Aktuelle E-Autos werden immer alltagsfreundlicher: Reichweiten und Ladeleistungen steigen, es kommen neue Modelle auf den Markt. Die E-Mobilität in Deutschland nimmt Fahrt auf (Tipps zum E-Auto-Kauf).
Lange schien die Ladeinfrastruktur im öffentlichen Raum mit den Zulassungszahlen neuer E-Autos nicht mitzuhalten. Doch jetzt macht die Versorgung mit Schnellladern, die für Langstreckenfahrten unerlässlich sind, einen kraftvollen Schritt nach vorn. Mit dem Auftrag der Bundesregierung an vier Ladenetzbetreiber zum Bau von 1000 Gleichstrom-Schnellladepunkte an deutschen Fernstraßen wächst das Netz enorm – und zwar schon bis 2026.
Die vier Konsortien Fastned, E.ON, Total und die "Bietergemeinschaft Autostrom Nord" erhielten den Auftrag, an rund 200 Standorten, auch auf unbewirtschafteten Autobahn-Rastplätzen im gesamten Bundesgebiet neue Schnellladepunkte zu bauen. Das Ziel: Nach jeweils zehn Minuten Fahrt soll auf deutschen Autobahnen künftig ein Schnelllader stehen.

Wie groß ist das Deutschland-Netz?

Es ist die zweite Tranche eines Großauftrags für insgesamt 9000 Ladepunkte, das sogenannte Deutschlandnetz. Ein Vergleich mit dem aktuellen Stand des Netzausbaus macht die Dimension deutlich: Zum 1. September 2023 registrierte die Bundesnetzagentur 20.507 öffentliche Schnellladepunkte in Deutschland. Der Ausbau-Auftrag, umgesetzt über die Nationale Leitstelle Infrastruktur wird den Bestand also um fast 50 Prozent erhöhen. Künftig soll das HPC-Ladenetz an deutschen Autobahnen so eng sein, dass "bundesweit der nächste Schnellladestandort in wenigen Minuten erreicht ist", so Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP).

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Bis zu 300 kW Ladeleistung sollen möglich sein

Noch wichtiger für den E-Auto-Fahrer: Ladeleistungen bis 300 kW müssen im Deutschlandnetz vor Ort ermöglicht werden. Der Preis pro Kilowattstunde Ladestrom soll maximal 44 Cent betragen, allerdings ist dies laut Ausschreibung eine "atmende Preisobergrenze", die an Inflation und Preisentwicklung auf dem Strommarkt angepasst werden kann.
Wie wichtig gerade leistungsstarke Gleichstromlader sind, die sogenannten High Power Charger (HPC), hat sich inzwischen herumgesprochen. EnBW, der größte deutsche Ladenetzbetreiber, baut aus diesem Grund nur noch Schnelllader. Und auch viele regionale Stromanbieter halten inzwischen Ladepunkte zum Schnellladen vor (hier eine Übersicht aller Ladetarife).
Schnellladepark für E-Autos
Der EnBW-Schnellladepark am Kamener Kreuz bietet 52 Ladepunkte zum zügigen Stromzapfen.
Bild: DPA
Seit Sommer 2022 hat sich die Zahl der Schnellladepunkte in Deutschland laut Bundesnetzagentur immerhin mehr als verdoppelt (von 9918 zum Stichtag 1. Juli 2022 auf 20.507 zum 1. September 2023), das zeigt auch der jüngste E-Mobility Excellence Reports 2023. Dagegen wuchs die Zahl der Normalladepunkte von 53.652 auf dann 85.072. Je nach Betreiber stehen bis zu 350 kW Ladepower zur Verfügung. Damit sind theoretisch Tankstopps von wenigen Minuten möglich, die einem klassischen Zapfvorgang schon sehr nahekommen (abhängig von der Ladeleistung des jeweiligen Elektroautos).
Ladezeiten
So läuft das Beladen eines 58-kWh-Akkus von 20 auf 80 Prozent der Kapazität (Quelle: E.ON).
Bild: e.on

