Diesel kaufen: Pro und Kontra

Diesel kaufen oder nicht: Pro und Kontra

Kann ich noch einen Diesel kaufen?

Fahrverbote, Abgasskandal, Luftverschmutzung: Die Deutschen schauen mit gemischten Gefühlen auf den Diesel. Kann ich noch einen Selbstzünder kaufen? Pro und Kontra zum Diesel-Kauf!
(dpa/reu/cj/mb/lhp/mas) Kann ich heute eigentlich noch einen Diesel kaufen? Das fragen sich viele Autofahrer. Denn die Lust der Deutschen am Diesel erkaltet. Längst sind die schädlichen Abgase der Selbstzünder im Fokus, Fahrverbote erfüllen Autokäufer mit der Sorge, ob der Diesel noch die richtige Wahl und überhaupt zukunftsfähig ist. Wie entwickeln sich die Preise des Selbstzünders? Wie steht es mit Fahrverboten? Und was ist mit einer Nachrüstlösung? Die Skepsis gegenüber dem einst so mächtigen Dieselantrieb hat sich auch im ersten Halbjahr 2018 nicht gelegt. Laut KBA wurden rund ein Fünftel weniger Selbstzünder zugelassen als im gleichen Vorjahreszeitraum (genauere Zahlen finden Sie hier). Immerhin: Bei den Gebrauchtwagen hat sich die Panik gelegt, der Preisverfall ist gestoppt (siehe unten). AUTO BILD gibt eine Entscheidungshilfe in Sachen Diesel-Kauf!
Anfänge: Warum ist der Diesel in Verruf geraten?
Fahrverbote und blaue Plakette: Was hat es damit auf sich?
Umrüstung: Wie können Fahrverbote umgangen werden?
Euro 6, 6b, 6c, 6d, 6d-TEMP: Was ist der Unterschied?
Verbrauch: Benziner und Diesel im Vergleich
Umwelt: Welche Auswirkungen hat der Diesel?
Absatz: Wie entwickeln sich die Zahlen?
Preise: Neu- und Gebrauchtwagenpreise sinken
Verunsicherung: Wie verhalten sich die Kunden?
Strategie: Wie verhalten sich die Hersteller?
Steuer: Welche Vor- und Nachteile haben Dieselfahrer?
Diesel oder Benziner: Welche Variante lohnt sich mehr?
Ecotest: Welche Diesel kann ich bedenkenlos kaufen?

Friedhof der VW-Schummel-Diesel in den USA

Warum ist der Diesel in Verruf geraten?

Die Dieselkrise begann mit dem Aufdecken des VW-Skandals im September 2015. Heraus kam, dass millionenfach Abgasreinigungswerte in Sachen Stickoxide (NOx) manipuliert wurden – zuungunsten der Umwelt und der Kunden. Zwielichtige Tests mit Affen und Menschen brachten vor allem VW, aber auch die ganze Autobranche in Verruf. Von "Betrugssoftware", "Abschaltvorrichtungen" und "Schummel-Dieseln" ist seitdem die Rede. VW kostete die Affäre Milliarden, das Image des Dieselantriebs wurde beschädigt. Auch Daimler hat ein Diesel-Problem. Mittlerweile wurde klar, dass die auf dem Prüfstand gemessenen Emissionen lange Zeit weit geringer ausfielen, als auf der Straße. Mittlerweile steht der Diesel nicht nur wegen Manipulationen bei Neuwagen, sondern vor allem wegen der Emissionen älterer Diesel in der Kritik.

Wie steht es um Fahrverbote und die blaue Plakette?

