Praxistest: Haltbarkeit von Elektroauto-Akkus
220.000 km auf dem Tacho, Batterie fast neu!

Fünf Jahre intensive Nutzung: Dieser VW ID.3 Baujahr 2021 hat bereits die Laufleistung eines sehr alten Gebrauchtwagens. Aber wie stark ist sein Akku gealtert? Das Ergebnis ist verblüffend!
Bild: Elektroauto E-Auto Akku VW Volkswagen ID.3 Batterie Kapazität ADAC Test SoH State of Health
Der ADAC schaffte im Mai 2021 den elektrischen Kompaktwagen VW ID.3 an. Ziel: In einem Langzeittest vom Münchner "Technik Zentrum" des Autoclubs die Haltbarkeit des Traktionsakkus testen. Kürzlich erreichte der Tacho eine Laufleistung von 220.000 km.
Unter Verbrenner-Gesichtspunkten ist das ein sehr alter Gebrauchtwagen. Zum Vergleich: Beim Online-Fahrzeugmarkt mobile.de sind mehr als 800.000 Gebrauchtwagen mit mindestens zwölf Monaten HU im Angebot. Über 220.000 km haben aber nur rund 55.000 davon absolviert, also weniger als sieben Prozent. Von einem so stark genutzten Auto ist erfahrungsgemäß nicht mehr viel zu erwarten.
Die Preisfrage: Wie stark ist der Akku des ID.3 bei dieser intensiven Nutzung gealtert? Tatsächlich wurde bei der Messung eine Restkapazität von 89 Prozent festgestellt. Heißt im Umkehrschluss: Die hohe Laufleistung kostete wenig mehr als zehn Prozent des Speichervermögens. Die Degradation betrug folglich im Schnitt nur ein Prozent auf 22.000 km.
Weitere langfristige Nutzbarkeit ist zu erwarten
Geht man von einer weiterhin stabilen Degradationskurve aus, könnte die ursprünglich 77 kWh große Batterie noch bis weit über 350.000 km ausreichend funktionieren, um das Auto auf Langstrecken und in Winterkälte zu nutzen. Angesichts empirischer Forschung von Akku-Alterungsverläufen ist eine solche Entwicklung erwartbar.
Denn nach wie vor ist das Ladeverhalten laut ADAC gut: Bei einer Ladeleistung von bis zu 160 kW ist es auch jetzt noch möglich, den Energiespeicher in etwa 30 Minuten von 10 auf 80 Prozent zu laden. Der Verbrauch liegt über die gesamte Betriebszeit bei durchschnittlich 23 kWh auf 100 km. Die Batterie ist auch sehr stabil, wie der ADAC mitteilt. Sie hält die Ladung also gut, entlädt gleichmäßig und langsam.
Software-Update verringerte Energieverbrauch
Ein Kuriosum: Während der Nutzung verringerte sich der Energieverbrauch von 20 kWh auf 18,3 kWh inklusive der Ladeverluste. Und die Reichweite (438 km bei Testbeginn) ging kaum zurück. Beide Effekte wurden durch ein Software-Update verursacht, das Volkswagen 2023 für die gesamte Modellreihe durchführte. Dabei wurde insbesondere die Effizienz verbessert.

Der ID.3 sieht auch nach 220.000 km im Langzeittest des ADAC noch gut aus, größere Reparaturen waren nicht notwendig.
Bild: Elektroauto E-Auto Akku VW Volkswagen ID.3 Batterie Kapazität ADAC Test SoH State of Health
Das betrifft unter anderem die Akkuheizung: Die ursprüngliche Software sorgte offenbar für eine deutlich stärkere Beheizung. Das führte einerseits zu einem höheren Energieverbrauch, andererseits zu mehr Stress für den Akku. Nach dem Update sank die Intensität der Aufheizung, was bei Kurzstrecke und Temperaturen zwischen 0 und 5 Grad Strom spart.
Die Garantie ist bereits vor 60.000 km abgelaufen
Der ADAC bescheinigt dem ID.3 mit 77-kWh-Akku weiterhin Langstreckentauglichkeit: Wer auf der Autobahn in gemäßigtem Tempo ohne Beschleunigungsorgien unterwegs sei, könne eine Reichweite von 400 km erwarten, teilen die Tester mit. Bei Minusgraden sei der Aktionsradius allerdings bis zu 100 km geringer.
Die übliche Garantiezeit für Batterien hat der VW bereits 2025 überschritten: Wie fast alle Hersteller verspricht Volkswagen, die eigenen Akkus kostenlos zu tauschen, sofern bis zu einer Laufleistung von 160.000 km oder acht Jahren Nutzung (je nachdem, was zuerst eintritt) die Kapazität unter 70 Prozent gesunken ist. Der ADAC-ID.3 ist mit 89 Prozent Restkapazität der Batterie weit vom Garantiefall entfernt.
Der VW wurde oft mit vollem Akku abgestellt
Erstaunlich, denn das Elektroauto wurde auf den bisherigen 220.000 Kilometern nicht geschont: Es absolvierte Langstreckenfahrten, auch auf der Autobahn, und war sommers wie winters unterwegs. Da der ADAC eine eigene Gleichstrom-Ladestation unterhält, wurde auch das wenig akkuschonende Schnellladen häufig genutzt.

Verläuft die Degradation des Akkus weiterhin gleichmäßig, wäre eine Laufleistung von 350.000 km erreichbar, bevor die Alltagstauglichkeit erheblich sinken würde.
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Häufig wurde die Batterie auch zu hundert Prozent aufgeladen und das Fahrzeug in diesem Zustand für längere Zeit abgestellt – beides gilt als Gift für den Akku.
Der Test ist nicht beendet: Wie der Autoclub mitteilt, wird der ID.3 weiterhin mit unverminderter Intensität genutzt. Als nächstes Ziel sind 250.000 km Laufleistung angepeilt. Der Wagen ist auch keineswegs verschlissen. Einige wenige Reparaturen erfolgten zwischendurch, doch überwiegend ist noch die ursprüngliche Technik an Bord.
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