Fahrbericht McLaren Senna

Fahrbericht McLaren Senna

McLaren Senna (2018): Test, Preis, Bilder

So extrem ist der McLaren Senna!

Der neue McLaren Senna hat 800 PS und soll das schnellste Straßenauto der Briten aller Zeiten sein. Am Design scheiden sich die Geister. AUTO BILD hat alle Infos und den Fahrbericht!

Vorstellung: Der extremste McLaren

McLaren prĂ€sentiert das extremste Straßenauto der Firmengeschichte! Das neue Modell der "Ultimate Series" wiegt 1198 Kilo, hat 800 PS und ist nach dem legendĂ€ren Formel-1-Fahrer Ayrton Senna benannt, der alle seine Titel mit McLaren gewann. Statt ĂŒber den Namen oder die Leistungswerte diskutieren alle Leute aber ĂŒber das Design: Laut eigener Aussage wurde der Senna zwar fĂŒr die Straße zugelassen, aber fĂŒr die Rennstrecke entwickelt.

Der HeckflĂŒgel ist gigantisch, wiegt aber nur 4,73 Kilo. Darunter befinden sich die extra schmalen RĂŒckleuchten und der doppelte Diffusor.

Kurze Einordnung fĂŒr alle Nicht-McLaren-Fans: Nach dem 2013 vorgestellten McLaren P1 ist der Senna (Arbeitstitel P15) das zweite Modell der "Ultimate Series". SpĂ€ter folgt mit dem BP23 genannten Dreisitzer der indirekte Nachfolger des legendĂ€ren McLaren F1. WĂ€hrend der BP23 als GT ausgelegt ist, soll der Senna die Rennstrecken auf der ganzen Welt dominieren – der Name verpflichtet schließlich. FĂŒr den nur 1198 Kilo leichten Supersportwagen haben die Ingenieure aus Woking das sogenannte Monocage III-Chassis entwickelt, das auf dem Chassis des 720S basiert. Alle Karosserieteile des Senna sind aus Carbon, was das Gewicht ordentlich drĂŒckt. Wie bei den anderen McLaren-Modellen sitzt der Vierliter-V8 mit 800 PS und 800 Nm hinter den Sitzen. 2,8 Sekunden braucht der Senna bis Tempo 100, noch beeindruckender ist die Zeit von 6,8 Sekunden auf 200 km/h. Damit liegen die Fahrleistungen in etwa auf P1-Niveau. Auf der Rennstrecke soll der Senna sogar schneller sein als der nicht straßenzugelassene P1 GTR. 
Beim Design setzt McLaren auf den Leitspruch "Form follows function". Klar ist, dass der Senna optisch polarisiert. McLaren spricht von einer Tropfenform, auf die die Karosserieteile "geclippt" werden. Der riesige HeckflĂŒgel besteht aus Carbon und funktioniert auch als Airbrake. Insgesamt setzt McLaren beim Senna stark auf aktive Aerodynamik, die den Supersportwagen zum schnellsten McLaren-Straßenauto aller Zeiten machen soll. Beispiel gefĂ€llig? Bei 250 km/h soll der Senna mit seinem gigantischen FlĂŒgel und der aktiven Aerodynamik 800 Kilo Abtrieb generieren. Trotzdem soll er 340 km/h Höchstgeschwindigkeit erreichen. Messepremiere hat der McLaren Senna auf dem Autosalon Genf 2018 (8. bis 18. MĂ€rz). Die 500 geplanten Exemplare kosten je 922.250 Euro und sind bereits komplett ausverkauft. Die ersten Kundenfahrzeuge sollen im dritten Quartal 2018 ausgeliefert werden. Direkt danach soll die nochmals verschĂ€rfte Hardcore-Version Senna GTR an den Start gehen. Auf dem Autosalon zeigt McLaren bereits eine Studie des GTR ohne Straßenzulassung. Wer dachte, dass es optisch nicht extremer werden kann, hat sich getĂ€uscht – der Senna GTR setzt beim Design noch mal einen drauf!

McLaren Senna (2018): Test, Bilder, PS, MSO

Innenraum: Startknopf im Dachhimmel

So polarisierend das Außendesign auch sein mag, so passgenau ist der Innenraum.

Genug der Theorie, rein in den McLaren! Gesagt, getan, aber wie schließe ich die TĂŒr von innen? Es gibt keinen richtigen TĂŒrgriff und auch keine Zuzieh-Schlaufe. Irgendwie kriege ich die FlĂŒgeltĂŒr dann doch zu packen, das lĂ€ssige TĂŒrschließen mĂŒssen Senna-Besitzer also erst mal ĂŒben. So polarisierend das Außendesign auch sein mag, so passgenau ist der Innenraum. Die Sitze sind natĂŒrlich aus Vollcarbon und nur minimal gepolstert. FĂŒr eine lange Autobahnetappe von Hamburg nach MĂŒnchen etwa sind sie nicht wirklich geeignet, aber die Vollschalen bieten extremen Seitenhalt. Die Sitze werden ĂŒbrigens in zwei GrĂ¶ĂŸen angeboten, McLaren geht aber auch auf individuelle KundenwĂŒnsche ein. Die Gangwahltasten sind am Fahrersitz montiert und bewegen sich praktischerweise mit.

