Stau, Lärm, schlechte Luft: Viele Menschen haben längst genug vom Leben in der Großstadt. Auch und besonders die Autofahrer. Wie zu neuen, anderen, besseren Verkehrswegen umgebaute Straßen dieser Entwicklung entgegenwirken können, auch damit beschäftigt sich der ITS-Weltkongress für intelligente Verkehrssysteme und Services, der im Oktober 2021 in Hamburg stattfindet.
Auch der Fachbereich Integrierte Verkehrsplanung und Mobilitätsentwicklung der Uni Kassel forscht an den Straßen der Zukunft. Die Wissenschaftler haben einen "Street Design Guide" für die 1,9-Millionen-Stadt Hamburg entwickelt. Darin wird anhand ausgewählter Straßen gezeigt, wie durch smarte Technik, kluge Planung und Kreativität das Verkehrsgeschehen verbessert werden kann. Eines wird schnell klar: Der Verkehrsraum wird in fast all diesen Szenarien in Zukunft zwischen Autofahrern, Radfahrern und Fußgängern neu aufgeteilt.
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ITS Die Straße der Zukunft - Jungfernstieg
Wenn der Verkehr aus bestimmten Regionen verbannt wird, müssen andere Trassen das auffangen.
Der Mobilitätsmix, so die Hamburger Behörde für Verkehr und Mobilitätswende, müsse "neu gedacht" werden. Das ist die Aufgabe von Stefanie Bremer und ihrem Team der Uni Kassel. Die wissenschaftliche Leiterin betont, dass diese Neuordnung nur funktioniere, "wenn andere Trassen wie Autobahnen oder Bundesstraßen diese Verkehre solide aufnehmen können". Die Mobilitätsbedürfnisse der Menschen könne man nicht einfach wegrechnen, wegwünschen oder wegdenken, so Bremer. "Solange es den Menschen bei uns gut geht und wir wirtschaftlich starke Zeiten leben, wird das Verkehrsaufkommen bundesweit weiter steigen. Es muss gelingen, alle Formen der Mobilität besser zu organisieren: klimagerechter, sozialer, smarter."

Viele Ideen zur Entlastung der Straßen

ITS Die Straße der Zukunft - Billstraße
Drohnen und möglicherweise sogar eine Mikro-Seilbahn könnten die Hamburger Straßen entlasten.
Die konkreten Ideen, um den Straßenraum zu entlasten, sind vielfältig: Von den sogenannten "Protected Bike Lanes", also Fahrradwegen, die auch baulich von der Autofahrspur getrennt sind, über Transport-Drohnen, die den Lieferverkehr entlasten, bis hin zu intelligenten Bordsteinen für eine dynamische Fahrspursteuerung wie sie etwa in Toronto (Kanada) bereits getestet wird. Und "Luftreinigungspflaster" könnten Abgase vor Ort eliminieren. Die Forscher aus Kassel denken sogar an eine Mikro-Seilbahn, mit der Personen und Güter über der Straße transportiert werden. Auch das zeitlich unterschiedliche Nutzen von Straßen wird in der Verkehrsforschung diskutiert. So könnten "Sommerstraßen" in der warmen Jahreszeit anders aufgeteilt und genutzt werden als in den kalten Monaten. Auch Tempo-30-Zonen könnten, so Stefanie Bremer, klüger gestaltet werden, nämlich dynamisch. Tempolimits würden dann situationsabhängig geschaltet und über intelligente Verkehrszeichen und Hinweise direkt im Cockpit angezeigt werden. In Hamburg gilt schon jetzt auf fast 60 Prozent des gesamten Straßennetzes Tempo 30 – Tendenz steigend.

Die sogenannte "Antriebswende" steht über allem

ITS Die Straße der Zukunft - Willy Brandt Straße
Hinter sämtlichen Überlegungen zur Straße der Zukunft steht die sogenannte "Antriebswende".
Über allem steht natürlich das, was die Wissenschaftler "Antriebswende" nennen: den kompletten Umstieg auf lokal sauberen und leisen E-Antrieb. Um echte Straßen der Zukunft zu haben, braucht allein eine Metropole wie Hamburg bis 2030 rund 10.000 neue öffentliche Ladestationen, schätzt die Wirtschaftsbehörde. Auch hier müssen innovative Wege gegangen werden – sei es durch induktives Laden oder Ladepunkte in Straßenlaternen. Inzwischen werden Straßen schon in Guerilla-Aktionen von Aktivisten selbst umgestaltet: durch Pop-up-Fahrradwege oder – wie jüngst in Berlin – indem zugeparkte Kreuzungen mit Farbe und Pinsel autofrei gemacht wurden. Das dann aber illegal.