Franzosen, Dänen, Japaner: Sie tun mir leid, denn ihnen fehlt die deutsche Autobahn. Ohne Autobahn kein vollkommenes Hayabusa-Glück. Für kein anderes Motorrad der Welt dürfte ein Geschwindigkeitslimit so sehr Gift sein wie für den – offiziell Suzuki GSX 1300 RR genannten – Superboliden mit der Falkennase. Wo soll man das Ding sonst ausfahren?
Zur Erinnerung: Die Hayabusa ("Wanderfalke") war 1999 das erste Serienmotorrad, das über 300 km/h lief. Jetzt steht das 2021er-Modell vor uns und rennt mehr als 135 Sachen – im ersten Gang.
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Kraftvolle wie elegante Fahrt auf der Suzuki Hayabusa

Suzuki Hayabusa
Die Suzuki Hayabusa kann Landstraße sehr gut, fährt elegant und satt und dampft mächtig voran.
Nichts für Dänemark also. Aber für Dägeling. So heißt die nächste Abfahrt. Es ist 4.25 Uhr und die A23 nördlich von Hamburg wie leergefegt. Bis Dägeling will ich Vollgas halten. Muss man mal probieren, den Vmax-Ritt auf der schwarzen Kanonenkugel. Geschmeidiger Ausritt war schon am Vorabend dran. So viel steht fest: Das kann die Hayabusa ebenfalls richtig gut. Die 264 Kilogramm schwere 1340er fährt einfach elegant. Sie federt fein, schnürt samtig, dampft stoisch durch Kurven und drückt atemberaubend nachdrücklich voran. Mit einer herrlich wuchtigen Präsenz. Alles horcht, jeder guckt, viele fragen nach. Allein das sind die 18.490 Euro Grundpreis wert. Dazu trumpft Suzuki in puncto Fahrassistenz auf. Launch-Control, Kurven-ABS, Wheelie-Kontrolle, Kombibremse, einstellbare Motorbremswirkung, Fahrmodi und ein Schaltassistent (rauf wie runter) sind ab Werk an Bord.

Zaudern am Gas wirkt bei 270 km/h wie eine Vollbremsung

Suzuki Hayabusa
Jenseits der 270 km/h steht der innere Schweinehund von Redakteur Jan Horn kurz davor, Amok zu laufen.
Jetzt schlägt aber die Stunde der Wahrheit: Ich will das maximale Höllentempo der Busa austesten. Dägeling ist knapp 30 Kilometer entfernt, das sollte für mehrere Sprints reichen. Im Moment tobt jedoch der innere Schweinehund wie irre. In jeder Nervenzelle bellt er herum, jedes Armhärchen hat er emporgeknurrt. Alles in mir bettelt: Mach einfach die rechte Faust auf, dann schnappt die Gasrolle zurück, den Rest regelt der Gegenwind. Denn ein Zaudern am Gas wirkt wie eine Vollbremsung mit einer Vespa – so stark hemmt ab Tempo 270 aufwärts der Luftwiderstand. Nicht einfach, wenn man es im Kreuz hat und mit 1,86 Metern zu groß ist, um die Ellenbogen vor die Knie und den Kopf elegant hinter die flache Scheibe zu bekommen. Eine unwürdige Übung.

Der Tacho der Suzuki geht nur bis 290 km/h

Suzuki Hayabusa
Am Ende war AUTO BILD MOTORRAD auf der Hayabusa mit 301 km/h unterwegs.
Die leicht gewellte Oberkante des Helmvisiers verschwimmt mit dem dunkel getönten Scheibenrand des Cockpits, es gibt Zerrbilder statt Durchblick. Das Ganze wird noch verquirlt von den deftigen Vibrationen der Maschine und dem wütend am Helmscheitel zerrenden Fahrtwind. Letztlich bleibt nur eine Art grauer Sichtbrei. Derweil spinnt der Tacho. Er reicht nämlich nur bis 290. Ich überschlage nach Drehzahl: 3500 liegen an bei 100 km/h im fünften Gang. Macht also rechnerisch bei 10.500 Touren 300 Spitze. Über die 280 bin ich inzwischen weit drüber, der Drehzahlmesser zittert weiter Richtung Tiefrot. Jetzt den sechsten Gang rein? Oder sich vom Begrenzer bei rund 11.000/min anmeckern lassen? Eh wurscht.

Suzuki Hayabusa 2021: technische Daten, Plus/Minus

Technische Daten

Pfeil

Motor: R4, Flüssigkeitskühlung • Hubraum: 1340 ccm • Leistung: 140 kW (190 PS) bei 9700/min • max. Drehmoment: 150 Nm bei 7000/min • Spitze: 295 km/h • Reifen: v./h. 120-70 ZR 17 / 190-50 ZR 17 • Sitzhöhe: 800 mm • Gewicht: 264 kg • Tankinhalt: 20 l • Preis: ab 18.490 Euro

Plus/Minus

Pfeil

+ Leistung und Laufkultur in jeder Lage, souveränes Fahrverhalten, üppige Ausstattung
- hoher Preis, entsprechend der Leistung üppiges Gewicht, Tacho sehr klein skaliert


Denn da taucht kurz vor der Erdkrümmung ein Auto auf. Von hier bis zum Horizont sind es in der Hayabusa-Welt nur zwei Sekunden. Ich lupfe – so gern wie lange nicht. Am Ende ist der Kampf gewonnen. Unsere Satellitenaufzeichnung dokumentiert echte 301 km/h. Langsam füllt sich die Autobahn mit Berufspendlern, die spätestens in Hamburg Stoßstange an Stoßstange im Stau stehen werden. Sie tun mir auch leid.

Fazit

Es ist nicht das Datenblatt. Es ist auch nicht der große Name. Wenn etwas beeindruckt, dann sind das die Reaktionen auf jeden Zug an der Gasrolle. Die Lässigkeit, mit der die Hayabusa ihre Leistung ausspuckt, ist einzigartig. Und zum Glück auch ein wenig Furcht einflößend. Für wen? Schnellreisende, Kenner. Für wen nicht? Zweimeter-Männer, Anfänger.