EnBW betreibt Deutschlands Ladenetz Nr. 1

EnBW betreibt nach eigenen Angaben mit bundesweit mehr als 1000 Standorten das größte Schnellladenetz in Deutschland, bis 2025 sollen 2500 Schnelllade-Standorte hinzukommen. Bis 2030 will EnBW 30.000 Schnellladepunkte deutschlandweit bieten. Aktuell erstreckt sich das europäische Ladenetz des baden-württembergischen Energieriesen auf etwa 500.000 Ladepunkte (mit Roaming-Partnern) in 17 europäischen Ländern. Das Versprechen: Laden mit Ökostrom mit bis zu 300 Kilowatt Ladeleistung. In nur fünf Minuten werden, je nach Fahrzeug-Technik, bis zu 100 Kilometer Reichweite geladen.

Ionity-Netzwerk mit VW, Mercedes, BMW

Ionity heißt der Verbund für ein eigenen Schnellladenetz, das die deutschen Autobauer Volkswagen (VW, Audi, Porsche und Skoda), Mercedes und BMW (mit Mini) zusammen mit Ford betreiben. Seit Ende 2020 ist auch die Hyundai Motor Group (Hyundai, Kia) beteiligt. Das Gemeinschaftsunternehmen bietet HPC-Ladepunkte zum Schnellladen vorzugsweise an Fernreiserouten in Nord-, Mittel- und Südeuropa an. Am Bodensee-Flughafen von Friedrichshafen entstand im Januar die erste Schnellladestation des Anbieters an einem Airport.
Inbetriebnahme eines Superschnell-Ladeparks
Schnellladen bei Ionity: gut und zuverlässig, aber für Nicht-Vertragskunden teuer.
Bild: DPA
Aktuell betreibt Ionity in Europa 607 Ladeparks mit 3473 Ladepunkten, knapp 100 weitere sind im Aufbau. Allein in Deutschland bietet Ionity an 131 Ladeparks mit 719 Ladepunkten Strom zum Schnellladen an. Der Anbieter verwendet den europäischen CCS-Standard und verspricht Ladeleistungen von bis zu 350 kW – sogar dann, wenn zwei Fahrzeuge zugleich an einer Ladesäule zapfen. Damit ist nach Angaben des Unternehmens das Laden von 50 kWh in neun Minuten möglich.

Laden ist bei Ionity zuletzt günstiger geworden

Stiegen die Preise für den schnellen Strom-Imbiss im vergangenen Jahr heftig, ist es nun wieder günstiger geworden: Sowohl beim spontanen Laden, hier kassiert Ionity in Deutschland einheitlich 0,69 Euro pro Kilowattstunde. Auch der Viellader-Tarif "Passport" wurde ermäßigt, kostet nun 5,99 Euro im Monat. Wer ihn hat, zahlt pro Kilowattstunde an deutschen Ionity-Schnellladesäulen 0,49 Euro.

Volkswagen und BP bauen Schnellladenetz auf

VW hat sich außerdem mit dem Energiekonzern BP zusammengetan, um den Aufbau von Schnellladesäulen voranzutreiben. Seit 2022 wird ein Netz geknüpft, dass bis Ende 2024 aus bis zu 8000 Ladepunkte in ganz Europa bestehen soll.
Das Besondere: Die 150-kW-Flexpole-Ladestationen von VW haben ein integriertes Batteriespeichersystem und können so laut Hersteller ans Niederspannungsnetz angeschlossen werden. Transformatoren (s. u.) und kostspielige Bauarbeiten sind folglich nicht nötig. Mit 150 kW wird maximal geladen. Je nach Auto lässt sich in zehn Minuten eine Reichweite von bis zu 160 Kilometern erreichen.
In die Navigationssysteme der E-Autos aus dem VW-Konzern werden die Standorte der Lader integriert. Jeder andere E-Mobilist kann die Stationen als Teil des BP- bzw. Aral-Pulse-Netzwerks nutzen.