Viele Städte haben wegen der Dieselabgase mit zu hohen Stickoxid-Werten zu kämpfen. Gerade dort ist mit Fahrverboten zu rechnen. In Hamburg wurde eines bereits Ende Mai 2018 verhängt, als an zwei besonders belasteten Straßen Verbotsschilder für Autos bis Euro 5 (inklusive) aufgestellt wurden. Stuttgart zieht im Januar 2019 mit einer Fahrverbotszone am Neckartor nach (für Euro 4 abwärts), auch Fahrverbote für Euro-5-Diesel werden nicht ausgeschlossen. Ähnliches in Düsseldorf und München: Auch hier drohen Fahrverbote, weitere Großstädte könnten folgen. Offen ist die Frage der Kontrolle, denn von außen ist kaum ein Fahrzeug als Diesel zu erkennen. Das macht die Einführung einer klaren Kennzeichnung nötig und wahrscheinlich. Kommt nun die blaue Plakette? Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) sowie viele Landespolitiker fordern die Plakette zur Kennzeichnung sauberer Diesel, die die Abgasnorm Euro 6 erfüllen. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) ist wie viele weitere Unionspolitiker dagegen. Von Fahrverboten könnten bis zu 13 Millionen Diesel betroffen sein. Benziner könnten wegen des geringeren NOx-Ausstoßes ab Euro 3 die blaue Plakette bekommen. Doch mit der zukünftigen Partikelfilterpflicht für Benziner verschärfen sich auch hier die Bedingungen.

Wie können Euro-5-Diesel mögliche Fahrverbote umgehen?

Mit einer technischen Umrüstung. Über die Art und Weise herrscht allerdings Uneinigkeit. Die Hersteller wollten bis Ende 2018 insgesamt 5,3 Millionen Fahrzeuge mit einem Software-Update versehen, bei dem in die Motorsteuerung und die Abgasreinigung eingegriffen wird. Dadurch soll der NOx-Schadstoffausstoß um 25 bis 30 Prozent gesenkt werden. Mögliche Nachteile sind ein erhöhter Verbrauch und eine verminderte Leistung. Viele Umweltverbände, aber auch neutrale Verkehrsexperten bezweifeln zudem den Grad der Wirksamkeit oder halten ihn nicht für ausreichend. Eine wirksamere, aber auch erheblich teurere Maßnahme wäre die Nachbesserung der Motor-Hardware. Hierfür käme vor allem eine sogenannte SCR-Anlage mit Harnstofflösung infrage, deren nachträglicher Einbau zwischen 1500 und 2500 Euro kosten würde. Wie das genau funktioniert, zeigt AUTO BILD in der Bildergalerie.

Diesel umrüsten auf Euro 6: So geht's

Diesel umrüsten auf Euro 6: So geht'sDiesel umrüsten auf Euro 6: So geht'sDiesel umrüsten auf Euro 6: So geht's

Welche Steuervor- und nachteile haben Dieselfahrer?

Vorteile: Genau 18,41 Cent pro Liter Treibstoff zahlen Dieselfahrer beim Tanken weniger Energiesteuer als für Benzin (47,04 Cent gegenüber 65,45 Cent). Insgesamt ist der Sprit etwa 20 Cent pro Liter günstiger. Noch, denn die Stimmen zur Abschaffung des sogenannten Dieselprivilegs mehren sich. Selbst der damalige VW-Chef Matthias Müller äußerte sich Ende 2017 kritisch über das Dieselprivileg. Man solle dessen "Sinn und Zweck hinterfragen", sagte er im "Handelsblatt". Allerdings lässt die CSU, die weiterhin das Verkehrsministerium führt, noch keinen Zweifel am Steuervorteil für Dieselkraftstoff erkennen. 
Nachteile: Als Gegengewicht zum günstigeren Diesel an der Tankstelle werden Dieselautos mit einer höheren Kfz-Steuer belegt, sodass sich Dieselfahrzeuge meist nur für Vielfahrer lohnen. Die Steuer hängt ab von der Schadstoffklasse und vom Jahr der Erstzulassung. Wie hoch die Steuer bei Ihrem Fahrzeug ist, können Sie hier in drei Schritten errechnen)!

Euro 6, 6b, 6c, 6d, 6d-TEMP: Wo ist der Unterschied?

