Stefan Krause war erst BMW- und Deutsche-Bank-Vorstand, dann Gründer verschiedener Start-ups. Jetzt hat der Wahlamerikaner die Elektroautomarke der Deutschen Post gekauft: Streetscooter. Die Logistiker hatten ab 2014 vergebens versucht, auch als Autobauer Geld zu verdienen. Als die Verluste immer größer wurden, verkündeten sie 2020 die Einstellung der Produktion ihres Paketesels – nur um das wenige Monate später zu widerrufen.
"Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln", nennt Krause das Hin und Her. Jetzt will er zeigen, dass Streetscooter doch eine Zukunft haben. Er hat dafür eine neue Firma gegründet. Odin Automotive sitzt in Luxemburg, dahinter stehen nach seiner Aussage globale Investoren: etwa ein Hedgefonds aus London, ein Autozulieferer aus den USA, ein chinesischer Autohersteller und ein Unternehmen aus Indonesien.

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Die Streetscooter-Kosten sollen um 30 Prozent sinken

Krauses Ziele sind ambitioniert. Um bis zu 30 Prozent will er die Produktionskosten senken. Die seien viel zu hoch gewesen. Aktuell baue man die Zuliefererkette neu auf, die bisher sehr regional und somit teuer gewesen sei. Was bleibt: Gebaut werden die Fahrzeuge auch künftig in Lohnfertigung bei der Firma Neapco in Düren. Eine zweite Produktionslinie will Krause in die USA schaffen. "Die liegt noch eingepackt in Deutschland." Anfang 2023 könne es drüben losgehen. Bis dahin soll das Fahrzeug eine US-Zulassung haben.
Stefan Krause Streetscooter - Wir bringen Streetscooter nach Amerika
Stefan Krause war erst bei BMW, dann bei der Deutschen Bank. Jetzt steckt er hinter Odin Automotive.
Bild: DPA

Bessere Technik macht den E-Pick-up konkurrenzfähig

Seine Ingenieure würden schon bald eine verbesserte Technik in die Streetscooter einbauen, verspricht Krause. Mehr Reichweite, schnelleres Laden, intelligentere Software. "Wir haben das Fahrzeug wieder konkurrenzfähig gemacht."
Streetscooter - Wir bringen Streetscooter nach Amerika
Der Streetscooter glänzt laut Stefan Krause vor allem damit, dass man verschiedene Aufbauten nutzen kann.
Bild: StreetScooter GmbH

Streetscooter als Teil eines ganzheitlichen Logistikkonzepts

Für Krause sind die Paketautos Teil eines ganzheitlichen Logistikkonzepts für die "letzte Meile". Die Pandemie habe das Potenzial von E-Commerce gezeigt. Und dafür will er Logistikdienstleister werden. "Wir möchten, dass dieser Bereich umweltfreundlicher wird, dass es attraktiver wird, dort zu arbeiten. Und wir wollen effizienter sein."

Das E-Fahrzeug ist der dritte Logistik-Baustein

Man verfüge über 1000-mal wiederverwertbare Pakete, intelligente Softwarelösungen – und jetzt eben als dritten Baustein über ein E-Fahrzeug. "Wir hatten ein bisschen Sorge davor, die Vergangenheit zu kaufen." Also hat die Deutsche Post das ganze Wartungsgeschäft ihrer eigenen Flotte behalten. Krause übernimmt lediglich die Rechte an den Fahrzeugen, alle Pläne, quasi das technische Know-how.

Erste Interessenten im Ausland

Auch die Marke Streetscooter gehört nicht dem neuen Eigentümer. "Wir dürfen die zwar noch eine Weile nutzen, werden dann aber eine neue Marke vorstellen." Als Mitgift bekam Krause von der Post eine Bestellung über 9500 Fahrzeuge, verteilt auf drei Jahre. Es gebe erste Interessenten im Ausland, etwa in Großbritannien und anderen europäischen Ländern. Darunter Logistikunternehmen, die bislang den Streetscooter nicht kaufen wollten, weil die Konkurrenz ihn gebaut hat.

Erfahrene Manager gehören zum Odin-Team

Mit im Team bei Odin seien weitere Automanager, sagt Krause. Etwa Bruno Lambert, zuletzt Chef von Borgward in China. Und Ian Gardner, CEO von GoFor Delivers, einer Art Uber für Transporte in den USA. Krause ist überzeugt, dass der Streetscooter eine Zukunft hat. "Sein Vorteil sind die vielen verschiedenen Koffer, mit denen man ihn bestücken kann."