Aktuell schauen immer mehr Menschen interessiert auf Elektroautos als günstige Art des Autofahrens. Das dürfte zu einem neuen Blick auf die Mythen und Vorurteile führen, die Autokäufer bislang am Umstieg hindern. Diese Vorurteile sitzen tief und basieren teils auf jahrealten Daten.
Mehr als 70 wissenschaftliche Untersuchungen zu Mythen über E-Autos hat das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) ausgewertet. Es nahm dabei weit verbreitete Vorstellungen zur Umweltbilanz, zum Preis von Elektroautos und zur Brandgefahr in den Blick. Das Ergebnis: viele angebliche Argumente gegen die Batteriefahrzeuge fielen in sich zusammen.

Die besten E-Autos bis 35.000 Euro im Test

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Mythos 1: "Elektroautos sind teurer als Verbrenner"

Das wohl am häufigsten genannte Argument zweifelt an der Wirtschaftlichkeit von Elektroautos: Sie seien teurer als Autos mit Verbrennungsmotoren, der erhöhte Preis würde sich nicht amortisieren. Die Antwort fällt differenziert aus: Beim Neuwagenpreis sind gerade größere E-Autos teurer (eine Ausnahme ist zum Beispiel der Skoda Elroq). Aber seit Jahren sinkt der Preisabstand zwischen E-Auto und Verbrenner. Ein Grund: Akkus werden immer günstiger. Und mit wachsender Stückzahl sinken zum einen die Kosten der Hersteller, zum anderen kommen immer mehr günstigere E-Autos auf den Markt.
Doch auch insgesamt greift das Kostenargument nicht, erläutert das Fraunhofer-Institut in der Studie, die 2025 veröffentlicht wurde. "Aufgrund geringerer laufender Betriebskosten schneiden Elektroautos teilweise schon heute bei den Gesamtkosten besser ab als vergleichbare Verbrenner", so die Wissenschaftler. Mit dem gesteuerten Laden, das bereits heute möglich ist, werden die Kosten durch günstigen Strom laut ISI noch weiter fallen. Der nächste Schritt wird bidirektionales Laden sein, mit dem viele E-Autos schon heute ausgerüstet sind.

Mythos 2: "Die Feuergefahr bei E-Autos ist viel größer"

Vor einigen Jahren brannten sich Bilder von brennenden Elektroautos ins Gedächtnis ein – und wirken nach: Jedes Jahr kommt es in Deutschland zu mehr als 10.000 Fahrzeugbränden, die meisten davon sind Benziner. Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) geht davon aus, dass die Brandgefahr bei Elektroautos nicht höher ist als bei Verbrennern. Einige internationale Studien sehen im E-Auto sogar ein weit geringeres Feuerrisiko.
Feuerwehr Batterielöschsystem für E-Autos
Die Feuerwehr hat zum Löschen von Akkubränden spezielle Techniken entwickelt. Doch brennen Elektroautos keineswegs häufiger als Fahrzeuge mit Benzin- oder Dieselmotor. Manchen Studien zufolge sogar erheblich seltener.
Bild: Rosenbauer
Aber: Sobald der Traktionsakku eines Elektroautos Feuer gefangen hat, ist dieser Brand sehr viel aufwendiger zu löschen als der Brand eines Autos mit Benzin- oder Dieselmotor. Einen bedeutenden Sicherheitsvorsprung dürfte bald der Feststoffakku bieten, der als sehr schwierig zu entzünden gilt. Schon Ende 2026 sollen in Deutschland die ersten Autos mit Semi-Feststoffakku verkauft werden – mit verringertem Brandrisiko. Noch vor 2030 soll die Festkörper-Batterie in ersten Serien-Elektroautos erhältlich sein.

Mythos 3: "E-Autos haben eine zu geringe Reichweite"

Das Klischee vom langsam ladenden Wagen, der ständig an die Ladesäule muss, hält sich hartnäckig. Tatsächlich wächst die Reichweite von Elektroautos seit Jahren kontinuierlich – das zeigen auch regelmäßige Reichweiten-Tests von AUTO BILD. Laut Fraunhofer-Institut ISI bieten neue Elektroautos eine Akku-Reichweite von "mindestens 400 km". Das bedeutet bei Autobahnfahrt, dass man weit über zwei Stunden ohne Pause fahren kann.
Abschleppseil hängt an Fahrzeug - Abschleppen
Elektroautos haben eine geringe Reichweite? Von wegen. Neue E-Autos kommen laut Fraunhofer-Institut ISI auf "mindestens 400 km".
Bild: DPA
Da auch die Zeit an der Ladesäule dank größerer Ladeleistung am Schnelllader und 800-Volt-Bordnetz immer kürzer wird, dauert der Ladestopp bei modernen Elektroautos heute meist 30 bis 45 Minuten. Zeit zum Entspannen nach kräftezehrender Langstreckenfahrt – der ADAC empfiehlt spätestens nach zwei Stunden am Steuer eine Ruhepause. Oder das Auto lädt, wenn man es gerade nicht braucht: beim Einkaufen oder nachts an der Wallbox.

