Seat Ibiza (2017): Vorstellung und Fahrbericht

Seat Ibiza (2017): Vorstellung und Fahrbericht

Seat Ibiza (2017): Vorstellung, Fahrbericht, Marktstart und Preis

— 27.03.2017

Alle Infos zum neuen Ibiza

Seat stellt den neuen Ibiza auf die Plattform des kommenden Polo. AUTO BILD hat alle Infos zu Motoren, Ausstattung und Preis. Erster Fahrbericht!

Vorstellung: Seat nutzt die Plattform des neuen Polo
Interieur: Üppige Platzverhältnisse
Fahren: Der neue Ibiza hat keine Schwächen
Ausstattung: Vier Ausstattungslinien
Connectivity: Acht Zoll-Display und dreifache Vernetzung
Motoren und Preis: 1.5 TSI mit 150 PS kommt Ende 2017
Gebraucht: Ab 3600 Euro gibt es gebrauchte Ibiza

Vorstellung: Dank neuem MQB in die Breite gewachsen

Premiere für Spanien: Der neue Seat Ibiza darf als erstes Auto im Volkswagen-Konzern den MQB A0 (Modularer Querbaukasten) nutzen, den VW im Polo erst im Herbst 2017 verwenden wird. Die fünfte Generation des Ibiza verliert in der Länge zwei Millimeter, knackt aber mit 4,06 Metern immer noch die magische Kleinwagenmarke von vier Metern. Auch bei der Höhe reduzieren die Entwickler, wenn auch nur marginal: minus ein Millimeter. Geht Seat bei den Abmessungen also gegen den Trend und verkleinert?

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Seat Alora Illustration Seat Arona Illustration Seat Ibiza
Nein, denn der neue MQB lässt den Spanier in die Breite wachsen: Ganze 8,7 Zentimeter misst er mehr von Flanke zu Flanke (1,78 m). Zusätzlich streckt sich der Radstand um 9,5 Zentimeter auf 2,56 m. Was neben dem Innenraum auch der Optik zugute kommt, denn der neue Ibiza steht mit seinen kurzen Überhängen und der scharf gezeichneten Karosserie stämmig da. Fast wie ein verkleinerter Leon. Damit der Look nicht unter zu kleinen Felgen leidet, rollt der Ibiza auf Wunsch auf 18 Zoll-Felgen. Die sportlich geschnittenen Schürzen und die doppelflutige Auspuffanlage (sehen etwas nach Renault Clio aus) sind Kennzeichen der FR-Ausstattung. Unabhängig vom Optionen-Paket gibt es den Ibiza nur noch als Fünftürer. So gerüstet stellt sich der kleine Spanier der Konkurrenz: Der neue Polo steht bereits in den Startlöchern, der Ford Fiesta ist bereits präsentiert und die nächste Generation des Opel Corsa ist für 2018 geplant.

Interieur: Aha-Effekt und üppige Platzverhältnisse

Laut Seat soll die Ladekante etwas tiefer sein. In den Kofferraum passen jetzt 355 Liter (Polo: 280 Liter).

Im Innenraum macht sich das Breitenwachstum des Ibiza naturgemäß am ehesten bemerkbar. Die Platzverhältnisse sind gemessen an der Fahrzeugklasse üppig. Seat gibt an, dass sich die Kopffreiheit vorne um 2,4 Zentimeter vergrößert hat – das Ergebnis ist zufriedenstellend, selbst mit 1,95 Meter bleibt genügend Luft nach oben. Positiv ist, dass der linke Ellbogen nicht abgeklappt werden muss, sondern genug Platz auf der Armablage findet. Die Sitze sind 4,2 Zentimeter breiter als beim Vorgänger. Auch hier gibt es nichts zu Klagen. Das Sportgestühl des FR-Modells sieht schick aus und ist ergonomisch. Für einen Aha-Effekt sorgt der Armaturenträger des neuen Ibiza: Ein mittiges Zierelement zieht sich über die gesamte Breite und beherbergt den unter Glas platzierten acht Zoll-Touchscreen des Infotainments.

