Der AdBlue-Mangel bleibt ein Problem: Derzeit ist der Diesel-Zusatz für saubere Abgase so teuer wie noch nie. Sein Preis hatte sich bereits im Herbst 2021 schlagartig verdreifacht.

AdBlue zum Selbstnachfüllen

Ausgewählte Produkte in tabellarischer Übersicht
Herrlan AdBlue-Kanister (10 Liter)
18,49  EUR
Mercedes-Benz Original AdBlue (10 Liter)
24,96  EUR
Volkswagen Original AdBlue (10 Liter)
18,60  EUR
Noxy AdBlue (2x 10 Liter)
39,99  EUR
Jetzt, nach dem Beginn des russischen Angriffkrieges gegen die Ukraine, ist er noch einmal mehr als doppelt so hoch. Damit befindet sich der Preis des Zusatzstoffs, der für moderne Diesel unverzichtbar ist, auf einem Allzeithoch!

Im November 2021 stieg AdBlue-Preis erstmals heftig an

Das liegt am Preis für Erdgas, denn das benötigt man als Ausgangsstoff für AdBlue. "Seit mehr als zwölf Jahren war der Preis nahezu konstant", erläutert Hagen Reiners vom Branchendienst Argus Media. Erst im Herbst 2021 änderte sich das – bedingt durch steigende Erdgaspreise.
Denn schon lange vor dem Krieg in der Ukraine bot der russische Staatskonzern Gazprom weniger Gas als sonst auf den Handelsplätzen an. Weil gleichzeitig die Nachfrage in Asien anstieg, kletterten die Preise. Die Folge: die Gasvorräte in Deutschland wurden weniger stark gefüllt als sonst. Gazprom kontrolliert zudem fast ein Drittel der Gasspeicher in Deutschland.

Verteuerung erfolgte in Reaktion auf Erdgaspreis

Als dann der Krieg in der Ukraine begann, sprangen nicht nur die Erdölpreise, sondern auch die Erdgaspreise heftig in die Höhe. Eine Megawattstunde Erdgas verteuerte sich zwischen dem 21. und 24. Februar 2022 von 71 auf 118 Euro (Großhandelspreis). Im März erreichte der Preis sogar die 200 Euro.
AdBlue folgte mit Verzögerung: Zum 14. März kletterte der Preis für 100 Liter des Diesel-Additivs von 37 auf 76 Euro! Argus Media beobachtet den Markt und erstellt Preisindizes, um Kunden mit diesen Daten bei der Vertragsgestaltung zu unterstützen.

Was Sie über die Adblue-Knappheit wissen sollten

Wofür brauchen moderne Diesel AdBlue?

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AdBlue enthält Harnstoff. Diese Substanz wird fein dosiert in den SCR-Katalysator von Dieselautos gespritzt. SCR steht für "Selective Catalytic Reduction" (selektive katalytische Reduktion). Damit werden die giftigen Stickoxide von Dieselmotoren zu 90 Prozent aufgelöst. Der Dieselmotor würde zwar ohne AdBlue funktionieren, aber die Abgase wären dann um ein Vielfaches giftiger.

Woher weiß ich, dass AdBlue fehlt?

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Eine Anzeige im Cockpit leuchtet auf, wenn der AdBlue-Vorrat zur Neige geht. Außerdem ertönt ein Piepsen als Warnsignal. Der Hinweis wird meist erstmals aktiviert, wenn der Vorrat noch mindestens 2400 Kilometer weit reicht. Ist der Tank frisch aufgefüllt, erlischt die Warnung.

Warum fährt mein Auto nur mit AdBlue im Tank?

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Weil nur dann die Abgasreinigung richtig funktioniert. Das Problem: Fehlt AdBlue, werden Millionen Autos zwangsweise stillgelegt. Die wässrige Flüssigkeit wird seit 2007 in Diesel-Pkw und Lastwagen zusätzlich zum Sprit benötigt. Auch Einsatzfahrzeuge von Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr sind betroffen. Und natürlich auch die Bundeswehr.
Ein Liter AdBlue reicht für etwa 750 Kilometer, je nach Auto und Motor. Faustformel: Die AdBlue-Menge entspricht etwa fünf Prozent des Spritverbrauchs. Ist der AdBlue-Tank leer, stellt das Motormanagement die Zündung ab. Dann heißt es: Den Wagen stehen lassen, er kann nicht mehr gestartet werden!