FlĂŒgeltĂŒren wie beim McLaren F1

Die FlĂŒgeltĂŒren des Senna sind dem legendĂ€ren F1 nachempfunden und öffnen gleichzeitig nach oben und nach vorne. Teile des Dachs und der TĂŒren können auf Wunsch in Glas statt Kohlefaser geliefert werden. Das macht aus der Carbonhöhle ein etwas luftigeres Cockpit. Die Rundumsicht ist zwar nicht auf dem Niveau des McLaren 720S, geht aber voll in Ordnung. GewöhnungsbedĂŒrftig sind die zweigeteilten Fenster, bei denen sich – typisch Rennwagen – nur der untere Teil öffnen lĂ€sst. Um die Fenster zu öffnen, muss der unwissende McLaren-Neuling lange suchen. Aus PlatzgrĂŒnden haben die Briten die Fensterheber in den Dachhimmel verpflanzt. Dort befindet sich in Jet-Manier auch der Start- und der Launch-Control-Knopf. Auch die TĂŒren werden im Dachhimmel geöffnet. DafĂŒr kommt das sonstige Cockpit quasi ohne Tasten aus. Neben dem Info-Display in der Mitte kann der Fahrer alle wichtigen Daten ĂŒber das aus dem 720S bekannte "Folding Driver Display" abrufen. Weitere Punkte der Gewichtsreduktion: Das Lenkrad kommt komplett ohne Knöpfe, und die GasdruckdĂ€mpfer der TĂŒren sind unverkleidet. Einen Kofferraum gibt es im Senna nicht, der einzige Stauraum ist hinter den Sitzen und soll Platz fĂŒr zwei Helme und RennanzĂŒge bieten. Auch im Innenraum kommt der Senna also ohne Schnickschnack und setzt auf maximale Performance, hier ist kein Knopf und kein Kilo zu viel. Einziges Gimmick, das mehr Show als Schein ist, sind die unteren GlaseinsĂ€tze in der TĂŒr. Mit einem Zwinkern könnte da argumentiert werden, dass man den Curb auf der Rennstrecke besser anpeilen kann.

Neue Sportwagen (2019, 2020, 2021, 2022 und 2023)

Ausstattung: Keramikbremsen und Semislicks

Beim Senna MSO wird die komplette Karosserie in Sichtcarbon mit gelben Details ausgeliefert.

Kurz nach der Premiere des Senna hat McLaren die in Deutschland rund 350.000 Euro teure MSO-Carbon-Option prĂ€sentiert. Die komplette Karosserie des Senna wird in Sichtcarbon mit gelben Details ausgeliefert. Die Felgen sind sogenannte Hybrid-RĂ€der, bei denen der Ă€ußere Kranz ebenfalls aus Carbon besteht. Die grĂŒnen BremssĂ€ttel sind zusammen mit den gelben Akzenten eine Hommage an die Landesfarben von Brasilien, wo Ayrton Senna geboren wurde. DarĂŒberhinaus hat McLaren fĂŒr den Senna weitere traditionelle Rennlackierungen – wie beispielsweise die FIA-Livery vom F1 GTR Longtail – im Angebot. Abgesehen von den Außenfarben, gibt es aber kaum Extras. Spezielle Komfortfeatures sucht man vergebens – Navi, Parksensoren, Softclose fĂŒr die FlĂŒgeltĂŒren und RĂŒckfahrkamera sind die einzigen Ausnahmen. DafĂŒr kommt der Senna serienmĂ€ĂŸig mit aktiver Aerodynamik und der hydraulischen Federung "Race Active Chassis Control II" (RCC II). FĂŒr maximale Performance verbaut McLaren das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe und speziell entwickelte Reifen der Marke Pirelli P Zero Trofeo-R. Carbon-Keramikbremsen und Zentralverschlussfelgen sind auch Serie. Viele Optionen haben die Kunden also nicht â€“ sie können eigentlich nur die Außenfarbe, Innenausstattung in Alcantara und die auf Wunsch durchsichtigen unteren TĂŒrteile auswĂ€hlen. Der Auspuff ist aus Inconel und Titan gefertigt und verzichtet in bestimmten MĂ€rkten sogar auf den SchalldĂ€mpfer. Die Briten versprechen, dass der Senna so klingt wie kein anderer McLaren zuvor.

McLaren 720S (2017): Test

Fahren: Eher Rennwagen als Straßenauto

Supersportler: Auf der Rennstrecke fĂŒhlt sich der McLaren Senna wohl – er performt unglaublich.