VW öffnet Elli-Ladenetz für Sixt-Kunden

Das Ladenetz "Elli" von VW, das bisher nur Elektroauto-Fahrer der Konzernmarken (Volkswagen, Skoda, Audi) nutzen können, wird jetzt auch für Nutzer des Autovermieters Sixt zugänglich. Der Ladeverbund mit mehr als 650.000 Stromzapfstellen in Europa steht ab sofort über die App von Sixt allen Mietern offen. Das intern genannte Produkt "Sixt Charge" ist vorläufig in Deutschland, Belgien, Frankreich, Luxemburg, den Niederlanden und Österreich verfügbar.
Zu den Funktionen gehören Ladesäulensuche, Starten und Beenden des Ladevorgangs ebenso wie die bargeldlose Bezahlung. Vorläufig bietet Sixt die Funktion nur deutschen Kunden, in den nächsten Monaten sollen weitere Länder Europas folgen. Ein besonderes Angebot von Elli ist das so genannte "Selected Partner Network". Hierbei handelt es sich um Ladestationen, die besonders hohe Qualitätskriterien und gehobene Standards erfüllen. Dazu gehören besonders hohe Ladeleistung, Betriebssicherheit und Komfort vor Ort wie zum Beispiel dazugehörige Sanitäranlagen, Restaurants oder Lounges. Zu den ausgewählten Partnern zählen aktuell etwa 8000 Ladepunkte, Teil des exklusiven Kreises sind Ionity, Audi Charging Hubs sowie Ewiwa in Italien.
E-Auto als Sixt-Mietwagen
Das Ladenetz von Elli ist ab sofort auch für Sixt-Kunden nutzbar. Über die Sixt-App haben alle, die bei dem Münchner Unternehmen ein Auto mieten, Zugang zu Elli mit rund 650.000 Ladepunkten.
Bild: Sixt
Ellis Tarife gibt es derzeit in drei Stufen: Ein Spontan-Ladetarif "Drive Free" ohne Monatsgebühr für 0,69 Euro pro Kilowattstunde an Wechselstrom- und 0,89 Euro an Gleichstromsäulen. Ionity-Laden kostet 0,69 Euro. An mittlere Nutzerprofile richtet sich der Tarif "Drive City für 4,99 Euro Monatsgebühr, hier kostet Wechselstromladen 0,60 Euro, Gleichstromladen 0,79 Euro und Ionity-HPC 0,69 Euro. Zuletzt die Preisklasse "Drive Highway" beinhaltet für 14,99 Euro Monatsgebühr Ladepreise in Höhe von 0,54 Euro für Wechselstrom, 0,73 Euro für Gleichstrom und 0,50 Euro an allen Stationen des "Selected Partner"-Netzwerks.

Fastned ist beim Deutschlandnetz dabei

Der niederländische Anbieter Fastned ist einer der vier Anbieter, die beim Deutschlandnetz ein Los ergattert haben. An insgesamt 34 norddeutschen Autobahn-Rastplätzen werden die Holländer Schnellladestationen errichten. Damit kommt der Betreiber seinem Ziel, bis 2030 mindestens 1000 Stationen in ganz Europa zu betreiben, ein kräftiges Stück näher. Fastned ist eigenen Angaben zufolge der größte Betreiber von Schnellladestationen in seinem Heimatmarkt. Die neuen Ladestationen sollen jeweils eine Ladeleistung von 400 kW ermöglichen.
Turbolader
Am Kreuz Hilden nahe Düsseldorf gibt es insgesamt 28 Turbo-Lader.
Bild: Fastned
Im Mittelpunkt der Expansionspläne steht neben dem Laden von E-Autos die Bequemlichkeit der Reisenden: So sollen die Ladepunkte überdacht sein und in ihrer Anmutung modernen Tankstellen gleichen, oft sind Schnellrestaurants in der Nähe. Daher kann es sich Fastned auch nicht verkneifen, die Ausschreibungsbedingungen beim Deutschlandnetz zu kritisieren: Hier seien weder Gastronomie noch zusätzliche sanitäre Anlagen (zu den bereits existierenden Toiletten-Häuschen) erlaubt. Das bedroht die Wettbewerbsfähigkeit dieser Standorte, fürchtet der Netzbetreiber.

