Über ein Viertel der Fahrer von Benzinern und Dieseln in Deutschland plant beim nächsten Autokauf oder -leasing "höchstwahrscheinlich" den Umstieg auf ein Elektrofahrzeug. Das geht aus der aktuellen Studie "2026 EV perception report" hervor, die vom Kartendienst Here und dem Marktforschungsunternehmen SBD Automotive veröffentlicht wurde. Die genaue Zahl: 27 Prozent der hiesigen Fahrer.
Ein starker Zuwachs: Im Vorjahr 2025 bestätigten bei der jährlichen Untersuchung lediglich 13 Prozent der Deutschen ihre Wechselbereitschaft. Für die Auswertung befragten die Analysten mehr als 4000 Autofahrer unter anderem in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Großbritannien, den USA, Indien und Australien.
Mehr als die Hälfte der Befragten in Deutschland (54 Prozent) gab dabei an, sich heute eher mit der Anschaffung eines E-Autos zu beschäftigen als noch vor einem Jahr. Allerdings basiert das Deutschland-Ergebnis nur auf 202 Befragten. Die Untersuchung spiegelt daher nur die Meinung einer kleinen Personengruppe wider.

Bessere Ladeinfrastruktur, teurerer Sprit

Warum wächst das Interesse an Elektroautos? Genannt werden Fortschritte bei Reichweite und Ladegeschwindigkeit (37 Prozent), die steigenden Spritpreise (34 Prozent) und das dichtere und zuverlässigere Ladenetz (34 Prozent). Bei der potenziellen Kaufentscheidung sind auch wirtschaftliche Aspekte ausschlaggebend: Niedrigere Betriebskosten (41 Prozent), ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis (38 Prozent) sowie steuerliche Anreize (36 Prozent) stehen für die Umstiegswilligen im Mittelpunkt. Der Umweltaspekt (37 Prozent) spielt auch für über ein Drittel eine gewichtige Rolle.

Reichweiten, fehlende Ladestationen und Preise bremsen Umstieg

Bestehende Vorbehalte in der Gesamtbevölkerung bremsen den Umstieg auf die E-Mobilität, obwohl die Bedenken bezüglich der Infrastruktur im Vergleich zum Vorjahr laut Untersuchung spürbar gesunken seien. Sorgen um eine vermeintlich nicht ausreichende Reichweite (45 Prozent), die lokale Ladestationsdichte (40 Prozent) und hohe Anschaffungspreise (39 Prozent) blieben die größten Hürden für die Skeptiker.

HUK-Studie bestätigt Wechselinteresse

Damit kommt die Mobilitätswende immer mehr ins Rollen. Schon in den vergangenen Monaten waren so viele deutsche Autofahrer wie noch nie vom Verbrenner aufs Elektroauto umgestiegen. Das hatte vor Kurzem die HUK-Coburg anhand von Hochrechnungen ihrer Versicherten-Datenbank ermittelt.
Im vergangenen zweiten Quartal, ergab die Berechnung, wechselten zwölf Prozent der Autokäufer vom Verbrenner auf ein Elektroauto. Das bedeutet: Jeder achte Autofahrer hat sich neu entschieden für einen vollelektrischen Antrieb. Ende 2025 waren es weniger als halb so viele.
Die HUK ist Deutschlands größter Autoversicherer. Mit rund 14,2 Millionen gelisteten Fahrzeugen deckt sie fast ein Viertel des Marktes ab – somit bildet der Kundenstamm des oberfränkischen Konzerns relativ exakt die Verhältnisse auf dem Gesamtmarkt ab.

Neuwagenfahrer klar in der Mehrheit

Besonders unter Neuwagenfahrern war der Wechsel-Wille hoch: Hier sprangen sogar rund 25 Prozent, also jeder vierte Autokäufer, vom Benziner, Diesel oder Hybriden auf ein neues Batteriefahrzeug um. Ende 2025 waren es lediglich 13,6 Prozent.
Unter Gebrauchtwagenfahrern haben sich rund acht Prozent der Autokäufer in diesem Zeitraum entschieden, vom gebrauchten Verbrenner auf ein gebrauchtes E-Auto zu wechseln. Das entspricht jedem zwölften. Auch hier hat sich die Zahl der Umsteiger seit Ende 2025 verdoppelt.

Viele wechseln wegen hoher Spritpreise

Als Ursache für diese schlagartig gewachsene Affinität zum alternativen Antrieb nennt die HUK-Coburg vor allem die sprunghaft angestiegenen Spritpreise infolge des Irankrieges. Das wird indirekt belegt durch eine weitere Datenanalyse: Unter den Vielfahrern, die jährlich 12.000 km und mehr zurücklegen, wechselten im zweiten Quartal deutlich mehr auf ein Elektroauto, nämlich 14,7 Prozent. Damit stieg etwa jeder siebte Vielfahrer auf ein E-Auto um.

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Parallel zur Datenbankauswertung hat die Versicherung Führerscheininhaber befragt. Demnach plant bereits beinahe jeder Vierte (24 Prozent) den Umstieg auf ein Elektroauto. Mehr als ein Drittel davon wurden nur durch die Spritpreisentwicklung aufs E-Auto aufmerksam, die übrigen hat die Teuerung zumindest bewogen, zügig umzusteigen.
Umfrage: So denken Führerscheinbesitzer über den Autokaufpläne
Der Irankrieg und die damit gestiegenen Spritpreise lässt jeden vierten Führerscheinbesitzer über den Kauf eines E-Autos nachdenken.
Bild: HUK-Coburg
Auch die allgemeine Sicht auf die Elektromobilität hat einen Wendepunkt erreicht: Erstmals sind mehr als die Hälfte der Befragten (52 Prozent) der Ansicht, Elektroautos seien "gut" oder sogar "sehr gut". In vorherigen Befragungen vertraten maximal 45 bis 48 Prozent diese Ansicht.
BMW i3 REX (Bj. 2014)
Die Nachfrage nach gebrauchten Elektroautos wuchs in den vergangenen Monaten stark an. Das hat steigende Preise zur Folge.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD

Elektro-Gebrauchtwagenpreise steigen

Die Trendwende hat einen Nebeneffekt: Erstmals sind die Preise für gebrauchte Elektroautos gestiegen, teilt Autouncle – eine Meta-Suchmaschine für Gebrauchtwagenportale – mit. Demnach ist der durchschnittliche Preis für vollelektrische Gebrauchtwagen im Juni um 15 Prozent höher gewesen als noch im März.
Aktuell stehen rund 20 Prozent weniger E-Gebrauchtwagen bei den Händlern als im Frühjahr, berichtet das Portal. Die Bestände erholen sich langsam. Kunden können also hoffen, dass die Preise für gebrauchte E-Autos zumindest nicht weiter steigen.