Zum ersten Kennenlernen mit dem Senna bittet McLaren direkt auf den Formel-1-Kurs von Silverstone. Helm und HANS sind fixiert, die Handschuhe ĂŒbergestreift, rein geht's in die gute Stube. Aber so einfach geht das nicht: Eher gleitet man hinein, HĂ€nde ans Dach und festhalten, FĂŒĂŸe reinheben und dann fallen lassen. Der Vollschalensitz passt wie angegossen, die Sechspunktgurte klicken, Copilot und Rennprofi Josh Cook gibt den Fahrplan vor. Zwei Runden zum Gewöhnen an Strecke und Auto, Luftdruck-Check und dann vier schnelle. Josh stellt die Drehregler auf T wie Track, aktiviert die Aero, der Senna legt sich tiefer, vorn um 39, hinten um 30 Millimeter. So soll der Diffusor besser arbeiten können. Die Ampel zeigt GrĂŒn, ab geht's. Silverstone ist eine ziemlich schnelle Strecke, beim heutigen Layout wechseln sich lange Geraden mit kurzen Schikanen ab. Schon beim Einrollen beeindruckt der Senna mĂ€chtig.

Beim Senna ist alles aufs Extremste zugespitzt

Das Auto fĂŒhlt sich eher nach Rennwagen an als nach Straßenauto. Lenkung, Gas, Bremse, alles aufs Extremste zugespitzt. Der Sound? Na ja, ich sage es mal so: Hoffentlich kommt noch was auf den schnellen Runden. Luftdruck-Check, fertig. "Du musst die 'Stowe' spĂ€ter anbremsen, da gehen noch zehn Meter", funkt Josh durch die Gegensprechanlage. Also nach der Schikane Vollgas, der Senna schiebt ordentlich an, subjektiv nicht ganz so brachial wie ein GT2 RS. Tempo 260, 270, jetzt den Anker fĂŒr die Stowe werfen – wieder zu frĂŒh. Unglaublich, wie das Paket aus steilem HeckflĂŒgel, Keramikbremse und Pirellis verzögert. Das Getriebe spielt immer mit, der Motor hĂ€ngt trotz Aufladung ganz fein am Gas. In der langen "Club-Corner" spĂŒrt man am besten, wie Aero und Fahrwerk arbeiten. FrĂŒh am Gas, die Elektronik greift nicht ein, der Speed ist sensationell.

AUTO BILD-SPORTSCARS-Tester Guido Naumann ist vom McLaren Senna begeistert.

Fazit von Guido Naumann: Rein nach Optik und Daten war schon vor dem Test klar: Der Senna muss schnell sein. Nach der Probefahrt ist sicher, dass der Sachsenringrekord des GT2 RS fallen wird. So viel Kurvenspeed und Abtrieb habe ich in einem Straßenauto noch nicht erlebt. Bremsen? Der Kopf sagt nein, die Technik sagt ja! Unglaublich wie der Senna verzögert, ein Schauspiel wie bei einem landenden Jet, steiles Leitwerk inklusive. Kritik? Okay, Beschleunigung und Sound habe ich mir krasser vorgestellt.

Fahrbericht McLaren Senna

McLaren SennaMcLaren SennaMcLaren Senna

Motor und Preis: Alle 500 McLaren Senna verkauft

McLaren setzt beim Senna auf den Vierliter-V8-Biturbo. Der Motor mit dem internen Namen M840TR leistet im neuen McLaren der "Ultimate Series" 800 PS und 800 Nm maximales Drehmoment. Die Briten behaupten ganz selbstbewusst, dass der Senna das "schnellste McLaren-Straßenauto aller Zeiten" sein soll. Alle 500 geplanten McLaren Senna sind bereits verkauft. Den Grundpreis gibt McLaren mit 922.250 Euro an, der allerletzte Slot fĂŒr einen McLaren Senna wurde fĂŒr ĂŒber zwei Millionen Euro versteigert. Wer seinen Senna mit der rund 350.000 Euro teuren Carbon-Option von MSO specced, landet schnell bei deutlich ĂŒber einer Million Euro. Das ist allerdings immer noch weniger, als fĂŒr den VorgĂ€nger P1 fĂ€llig wurde.

Autosalon Genf 2018: Die wichtigsten Auto-Neuheiten

Jan Götze

Jan Götze

Fazit

Als ich die ersten Fotos des Senna gesehen habe, war ich gar nicht begeistert. Doch der Supersportwagen ist eines dieser Autos, das erst live richtig wirkt. Den Senna muss man vor sich sehen, um ihn zu verstehen. Ich bleibe bei meiner Meinung: Er ist kein schönes, aber ein optisch extremes Auto! Vor allem mit der teuren MSO-Vollcarbon-Option wird der Senna noch mehr zum Hingucker!

Anzeige

Automarkt

Bei autohaus24.de Neuwagen gĂŒnstig kaufen und Geld sparen.

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.