Gebrauchte E-Autos aus China: Angebot wächst rasant
Lohnt sich der Kauf eines gebrauchten China-E-Autos?

Das Angebot an gebrauchten Elektroautos aus China nimmt massiv zu, das zeigt eine Untersuchung des Autoportals mobile.de. Was beim Kauf zu beachten ist!
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
- Raphael Schuderer
Vor einigen Jahren noch Exoten, mittlerweile zu Tausenden auf unseren Straßen unterwegs: Pkw aus China, der Großteil von ihnen als Plug-in-Hybrid oder Elektroautos. Auch auf dem Gebrauchtwagenmarkt gewinnen die China-Stromer zunehmend an Bedeutung.
Laut dem aktuellen m.Q Market Intelligence & Insights Report von mobile.de ist der Preis ein wichtiges Kaufargument: Gebrauchte E-Autos chinesischer Hersteller waren im August laut dem Autoportal im Schnitt rund 24 Prozent günstiger als vergleichbare europäische Modelle. Das ist ein wichtiger Vorteil, denn für viele Autokäufer bleibt der Preis eine der größten Hürden beim Umstieg aufs Elektroauto. In einer Umfrage von mobile.de nannten 55,4 Prozent der Befragten die hohen Anschaffungskosten als wichtigsten Grund gegen den Kauf eines E-Autos.
Genau davon könnten chinesische Hersteller nun profitieren. 35,9 Prozent der Befragten können sich grundsätzlich vorstellen, ein Elektroauto einer chinesischen Marke zu kaufen. Knapp drei von zehn Befragten (29,8 Prozent) würden ein chinesisches Fahrzeug in Betracht ziehen, wenn es mindestens 20 Prozent günstiger wäre als ein vergleichbares europäisches Auto.
Die Marktanalyse zeigt: Tatsächlich ist der Preisabstand bei den Gebrauchtwagen sogar noch etwas größer. Im August kosteten gebrauchte Elektroautos chinesischer Hersteller durchschnittlich rund 24 Prozent weniger als vergleichbare europäische Modelle. "Für viele Menschen ist der Preis der Türöffner zum Elektroauto", sagt Florian Baur, Chief Sales Officer bei mobile.de. "Chinesische Modelle bieten nicht nur einen günstigen Einstieg, sondern punkten meistens auch mit innovativer Ausstattung. Damit gewinnen sie sichtbar an Aufmerksamkeit."

Die Preisdifferenz zwischen China- und EU-Modellen ist deutlich: Rund 10.000 Euro weniger werden für chinesische Modelle aufgerufen.
Bild: mobile.de
Nachfrage nach chinesischen E-Autos steigt deutlich
Noch ist ihr Anteil am Gebrauchtwagenmarkt vergleichsweise gering. Im August kamen chinesische Elektroautos auf mobile.de lediglich auf einen Anteil von vier Prozent. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das jedoch nahezu einer Verdoppelung, damals waren es noch 2,2 Prozent. Und das Interesse nimmt zu: Seit Jahresbeginn 2026 sei die Nachfrage nach gebrauchten Elektroautos chinesischer Hersteller auf der Plattform um 59,9 Prozent gestiegen.

Die Grafik zeigt: Der Gebrauchtkauf von Elektroautos und Plug-in-Hybriden nimmt zu. Benziner und Diesel wechseln dagegen seltener den Besitzer als noch vor einem Jahr.
Bild: mobile.de
Das sind die gefragtesten Modelle
Zu den meistgesuchten Modellen zählt der MG4, der durchschnittlich für 24.302 Euro angeboten wird. Für einen BYD Atto 3 werden im Schnitt 33.822 Euro verlangt, für einen BYD Seal 38.587 Euro. Günstiger war etwa der MG ZS mit einem durchschnittlichen Angebotspreis von 18.092 Euro. Der GWM Ora 07 lag bei 33.230 Euro.
Käufer sehen Vorteile bei Preis und Innovation
Auch das Image chinesischer Hersteller verändert sich offenbar: Beim Preis-Leistungs-Verhältnis sehen 42,8 Prozent der von mobile.de Befragten chinesische Hersteller im Vorteil. Beim Thema Innovation sind es 41,5 Prozent. Bei Qualität, Sicherheit und Wertstabilität liegen europäische Marken aber weiterhin vorne.
Aber die aktuellen Tests von AUTO BILD zeigen: Chinesische Fahrzeuge haben sich im Vergleich zur Vergangenheit deutlich verbessert. So erreichte beispielsweise ein Zeekr 7X AWD kürzlich im AUTO BILD-Test die Note 1,8 – obwohl ihm noch "etwas Feinschliff fehlt".
Nach drei Jahren deutlich höherer Wertverlust
Der günstigere Gebrauchtwagenpreis hat allerdings eine Kehrseite. Nach den Daten von mobile.de verlieren chinesische Elektroautos mit zunehmendem Alter stärker an Wert als europäische Modelle.
Nach zwei Jahren lagen China-Modelle durchschnittlich 21,4 Prozent unter ihrem Neupreisniveau. Bei europäischen E-Autos waren es 18,4 Prozent. Nach drei Jahren geht die Schere weiter auseinander: China-Stromer liegen dann durchschnittlich 42,9 Prozent unter dem Neupreisniveau, europäische Modelle um 36,2 Prozent. Der Abstand wächst!
Für Gebrauchtwagenkäufer eröffnet dieser stärkere Wertverlust aber auch Chancen. Sie bekommen vergleichsweise junge Elektroautos zu deutlich niedrigeren Preisen. Interessenten sollten neben dem Kaufpreis auch den Gesundheitszustand des Akkus, die Ausstattung und die Fahrzeughistorie berücksichtigen.
Ersatzteilversorgung und Werkstätten
Ein weiterer Nachteil chinesischer Hersteller gegenüber den etablierten Marken: Weil sie meist noch nicht lange auf dem deutschen Markt sind, verfügen viele Hersteller noch über ein deutlich dünneres Händler- und Werkstattnetz. Das kann zu Terminproblemen beim Service, weiten Anreisen zur Inspektion und auch einer langsameren Ersatzteilversorgung sowie Reparatur führen.
Eine aktuelle AUTO BILD-Untersuchung zeigt jedoch: Bei Service und Ersatzteilen gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Marken. Einige nutzen das Service-Netzwerk von europäischen Partnern (Polestar, Leapmotor), andere betreiben eigene Teilelager in Europa (GWM, XPeng). Es lohnt sich also, vor einem Kauf nach Werkstätten in der Umgebung zu suchen und die Ersatzteilversorgung unter die Lupe zu nehmen.
Fazit
Günstige Preise erhöhen die Attraktivität von chinesischen Elektroautos. Den höheren Wertverlust und das oft noch dünne Service- und Werkstattnetz sollten Kaufinteressenten jedoch berücksichtigen. Darüber hinaus gelten die üblichen Grundregeln beim Gebrauchtwagenkauf.
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