Kaufberatung Seat Ibiza

Seat Ibiza Seat Ibiza Seat Ibiza
Schnörkellos und aufgeräumt – top, das könnte auch der Innenraum eines Kompakten sein. Es sei denn, man klopft die Oberschale des Cockpits ab. Das besteht nämlich aus Hartplastik. Genau wie die schlichten Türtafeln. Ein kleiner Wermutstropfen, der aber schnell vergessen ist, wenn man im Fond sitzt. Denn selbst, wenn der Fahrersitz wie im Bild für einen 1,95-Meter-Lulatsch eingstellt bleibt, ist genügend Platz vorhanden. Sitzt vorne ein normal Gewachsener, ist die Rücksitzbank für zwei Erwachsene voll reisetauglich. Passend dazu fasst der Kofferraum des Ibiza jetzt 355 Liter (im Vergleich zum Vorgänger: plus 63 Liter).

Fahren: Der neue Ibiza hat keine Schwächen

Starten funktioniert im neuen Ibiza wie im Bugatti Chiron: Knopf drücken, lauschen – und los geht's. Soll keiner sagen, kleine Vierzylinder seien unmusikalisch. Der 150 PS starke 1,5 Liter-Triebling ist ein vielseitiger Alleinunterhalter. Im großen Gang bei 130 km/h sind die Reifen lauter als der Verbrenner. Doch beim Anbremsen, Herunterschalten und Wiederbeschleunigen wechselt im Rhythmus der Strecke die Stimmlage von ungehalten bis enthusiastisch. Engagiert sind auch die Fahrleistungen: von 0 auf 100 km/h in 7,5 Sekunden, Spitze 215 km/h. Der früh ansprechende Lader formt die Drehmomentkurve zu einem Hochplateau, das so manchem Diesel gut anstehen würde. Im sechsten Gang bei 80 dahintrödeln? Im Ibiza 1.5 TSI kein Problem.

Der Testwagen ist mit dem neuen 1,5-Liter TSI mit 150 PS und dem FR-Paket samt Sportfahrwerk, Verstelldämpfern und 18-Zoll-Gummis. 

Lenkung? Sehr feinfühliges Einlenken, geringe Haltekräfte, saubere Rückmeldung ohne Filter und Weichzeichner, ordentlicher Wendekreis, selbst in feuchten Zweite-Gang-Ecken kaum Antriebseinflüsse. Bremse? Eine ganze Klasse besser als beim Vorgänger, vom Ansprechverhalten über die Dosierbarkeit bis zur beruhigend nachhaltigen Verzögerung. Fahrwerk? Okay, kurze Querfugen kann er nicht, aber selbst auf dem Flickwerk-Geläuf rund um Barcelona behält der neue Ibiza stets die Fassung. Ein- und Ausfedern ist ein kontinuierlicher Bewegungsablauf, lange Wellen werden geschluckt oder weggedrückt, Schlaglöcher verlieren ihren Schrecken. Die Regelsysteme greifen ungewöhnlich sanft ein, ohne sich dabei in vorauseilendem Gehorsam hervortun zu wollen.

Seat Ibiza (2017): Vorstellung und Fahrbericht

Der Ibiza ist in vielen Disziplinen mindestens so gut oder sogar besser als der Leon. Immer wieder beeindrucken die Grundgeschmeidigkeit, die dezenten Aufbaubewegungen, die geringe Querneigung in schnellen Kurven, der beim Anbremsen und Einlenken stoisch ruhige Vorderwagen. Der Grip ist selbst bei Nässe phänomenal, das Eigenlenkverhalten bleibt bis in den Regelbereich neutral. Man lernt entsprechend rasch, Vertrauen zu fassen, die Lenkung früh aufzumachen und entsprechend früher Gas zu geben. Erst mit deaktiviertem ESP ist Schaulaufen angesagt. Da wird auf Wunsch jede S-Kurve im Ausfallschritt durchmessen, jeder erwachsene Kreisverkehr zum öffentlichen Skidpad, jede Schotterpiste zur privaten Sonderprüfung. Man kann es drehen und wenden wie man will, aber dieser Ibiza macht einfach kaum Fehler, zeigt kaum Schwächen. Keine Frage: Hier ist Seat ein sehr rundes Auto gelungen, das auch noch kaum teurer werden soll als der Vorgänger.

