Wer ein motorisiertes Zweirad fahren will, braucht den Motorradführerschein. Da kommen einige Kosten und Prüfungen auf den Neu-Biker zu. Außerdem sollte man vor der Anmeldung bei der Fahrschule abwägen, welche Motorrad-Klasse man überhaupt fahren möchte. Kaum ein Bike darf einfach so gefahren werden, und nicht jedes mit jedem Führerschein. AUTO BILD liefert alle Infos zum Motorradführerschein!

Motorradführerschein: aktueller Stand der Regelungen

Der aktuelle Motorradführerschein Klasse A hat – genauso wie der Pkw-Führerschein – ein Ablaufdatum: Alle 15 Jahre wird ein neuer Führerschein fällig. Außerdem müssen künftig alle vor dem 19. Januar 2013 ausgestellten Dokumente in den neuen EU-Führerschein umgetauscht werden. Der 19. Januar 2033 ist dafür der letzte Stichtag, aber je nach Geburts- und Ausstellungsjahr erfolgt der Tausch einiger Scheine bereits früher. Die Fristen entsprechen denen des Pkw-Führerscheins. Hier gibt es die genauen Daten! Die Kosten für das neue Dokument belaufen sich auf rund 25 Euro. Das aktuelle biometrische Passfoto ist da nicht eingerechnet. Für den Umtausch werden der alte Führerschein, das biometrische Foto und der Personalausweis bzw. Reisepass benötigt. Bei Führerscheinen, die vor 1999 ausgestellt wurden, braucht man eine Karteiabschrift der Führerscheinstelle. Eine erneute Fahrprüfung oder eine Gesundheitsprüfung alle 15 Jahre gibt es nicht.
Seit dem 1. November 2020 kann die Prüfung für den A2-Führerschein auf einem Motorrad mit 250 Kubikzentimeter Hubraum abgelegt werden. Bisher waren wenigstens 395 ccm vorgeschrieben, dazu musste das Fahrschulmotorrad zwischen 27 und 48 PS leisten. Doch reizen viele Zweiradfahrer in dieser Fahrzeugklasse die Leistungsgrenze überhaupt nicht aus, haben vor 48 PS sogar Respekt. Mit der neuen EU-Regel soll das Motorradfahren attraktiver werden. Eine weitere Konsequenz: Fahrschulen müssen neue Maschinen anschaffen. 

Motorradführerschein: Kosten

Wie beim Pkw-Führerschein setzen sich die Kosten für den Motorradführerschein aus unterschiedlichen Posten zusammen. Zur Anmeldung in der Fahrschule und den Übungsmaterialien kommen Sehtest, Erste-Hilfe-Kurs und die Gebühren für die theoretische Prüfung. Sobald die Theorie vom Tisch ist, schlagen Übungsfahrten, Sonderfahrten und schließlich die praktische Prüfung zu Buche. Nicht zuletzt müssen Passbilder und das Ausstellen des Führerscheins durch die Behörde bezahlt werden. Weil Übungs- und Sonderfahrten von Bundesland, Fahrschule und Lernfortschritt des Fahrschülers abhängen, lässt sich der Endbetrag nur grob schätzen. Auf 1250 bis 1750 Euro kann man unter den günstigsten Umständen kommen. Realistisch sind mindestens 2000 Euro.Seit 1. Januar 2021 gilt die "optimierte praktische Fahrerlaubnisprüfung" (OPFEP). Sie soll helfen, das Unfallrisiko von Fahranfängern zu reduzieren. Die Aufgaben für den Prüfling werden verständlicher als bisher erklärt, der Prüfer bewertet digital per Punktevergabe und Ampelsystem. Auf die Prüfung folgt ein Feedbackgespräch, das dem Schüler unabhängig vom Bestehen der Prüfung seine Stärken und Schwächen aufzeigen soll. Aber: Mit der neuen Prüfungsordnung steigen die Kosten. In den Führerscheinklassen A2 und A bedeutet das eine Investition von 146,56 Euro statt der bisherigen 118,30 Euro. In den Klassen AM und A1 müssen 116,93 Euro statt bisher 89,44 Euro bezahlt werden. 
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 Dauer der Ausbildung

