Herbst 2012, eine Villa in den Beverly Hills, hoch über Hollywood. BMW hat Gäste aus aller Welt eingeladen. Als die Sonne untergeht, wird das Tuch von einem Auto gezogen, das in vielerlei Hinsicht komplett neu ist: wie es aussieht, wie es angetrieben wird, wie es hergestellt wird.
Der BMW i3 ist das erste vollkommen neu konstruierte Elektroauto, das ein deutscher Autobauer im großen Stil auf den Markt bringt. Mit radikalem Design und viel teurem Carbon, um das Gewicht der Batterie auszugleichen. Dabei wird das "Project i"-Team im Konzern als "Bastelgruppe" verspottet. Doch um die Entwicklungskosten für das "Mega City Vehicle" (MCV) zu stemmen, steigt BMW sogar aus der Formel 1 aus.
BMW i3
Carbon-Zeitalter: Große Teile der Karosserie sind aus Carbon-Faser hergestellt, um Gewicht zu sparen.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD

Rund eine Viertelmillion i3 gebaut

Keine zehn Jahre später steigt BMW aus dem Projekt i3 aus. Diesen Juli wird das letzte Auto in Leipzig vom Band laufen. Rund eine Viertelmillion Stück werden dann produziert sein.
Einer davon für uns. Im Frühjahr 2014 kauft AUTO BILD inkognito einen i3. In der REX-Version mit Zweizylinder-Verbrenner als "Range Extender", der den 18,8-kWh-Akku während der Fahrt auflädt. Weil die Reichweitenangst damals noch mitschwingt. Im Rückblick unglaubliche 46.520 Euro legen wir dafür hin.
BMW i3
Boxer-Schnäuzchen: Hier zieht sich die BMW-Niere, die im neuen X6 so feist wirkt, bescheiden zurück.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD

Immerhin: Unser i3 tut nach 133.000 km immer noch brav seinen Dienst. Und ist längst nicht mehr der Hingucker in der Großstadt. Tausende i3 sind vor allem im Carsharing unterwegs. Wahrscheinlich hat kein anderes Modell so vielen Deutschen die E-Mobilität nähergebracht als dieser BMW. Den Technologie-Vorsprung, den die Münchner damit einst hatten: verspielt.

BMW setzt nun auf Elektro-SUV

Mittlerweile geben andere den Takt vor: Tesla oder der Hyundai/Kia-Konzern.
Die Pläne, unterhalb des i3 ein echtes MCV zu bauen, sind längst auf die lange Bank geschoben. Zu gering scheinen BMW die Chancen auf den wichtigen Märkten China und USA. Also setzt BMW nicht auf kleine E-Stadtautos, sondern auf große SUV in eher klassischem Design.
BMW i3
Tag der offenen Türen: Der i3 hat keine B-Säule, die Türen öffnen nach dem Barndoor-Prinzip (Scheunentor-Prinzip).
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD

Und der Mini Electric aus dem Konzern ist auch nur ein halbherziger Umbau eines Verbrennermodells, das schon längst nicht mehr mini ist. Das "Project i"-Team? Lange aufgelöst. Teamchef Ulrich Kranz ist heute bei Apple. War der BMW i3 seiner Zeit einfach voraus? Quasi der Audi A2 des Elektro-Zeitalters?

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Immer noch 85 Prozent Kapazität

Der Hamburger Michael Specht glaubt das nicht. Für ihn, der 2014 einen der ersten i3 für 45.000 Euro erstand, ist und bleibt das Auto "das beste, das ich je gekauft habe".
Und obwohl das Modell sehr wertstabil ist, will Specht es nicht verkaufen. Zwar sei sein rein elektrischer i3 mit einer Reichweite von 120 Kilometern im Sommer und 90 Kilometern im Winter inzwischen so etwas "wie das iPhone 1" auf Rädern.
BMW i3s BMW i3 !! SPERRFRIST 28. September 2018 8 Uhr !!
Das sorgte für Aufsehen: Öko-Cockpit mit einzigartigem Design. Kaum zu glauben, dass das schon neun Jahre alt ist
Bild: BMW Group

Aber als er jüngst die acht Jahre alten Akkuzellen auslesen lässt, ergibt sich eine Restkapazität von noch 85 Prozent. Spechts Vorteil: Er lädt seinen i3 fast ausschließlich langsam, aber akkuschonend an der Schuko-Steckdose. Einen Akku-Tausch, wie von BMW bereits Ende 2016 für 9000 Euro angeboten, lehnt er müde lächelnd ab.

Zuletzt wird der i3 zum Rechentrick

Knapp 100.000 Kilometer ist Spechts i3 gelaufen, unser "REX" sogar noch gut 30.000 Kilometer mehr. Spaß macht er noch immer.
Alt wird das Design auch nicht. Und ein Autopromi ist der i3 eh. Seit 2013 hat der i3 in zahlreichen Hollywoodfilmen seine werbewirksamen Auftritte. Trotzdem bleibt es bei einer kurzen Karriere.
Dr. Norbert Reithofer mit BMW i3
Ausgezeichnet: der damalige BMW-Chef Norbert Reithofer mit dem Goldenen Lenkrad (2013).
Bild: Chr. Spreitz

Schon 2019 sollte die i3-Produktion eigentlich auslaufen. Aber dann findet BMW doch noch eine Verwendung. Als ein Vehikel, um die verschärften CO2-Flottengrenzwerte einzuhalten. Ein Auto als Rechentrick. Bye-bye, i3! Du hast deinen Platz in der Hall of Fame der Autowelt sicher.