Ausstattung: Vier Ausstattungsvarianten

Den Ibiza bietet Seat in vier Ausstattungsvarianten an: Reference, Style, FR und XCellence. Das sportlich angehauchte FR-Paket beinhaltet Stoßfänger mit größeren Lufteinlässen und eine sportiv designte Heckschürze, sowie ein Black Pack mit geschwärzten Chromleisten. Dazu gibt es ein Sportfahrwerk mit zwei Dämpferkennlinien (Normal und Sport). Einstellbare Dämpfer hat auch das XCellence-Paket, dann aber mit einer komfortableren Abstimmung. Optional stehen Voll-LED-Scheinwerfer, Stauassistent, Abstandsregeltempomat in der Aufpreisliste.

Connectivity: Vernetzt wie Leon und Ateca

Dreifach vernetzt: Das Infotainment beherrscht Apple Carplay, Android Auto und Mirror Link.

In Sachen Connectivity rückt der Ibiza zu seinen großen Brüdern Leon und Ateca auf: Mit dem Full Link-System (Apple CarPlay, Android Auto und Mirror Link) ist er dreifach vernetzt. Die Darstellung erfolgt über einen acht Zoll großen Touchscreen, der von zwei Reihen Tastfeldern und zwei konventionellen Dreh-Drückstellern flankiert wird. Auf eine virtuelle Instrumentenanzeige verzichtet Seat – sie bleibt dem neuen Polo vorbehalten.

Motoren, Marktstart und Preis: Ab Juni 2017 im Handel

Runde Formen? Nix da! Rückleuchtengrafik im Leon-Look und scharfe Kanten am Heck des neuen Ibiza.

Zum Marktstart im Juni 2017 bietet Seat zwei Dreizylinder-Benziner  (1.0 TSI) mit 95 oder 115 PS an. Ende 2017 folgt dann der neue 1.5 TSI mit 150 PS. Auf der Dieselseite stehen drei Leistungsstufen für den 1.6 TDI bereit: 80, 95 und 110 PS. Zusätzlich ist eine Erdgasversion des 1.0 TSI mit 90 PS in Vorbereitung. Für alle Motoren bis 95 PS ist eine Fünfgang-Handschaltung Standard. Oberhalb der 95-PS-Grenze kommt ein manuelles Getriebe mit sechs Schaltgassen zum Einsatz. Auf Wunsch bietet Seat auch ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe an. Die Preise verrät Seat noch nicht – AUTO BILD rechnet für das Basismodell mit 13.500 Euro.

Gebrauchte Ibiza ab 3600 Euro kaufen

Das aktuelle Modell des Ibiza (Typ 6J) wird seit 2008 gebaut und wurde zweimal geliftet.

Die Vorgänger-Generation des Ibiza kam 2008 auf den Markt und bekam in den Jahren 2012 und 2015 jeweils ein Facelift. 2010 kam der Kombi ST. Die Leistungsspanne der TSI- und TDI-Motoren liegt zwischen 60 und 180 PS beim sportlichen Spitzenmodell Cupra. Die vierte Generation des Ibiza gilt in den Statistiken als sehr zuverlässig und solide, fällt aber mit Kleinigkeiten wie knarzenden Innenräumen auf – ab und zu spinnt zudem die Elektronink. Schwerwiegender ist das Steuerkettenproblem bei den TSI-Motoren. Der Bremsenverschleiß ist im Schnitt laut AUTO BILD TÜV-Report hoch. Im 100.000-Kilometer-Dauertest von AUTO BILD räumte der Ibiza die Note 1 ab und überzeugte insbesondere durch seine extrem bequemen Sitze und die Dauerhaltbarkeit. Die Preise für einen gebrauchten Ibiza mit einer Laufleistung bis zu 100.000 Kilometer starten ab rund 3600 Euro, Faceliftmodelle von 2012 kosten gut 6500 Euro.
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Autoren: Peter R. Fischer, Georg Kacher

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