Genesis GV60, Kia EV6, Nissan Ariya, Skoda Enyaq im Test
Elektro-SUV-Coupés im Vergleich: Wie schlägt sich der neue Nissan Ariya?

SUV-Coupé mit E-Antrieb? Diesen begehrenswerten Mix bieten Genesis GV60, Kia EV6, Nissan Ariya und Skoda Enyaq. AUTO BILD macht den Vergleichstest.
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Ja, er liest sich ganz schön komplex. Dennoch lohnt es sich, den Namen zu üben: Der Ariya e4orce (sprich ariah iforß) ist nämlich ein ziemlich origineller Bursche mit handfestem Elektro-Können. Er trägt einen dicken Akku im Boden (stolze 87 kWh Kapazität), soll dank 306 PS Leistung 200 km/h schnell werden und satte 498 Kilometer weit kommen.
Außerdem sieht er verwegen elegant und geschwungen aus. Kurz: Dieser Typ könnte sich gut verkaufen. Könnte. Denn dem neuen Nissan stehen äußerst ähnlich gestrickte Typen als starke Konkurrenten gegenüber.
Elektro-SUV-Coupés mit um die 300 PS
Wir kennen gleich drei dieser kraftvollen 4x4-Burschen mit starkem E-Antrieb und schickem Blechschwung im Außenkleid. Da wären: der bekannte Skoda Enyaq als Coupé mit RS-Antrieb, also mit 77-kWh-Akku, 299 PS stark und angeblich tauglich für 510 Kilometer weite Fahrt.

Starke Konkurrenz: Der neue Nissan Ariya tritt gegen Kia EV6, Genesis GV60 und Skoda Enyaq Coupé zum Vergleich an.
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Dazu die "Konzernzwillinge" Kia EV6 und Genesis GV60. Beide Koreaner holen aus einem identischen 77,4-kWh-Akku Kraft und Reichweite. Der 325 PS starke Kia schafft laut Prospekt 484 Kilometer Fahrt, dem Genesis attestiert der Hersteller mit 318 PS Leistung einen 470 Kilometer großen Aktionsradius. Also: sehr ähnliche Anlagen, sehr ähnliche Ansätze – wo gibt's das beste Modell fürs Geld? Klärt der AUTO BILD-Vergleichstest nach Punkten.
Bestes Platzangebot im Skoda Enyaq
Widmen wir uns dem Veteranen dieser Liga. Skodas Enyaq hat sich den Ruf des üppigen (was Raumangebot angeht) und komfortablen Begleiters erarbeitet. Das passt auch in dieser Gegenüberstellung. Der Enyaq nutzt seinen Platz bestens aus, bietet in erster und zweiter Reihe solide Kopf-, Knie-und Ellenbogenfreiheit. Zudem hat er das mit Abstand geräumigste Gepäckabteil.

