Auto-Antriebe im Kostenvergleich: Sind E-Autos günstiger?
E-Autos sind laut ICCT 33 Prozent günstiger als Verbrenner

Autokosten berechnen sich aus vielen verschiedenen Faktoren. Laut ICCT-Studie sind E-Autos um rund ein Drittel günstiger als Verbrenner. Stimmt das wirklich? AUTO BILD hat nachgerechnet!
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
- Raphael Schuderer
Neben Fahrspaß, Alltagsnutzen und Zuverlässigkeit zählen die Kosten eines Autos zu den wichtigsten Kriterien bei der Fahrzeug- und Antriebswahl. Im Mittelpunkt einer ökonomischen Kaufentscheidung steht die Frage: Welches Auto fährt unter dem Strich am günstigsten? Eine Studie des International Council on Clean Transportation (ICCT) hebt aktuell die Kostenersparnis von Elektroautos im Vergleich zu Verbrennern hervor.
"Batterieelektrische Fahrzeuge (BEV), die an einer Mischung aus privaten und öffentlichen Ladestationen geladen werden, waren 2025 in der EU 33 Prozent günstiger zu fahren als ihre Benzin-Pendants", heißt es in der Studie der gemeinnützigen Organisation. Die Ölkrise durch den USA-Iran-Konflikt habe "die Lücke noch vergrößert" – zuvor wurde schon über stärker steigende Preise für Benzin als für Strom berichtet.
Datenmaterial zur Studie lieferten Nichtregierungsorganisationen (NGOs) aus fünf europäischen Ländern (Deutschland, Frankreich, Polen, Italien und Spanien). Dazu flossen Daten zweier länderübergreifender internationaler Organisationen (European Consumer Organisation und Fédération Internationale de l’Automobile) ein.
"E-Autofahrer zahlen ein Drittel weniger"
"Elektroautofahrer in Europa zahlen etwa ein Drittel weniger als Autofahrer mit Benzinwagen", sagt Marie Rajon Bernard, leitende Forscherin beim ICCT und Hauptautorin des Berichts. Diese Einsparungen könne man kaum ignorieren.
Allerdings lässt das ICCT dabei außer Acht, dass die Gesamtkosten für den Betrieb eines Autos nicht nur aus Kraftstoffkosten bestehen. Das Auto muss auch gekauft, gewartet und versichert werden. Zudem fällt bislang der Wertverlust beim Wiederverkauf eines Elektroautos höher aus. Schließlich verrät die Studie kaum etwas zu den zugrunde liegenden Strom- und Kraftstoffpreisen – in der Auswertung fehlen diese Zahlen ganz. Hier daher ein genauerer Blick auf die Autokosten:
Kostenfaktoren im Überblick
Bei den Neuwagen-Kaufpreisen liegen E-Autos im Schnitt noch etwas über Verbrenner-Modellen. Im August 2026 betrug die durchschnittliche Preisdifferenz nach Untersuchung des Center Automotive Research (CAR) von Prof. Ferdinand Dudenhöffer 2249 Euro – Elektroautos sind aktuell im Schnitt etwas teurer.
Bei den Steuern liegt das E-Mobil klar vorn: Es ist aktuell die ersten zehn Jahre nach Erstzulassung von der Kfz-Steuer befreit. Auch bei der Wartung fahren die Stromer tendenziell günstiger, bei der Versicherung liegen sie in etwa gleichauf mit Verbrennern.
Vergleicht man Strompreise in den fünf von der ICCT untersuchten europäischen Ländern bei Strom-Report, zeigt sich: In Deutschland zahlten private Haushalte 2025 europaweit mit 38,4 Cent/kWh den höchsten Strompreis. Zum Vergleich: Italienische Haushalte zahlten im Schnitt 32,9 Cent/kWh. Polen (25,6 Cent), Spanien (26,1 Cent) und Frankreich (26,6 Cent) lagen noch einmal deutlich darunter. Die hohen Stromkosten senken die Attraktivität eines E-Autos in Deutschland im Europavergleich. Bei den aktuell enormen Preisen für Benzin und Diesel ist privates Laden dem Spritkauf an der Tankstelle deutlich überlegen – wenn man sein Auto zu Hause anstöpseln kann.
Beim Wertverlust liegen Elektroautos derzeit hinter den Verbrennern. Mit zunehmender Attraktivität und Modernität aktueller und kommender Elektromodelle sowie möglicherweise auch deutlich steigenden Spritpreisen, werden sich die beiden Antriebsformen in den kommenden Jahren voraussichtlich restwerttechnisch annähern. Vielleicht sind E-Autos auch irgendwann wertbeständiger – die Zukunft wird es zeigen.
Elektro gegen Benzin im Kostenvergleich
AUTO BILD veröffentlicht regelmäßig die Gegenüberstellung der gesamten Betriebskosten für E-Autos und vergleichbare Verbrennerfahrzeuge. Dort sprechen die Zahlen allerdings eine weniger eindeutige Sprache als in der ICCT-Untersuchung:
▶ VW Golf gegen VW ID.3:
Im Vergleich eines Verbrenner-Golfs (1.5 eTSI) mit dem elektrischen ID.3 (Pro 59 kWh) aus dem November 2025 liegt der Verbrenner bei den Gesamtkosten für vier Jahre und 60.000 Kilometer niedriger: Der Golf begnügt sich pro Kilometer mit 51 Cent, während der Stromer 53 Cent kostet. Und das, obwohl er nicht steuerpflichtig ist, Strom- und Wartungskosten niedriger ausfallen und das E-Auto in der Anschaffung nur 500 Euro mehr kostet. Der Grund: der hohe Wertverlust!

Beim VW-Vergleich lag der Verbrenner-Golf im November 2025 kostentechnisch vor dem elektrischen ID.3.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
▶ Jeep Compass Elektro 74 kWh FWD gegen Jeep Compass 1.2 eHybrid FWD:
Auch bei diesem Vergleich machen der höhere Anschaffungspreis und der hohe Wertverlust des Elektroautos die Ersparnisse bei Kraftstoff, Versicherung und Wartung wieder zunichte. Ergebnis: Der Benziner (0,60 Euro pro Kilometer) fährt günstiger als Elektro (0,65 Euro pro Kilometer), wieder gerechnet für vier Jahre und 60.000 Kilometer. In diesem Vergleich wurde sogar schon mit hohem Irankonflikt-Spritpreis (2,20 Euro/Liter) gerechnet.
▶ Hyundai Ioniq 9 (Elektro) gegen Hyundai Santa Fe (Benziner):
Beim Hyundai-SUV-Vergleich fällt der Kostenunterschied am deutlichsten ins Gewicht: 92 Cent kostet der Benziner pro Kilometer, 1,12 Euro das Elektroauto. Grund: höherer Kaufpreis und enormer Wertverlust des Ioniq 9. Das E-SUV fällt aber auch eine Nummer größer aus als der Santa Fe, ist über 20 Zentimeter länger.
Fazit
E-Autofahrer zahlen keine Steuern, tanken bestenfalls zu Hause günstig Strom, mit eigener Solaranlage sogar fast zum Nulltarif. Dagegen sind die Anschaffungskosten, die Kosten für öffentlichen Ladestrom und der Wertverlust beim Elektro-Neuwagenkauf immer noch hoch. Überschlagsrechnungen, im Fall der ICCT-Studie kumuliert für mehrere Staaten, zeigen nur eine generelle Momentaufnahme und blenden wichtige Faktoren wie den Wertverlust aus. Wer sichergehen will, rechnet selbst nach, was ein konkretes Modell in seinem individuellen Fall einspart – oder eben nicht.
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