Euro 6 heißt: Auf dem Prüfstand stößt das Auto maximal 80 Milligramm NOx pro Kilometer aus. Zum Vergleich: Bei Euro-5-Dieseln sind bis zu 180 mg/km erlaubt. Doch die Unterschiede zwischen 6b, 6c, 6d-TEMP und 6d sind gewaltig: Es wird mit völlig unterschiedlichen Prüfverfahren (NEFZ, WLTP, RDE) gemessen, und es gelten andere Grenzwerte. Das wirkt sich nicht nur auf dem Prüfstand, sondern vor allem im Hinblick auf den realen Stickoxid-Ausstoß im Straßenbetrieb aus. Was genau hat sich geändert bzw. wird sich ändern? AUTO BILD liefert einen Überblick:
➤ Euro 6b: Die Abgasnorm Euro 6b wurde am 1. September 2014 für neue Baureihen und Modellgenerationen verpflichtend, am 1. September 2015 müssen alle Neuwagen 6b erfüllen. Erlaubter Grenzwert NOx: 80 mg/km (Diesel), 60 mg/km (Benziner). Gemessen wurde ausschließlich auf dem Prüfstand, und zwar nach dem veralteten und sehr realitätsfernen NEFZ-Zyklus. Auch wenn sie den Grenzwert auf der Rolle locker erfüllen, pusten diese eigentlich modernen Euro-6b-Diesel im realen Fahrbetrieb auf der Straße im Schnitt aber auf jedem Kilometer 507 Milligramm NOx in die Luft! Und das – sieht man einmal von den manipulierten Volkswagen-Fahrzeugen ab – völlig legal. 
➤ Euro 6c/6d-TEMP: Die Euronormen 6c und 6d-TEMP traten parallel am 1. September 2017 in Kraft, neue Modelle (Typzulassung) müssen beide Normen erfüllen. Euro 6c bezieht sich lediglich auf den Prüfstand: Wie bei 6b gilt der Grenzwert von 80 mg/km, gemessen wird aber nach dem deutlich realitätsnäheren WLTP-Zyklus (Worldwide Harmonized Testing Procedure). Euro 6c wird am 1. September 2018 für alle Neuwagen verpflichtend. 
Neue Modelle (mit neuer Typzulassungen) müssen aber schon vorher die deutliche schärfere Norm Euro 6d-TEMP erfüllen. Zusätzlich zu den Prüfstandsmessungen (wie bei 6c nach WLTP-Zyklus, Grenzwert: 80 mg/km NOx) wird hier erstmals der Realausstoß im Fahrbetrieb auf der Straße gemessen (RDE, Real Driving Emissions). Grenzwert: Die Autos dürfen nicht mehr als 168 mg/km NOx (Benziner: 126 mg/km) in die Luft blasen. Für alle Neuwagen wird Euro 6d-TEMP erst am 1. September 2019 verpflichtend. Eigentlich sollten Straßenmessungen erst im Jahr 2020 eingeführt werden. Aufgrund des Abgasskandals wurde diese bereits mit der Übergangslösung Euro 6d-TEMP (TEMP = temporär) um gute zwei Jahre vorgezogen. Überblick: Diese Autos erfüllen Euro 6d-TEMP schon jetzt!
Euro 6d: Wird für neue Modelle ab 1. Januar 2020, für alle Neuwagen ab Januar 2021 verpflichtend. Hier werden im Vergleich zur 6d-TEMP-Norm die Grenzwerte bei der RDE-Messung (also im Straßenbetrieb) nochmal verschärft: Statt 168 dürfen Diesel dann nur noch 120 mg/km (Benziner: 90 mg/km) Stickoxide ausstoßen. 
Dass im Straßenbetrieb immer noch nicht die echten Grenzwerte (80 mg/km) gelten, sondern die 2,1-fachen (6d-TEMP) bzw. die 1,5-fachen (6d), ist der Intervention der Autolobby bei der EU zu verdanken: 80 mg NOx pro Kilometer seien nicht zu schaffen gewesen. Heute ist klar, dass die 80 Milligramm kein Problem wären: Mercedes E-Klasse, BMW 5er und auch VW-Diesel haben bei Messungen bewiesen, dass sie diese Marke unterbieten und gemäß Euro 6d nachhomologiert werden könnten. Hilfe: Welche Abgasnorm hat mein Auto?