Wo befindet sich der Einfüllstutzen für AdBlue?

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Bei modernen Dieselfahrzeugen befindet sich der Einfüllstutzen für AdBlue hinter der Tankklappe neben dem großen Einfüllstutzen für Diesel. Er ist im Durchschnitt kleiner und hat zumeist eine blaue Verschlusskappe. Bei Automodellen aus den Anfangsjahren nach 2007, als die Stickoxyd-Reinigung eingeführt wurde, befindet sich der Einfüllstutzen oft auch im Kofferraum.

Wieso ist AdBlue plötzlich so knapp?

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Der Mangel an AdBlue, das im Ausland Urea (lat. für Harnstoff) heißt, ist ein weltweites Problem. Verursacht wird er durch die gestiegenen Erdgaspreise. Denn Erdgas dient nicht nur zum Heizen und Autofahren, sondern auch zur Herstellung von Ammoniak, dem Grundstoff von AdBlue.
Innerhalb der vergangenen Monate stieg der AdBlue-Preis im Einzelhandel von 60 Cent pro Liter auf mehr als einen Euro. Seit Jahresbeginn stieg der Preis sogar um 400 Prozent! Die Versorgung mit AdBlue ist derzeit jedoch unproblematisch. Allerdings wird damit gerechnet, dass die Preise weiter steigen.

Kann AdBlue nachproduziert werden?

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Es klingt paradox: Obwohl AdBlue durch nichts zu ersetzen ist und die Nachfrage eher steigt, kann die Industrie nicht einfach beliebig große Mengen herstellen. Dahinter steht nicht der Versuch, den Preis hochzutreiben, sondern Verfahrenstechnik. AdBlue wird in Raffinerien über das Zwischenprodukt Harnstoff aus Ammoniak erzeugt, für dessen Produktion Wasser und Erdgas vonnöten sind. Wird Erdgas zu teuer (so wie seit Monaten), lohnt sich der Betrieb der Anlagen nicht mehr – denn Ammoniak ist im Wesentlichen Ausgangsprodukt für Kunstdünger. Lohnt sich die Produktion von Kunstdünger nicht, wird die gesamte Anlage unrentabel. Und sie nur für AdBlue zu betreiben, lohnt sich ebenfalls nicht, da im Verhältnis zum Dünger viel weniger AdBlue benötigt wird. Daher sind aktuell fünf Produktionsanlagen in Europa außer Betrieb, andere laufen nur gedrosselt. Das bedeutet auch, dass mit steigenden Erdgaspreisen die AdBlue-Knappheit noch steigen könnte.

Könnte AdBlue irgendwann ausverkauft sein?

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Das ist zum Glück unwahrscheinlich. Der hohe Erdgas-Preis hat dazu geführt, dass viele Produzenten ihre Anlagen abgeschaltet haben. Dennoch fällt AdBlue in gewissen Mengen automatisch an, weil es einen Teil der Ammoniak-Verwertung darstellt. Allerdings wird Erdgas als Ausgangs-Substanz für die Ammoniak-Produktion in Zukunft wohl weiter im Preis steigen. Daher wird auch AdBlue wohl schon bald deutlich teurer werden.

Kann ich Wasser in den AdBlue-Tank füllen?

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Ist kein AdBlue da, könnte man doch einfach Wasser in den Tank füllen? Auf den ersten Blick scheint das möglich: "Ein Schwimmer im Tank registriert Flüssigkeit und meldet das ans Auto", erklärt Kfz-Ingenieur Thomas Schuster von der Prüf-Organisation KÜS.
Doch auch wenn die Anzeige dann erlischt, wäre das Problem nicht gelöst: Denn die Stickoxid-Reinigung kann mit Wasser nicht funktionieren. "Das würde der NOx-Sensor im Auspuff registrieren und eine Störung melden", so Schuster. Dann schaltet der Motor in den Notlauf, die Leistung wird um 50 Prozent reduziert. NOx steht für Stickstoffoxide.
Überdies würde die Menge an Flüssigkeit, die in den SCA-Kat gespritzt wird, auf das Maximale ansteigen. "Das führt zu Rost im Katalysator", so der Kfz-Ingenieur.