Intensiv-Fahrschule
Die erste Fahrstunde ist eine Herausforderung. Das gilt für Zweiräder aller Art.
Durchschnittlich 20 bis 30 Fahrstunden dauert die praktische Ausbildung. Zuerst kommen die Übungsstunden: Hier soll sich der Fahrschüler mit den Funktionen und Fahreigenschaften des Motorrads vertraut machen. Das Beschleunigen, Bremsen, Ausweichen, Fahren in Schrittgeschwindigkeit, Fahren im Kreis, Slalomfahren und das Anfahren an einer Steigung gehören dazu. Oft beginnen Fahrlehrer die Arbeit mit ihren Schülern auf Übungsplätzen. Dann folgen zwölf Pflichtstunden inklusive Sonderfahrten, zu denen Autobahn-, Überland- und Nachtfahrten zählen. Gesetzlich vorgeschrieben sind drei Stunden à 45 Minuten Nacht oder Dämmerung, fünf Stunden à 45 Minuten Landstraße und vier Stunden à 45 Minuten Autobahn. Die Theorie besteht aus zwölf plus vier Zusatzstoffstunden. Auf sogenannten Prüfungsfahrten kann der Fahrschüler schließlich gezielt mit seinem Ausbilder an Schwächen arbeiten, bevor es in die praktische Prüfung geht. Fahrschulen gehen meist flexibel auf den Fortschritt sowie die zeitlichen Möglichkeiten ihrer Schüler ein und fassen zum Beispiel mehrere Autobahnfahrten zusammen. Vom Geschick des Prüflings hängt ab, ob die Ausbildung zum Motorradführerschein sechs Wochen oder eher sechs Monate dauert.

Die passende Motorradfahrschule

Bei der Wahl der Fahrschule sollte man persönliche Vorlieben berücksichtigen. Freunde und Bekannte können oft mit Tipps und Kontakten weiterhelfen. Das Internet oder das Branchenbuch helfen auch. Grundsätzlich sollte man sich aber vor Ort einen eigenen Eindruck verschaffen, die Fahrlehrer kennenlernen und einen Blick auf die Fahrzeuge werfen.   

Per Schnell-/Crashkurs zum Motorradführerschein

Ein AUTO BILD-Test ergab 2017, dass es möglich ist, den Motorradführerschein in fünf Tagen zu machen. Doch das ist ein Kraftakt! Und ein Schnäppchen ist der Crashkurs auch nicht: Trotz nur 14 Fahrstunden standen zum Schluss dennoch 1542 Euro auf der Rechnung.

Führerscheinklassen

BMW R nineT Urban G/S
Wer eine Maschine wie die BMW R nineT bewegen will, braucht einen Führerschein der Klasse A.
Die Klasse A ist der Führerschein für die großen Maschinen. Genauer: Damit darf man Zweiräder und Gespanne ohne Hubraumgrenze und ohne Geschwindigkeitsbeschränkung fahren. Klasse A2 gilt bis 35 kW/48PS und einem Verhältnis der Leistung zum Gewicht von maximal 0,2 kW/kg. Das bedeutet, dass die A2-Maschine mindestens 175 Kilogramm wiegen muss. A1 heißt der Führerschein für Leichtkrafträder mit maximal 11 kW und 125 ccm sowie dreirädrige Fahrzeuge bis 15 kW. AM ist die 50er-Klasse. Roller, Mopeds und Mokicks fallen darunter – wenn sie maximal 50 ccm Hubraum haben und höchstens 45 km/h schnell sind. Kleine Elektroroller, Fahrräder mit elektrischen Hilfsmotoren bis vier kW Leistung und 45 km/h Höchstgeschwindigkeit, dreirädrige Kleinkrafträder und vierrädrige Leicht-Kfz bis 350 Kilogramm (bei E-Fahrzeugen ohne Gewicht der Batterien) gehören ebenfalls dazu.

Motorradklassen: Wer darf welches Motorrad fahren?

