Die M 1000 RR ist das Heißeste, was das Motorrad-Portfolio von BMW aktuell zu bieten hat. 212 PS treffen auf rund 192 Kilogramm Gewicht. Da kann einem schon mal kurz der Atem stocken. Außerdem steht der Buchstabe M drauf. Das erste Bike mit dem Markenzeichen der ikonischen M GmbH im Namen! Allein deshalb ist die Faszination rund um die BMW M 1000 RR riesig.
Liest man sich in die Materie ein, wird einem schnell klar, dass BMW die respektvoll nur Doppel-R genannte Maschine für Rundenzeiten gezüchtet hat. Aber auf der Rennstrecke war Jan Horn schon. Daher die Frage: Wie schlägt sich diese austrainierte Super-Athletin bei einem normalen Motorrad-Ausflug? Oder in anderen Worten: Kann die BMW M 1000 RR Alltag? Schließlich wohnt ja nicht jeder an der Nordschleife.

Das können Motorradfahrer gebrauchen

Ausgewählte Produkte in tabellarischer Übersicht
Neverland Motorrad-Abdeckung
25,99 EUR
O'Neal Motorradhelm
99,23 EUR
Proanti Motorradhandschuhe
29,99 EUR
Heyberry Motorradjacke
99,90 EUR
ShinySkulls Premium Motorrad- und Autoshampoo
12,90 EUR
Die M 1000 RR baut auf der eh heißen BMW S 1000 RR auf. Ihr Herzstück ist der abgrundtief böse Motor. Der Reihenvierzylinder der S 1000 RR wurde umfassend optimiert. Ihre Spitzenleistung von 212 PS ruft die Maschine bei 14.500 Umdrehungen pro Minute ab. Die Maximaldrehzahl beziffert BMW Motorrad mit 15.100 U/min. Topspeed: 306 km/h. Mit der optionalen Rennstrecken-Übersetzung sind sogar 315 km/h drin.
BMW M 1000 RR
Die Kommandozentrale: Im Fahrmodus Road zeigt sich die BMW M 1000 RR von ihrer relativ sanften Seite.
Ab 8.000 Touren hämmert diese Höllen-BMW nach vorne, als wäre der Leibhaftige hinter ihr her. Wohl dem, der über eine gute Muskulatur im Nackenbereich verfügt. Sonst sorgt der immense Vortrieb für Schnappatmung. Unbedingt mit einem Auge auf die Schilder am Straßenrand achten! Dieses Bike kann schneller als die Sinne und das Gefühl für Geschwindigkeit verschwimmt nach nur wenigen Metern im Sattel.
Auf Wunsch ist das gefährliche Ungeheuer aber auch ganz sanft. Den Schiebebetrieb in der Stadt meistert die BMW im Fahrmodus Road ganz ohne Murren und überzeugt dabei mit viel mehr Gutmütigkeit, als man es anhand der deutlich sicht- und spürbaren M-Schärfe erwarten würde.
BMW M 1000 RR
Die Winglets rechts und links an der Verkleidung generieren Abtrieb und Last auf dem Vorderrad.

Ein optisches Highlight sind die Carbon-Winglets nicht, aber ...

Damit die Rundstrecken-Performance stimmt, haben die Macher ausgiebig an der Aerodynamik gefeilt. Der möglichst optimale Kontakt der Reifen mit dem Asphalt stand dabei im Fokus. Den stellen unter anderem zwei Carbon-Winglets rechts und links vorne an der Verkleidung sicher. Sie produzieren Abtrieb und damit geschwindigkeitsabhängig zusätzliche Last auf dem Vorderrad. Auch am Kurvenscheitelpunkt soll der Effekt der Winglets spürbar sein. Sie machen späteres Abbremsen möglich und erhöhen die Kurvenstabilität.
Auf einer gemütlichen Ausfahrt über Land ruft man diese Fähigkeit der BMW M 1000 RR normalerweise nicht ab. Doch die Bayerin fällt positiv damit auf, dass ihr angriffslustig bespoilerter Racer-Auftritt einer entspannten Feierabendrunde um den See nicht im Wege steht. 
BMW M 1000 RR
Die BMW M 1000 RR ist erwartbar straff abgestimmt, quält den Rücken der Person hinter dem Lenker aber nicht.

Die Felgen aus Vollcarbon sind alles andere als modisches Chi Chi

Das Fahrwerk ist von dem der S 1000 RR mit ihrem aus Alu gefertigten Brückenrahmen abgeleitet. Die M 1000 RR hat aber eine verbesserte Upside-Down-Gabel und ein neues Zentralfederbein. Durch ausgiebige Feinarbeit wollen die Macher die Rückmeldung von Vorder- und Hinterrad erhöht sowie das Brems- und Anfahrnicken zurückgedrängt haben.
Das ist hervorragend gelungen. Wer mit der M 1000 RR über eine Straßenbahnschiene rollt, weiß danach, wie viele Kanten die Schiene hat. Überspitzt ausgedrückt! Das Motorrad bewegt sich aber auch wie aus einem Guss. Die Sicherheit, dass die Doppel-RR härteste Beanspruchung in den Kehren der Nordschleife aushält, kommt schon innerorts bei Fahren um den Kreisel herum auf. 
BMW M 1000 RR
Die Räder aus Vollcarbon mögen wie Chi Chi wirken, sie haben aber einen interessanten Effekt aufs Fahren.

Hochinteressant sind die Räder aus Carbon. Beim ersten Blick auf die Pressemitteilung ist man versucht, sie als modischen Chi Chi für abzutun. Aber weit gefehlt! Die ultraleichten Räder nehmen der M 1000 RR die Trägheit der rotierenden Massen. Das sorgt dafür, dass man unbeschreiblich präzise und leicht Kurven fahren beziehungsweise nicht optimale Schräglagen korrigieren kann. Die blau beschichteten Bremsen sind aus der Superbike-WM bekannt. Sie als bissig zu bezeichnen, wäre eine höfliche Untertreibung.

Fazit

Dieses giftige Gerät ist genial. Die BMW M 1000 RR zeigt sich als Feuer speiender Drache, wenn sie soll. Sie kann aber auch ausreichend sanft, wenn sie muss. Zum Beispiel dann, wenn der Fahrbahnbelag das Kreuz des Lenkers allzu arg malträtieren will. Von vorne bis hinten durchdacht und genauso konstruiert. Toll! Bedauerlicherweise bin ich mit 1,89 Metern Größe ein bisschen zu lang geraten.