Ein klassischer, alter VW Bus ohne knatternden Boxer, das ist schwer vorstellbar. Aber ohne Weiteres machbar: Das Start-up "eClassics" in Renningen (bei Stuttgart) rüstet den rollenden Sympathieträger auf Wunsch mit Originalteilen von Volkswagen zum E-Auto um. Die Motorleistung von ehemals 25 PS verdreifacht sich dann auf 83 PS! Damit fährt der alte T1 bis zu 130 km/h schnell.

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Es ginge noch schneller, aber aus Sicherheitsgründen ist das Tempo elektronisch abgeregelt. Der historische VW T1 Samba – seinerzeit die Spitzenversion der ersten Bulli-Generation – fuhr mit dem 25-PS-Boxer ohnehin maximal 80 km/h. Die Batterie, im Fahrzeugboden verbaut, soll eine Reichweite von "deutlich über" 200 Kilometern ermöglichen. Glaubwürdig, dass das Fahrgefühl "völlig verändert" ist, wie es von VW heißt.

Erster Anbieter für E-Auto-Umbau auf Hochvoltbasis

Der eigentliche Job von eClassics war – Zeichen der Zeit – die Software-Entwicklung. "Es wurde eine Software-Architektur geschrieben, die es erlaubt, vorhandene VW-Komponenten neu anzuordnen und miteinander zu vernetzen", sagt Alexander Schwan von eClassics gegenüber AUTO BILD. Bauteile aus unterschiedlichen Modellen würden nämlich nicht ohne Weiteres miteinander auf digitalem Weg kommunizieren. Mit dem neuen Code sei das möglich. Nach umfangreichen Prüfungen habe VW seinen Segen gegeben. Nun könne eClassics als erster Anbieter Hochvolt-Umbauten installieren. "Auf dem Markt existierten bisher keine." Das meiste seien Niedervolt-Basteleien, bei denen E-Motoren aufs Getriebe aufgeschraubt würden. "Das klingt dann wie ein Stapler, einfach grässlich."
VW T1 e-Bus
VW Components steuert die Elektro-Bauteile bei – sie stammen von aktuellen E-Autos wie VW e-Up und ID.3.
Wer seinen VW-Bus T1 von eClassics elektrifizieren lassen möchte, zahlt für den Umbau ab etwa 50.000 Euro. Bei der Suche nach einem geeigneten Oldtimer für die Umrüstung ist eClassics ebenfalls behilflich. Die Umrüstung eines VW Käfer kostet inklusive Hardware um die 40.000 Euro, ebenso die eines T2. Grund: Der T2 ist stabiler ausgeführt, verkraftet die höhere Power besser, da kann das alte Fahrwerk bleiben. Grundlage der T1-Elektrifizierung ist unter anderem die Technik für den Elektro-Kleinwagen VW e-Up. Davon zeugen die Motorleistung, die Automatik-Schaltkulisse im Cockpit und das neue Fahrpedal. Es ist stehend angebracht, im Gegensatz zum alten, hängenden Gaspedal.
VW T1 e-Bus
Keine Abgasfahne, kein Knattern des Boxermotors: Der Elektro-Samba von 1968 fährt fast geräuschlos – und mit 83 PS!

Tatsächlich sind auch die Fahrleistungen des Oldtimer-Bullis mit denen des "Spenderfahrzeugs" VW e-Up vergleichbar. Denn beider Leergewicht ist ähnlich, es liegt bei beiden Autos bei etwa 950 Kilogramm. Damit der T1 die rund 250 Kilogramm schwere Batterie schleppen kann, müssen neue Achsen her. Dafür kommt das Auto im fließenden Verkehr der Gegenwart mühelos mit.
VW T1 e-Bus
Die Umrüstung macht der VW-Partnerbetrieb eClassics in Schwaben. Er sucht auch nach einem geeigneten Basisfahrzeug.
Die altertümlichen Trommeln werden durch innenbelüftete Scheibenbremsen ersetzt, das Fahrwerk ruht solide auf modernen Stoßdämpfern mit Schraubenfedern, eine neue Zahnstangenlenkung erhöht die Manövrierfähigkeit. Das alles ist Bestandteil es Umrüstungs-Bausatzes – inklusive TÜV-Gutachten und VW-Garantie. Auch die Leistungselektronik, Kabel, Akkus und die Peripherie wie CCS-Ladedose stammen aus dem VW-Werk Salzgitter. An einer Schnellladesäule lässt sich die 54-kWh-Batterie in rund 40 Minuten mit bis zu 70 Kilowatt Ladestrom auf 80 Prozent wieder aufladen.

Schon 2019 begann das E-Auto-Experiment mit Oldtimern

Erfahrung mit der Oldtimer-Elektrifizierung hat VW bereits seit 2019. Damals stellte der Konzern einen umgerüsteten Käfer auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt vor. Die Zusammenarbeit mit eClassics begann noch im selben Jahr. Im März 2020 folgte dann die Studie "e-BULLI", ein von VW Nutzfahrzeuge elektrifizierter T1. VW Nordamerika rüstete derweil den Nachfolger T2 zum E-Bus um. "Die Studien zeigen exemplarisch, welch großes Potenzial in dem Konzept steckt", teilt VW jetzt mit. Nach Einschätzung des Unternehmens "steigt die Nachfrage nach elektrifizierten historischen Fahrzeugen rasant."
VW T1 e-Bus
VW will, dass die Elektrobauteile aus der Serie bei der Klassiker-Umrüstung standardmäßig genutzt werden.
Die Firma eClassics hat inzwischen etwa 20 Autos mit der neuen Technik ausgestattet – Käfer, T1 und T2. Die Vorwürfe mancher Puristen, sie seien "Oldtimer-Terroristen" oder "Klassiker-Killer", lassen Schwan kalt. "Es wurden ausschließlich Schrottautos für die Umrüstung verwendet", sagt er. Schwan ist Geschäftsführer von Carblast, einem Spezialunternehmen zur Entlackung und Entrostung von Oldtimern. Er kann somit die Vorbereitung für den Umbau gleich mit anbieten. Einen Ferrari oder Porsche würde er aber nicht umrüsten wollen. Grund: "Wenn der Motorsound wegfällt, hört man Federung und Bremsen, das klingt nicht gut."

Bald auch andere Marken umrüstbar

Der VW-Konzern kündigt an, dass der Unternehmensbereich VW Group Components zukünftig auch Elektrobauteile regulär für Klassiker anbieten wird. Ziel ist es, dass historische Volkswagen-Modelle standardmäßig mit VW-Teilen elektrifiziert werden können. Einen e-Golf Classic, also einen elektrifizierten Ur-Golf, soll es schon bald geben. Auch einen Karmann Ghia Typ 14, den VW 181 Kübelwagen oder den Buggy hält VW für elektrifizierbar. An der Umrüstung des T3 arbeitet eClassics ebenfalls.
Sogar Oldtimer anderer Marken möchte VW mit Elektro-Bausätzen umrüsten helfen. "Perspektivisch ist auch die Lieferung von Komponenten des Modularen E-Antriebs-Baukastens (MEB) vorgesehen", sagt Ludwig Fazel, Chefstratege des Konzernressorts Technik von Volkswagen. Auf dieser Plattform fußen die aktuellen Elektromodelle, vom ID.3 über den ID.4 bis zum Bulli-Urenkel ID.Buzz.

Von

Roland Wildberg