Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung. So heißt ein berühmter Roman, aus dem ein geflügelter Satz wurde. An einem Oktober-Montag morgens um neun auf dem DEKRA-Lausitzring, da ist die Welt vor allem eins: LAUT! Wir sind beim Finale zum Goldenen Lenkrad 2021!

Der wichtigste Autopreis Europas

Testtage Das Goldene Lenkrad
PS-Profi Sidney hat bei den DGL-Testtagen sichtlich Spaß. Hier am Steuer des 320 PS starken VW Golf 8 R.


Der wichtigste Autopreis Europas, verliehen von AUTO BILD und BILD am SONNTAG, wird hier mit einer internationalen Jury ausgefahren. Auf einem 3,2 Kilometer langen Rundkurs mit zwölf Kurven, der an seiner breitesten Stelle 24 Meter misst. Auf der Start-Ziel-Geraden werden, je nach Auto, mehr als 200 km/h erreicht. Aber es geht nicht nur um Speed: Auf den Testrunden verrät sich jedes Auto, jedes Fahrwerk, zeigen sich Qualität und Agilität. In der Boxengasse, beim Einparken und Rundumcheck, geht es um Sprachsteuerung, Bedienbarkeit, Alltagsnutzen, Praktikabilität.

Es geht um mehr als nur ums Fahren

Testtage Das Goldene Lenkrad
Die Fach-Jury versammelt vor zwei DGL-Kandidaten, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Die Jury hakt genau nach: Lässt sich die Rückbank so umklappen, dass eine flache Ebene entsteht? Gibt es Haken und Ösen im Koferraum? Ist das im doppelten Ladeboden ein Subwoofer, oder kann das weg? Versteht das Navi "Potsdam" oder "Postbank"? Kann der Fahrer nach hinten was sehen? Kann man nur touchen, oder gibt es auch noch Regler und Schalter? Ist das Auto überhaupt auf Anhieb verständlich? Wie fühlen sich die Materialien an? Wie wird das Auto produziert? Mit grüner Energie? Sind Stoffe aus PET-Flaschen? Was kostet ein neuer Batteriesatz im Fall der Fälle?

Bildergalerie

Testtage Das Goldene Lenkrad
Testtage Das Goldene Lenkrad  Familienlenkrad
Testtage Das Goldene Lenkrad
Kamera
Das Goldene Lenkrad 2021

Hochkarätige Jury

Fragen über Fragen, alles fließt in die Punktetabellen mit ein. Stress für die Juroren, die für den Job kein Geld bekommen. In der Jury DTM-Rennfahrer wie Sophia Flörsch und der frischgebackene Sieger Maximilian Götz (beide kamen als Fahrgemeinschaft direkt aus Hockenheim), Schrauber-Moderatorin Lina van de Mars, Rennfahrer- und Rallye-Profis wie Joachim Winkelhock, Isolde Holderied und Daniel Abt. Aber auch TV-Erklärer Sidney Hoffmann (von dem immer alle ALLES über die Macken ihres Autos wissen wollen, auch wenn er bei REWE an der Kasse steht), DEKRA-Ingenieur Friedhelm Schwicker (danke für die Top-Strecke!), der koch- und autoverrückte Steffen Henssler.
Testtage Das Goldene Lenkrad
Bild-Gruppe-CEO Claudius Senst und AUTO BILD-Chefredakteur Tom Drechsler am Audi RS e-tron GT.
Dazu die Chefredakteure Steve Fowler von AUTO EXPRESS aus Großbritannien, Gabriel Jiménez von AUTO BILD España und Damiaan Hage von AutoWeek aus den Niederlanden. Und von AUTO BILD Robin Hornig und ich, Tom Drechsler.

Vom E-Crossover zum Sauger-Sportwagen war alles dabei

Die Hauptrollen hatten die 21 Autos in sieben Klassen, die von unseren Lesern und Usern ins Finale gewählt wurden. Sie haben entschieden, auf wen wir in der Boxengasse trafen: den neuen Mercedes EQS mit dem größten Display im Testfeld, den Porsche 911 GT3 mit dem größten Heckflügel, den Hyundai Ioniq 5 mit dem vielleicht konsequentesten Design, den Golf R mit 320 PS, den Crossover Volvo C40 Recharge, den Cupra Born, die scharfe spanische "Übersetzung" des ID.3 von VW. Apropos VW, in der Klasse der Elektro-SUV kam es zu einem echten Konzern-Triell: Audi Q4 e-tron gegen Skoda Enyaq iV und VW ID.4 GTX. Ein Wolfsburger Baukasten, aber drei sehr unterschiedliche Autos. Merkt man erst, wenn man alle drei hintereinander erfährt.

Porsche Panamera als schnellster Teilnehmer

Testtage Das Goldene Lenkrad
Selbst für DTM-Champion Maximilian Götz ist der 640 PS starke Lamborghini Huracán STO nicht alltäglich.

Das lauteste und teuerste Teil im Test: der Lamborghini Huracán STO mit V10-Sauger und 640 PS, von null auf 100 km/h in pfeilschnellen 3,0 Sekunden und 350.512 Euro teuer. Mehr PS hatte nur der Porsche Panamera E-Hybrid, nämlich glatte 700. Meine Fahrt war zügig, aber als ich als Beifahrer mit Jockel Winkelhock noch ein paar Runden drehen durfte, lernte ich: Es geht noch viel, viel schneller.

Extrakategorie für die Familie

Testtage Das Goldene Lenkrad  Familienlenkrad
In der Sonder-Klasse "Familie" traten Hyundai Staria, VW T7 Multivan und Mercedes EQV an.

Auf Tempo arbeitete unsere Familienjury nicht: Sie testete mit Kids, Kindersitzen und Sachverstand die Sonderklasse fürs Familienlenkrad. Hier traten an: der mutige und brandneue Hyundai-Van Staria, der neue VW Multivan und der Mercedes EQV. Die Gewinner werden noch nicht verraten, erst bei der Gala zum Goldenen Lenkrad in Berlin am 9. November. Was ich aber schon jetzt sagen kann: Es gibt keine schlechten Autos.

Der Verbrenner bleibt noch eine Weile bei uns

Im Finale prallten die alte Verbrenner- und die neue Elektro-Autowelt aufeinander, wie sie es auch in den Diskussionen zu Hause tun, an den Stammtischen, an den Bändern und im Büro. Wir diskutierten am Lausitzring genauso. Aber machen wir uns nicht verrückt. Beide Welten wird es noch lange geben. Bis 2030 sollen zehn Millionen Deutsche auf Elektroautos umsteigen, das ist ein Viertel der Autofahrer, noch lange nicht alle. Und noch etwas: Wer vom niedrigen Schwerpunkt bei E-Autos redet, hat zwar recht, aber vergisst, wie schwer sie sind. Ein VW Golf R mit seinen 1500 Kilogramm schnurrt wie auf Schienen um die Kurven, auch ohne Akkus im Wagenboden.