audi-Programm deutlich unterscheidet."
Gerrit Braun Mitgründer vom Miniatur Wunderland Hamburg
Gerrit Braun in seinem Miniatur Wunderland Hamburg, die Attraktion zählt zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Deutschlands.
Bild: Miniatur Wunderland Hamburg

China geht "mutigere Wege"

Sein E5 verfügt über knapp 800 PS und Allradantrieb und begeistert Braun durch die Kombination aus Technik und Gestaltung. China-AUDIs hält er dabei nicht für grundsätzlich besser als deutsche Audi-Modelle. Bei "Fahrwerkskomfort, Verarbeitung und Abstimmung" überzeugten ihn die deutschen Entwickler. Bei Design und bei bestimmten technischen Lösungen gehe das China-Modell dagegen andere, teilweise mutigere Wege.
Zwei Dinge stören ihn trotzdem an seinem AUDI: Die Kamera-Außenspiegel seien "weniger übersichtlich als herkömmliche Spiegel", und die Scheibenwischerautomatik starte bereits beim Einsteigen, wodurch "Wasser auf die Echtholzverkleidung der Fahrertür gelangen kann". Mit der in Deutschland nutzlosen Navigation und der dauerhaft chinesischen Uhrzeit habe er sich arrangiert. Braun nutzt Apple Carplay, um die Probleme zu umgehen.
China AUDI E5 Sportback
Minimalistisches Cockpit mit Riesenbildschirm, die Außenspiegel-Kameras projizieren ihr Bild auf kleine Screens neben den Türen – daran äußerte Braun Kritik.
Bild: Audi

Hohe Importkosten und keine Infrastruktur

Den AUDI hat er über das Unternehmen China-Auto bekommen. Der unabhängige Importeur ist spezialisiert auf den Handel mit chinesischen Autos, die in Deutschland bislang nicht angeboten werden, etwa von Herstellern wie Xiaomi und Zeekr. Mehr als 20 China-Modelle stehen laut Auto-China bereits auf der Liste. Sie kümmern sich um Lieferung, Verzollung, deutsche Papiere und Zulassung. Audi will dem Importeur Auto-China die Einfuhr von weiteren AUDI-Modellen verbieten, mittlerweile streiten sich die Anwälte.
In China "kostete die voll ausgestattete Allradversion zum Zeitpunkt der Bestellung ungefähr 40.000 Euro vor Steuern". So günstig wie in China war Brauns AUDI E5 allerdings nicht: Nach Kauf, Transport, Zollabgaben, Mehrwertsteuer und Homologation standen für Braun knapp 90.000 Euro auf der Rechnung.
Weiteres Problem: Den China-AUDI kann er nicht einfach in eine Audi-Werkstatt bringen, auch die Ersatzteilversorgung in Deutschland ist problematisch. "Am Anfang war ich so ein bisschen besorgt, was passiert eigentlich, wenn was kaputtgeht", sagte Braun – übrigens 2008 vom Club der Optimisten zum "Optimisten des Jahres" ausgezeichnet – gegenüber dem "Abendblatt". Aber bislang laufe alles gut. Ein Scheibenwischer war mal defekt. Der stammte glücklicherweise von einem deutschen Zulieferer und konnte problemlos ersetzt werden.
China AUDI E5 Sportback
Audi mal anders: Auch das Heck hebt sich von den deutschen Modellen ab.
Bild: Audi

"Der Wagen macht mich glücklich"

Braun ist inzwischen rund 20.000 Kilometer mit seinem AUDI gefahren und zeigt sich immer noch begeistert vom Fahrzeug: "Der Wagen macht mich glücklich, von morgens bis abends." Audi habe zudem "gegenüber dem 'Abendblatt' signalisiert, gegen Gerrit Braun als privaten Besitzer und Nutzer des Fahrzeugs nicht vorgehen zu wollen." Allerdings betone Audi zugleich, dass er "für Wartung und Reparaturen selbst eine Lösung finden müsse".
Wenn einer einen Stromer ohne Werkstattnetz am Laufen halten kann, dann wohl Deutschlands bekanntester Modellbau-Tüftler.