Mythos 4: "E-Autos sind klimaschädlicher als Verbrenner"

Die vermeintlich schlechtere Umweltbilanz von Elektroautos sorgt immer wieder für Streit am Stammtisch. Im Zentrum steht der anfangs höhere CO2-Ausstoß im Vergleich zum Bau eines Verbrenners, der sogenannte CO2-Rucksack.
Doch während der Nutzung ist die Klimabilanz so günstig, dass E-Autos ihre negative Hypothek vom Bau überkompensieren, spätestens nach 60.000 km. Und ab da stößt das Auto kein CO2 mehr aus, während Verbrenner über den gesamten Lebenszyklus bei der Fahrt Klimagas emittieren. "Ein Mittelklasse-Pkw mit Elektroantrieb spart bei durchschnittlicher Fahrleistung 40 bis 50 Prozent an CO2-Emissionen ein", so das ISI. Auch gesteuertes und bidirektionales Laden wird dafür sorgen, dass die Umweltbilanz von E-Autos immer besser wird.

Mythos 5: "Die Akku-Produktion ist ein Umweltproblem"

Die Nutzung "kritischer Rohstoffe" für die Akku-Produktion sei noch eine Herausforderung, räumen die Wissenschaftler vom Fraunhofer-Institut ein. Viele Bestandteile des Akkus, etwa Lithium, Kobalt, Neodym oder andere Seltene Erden sind nicht ohne Weiteres verfügbar, der Abbau verursacht Umweltbelastungen. Allerdings könnte sich die Umweltbilanz künftig verbessern. Ein Grund: Der Bedarf sinkt, weil verbrauchte Akkus am Ende ihres Lebenszyklus recycelt werden. Dadurch werden viele Bestandteile erneut nutzbar.
Volkswagen - Batterien für Elektroautos
Die Produktion von Akkus ist aufwendig und verbraucht viele wertvolle Ressourcen. Doch während der Nutzung wird das mehr als kompensiert.
Bild: Julian Stratenschulte
Auch dürfte der technische Fortschritt die Verwendung anderer Rohstoffe erlauben, wie der Natrium-Ionen-Akku zeigt. Er kommt ohne Lithium aus. Natrium, wie es im Haushaltssalz steckt, ist als Basismaterial für die Elektroden im Akku leicht zu bekommen.

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Hier folgen zwei weitere Mythen übers E-Auto, die weitgehend widerlegt sind:

Mythos 6: "E-Autos haben mehr Pannen als Verbrenner"

Die angebliche Pannenanfälligkeit von E-Autos ist ein wichtiger Grund, warum sich 60,2 Prozent der Befragten in Zukunft keines zulegen wollen. Doch in diesem Punkt sind sie schlecht informiert: Der ADAC hat zuletzt im April 2026 anhand seiner Pannenstatistik festgestellt, dass junge Elektroautos halb so pannenanfällig sind wie gleich alte Autos mit Verbrennungsmotor. Die Datenbasis wächst weiter, inzwischen hat der Autoclub diverse Elektroauto-Modelle in seiner Statistik. Auch der TÜV unterzieht immer mehr E-Autos einem Check

Mythos 7: "Es gibt zu wenig Ladesäulen für Elektroautos"

Ein verbreitetes Stammtisch-Argument ist auch das angeblich zu kleine Ladenetz.
Öffentliche Ladesäule
Während das Laden zu Hause an der Wallbox sehr günstig ausfällt, ist es an Schnellladesäulen oft teurer.
Bild: Joel Micah Miller/EnBW
Tatsächlich wächst das Netz immer weiter: Inzwischen wurden der Bundesnetzagentur 200.255 öffentliche Ladesäulen in Deutschland gemeldet (Stand: April 2026). Mehr als 51.000 Ladepunkte erlauben das Schnellladen – und das Netz wird weiter ausgebaut.