VW Golf GTI Clubsport S (2016): Fahrbericht

VW Golf GTI Clubsport S (2016): Fahrbericht

— 08.06.2016

Mit dem 310-PS-GTI auf der Nordschleife

Zum 40. Jubiläum des Golf GTI bringt VW den GTI Clubsport S auf den Markt. Noch eine Sonderedition? Aber was für eine! Das zeigt der Fahrbericht!

Der Golf GTI ist seit seinem ersten Auftreten 1976 ein typischer Vertreter der Hot-Hatches und dabei ebenso praktisch wie seine zahmeren Brüder. Wer aber im kompakten Fronttriebler auch auf der Rennstrecke die Nase vorn haben wollte, musste bislang eher zu Taschenraketen wie dem Honda Civic Type R greifen. Dieser hielt bis vor Kurzem noch den Klassenrekord auf der berühmten Nürburgring Nordschleife. Seit April 2016 sitzt allerdings ein anderer auf dem Thron des schnellsten serienmäßigen Fronttrieblers: der Golf GTI Clubsport S. Rennfahrer und Instruktor Benjamin Leuchter (28) fuhr die 20,8 Kilometer der Grünen Hölle in 7:49.21 Minuten!
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Der GTI Clubsport S rollt serienmäßig auf Semislicks und 19-Zoll-Pretoria-Felgen zu den Kunden.

Nun lädt VW zum Nachmachen ein. Leuchter persönlich gibt die Linie vor und jeder, der sich traut, heizt hinterher. Machen wir uns also erst mal mit dem Wolf im Golfspelz vertraut. Vom normalen Clubsport unterscheidet das S-Modell sich äußerlich nur durch Schriftzüge und die geänderte Bremsanlage. Schon serienmäßig steht das Sondermodell auf extraklebrigen Michelin Pilot Sport Cup 2-Reifen in eigens entwickelter Fahrzeugspezifikation. Innen sehr deutlich abgespeckt. Eine armdicke Querstange sitzt an Stelle der Rückbank im Fond. Dämmung wurde vielerorts weggelassen, und die Klimaanlage gibt es zur Gewichtsreduzierung nur auf Wunsch. 30 Kilo sind so weggefallen.

VW Golf GTI Clubsport S (2016): Sitzprobe

Stärkerer Sturz sorgt für mehr Kurvengier

Der Vorderachsrahmen des Clubsport S ist aus Aluminium (vorher Stahl), die Sturzwerte wurden angepasst.

Helm auf, es geht los. Leuchter gibt bei der Einführungsrunde wichtige Tipps für die Ideallinie im Golf. Viele Curbs, die so manchen Sportwagen mit Heckantrieb aus der Bahn werfen würden, werden großzügig mitgenommen. Während die kurvenäußeren Räder sich wie besessen in den Eifelasphalt krallen, bügeln die inneren den Curb dank langer Federwege einfach aus. Kein Mucken, kein Versetzen, nichts. Genau hier liegt der Clou. Stärkerer Sturz sorgt für deutlich mehr Kurvengier, angepasste Elastokinematik für Spurtreue. Letztere wird auch beim scharfen Bremsen erstaunlich deutlich. Das golftypische Untersteuern, auf das beim Gaswegnehmen und Bremsen ein Eindrehen folgt, bleibt im Clubsport S gänzlich aus. Der Wagen bleibt selbst im teils nicht auf allen vieren gefahrenen Hatzenbach ganz neutral. Der stattliche Abtrieb der Verspoilerung des Clubsport wirkt dabei helfend mit.
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Die 310 PS, die der bekannte Zweiliter-Turbo liefert, hauen eingefleischte Chiptuner vielleicht nicht vom Hocker, allerdings hat VW eine Auspuffanlage mit deutlich größerem Querschnitt entwickelt. Viel wichtiger ist dabei aber das Drehmoment von 380 Nm, das auf einem enorm breiten Plateau Kraft in jeder Lebenslage umsetzt. Das ist für die enormen Steigungen zwischen Wehrseifen und hoher Acht Gold wert. Der Ring erreicht hier seinen höchsten Punkt und wird einer Achterbahn nicht unähnlich. Dazwischen: das Caracciola-Karussell – die überhöhte Kurve mit den Betonplatten.Wieder leistet das malträtierte Fahrwerk gute Arbeit, ganz Golf, mit den typisch langen Federwegen ohne unnötige Härte.

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Echte 265 km/h sind drin

Sportschalensitze mit viel Seitenhalt und GTI-Bestickung.

"Vierter Gang, voll aufs Gas", gibt Leuchter per Funk durch. Im von Zuschauern beliebten Matteswald rund um das Brünnchen, den man nach wie vor mit beeindruckendem Tempo passiert, wird man dann doch einer Golf-Eigenart überdrüssig. Die langwegige, sehr leichtgängige Kupplung, und die mittlerweile übertrieben perfektionierte Schaltung, die extrem leicht und etwas gefühllos zu bedienen ist, stören beim Gangwechsel, wenn's gerade um die Wurst geht. Auch die Lenkung könnte noch einen Tick mehr Widerstand und Gefühl vertragen. Trotzdem gibt sie sich angenehm direkt. Wenig später auf der Döttinger Höhe zeigt der Clubsport S, dass er der erste Sportgolf ist, der nicht bei 250 km/h abregelt. Echte 265 sind drin. Auf in die zweite Runde. Die Hilfestellungen des Instruktors verstummen. Jetzt wird’s ernst.
Autor:

Andreas Jüngling

Fazit

Leichtbau, ein großartiges Fahrwerk und solide Mehrleistung bringen den Golf als GTI Clubsport S an die Grenze ernsthaften Motorsports. Die Rekordzeit auf der Nordschleife belegt diese beeindruckende Performance. Hier schwebt man in Sphären, wo die perfektionierte Handlichkeit, die jeder Golf bietet, ein wenig zu gefühlsarm ist. Trotzdem: Bei 400 Exemplaren lohnt es sich, eines zu sichern.

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