Emissionsarm: Diese Autos sind sauber

Sind Diesel verbrauchsärmer als Benziner?

Diesel verbrauchen etwa 15 bis 20 Prozent weniger Kraftstoff als vergleichbare Benziner. Allerdings ist die Energiedichte von Diesel auch höher, es gilt der aus der Schule bekannte Energieerhaltungssatz. Zudem wird kritisiert, der technisch mögliche Verbrauchsvorteil beim Diesel werde überkompensiert durch das hohe Gewicht gefragter SUVs. Auch sei die Herstellung von Dieselmotoren aufwendiger, denn hier entstünden CO2-Nachteile, argumentiert die Deutsche Umwelthilfe (DUH). Zumal moderne Benziner effizienter seien als früher – dank sogenannter Vollhybride, also Autos, die sowohl mit dem Verbrennungs- als auch dem Elektromotor fahren können.

Wie beeinträchtigt der Diesel die Umwelt?

Als Kraftstoff ist Diesel effizienter und energiereicher als Benzin, daher liegt der Wirkungsgrad des Dieselmotors um etwa 15 Prozent über dem von Benzinern. Weil weniger Kraftstoff bei gleicher Leistung verbrannt wird, verbrauchen Dieselmodelle weniger. Weil nun der CO2-Ausstoß am Verbrauch hängt, kommt aus dem Auspuff der Diesel-Autos unterm Strich weniger von dem Klimagas raus – beim CO2-Ausstoß steht der Diesel also erst mal besser da als ein Benziner. Allerdings ist der CO2-Gehalt je Liter Diesel tatsächlich höher als bei Benzin: Für manchen Autoexperten ist der "klimafreundliche Diesel" daher ein Mythos. Mittlerweile rücken nun die übrigen Schadstoffe, die bei der Verbrennung von Diesel entstehen, in den Mittelpunkt, etwa die gesundheitsschädlichen Stickoxide (NOx). Sie können die Schleimhäute angreifen und zu Husten, Atembeschwerden und Augenreizungen führen sowie Herz, Kreislauf und die Lungenfunktion beeinträchtigen. Das regionale Übersteigen der NOx-Grenzwerte war auch der Anlass zur Diskussion um Fahrverbote. Daher arbeiten viele Hersteller an Alternativen zum Diesel.

Absatz: Nur noch ein Drittel kauft einen neuen Diesel

Deutschland war bis 2016 absolutes Diesel-Land, fast jedes zweite neu zugelassene Kfz war ein Selbstzünder. Diese Zeiten sind vorbei, die Deutschen haben die Lust am Diesel verloren. Inzwischen scheint sich das das Interesse bei rund einem Drittel einzupendeln. Darauf deuten die KBA-Zahlen aus dem ersten Halbjahr 2018 hin: Nur noch 32,1 Prozent machte der Selbstzünder in der Gesamtbilanz aller Neuzulassungen (privat und gewerblich) aus – ein Rückgang von genau 20 Prozent gegenüber den ersten sechs Monaten 2017. Ingesamt wurden in Deutschland von Januar bis Juni 2018 genau 1.839.031 Pkw als Neuwagen zugelassen, das ist ein Plus von 2,9 Prozent. Fast genau zwei Drittel davon waren Benziner (63,1 %/+16,3 %). 17.234 Elektrofahrzeuge ergaben einen Anteil von 0,9 Prozent (+69,1 %), von den 60.904 neu zugelassenen Hybrid-Pkw (3,3 %/+62,3 %) waren 16.683 Exemplare Plug-in-Hybride (0,9 %/+36,0 %).

