In Deutschland greift der AdBlue-Mangel um sich, und das könnte viele moderne Diesel zum Stillstand verdammen. "Leider nix auf Lager – wir warten auch auf AdBlue", heißt es zum Beispiel bei Autoteile24, einem bundesweit tätigen Fachhandel. Mehr weiß der freundliche Mann am Telefon leider auch nicht. So wie ihm geht es vielen Anbietern. Ob Baumarkt, Tankstelle oder Fachvertrieb, viele Verkäufer von AdBlue sitzen derzeit auf dem Trockenen.
Und das merken inzwischen viele, die einen Diesel fahren. Wer keinen vollen Kanister im Keller oder Kofferraum hat, sieht es spätestens beim Einkaufen: AdBlue ist nicht zu bekommen!

Was Sie über die Adblue-Knappheit wissen sollten

Wofür brauchen moderne Diesel AdBlue?

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AdBlue enthält Harnstoff. Diese Substanz wird fein dosiert in den SCR-Katalysator von Dieselautos gespritzt. Diese Abkürzung steht für "Selective Catalytic Reduction" (selektive katalytische Reduktion). Damit werden die giftigen Stickoxide von Dieselmotoren zu 90 Prozent aufgelöst. Der Dieselmotor würde zwar ohne AdBlue funktionieren, aber die Abgase wären dann um ein Vielfaches giftiger.

Woher weiß ich, dass AdBlue fehlt?

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Eine Anzeige im Cockpit leuchtet auf, wenn der AdBlue-Vorrat zur Neige geht. Außerdem ertönt ein Piepsen als Warnsignal. Der Hinweis wird meist erstmals aktiviert, wenn der Vorrat noch mindestens 2400 Kilometer weit reicht. Ist der Tank frisch aufgefüllt, erlischt die Warnung.

Warum fährt mein Auto nur mit AdBlue im Tank?

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Weil nur dann die Abgasreinigung richtig funktioniert. Das Problem: Fehlt AdBlue, werden Millionen Autos zwangsweise stillgelegt. Die wässrige Flüssigkeit wird seit 2007 in Diesel-Pkw und Lastwagen zusätzlich zum Sprit benötigt.
Ein Liter davon reicht für etwa 750 Kilometer, je nach Auto und Motor. Faustformel: Die AdBlue-Menge entspricht etwa fünf Prozent des Spritverbrauchs. Ist der AdBlue-Tank leer, stellt das Motormanagement die Zündung ab. Dann heißt es: den Wagen stehen lassen, er kann nicht mehr gestartet werden!

Wo befindet sich der Einfüllstutzen für AdBlue?

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Bei modernen Dieselfahrzeugen befindet sich der Einfüllstutzen für AdBlue hinter der Tankklappe neben dem großen Einfüllstutzen für Diesel. Er ist im Durchschnitt kleiner und hat zumeist eine blaue Verschlusskappe. Bei Automodellen aus den Anfangsjahren nach 2007, als die Stickoxyd-Reinigung eingeführt wurde, befindet sich der Einfüllstutzen oft auch im Kofferraum.

Wieso ist AdBlue plötzlich so knapp?

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Der Mangel an AdBlue, das im Ausland Urea (lat. für Harnstoff) heißt, ist ein weltweites Problem. Verursacht wird er durch die gestiegenen Erdgaspreise. Denn Erdgas dient nicht nur zum Heizen und Autofahren, sondern auch zur Herstellung von Ammoniak, dem Grundstoff von AdBlue.
Innerhalb der vergangenen Monate stieg der AdBlue-Preis von 60 Cent pro Liter auf mehr als einen Euro. Seit Jahresbeginn stieg der Preis sogar um 400 Prozent! Wer jetzt noch die Möglichkeit hat, einen Kanister im Baumarkt oder Autozubehörhandel zu bekommen, sollte zuschlagen.

Wird AdBlue irgendwann ausverkauft sein?

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Das ist zum Glück unwahrscheinlich. Der hohe Erdgas-Preis hat dazu geführt, dass viele Produzenten ihre Anlagen abgeschaltet haben. Steigt der AdBlue-Preis weiter, lohnt sich die Fertigung wieder. Dann werden die Raffinerien wieder hochgefahren. Aber für Autofahrer wird das Produkt sicher deutlich teurer.

Kann ich Wasser in den AdBlue-Tank füllen?

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Ist kein AdBlue da, könnte man doch einfach Wasser in den Tank füllen? Auf den ersten Blick scheint das möglich: "Ein Schwimmer im Tank registriert Flüssigkeit und meldet das ans Auto", erklärt Kfz-Ingenieur Thomas Schuster von der Prüf-Organisation KÜS.
Doch auch wenn die Anzeige dann erlischt, wäre das Problem nicht gelöst: Denn die Stickoxid-Reinigung kann mit Wasser nicht funktionieren. "Das würde der NOX-Sensor im Auspuff registrieren und eine Störung melden“, so Schuster. Dann schaltet der Motor in den Notlauf, die Leistung wird um 50 Prozent reduziert. NOX steht für Stickstoffoxide.
Überdies würde die Menge an Flüssigkeit, die in den SCA-Kat gespritzt wird, auf das Maximale ansteigen. "Das führt zu Rost im Katalysator", so der Kfz-Ingenieur.

Wo kann ich AdBlue noch bekommen?

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Die Lage ist unübersichtlich: Manche Baumärkte und Fachgeschäfte melden bereits leere Lager, andere haben AdBlue weiterhin im Sortiment, wenn auch zu steigenden Preisen. Eine bundesweite Suche nach AdBlue bieten Clevertanken oder Findadblue.
Achtung: Wer AdBlue in der Werkstatt befüllen lässt, zahlt doppelt! Erstens für die Dienstleistung und zweitens für die Füllmenge, wobei Werkstätten in aller Regel ordentlich was draufschlagen. Tipp für den Notfall: An vielen Tankstellen wird es in eigenen Zapfsäulen verkauft, hier gibt es zumeist noch Vorräte.

Kann ich meinen alten Diesel auf AdBlue nachrüsten?

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Ja, das geht! Zulieferer wie Dr. Pley und Baumot-Twintec bieten Nachrüstsätze an. So können ältere Diesel mit einem SCR-Kat und AdBlue-Tank ausgestattet werden. Anschließend erfolgt die Neueinstufung in eine höhere Schadstoffklasse, damit sparen Sie bares Geld! Der Kauf wird von einigen Herstellern (VW, Daimler) sogar mit 3000 Euro gefördert.

Immerhin gibt's AdBlue noch im Versandhandel.
Ausgewählte Produkte in tabellarischer Übersicht
Herrlan Adblue-Kanister (10 Liter)
33,90 EUR
Aprotec AdBlue (15 Liter)
64,90 EUR
Mercedes-Benz Original Adblue (10 Liter)
44,99 EUR
Volkswagen Original Adblue (10 Liter)
29,90 EUR
Noxy AdBlue (2x 10 Liter)
199,90 EUR

Von

Roland Wildberg