Platz für alle: Im Skoda Enyaq sitzt man vorne und hinten bestens, zudem bietet der Tscheche den größten Kofferraum im Test.
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Den für sich verbuchten Komfortanspruch bestätigt er ebenfalls. Mit angenehmer Sitzhaltung auch hinten sowie universell-softer Federung macht er Reisen zu leicht bewältigbaren Übungen. Schade: Er läuft lauter als die Gegner, wirkt fadenscheiniger in Radhäusern und über die Seitenscheiben gedämmt. Auch insgesamt kommt der Skoda nicht ganz so wertig wie die Asiaten rüber, zeigt mehr kantig-kratzige Kunststoffe an Verkleidungen und Armaturenbrett.
Fahrzeugdaten
Modell | Genesis GV60 Sport AWD D. M. | Kia EV6 AWD | Nissan Ariya e-4orce | Skoda Enyaq Coupé RS |
|---|---|---|---|---|
Leistung vorn | 74 kW (100 PS) | k. A. | k. A. | 70 kW (95 PS) |
Motor Bauart hinten | Synchronelektromotor | Synchronelektromotor | Synchronelektromotor | Synchronelektromotor |
Leistung hinten | 160 kW (218 PS) | k. A. | k. A. | 150 kW (204 PS) |
maximales Drehmoment gesamt | 605 Nm | 605 Nm | 600 Nm | 460 Nm |
Spitzenleistung gesamt | 234 kW (318 PS) | 239 kW (325 PS) | 225 kW (306 PS) | 220 kW (299 PS) |
Dauerleistung | 78 kW (106 PS) | 81 kW (110 PS) | 90 kW (122 PS) | 77 kW (105 PS) |
Vmax | 200 km/h | 185 km/h | 200 km/h | 180 km/h |
Getriebe | Einganggetriebe | Einganggetriebe | Einganggetriebe | Einganggetriebe |
Antrieb | Allradantrieb | Allradantrieb | Allradantrieb | Allradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben | Scheiben/Scheiben | Scheiben/Scheiben | Scheiben/Trommel |
Testwagenbereifung | 255/45 R 20 W | 255/45 R 20 Y | 255/45 R 20 Y | 235/50–255/45 R 20 T |
Reifentyp | Michelin Pilot Sport EV | Michelin Pilot Sport 4 SUV | Dunlop SP Sport Maxx 050 | Hankook Ventus S1 Evo3 EV |
Radgröße | 8,5 x 20" | 8,5 x 20" | 8 x 20" | 8 x 20" |
Reichweite* | 470 km | 484 km | 498 km | 510 km |
Verbrauch* | 18,8 kWh/100 km | 18,0 kWh/100 km | 20,4 kWh/100 km | 17,2 kWh/100 km |
Batteriekapazität nutzbar | 77,4 kWh | 77,4 kWh | 87 kWh | 77 kWh |
Ladeleistung AC/DC | bis 11/240 kW | bis 11/240 kW | bis 22/130 kW | bis 11/125 kW |
Ladeanschluss | hinten rechts | hinten rechts | vorn rechts | hinten rechts |
Vorbeifahrgeräusch | 66 dB(A) | 68 dB(A) | 62 dB(A) | 67 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 1600/750 kg | 1600/750 kg | 1500/750 kg | 1200/750 kg |
Stützlast | 100 kg | 100 kg | 75 kg | 75 kg |
Kofferraumvolumen | 432–1460 l + 20 l vorn | 490–1300 l + 20 l vorn | 415–1280 l | 570–1610 l |
Länge/Breite/Höhe | 4515/1890/1580 mm | 4695/1890/1550 mm | 4595/1850–2172**/1650 mm | 4653/1879–2148**/1608 mm |
Radstand | 2900 mm | 2900 mm | 2775 mm | 2768 mm |
Grundpreis (vor Förderung) | 63.200 Euro | 55.990 Euro | 61.990 Euro | 63.300 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 66.630 Euro | 67.470 Euro | 67.490 Euro | 66.110 Euro |
Wiedergutmachung leistet ein Blick in die Ausstattungsliste. Mit Notfallassistenz und Pre-Crash-System ist er sicherer bestückt als die anderen drei Kandidaten. Die im Vergleich zu Genesis und Kia schlechteren Fahrleistungen macht er über den besseren Verbrauch gut. Das Stichwort zur wichtigsten Disziplin: echte Reichweite und Ladethematik. Hier erstaunt der Enyaq, kommt nach unseren Tests trotz kleinstem Akku 416 Kilometer weit. Er darf jedoch nur mit maximal 125 kW laden – das können die anderen besser.
Fahrdynamisch liegt der Kia EV6 vorne
Der Kia zum Beispiel. Seiner Speicherelektronik trauen die Entwickler 240 kW maximale Ladeleistung zu – das verkürzt einen Schnellstopp (Akku von 10 auf 80 Prozent gefüllt) auf erträgliche 18 Minuten. Die volle Batterie trägt den EV6 dann 390 Kilometer weit. Im Gegensatz zum Skoda darf der Kia weniger Gepäck und Gewicht mitschleppen, bietet dafür im Fond viel Luft über dem Scheitel.

