Der Preisschock beim fossilen Sprit hat den Kostenvorteil von Elektroautos gegenüber Verbrennern so groß werden lassen wie nie: Wer zu Hause an der Wallbox lädt, fährt derzeit mit Strom erheblich günstiger als mit Benzin oder Diesel, hat das Energieportal Verivox errechnet.
Besonders groß ist der Preisabstand zum Benziner: Dessen Energiekosten lagen im September 3,3-mal so hoch wie beim E-Auto, beim Diesel waren es 2,3-mal so viel. Dieser Rekordwert hängt allerdings stark von den aktuell extrem hohen Spritpreisen ab – und ist damit eine Momentaufnahme.
Auch wer öffentlich lädt, profitiert von einem Preisvorteil bei den Energiekosten: Denn mittlerweile liegen die Ladepreise für öffentlichen Strom teilweise nicht mehr allzu weit über den Kosten für Haushaltsstrom. So kann man am Tesla-Supercharger als Fahrer einer anderen Marke im Schnitt für 42 Cent/kWh laden. Der Preis liegt damit zwar rund ein Viertel über dem von Haushaltsstrom, aber noch immer deutlich unter den Energiekosten von fossilem Benzin oder Diesel. Zu manchen Zeiten kostet die Kilowattstunde am Supercharger sogar nur 20 Cent.

Die Details der Kostenrechnung beim Vergleich Strom und Benzin/Diesel

Die jüngste Berechnung berücksichtigt die zuletzt stärker steigenden Kosten für fossile Kraftstoffe im Vergleich zu Strom. Demnach zahlen Fahrer von Elektroautos der Mittel- und Oberklasse beim Laden zu Hause nur 5,44 Euro pro 100 Kilometer. Die Berechnung basiert auf einem durchschnittlichen Haushalts-Strompreis von 32,29 Cent pro Kilowattstunde im September und einem Durchschnittsverbrauch von 16,9 kWh auf 100 Kilometer.
Beim Benziner liegen die Spritkosten dagegen bei 18,02 Euro auf 100 Kilometer – bei einem Verbrauch von 7,9 Litern und einem Preis von 2,28 Euro je Liter E10. Damit beträgt der Kostenvorteil des E-Autos rund 70 Prozent. Umgekehrt gerechnet liegen die Energiekosten des Benziners etwa 3,3-mal so hoch wie beim E-Auto.
VW ID.4 im Vergleich mit dem VW Tiguan
Hier die Rechnung für einen VW ID.4 Pro 4Motion im Energiekostenvergleich mit VW Tiguan 2.0 TDI 4Motion DSG: Bei einem Dieselpreis von 2,4 Euro Euro/Liter kosten 100 km im Tiguan 16,08 für Diesel. Die Ersparnis beim ID.4 liegt dagegen bei 7,26 Euro/100 km für Haushaltsstrom, beim Laden am Tesla Supercharger bei 4,61 Euro/100 km.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Ein vergleichbarer Diesel kommt auf 12,47 Euro (bei einem Verbrauch von 5,2 Litern Diesel bei einem Dieselpreis von 2,40 Euro) – das Elektroauto fährt also 56 Prozent günstiger. Auf Basis der E-Auto-Kosten liegen die Kosten fürs Dieselfahren rund 2,3 Mal so hoch. Die Größenordnung ist relevant, der Rekordwert allerdings mit Vorsicht zu betrachten: Für Benzin und Diesel verwendet Verivox lediglich den Durchschnitt von sieben Tagen im September mit außergewöhnlich hohen Kraftstoffpreisen – und die können sich schnell wieder ändern, für eine begrenzte Zeit auch durch den angekündigten Tankrabatt.