Wie sieht es mit Preisen und Rabatten aus?

Der Diesel-Absatz sinkt, die Rabatte steigen. Schnäppchenjäger könnten auf ihre Kosten kommen.

Neuwagenpreise: Wegen der Diesel-Abwrackprämie für ältere Fahrzeuge stiegen die Rabatte in Deutschland im ersten Halbjahr 2018 auf ein Rekordhoch. Allerdings sind Ende Juni die meisten Aktionen ausgelaufen. Das Rabattniveau dürfte im Laufe des Jahres 2018 also wieder deutlich sinken. Allerdings ist der Markt für Dieselfahrzeuge nach CAR-Angaben derart aus dem Gleichgewicht geraten, dass er sich kaum wieder erholen dürfte. 
Gebrauchtwagenpreise: Lange konnten Kunden beim Dieselkauf tolle Rabatte heraushandeln. Laut dem Dieselbarometer der DAT vom Juni 2018 hat sich die Lage allerdings schon im Mai beruhigt, die Panik ist verflogen. Auch durch das Fahrverbot in Stuttgart sei kein neuer heftiger Preissturz zu erwarten, so die DAT-Experten. Zudem gebe es einen großen Unterschied zwischen Stadt und Land. "Für viele Menschen, die auf dem Land wohnen, ist es ja unter Umständen völlig uninteressant, mit dem Auto nach Stuttgart zu fahren", so DAT-Sprecher Bernd Reich. Gleichzeitig lohne sich der Diesel auf dem Land – gerade wenn weniger öffentliche Verkehrsmittel zur Verfügung stehen, und weil es zumindest für Vielfahrer keine vernünftigen Alternativen dazu gebe.

Händler: Der problematische Weiterverkauf stellt viele Händler vor die Frage, ob sie Gebrauchte mit Diesel überhaupt noch annehmen. Viele sorgen sich vor allem um die Zukunft der Euro-5-Motoren.
"Die Restwerte von Euro-5-Dieselfahrzeugen sind aufgrund der Verunsicherung der Kunden schon seit geraumer Zeit unter Druck. Eine Umfrage unter Betrieben hatte schon im Juni eine Spannbreite des Rückgangs von 10 bis 50 Prozent ergeben", sagte Michael Ziegler, Präsident des Verbands des Kraftfahrzeuggewerbes in Baden-Württemberg. Wichtig sei, "schnell die rechtlichen Rahmenbedingungen für eine Hardware-Nachrüstung von Euro-5-Dieselfahrzeugen zu ermöglichen". Nur damit ließen sich Fahrverbote dauerhaft vermeiden, Restwerte der Fahrzeuge stabilisieren und die Luft nachhaltig verbessern.

Wie verhalten sich die Kunden?

Die Kunden sind insgesamt allerdings noch durch die Fahrverbote verunsichert, wie das neue DAT-Dieselbarometer zeigt. Eine repräsentative Umfrage ergab, dass viele Autokäufer ihren Kauf verschieben und sich nur 13 Prozent von ihnen für einen Diesel entscheiden würden. Wären Fahrverbote definitiv vom Tisch und auch sonst die Rahmenbedingungen sicher, würden sich 30 Prozent aller Befragten für einen Diesel entscheiden, heißt es darin. Immerhin: Nur noch 28 Prozent der Befragten, die aktuell einen Diesel fahren, möchten ihren Pkw schnellstmöglich loswerden. Im August 2017 lag dieser Wert noch bei 36 Prozent. 41 Prozent würden sich im Übrigen finanziell an einer technischen Nachrüstung beteiligen.

Wie reagieren die Hersteller?