Die Roller-Klasse AM ist ab 16 Jahren fahrbar. Das Gleiche gilt für die Klasse A1 sowie 125er-Maschinen. Bei A1-Führerscheinen, die nach dem 19. Januar 2013 ausgestellt wurden, ist die klassische Beschränkung auf 80 km/h für Fahrer unter 18 Jahren aufgehoben. Dafür werden die vorgeschriebene Maximalleistung von elf kW bei 125 ccm und das Leistungsgewicht von 0,1 kW/kg streng kontrolliert. Mit 18 Jahren kann der Führerschein A2 inklusive theoretischer und praktischer Prüfung erworben werden.
Manche Einsteiger wollen schon von Beginn an ihr Traum-Bike fahren, und lassen es auf die vom Gesetzgeber für A2 festgelegte Höchstleistung drosseln. Dabei müssen sie aber beachten, dass bis auf eine Ausnahme aufgrund von lokalen Bestandschutzregelungen das Bike maximal 70 kW Leistung haben darf. Konkret geht es hier um Inhaber eines zwischen dem 19. Januar 2013 und dem Tag vor dem Erscheinungstermin der elften Änderungsverordnung im Bundesgesetzblatt (27. Dezember 2016) erteilten Führerscheins A2. Sie dürfen innerhalb Deutschlands auch auf eine Leistung von 35 kW gedrosselte Motorräder fahren, deren Ausgangsleistung die 70 kW übersteigt. Nach zwei Jahren A2 erlaubt der Gesetzgeber den Aufstieg in die Klasse A. Hürde: eine weitere praktische Prüfung. Wer gleich die großen Maschinen fahren will, muss mindestens 24 Jahre alt sein. Bei dreirädrigen Kfz mit mehr als 15 kW beträgt das Mindestalter 21 Jahre.
Interessante Notiz am Rande: Ein Beiwagen wird nicht als eigenständiges Fahrzeug gewertet. Mehrspurigkeit liegt bei einem Kraftfahrzeug erst dann vor, wenn zwei Räder an einer Achse montiert sind. Daher gelten die Motorradführerscheinklassen auch für Bikes mit Beiwagen. 

So hilft der Pkw-Führerschein beim Motorradführerschein

Führerschein
Ein vorhandener Pkw-Führerschein kann beim Erwerb der Fahrerlaubnis fürs Motorrad nützlich sein.
Ein vorhandener Pkw-Führerschein bringt beim Erwerb des Motorradführerscheins Vorteile. Kleinkrafträder mit nur 50 Kubikzentimeter Hubraum, sogenannte 50er, dürfen alle Autofahrer auch ohne Prüfung fahren. Personen, die ihren Pkw-Führerschein zwischen dem 1. April 1980 und dem 18. Januar 2013 erworben haben, können zusätzlich mit dreirädrigen Kraftfahrzeugen bis 15 kW (20 PS), kleinen sogenannten "Trikes", in den Straßenverkehr. Autofahrer, die Klasse 3 vor dem 1. April 1980 ausgestellt bekommen haben, dürfen automatisch A1 fahren und brauchen für A2 nur eine praktische Fahrprüfung. Seit dem 1. Januar 2020 können Inhaber eines Pkw-Führerscheins den Führerschein B196 erwerben. Damit dürfen sie 125er-Motorräder fahren – vorausgesetzt, sie sind mindestens 25 Jahre alt, besitzen den Pkw-Führerschein seit fünf Jahren und haben mindestens vier Theorie- sowie fünf praktische Fahrstunden absolviert. Außerdem verhilft die Erfahrung in hinterm Pkw-Steuer zu einer geringen Zahl an theoretischen Fahrstunden. Und wer beispielsweise bereits zwei Jahre einen Motorradführerschein A1 hat und nun A2 haben möchte, braucht nur eine weitere praktische Prüfung ablegen. Vor der Zulassung zur Prüfung muss sich der Fahrlehrer jedoch vom Können des Prüflings überzeugen.

Bildergalerie

Motorradführerschein: Kosten, Klassen, Schnellkurs
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Tipps im Netz

Der Internet-Suchbegriff "Motorradführerschein" bringt in Verbindung mit Berlin, München, Hamburg oder vielen anderen Städtenamen eine Vielzahl von Fahrschul-Kontakten, mit denen sich der Motorradführerschein planen lässt.
Darüber hinaus kann man für die theoretische Führerscheinprüfung online büffeln. Seit 2010 findet die Prüfung unter Aufsicht am PC statt. Daher ist es eine gute Idee, sich auf die Situation zu Hause am Rechner oder am mobilen Endgerät vorzubereiten.