Elektroautos sind zunehmend gefragt, oft auch als Dienstwagen. Doch bisher ist der Wertverlust deutlich höher als bei Verbrennern – allerdings nur im Durchschnitt: Nicht bei jedem neuen E-Auto ist der Wertverlust gleich hoch.
Während manche Modelle schon nach einem Jahr als Gebrauchtwagen dramatisch im Preis sinken, bleiben andere Elektroautos relativ wertstabil. So kann ein teures Spitzenprodukt wie der Porsche Taycan Cross Turismo, der neu ab 114.000 Euro in der Preisliste steht, schon nach einem Jahr bis zu 40 Prozent weniger kosten.

Möglichst schon beim Kaufpreis sparen

"Eine sehr wichtige Stellschraube ist die Preissetzung", sagt Maarten Baljet von Bähr & Fess. Das Unternehmen hat sich einen Namen bei der Restwertprognose von Autos gemacht. Je mehr man beim Anschaffungspreis spart, so der Analyst, desto mehr senke man den absoluten Wertverlust beim Wiederverkauf. Hohe Neupreise verhindern also eine wettbewerbsfähige Wertstabilität. "Das trifft noch auf viele Elektromodelle zu."
Die wichtigste Regel für den Kauf eines neuen Elektroautos ist also, möglichst weit unter den Listenpreis zu kommen – indem man zum Beispiel einen günstigen Rabatt erwirkt (den viele Hersteller derzeit bereits von sich aus anbieten). Auch im Autohandel oder bei Neuwagen-Plattformen sind oft Schnäppchen zu finden.

Welche Reichweite stärkt den Restwert

Ein weiterer Aspekt: die Reichweite. "Praxistaugliche Reichweite ist besonders wichtig für die Nutzung, also auch des zweiten Käufers, und damit für den Werterhalt", ergänzt Maarten Baljet gegenüber AUTO BILD. Für reine Stadt-Nutzung seien die Anforderungen naturgemäß gering. "Doch bei längeren Autobahnstrecken, auf denen die WLTP-Werte kaum zu erreichen sind, freut man sich, wenn das Auto reale 350 bis 400 km schafft – entsprechend etwa 500 bis 600 km nach WLTP." Es geht also um die Alltags-Reichweite.
Die Vergangenheit zeige, so der Analyst: Gerade die Kombination aus geringer Reichweite und hohem Neupreis "führt im Gebrauchtwagenmarkt zu überproportional hohem Wertverlust". Autos der ersten Generationen mit kleinen Akkus haben es heute extrem schwer, weil die Käufer inzwischen deutlich mehr Alltagsreichweite erwarten würden.
Audi e-tron 50 quattro
Das vollelektrische SUV Audi e-tron kam 2019 auf den Markt und kostete fast 80.000 Euro. Die relativ geringe Reichweite sorgte für eine radikale Entwertung.
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries

Es wird auch hohe Ladeleistung erwartet

Baljet nennt als Beispiel den frühen Audi e-tron 50 (ab 2019): Mit maximal 341 km Reichweite nach WLTP bot er eine für schwere SUV deutlich zu geringe Alltagsreichweite – zum zugleich hohen Neupreis (zum Marktstart ab 79.530 Euro). Baljet: "Entsprechend verhalten waren unsere Restwertprognosen schon zur Markteinführung." Heute gibt es gebrauchte Exemplare in guten Zustand für unter 25.000 Euro.
Ein weiterer Aspekt ist die Ladedauer. Wer unterwegs ist, möchte möglichst wenige Minuten mit Wiederaufladen verbringen. "Hohe Reichweite verliert spürbar an Nutzen, wenn der Ladevorgang an der Säule zu lange dauert", sagt Maarten Baljet. Daher entscheide auch die Ladekurve über die Akzeptanz eines Elektroautos auf dem Gebrauchtwagenmarkt. "Fällt die Ladekurve schon nach wenigen Minuten ab, hilft hohe Ladeleistung nichts." Das sei "wie Usain Bolt beim Marathonlauf".
Ebenfalls wichtig: Wie konstant die Batterie ihre Leistung über das Jahr hinweg hält. Stichwort: Wärmepumpe. "Da Reichweite bei Kälte stark sinkt, ist die Wärmepumpe ein hilfreiches Merkmal, um Energieverluste gerade im Winter zu senken", erklärt Baljet.

Wichtig für Werterhalt ist das Markenimage

Wie bei Verbrennern spielt auch bei E-Autos der Status eine große Rolle, damit der Restwert nicht zu schnell sinkt. Es gehe nicht nur um Prestige, sondern auch um die Frage: "Was traue ich der Marke zu? Können sie gute Elektroautos bauen, und wie blicken andere auf die Marke?", sagt Baljet. Auf solchen sozialpsychologischen Aspekten beruhe ein Gutteil des Erfolgs der etablierten deutschen Marken.

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Dementsprechend schwer haben es neue, noch nicht bekannte Marken, deren Image sich erst noch bilden muss. Hinzu kommt: Ein dünnes Händler- und Werkstattnetz drückt ebenfalls auf den späteren Wiederverkaufswert.

Tesla wird als Spezialist wahrgenommen

Am Ende stehe überdies die Frage: "Wird die Marke auch in Zukunft noch auf dem Markt sein?" Baljet nennt das Beispiel Fisker: Die US-Marke, von dem Dänen Henrik Fisker gegründet, baute zuletzt das Elektro-SUV Fisker Ocean, ein "überaus spannendes Modell". Aber: "Der Hersteller ging insolvent – als Gebrauchtwagen ist der Ocean daher schwierig weiterzuverkaufen."
Fisker Ocean One
Der US-Hersteller Fisker verkaufte mehrere Hunderte Exemplare des Elektro-SUV Ocean in Deutschland. Doch da die Firma 2024 insolvent wurde, ist der Weiterverkauf als Gebrauchtwagen schwierig.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Der US-Hersteller Tesla, obwohl keine 20 Jahre auf dem deutschen Markt, trage den Malus einer neuen Marke nicht mehr. Baljet: "Tesla nehmen die Kunden als Elektroauto-Spezialist wahr. Hier gehören sie zu den wertstabilsten und sparsamsten Modellen." Dass viele Flottenbetreiber, darunter auch das Dax-Unternehmen SAP, Tesla als Firmenwagen meiden, liegt seiner Ansicht nach eher an "den sprunghaften Neupreissenkungen in der Vergangenheit", der großen und kleinen Käufern die Kalkulationen durcheinandergebracht haben.

Stärkerer Wertverlust bleibt ein Thema

Wann werden die Preise wirklich auf einem Niveau sein? Dank der Kaufförderung der Bundesregierung und hoher Rabatte gibt es inzwischen neue Elektroautos für weniger als 20.000 Euro. Bei einzelnen Modellen sind bereits Preisparitäten zwischen neuen Elektroautos und Verbrennern eingetreten.
Citroën ë-C3
Das Mini-SUV Citroën ë-C3 gibt es in der Basisversion – mit kleinem Akku – dank großzügigem Hersteller-Rabatt aktuell für unter 15.000 Euro.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Doch Baljet winkt ab: "Wenn es aktuell günstige Elektroautos gibt, dann sind das meist die mit dem kleinsten Akku. Die bringen eben auch begrenzte Reichweite, werden sich also später zu niedrigeren Preisen verkaufen lassen."
Ein Zeitpunkt, zu dem die Wertverluste von Verbrennern und E-Autos parallel verlaufen, sei noch nicht klar zu benennen.