Wo kann ich AdBlue noch bekommen?

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Aktuell droht kein Engpass: Fachhandel, Baumärkte und Tankstellen haben die wässrige Harnstofflösung auf Lager. Die Preise sind sehr volatil, von knapp 1,00 bis auf 14 Euro pro Liter. Eine bundesweite Suche nach AdBlue bieten clevertanken.de (gehört zur AUTO BILD-Gruppe) oder Findadblue.
Achtung: Wer AdBlue in der Werkstatt befüllen lässt, zahlt doppelt! Erstens für die Dienstleistung und zweitens für die Füllmenge, wobei Werkstätten in aller Regel ordentlich was draufschlagen. Tipp für den Notfall: An vielen Tankstellen wird es in eigenen Zapfsäulen verkauft, hier gibt es zumeist Vorräte.

Kann ich meinen alten Diesel auf AdBlue nachrüsten?

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Ja, das geht! Zulieferer wie Dr. Pley und Baumot-Twintec bieten Nachrüstsätze an. So können ältere Diesel mit einem SCR-Kat und AdBlue-Tank ausgestattet werden. Anschließend erfolgt die Neueinstufung in eine höhere Schadstoffklasse, damit sparen Sie bares Geld! Der Kauf wird von einigen Herstellern (VW, Daimler) sogar mit 3000 Euro gefördert.

Sollte ich mir einen Vorrat an AdBlue zulegen?

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Das hat wenig Zweck. Denn erstens ist von Hamsterkäufen abzuraten, weil es grundsätzlich unsozial ist und dazu beitragen kann, dass andere Kunden vor leeren Regalen stehen und ihrerseits Hamster- oder sogar Panikkäufe tätigen. Zweitens bringt es Ihnen wenig Vorteile, weil AdBlue eine begrenzte Lebensdauer hat: Es hält etwa zwölf Monate, bei optimaler Lagerung in kühlen und dunklen Räumen maximal zwei Jahre. Da Sie (siehe oben) nur einen Liter auf rund 750 km Strecke benötigen, wird schnell deutlich: Mehr als 150 Liter auf Lager zu haben lohnt nicht, weil es sonst schneller unbrauchbar wird, als Sie es verfahren können.

Die Preisentwicklung beunruhigt insbesondere die Transportbranche: "Hiervon sind in Deutschland etwa 90 Prozent aller Lkw-Bewegungen betroffen", sagt Frank Huster vom Bundesverband Spedition und Logistik. Ist der AdBlue-Tank leer, verweigert die Motorsteuerung in modernen Fahrzeugen einen Neustart, das Auto – ob Pkw oder Lkw, Lieferwagen, Rettungs- oder Löschfahrzeug – bleibt dann stehen. Für einen schweren Lkw im Vollzeitdienst bedeutet der AdBlue-Preisanstieg jährlich zusätzliche Kosten in Höhe von mehreren Tausend Euro.

Transportbranche warnt vor Hamsterkäufen

Huster: "Die aktuellen Russland-Sanktionen haben den Engpass verschärft." Flächendeckende AdBlue-Lieferengpässe seien bislang zwar nicht zu beobachten, doch "wichtig ist nun ein besonnenes Handeln aller Marktteilnehmer – Vorratshaltungen und Hamsterkäufe würden die ohnehin angespannte Situation nur verschärfen".
Mit steigender Knappheit ist zu rechnen: Aktuell sind in Europa fünf große Raffinerien, die AdBlue produzieren, aus Kostengründen stillgelegt. In weiteren Anlagen läuft die Produktion gedrosselt.
Im Herbst 2021 führten Hamsterkäufe dazu, dass AdBlue vielerorts nicht mehr vorrätig war. Wer aktuell auf der Suche ist, kann es bequem im Fachhandel bestellen.

Von

Roland Wildberg