Dynamiker: In 5,3 Sekunden geht der Kia EV6 aus dem Stand auf Tempo 100, fährt lebendig und sicher, ankert am besten.
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Im Kapitel Fahrdynamik hängt er die anderen E-Mobile ab: Weil er sicher und lebendig fährt, zudem vorbildlich kurz und standfest ankert. Schade dagegen: Dem üppigen Garantieangebot des Herstellers (sieben Jahre auf Antrieb und Akku) steht sein teurer Testwagenpreis (inklusive für den Test relevanten Extras wie zum Beispiel 20-Zoll-Räder und Wärmepumpe) gegenüber.
Messwerte
Modell | Genesis GV60 Sport AWD D. M. | Kia EV6 AWD | Nissan Ariya e-4orce | Skoda Enyaq Coupé RS |
|---|---|---|---|---|
Beschleunigung | ||||
0–50 km/h | 2,3 s | 2,1 s | 2,6 s | 2,6 s |
0–100 km/h | 5,6 s | 5,3 s | 6,1 s | 6,0 s |
0–130 km/h | 9,0 s | 8,5 s | 9,6 s | 9,6 s |
0–160 km/h | 14,0 s | 13,3 s | 14,3 s | 14,3 s |
Zwischenspurt | ||||
60–100 km/h | 2,8 s | 2,7 s | 2,9 s | 3,0 s |
80–120 km/h | 3,7 s | 3,6 s | 3,8 s | 3,9 s |
Leergewicht/Zuladung | 2131/464 kg | 2109/421 kg | 2233/422 kg | 2209/531 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 49/51 % | 48/52 % | 50/50 % | 50/50 % |
Wendekreis links/rechts | 12,5/12,5 m | 12,2/12,2 m | 11,6/11,5 m | 11,5/11,4 m |
Sitzhöhe | 620 mm | 625 mm | 695 mm | 640 mm |
Bremsweg | ||||
aus 100 km/h kalt | 34,5 m | 33,3 m | 37,1 m | 36,3 m |
aus 100 km/h warm | 35,1 m | 33,2 m | 37,5 m | 36,2 m |
Innengeräusch | ||||
bei 50 km/h | 53 dB(A) | 55 dB(A) | 54 dB(A) | 55 dB(A) |
bei 100 km/h | 61 dB(A) | 62 dB(A) | 62 dB(A) | 64 dB(A) |
bei 130 km/h | 66 dB(A) | 65 dB(A) | 67 dB(A) | 66 dB(A) |
Verbrauch | ||||
Sparverbrauch | 15,1 kWh/100 km | 15,0 kWh/100 km | 14,4 kWh/100 km | 14,0 kWh/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 21,5 kWh/100 km (+14,4 %) | 21,6 kWh/100 km (+20 %) | 24,3 kWh/100 km (+19,1%) | 21,1 kWh/100 km (+22,7 %) |
Sportverbrauch | 27,7 kWh/100 km | 27,1 kWh/100 km | 31,9 kWh/100 km | 26,9 kWh/100 km |
CO2 (lokal) | 0 g/km | 0 g/km | 0 g/km | 0 g/km |
Reichweite | 390 km | 390 km | 388 km | 416 km |
Ganz ähnlich ist es beim Genesis. Die fünf Jahre Haltbarkeitsversprechen werden von einer Batteriegarantie über 160.000 Kilometer gestützt – doch hier schmälert der mäßige Wiederverkaufswert der bei uns noch recht unbekannten Marke die Kostenbilanz.
Auch der Genesis GV60 überzeugt beim Fahren
Die große Stärke des GV60 ist sein Tempokönnen. Sportliches Anfahren, sprinten, überholen, auf der Autobahn Strecke reißen – der Genesis fährt den anderen Typen insgesamt davon. Wie der Skoda ist er zudem kommod gefedert, läuft außerdem leise und bietet dem Fahrer wie Beifahrer besonders gefällig geformte, passgenau führende und sauber montierte Sitzmöbel.

Tempokönner: Sportliches Anfahren, sprinten, überholen, auf der Autobahn Strecke reißen – das alles macht der GV60 richtig gut.
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Klasse: Genesis verzichtet auf "ausschließliche" Bedienung über den Berührbildschirm, baut dem GV60 eine Art iDrive-Controller ein. Damit lassen sich die unzähligen Funktionen und Menüs viel besser (weil weniger ablenkend) steuern als bei Skoda, Kia und Nissan. Wie der Kia setzt der GV60 auf ein potentes Schnellladeprinzip. 800 Volt Spannung treffen auf 240 kW starke Leistung beim Befüllen der Batterien – so geht es extrem fix, die Akkus neu zu laden.
Beim Laden patzt der Nissan Ariya
Hier patzt der Nissan. Nur 130 kW Leistung steckt das System weg. Entsprechend lange dauert das Laden an der DC-Säule. 40 Minuten saugt der Akku dann am Saft, um 60 Prozent seiner Kapazität zurückzuerlangen – das muss in der 60.000-Euro-Liga schneller gehen. Die versprochenen fast 500 Kilometer Reichweite schrumpfen in der Praxis auf unter 400 Kilometer bei ungleich längerer Ladedauer.

Lahmer Lader: Mit nur 130 kW füllt der Ariya an der DC-Säule seinen Akku. Bis er zu 60 Prozent voll ist, vergehen 40 Minuten.
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Noch einen dickeren Patzer hat sich der Ariya in unserer Bremsprüfung erlaubt. Über 37 Meter benötigt er, um mit kalten und warmen Bremsscheiben aus Tempo 100 heraus in den Stillstand zu kommen. Die anderen drei SUV verzögern effektiver.
In weiteren Kapiteln muss sich der Nissan hinter den Gegnern einreihen. Er ist enger geschnitten, darf nur 1500 Kilogramm an den Anhängerhaken nehmen, seine Sprachsteuerung arbeitet holperig mit dem Fahrer zusammen, und für mehr Spaß hinterm Lenkrad täten eine feinere Lenkung und eine strammere Führung auf schlechten Straßen gut.
Fazit an dieser Stelle also: Der Nissan Ariya verhaut keine Übung mit Pauken und Trompeten – doch unter dem Strich kann er kein einziges Wertungskapitel für sich verbuchen. So bleibt trotz eines schwungvollen Auftritts nur ein gehemmter Einstand – also der letzte Platz.
Fazit
Der Nissan Ariya zeigt: Gutes Aussehen allein reicht nicht. Echte Schwächen (außer lahmer Ladethematik) hat er zwar nicht, herausragende Fähigkeiten aber ebenfalls nicht. Universell aufgestellt und fix beim Laden sichert sich Kia den Sieg, während sich Technikbruder Genesis ganz knapp hinter dem zweitplatzierten Skoda einreiht.
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