Strom fürs öffentliche Laden nicht wesentlich höher

Ein Knackpunkt der Berechnung ist der Vergleich von Haushaltsstrompreisen mit den Preisen an Tankstellen. Schließlich ist man als privater Stromkunde in einer günstigeren Ausgangslage als Autofahrer, die beim Tanken auf die öffentliche Infrastruktur angewiesen sind. Doch selbst beim öffentlichen Laden liegen die Energiekosten häufig noch deutlich unter denen von Benzin und Diesel.
Vergleichbar sind zum Beispiel die Kosten für das Wechselstromladen, das an Supermärkten oder bei anderen öffentlichen Anbietern zwischen 0,29 Euro/kWh und 0,49 kW/h kosten kann. Hier wäre der Kostenvergleich also: 8,28 Euro auf 100 km für Strom gegenüber den erwähnten 18,02 Euro für Benzin. Selbst wenn man einen der teuersten Ladestromtarife veranschlagt, wie den Ad-hoc-Schnellladepreis des Premium-Anbieter IONITY mit 0,72 Euro/kWh, kostet der Strom auf 100 Kilometer 12,17 Euro – immer noch ein Drittel unter den Benzinkosten.
Eine Übersicht über die aktuellen Ladepreise und eine Bewertung von Lade-Apps und -Diensten sowie von Schnellladebetreibern – als Resultat des diesjährigen eMobility-Excellence-Reports – gibt den aktuellen Stand beim Laden wieder.

Warum sind Benzin und Diesel so viel teurer als Strom?

In den Spritpreis fließt eine Vielzahl von Faktoren ein: Zu den reinen Produktkosten kommen Transportkosten, die Kosten für den Betrieb des Tankstellennetzes sowie Energie- und Mehrwertsteuer. Außerdem sind Benzin und Diesel komplexe Produkte, die vom Rohöl bis zum fertigen Kraftstoff zahlreiche Verarbeitungsschritte durchlaufen. Vor allem das Raffinieren ist aufwendig und teuer. Strom dagegen ist ein vergleichsweise simples Produkt, allerorten verfügbar und stammt noch dazu vermehrt aus heimischen, regenerativen Quellen.

Aktuelle Energiekosten

Dass Elektroautos bei den reinen Energiekosten grundsätzlich vorn liegen, bestätigt der aktuelle Energiekostenvergleich des Bundeswirtschaftsministeriums vom 1. September 2026: Er basiert auf den Durchschnittspreisen des zweiten Quartals und weist für Strom 31,49 Cent/kWh, für E10 1,988 Euro und für Diesel 2,024 Euro je Liter aus. Mit den von Verivox übernommenen WLTP-Verbrauchswerten ergeben sich daraus rund 5,32 Euro für Strom. Die Kosten für Benzin liegen dagegen bei 15,71 Euro auf 100 km und 10,52 Euro für Diesel – also ebenfalls ein deutlicher Strom-Vorteil.

Gesamtkosten wichtig für die Kostenbetrachtung

Aber zur Betrachtung der Gesamtkosten sind weitere Faktoren wichtig: Verglichen werden hier ausschließlich die Kosten für die Antriebsenergie, nicht die gesamten Autokosten. Kaufpreis, Wertverlust, Versicherung, Wartung oder die Kosten einer Wallbox bleiben außen vor. Die Zahlen zeigen deshalb vor allem eines: Wer bereits ein E-Auto besitzt und günstig zu Hause laden kann, fährt gegenwärtig bei den Energiekosten erheblich günstiger als mit einem vergleichbaren Benziner oder Diesel.
Zuletzt hatte eine Studie des International Council on Clean Transportation (ICCT) die Kostenersparnis von Elektroautos gegenüber Verbrennern hervorgehoben. Mit Blick auf Daten aus 2025 kam sie zum Ergebnis: Elektroautos, die im Mix zwischen privatem und öffentlichem Laden gefahren werden, fuhren in der EU um 33 Prozent günstiger als vergleichbare Benzinfahrzeuge. Schon seit Beginn des Irankriegs wird über stärker steigende Preise für Benzin als für Strom berichtet.
Wer ein E-Auto fährt, lädt Strom – der beim Energiekostenvergleich aktuell deutlich günstiger ausfällt als fossiles Benzin oder Diesel. Das ist zwar eine Momentaufnahme, aber sollte man auf dauerhaft sinkende Spritpreise setzen?