Tesla Supercharger: 168 Standorte in Deutschland

Weiter ganz weit vorne mit dabei ist Tesla. Die Amerikaner haben nach eigenen Angaben bereits ein Netz von 50.000 Superchargern mit einer maximalen Laderate von 250 kW an rund 3000 Standorten weltweit aufgebaut. Der E-Auto-Pionier aus den USA bietet 168 Ladestationen mit 2581 Schnellladeanschlüsse im ganzen Bundesgebiet. Fast alle sind inzwischen für Fremdnutzer geöffnet. Man benötigt auch keinen Adapter, sie sind mit CCS-Anschlüssen nachgerüstet.
Allerdings schwanken bei Tesla die Preise fürs Laden; sie können sogar mehrmals täglich steigen oder sinken. Aktuell kostet die Kilowattstunden am Supercharger je nach Standort ab 0,53 Euro pro Kilowattstunde. Zur Hauptladezeit "On Peak Rate" zwischen 16 und 20 Uhr sind es fünf Cent mehr, also 0,58 Euro. Wer für 12,99 Euro im Monat die "Supercharging-Mitgliedschaft" (monatlich kündbar) abschließt, zahlt an derselben Ladestation 0,39 bzw. 0,43 Euro pro Kilowattstunde.

Aral pulse mit mehr als 2000 Ladepunkten

Auch Aral kann mit seiner Lademarke Aral pulse schon mehr als 2000 ultraschnelle Ladepunkte und damit ein stattliches Angebot in Deutschland vorweisen. Dank Plug&Charge-Technologie ist das Bezahlen nach dem Laden dazu sehr einfach und bequem.

Deutsche beim Ladenetz-Ausbau in USA aktiv

Auch am weltweiten Ausbau der Elektroauto-Ladenetze haben deutsche Unternehmen teil. So nimmt das Konsortium IONNA derzeit in den USA den Betrieb auf. Teilhaber sind BMW, General Motors, Honda, Hyundai, Kia, Mercedes und Stellantis. Ziel des Zusammenschlusses ist der Aufbau von mindestens 30.000 Schnellladepunkten in Nordamerika. Das IONNA-Netz soll sowohl mit CCS also auch dem von Tesla entwickelten North American Charging Standard (NACS) nutzbar sein. Zu den Ladestationen sollen weitere Infrastruktur wie Toiletten, Gastronomie und Einzelhandel an "erstklassigen Standorten" zur Verfügung stehen.
Der erste Indoor-Ladepark der VW-Tochter "Electrify America" steht in San Francisco. Weiter sollen folgen.
Bild: Electrify America
Auch die Standorte von "Electrify America", nach eigenen Angaben größtes Schnellladenetz in den USA, sollen möglichst exklusiv sein. Was damit gemeint ist, zeigt ein aktuelles Beispiel: Die Ladenetz-Tochter von Volkswagen hat soeben einen Indoor-Ladepark mit 20 Schnellladesäulen in San Francisco eröffnet, an denen mit bis zu 350 kW gezapft wird. In der Halle gibt es außerdem zwei klimatisierte Lounges mit WLAN, Sanitärräumen sowie Getränke- und Snackautomaten. Electrify America hat seit 2017 ein Netz aus 900 Schnelllade-Standorten mit rund 4000 Ladepunkten aufgebaut. Weitere Indoor-Ladeparks wie der in San Francisco sollen folgen.
Das Deutschlandnetz wächst um 1000 neue Ladepunkte, eine gute Nachricht. Denn die bislang nicht optimalen Möglichkeiten, das E-Auto auf Fernreisen schnell zu laden, sind eins der wichtigsten Hemmnisse beim Schwenk zum E-Auto. Die Vielzahl der Anbieter mach Hoffnung auf einen heftigen Wettbewerb um den günstigsten Strompreis. Die E-Auto-Fahrer würde es freuen!