Unterschiedlich. Als erster großer Autobauer wandte sich Volvo wegen der steigenden Kosten bei der Abgasreinigung vom Diesel ab. Auch die Italo-Amerikaner von Fiat Chrysler denken darüber nach. Toyota kündigte auf dem Genfer Autosalon 2018 an, keine neuen Selbstzünder mehr in Europa zu verkaufen. Der japanische Hybrid-Pionier setzt schon seit Längerem auf alternative Antriebe und ist einer der großen Profiteure auf dem deutschen Automarkt. VW bekennt sich zum Diesel, investiert aber mit neun Milliarden Euro dreimal so viel Geld in alternative Antriebe. Kleine Modelle bietet der Konzern künftig ohne Diesel an. Daimler hält am Diesel fest, rechnet aber mit knapp einem Viertel batterieelektrischer Autos am eigenen Absatz bis 2025. Die Audi-Strategie sieht bis zu diesem Zeitpunkt ein Drittel Elektro und zwei Drittel Verbrenner vor – also Benzin, Diesel und Gas. BMW-Chef Harald Krüger meint immerhin: "Der saubere Diesel hat noch eine lange Zukunft vor sich." Über allen Herstellern schwebt die EU-Vorgabe, wonach 2021 der Flottenausstoß nur noch 95 g CO2/km pro verkauftem Fahrzeug betragen darf. Andernfalls drohen hohe Strafzahlungen.

Welche Variante lohnt sich mehr, Diesel oder Benziner?

Der Preisvorteil von Dieselkraftstoff beträgt pro Liter noch rund 20 Cent gegenüber Benzin E10.

Das lässt sich nicht pauschal sagen. Generell wirkt sich der Preisvorteil vom Diesel eher bei großvolumigen Fahrzeugen aus sowie für Vielfahrer, in der Regel ab 20.000 Kilometern pro Jahr. Der ADAC hat im Frühjahr 2017 einen groß angelegten Kostenvergleich mit mehr als 1600 Fahrzeugen vorgenommen. Auch AUTO BILD hat Anfang 2017 in einem zweiteiligen Test insgesamt 19 Benzin-Diesel-Paare getestet (Teil 1 und Teil 2 hier/kostenpflichtig) und ein echtes Kopf-an-Kopf-Rennen festgestellt. Ein Jahr zuvor – kurz nach Beginn des Dieselskandals – nahmen die Tester bereits 32 Autos unter die Lupe (Artikel kostenpflichtig).

Welche Diesel kann ich bedenkenlos kaufen?

Nicht viele. Der ADAC gibt die Antwort darauf in seinem groß angelegten "Eco Test" 2017, bei dem Messungen auf dem Abgasprüfstand durch reale Straßenmessungen (RDE, Real Driving Emissions) ergänzt wurden. Der Automobilklub rät nicht grundsätzlich ab vom Diesel. Kaufinteressierte sollten sich vergewissern, dass ein Neuwagen auch im realen Betrieb niedrige Stickoxid-Emissionen (NOx) aufweist. "Das ist bei Einhaltung der ab September für neue Modelle vorgeschriebenen neuen Euro-6d-TEMP-Norm oder der ab 2020 gültigen Euro-6d-Norm der Fall", sagt ein ADAC-Sprecher. Eine Liste mit Fahrzeugen, die schon oder in naher Zukunft die Euro-6d-TEMP-Norm erfüllen, pflegt der Automobilclub hier. Eine Übersicht mit Fahrzeugen, die auch weiterhin freie Fahrt behalten, finden Sie hier.

Diesel kaufen: Pro und Kontra

(Mit Material von dpa und Reuters)

Christian Jeß

Fazit

Hat der Diesel in Deutschland noch eine Zukunft? Ja, aber auf mittlere Sicht wird der Markt für Diesel, die nicht die neueste Abgasreinigung an Bord haben, wegbrechen. Dennoch lohnt sich ein Diesel immer noch für Vielfahrer – erst recht, wenn sie selten in Innenstädten verkehren – aus Kostengründen nach wie vor: Sparsame Selbstzünder sind trotz sinkendem Wiederverkaufswert gerade günstig. Wer langfristig unbehelligt von Fahrverboten fahren und sein grünes Gewissen beruhigen will, der sollte als nächstes Auto keinen Diesel anschaffen.

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