E-Autos als Gefahrenquelle?
Diese Supermarktkette verbannt Elektroautos vom Parkdeck

Eine Supermarktkette hat mit sofortiger Wirkung Elektroautos von ihren Parkdecks verbannt. Das Management des Großkonzerns führt einen Grund für das Verbot auf, im Vordergrund steht jedoch ein anderer.
Bild: Hans Blossey
Ab sofort dürfen Elektroautos auf 18 Parkdecks der Supermarktkette Carrefour nicht mehr parken. Das Verbot betrifft Märkte des französischen Einzelhandels-Giganten im Großraum Brüssel.
E-Autos werden nicht komplett vom Firmengelände verbannt, sondern dürfen weiterhin auf den Parkplätzen vor den Geschäften abgestellt werden. Ausgeschlossen ist hingegen das Parken auf den Dächern vieler Märkte, die als Parkzonen für Kunden ausgewiesen sind.
Einsturzgefahr durch Elektroautos
Die Geschäftsführung begründet das Verbot vordergründig mit dem hohen Gewicht von Batteriefahrzeugen: "Die Gebäudestrukturen sind nicht unbedingt für die zusätzliche Belastung durch diese neuen Fahrzeuge ausgelegt", sagt Damien Bytebier, Sprecher von Carrefour Belgien, gegenüber dem belgischen Sender RTL Info. Es bestehe also Einsturzgefahr, wenn zu viele E-Autos gleichzeitig dort oben stünden.
Tatsächlich sind Elektroautos aufgrund des hohen Gewichts der Akkus zumeist erheblich schwerer als andere. So wiegt der neue 79-kWh-Akku von Volkswagen geschätzt 490 Kilogramm (wie die meisten Hersteller veröffentlicht VW das Batteriegewicht nicht). Das führt zum Beispiel beim elektrischen Kompakt-SUV ID.4 Pro zu einem Leergewicht von 2135 Kilogramm.
Zum Vergleich: Das ähnlich große Verbrenner-SUV Tiguan wiegt in der Basisversion 1598 Kilogramm. Nebenbei bemerkt: Auch Diesel und Benziner haben im Vergleich zu früher gut zugelegt.

Nach dem Löschen eines Akkubrands wird das E-Auto in einen wassergefüllten Container getaucht, um ein Wiederaufflammen des Feuers zu verhindern.
Bild: Jochen Tack
Doch es gibt auch sehr leichte bzw. kleine Elektroautos sowie sehr schwere Verbrenner. Das kleinste E-Auto auf dem europäischen Markt, der Dacia Spring, wiegt etwas über eine Tonne – der BMW X6 als beispielhafter Repräsentant der Gruppe der schweren SUV hingegen ab 2,1 Tonnen. Insofern klingt die Begründung von Carrefour nicht konsequent.
Brandbekämpfung nicht durchführbar
Das Management der Supermarktkette nennt noch weitere Gründe für das Verbot: Demnach fürchtet man die Folgen eines Akkubrandes auf dem Parkdeck. "Für Rettungsfahrzeuge ist es schwieriger, bei einem Brand auf dem Dach eines Gebäudes einzugreifen als auf einem Parkplatz", so Carrefour-Sprecher Bytebier.
Auch wenn Fahrzeugbrände mit Elektroautos seltener aufträten als bei Autos mit Verbrennungsmotor, erfordere das Löschen einer thermischen Kettenreaktion einer Lithium-Ionen-Batterie große Mengen an Wasser und bedeute oft, dass das Fahrzeug zum endgültigen Löschen in einen speziellen Behälter getaucht werden muss. Diese Prozedur sei auf den Parkdecks der 18 Carrefour-Märkte nicht durchführbar.
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