Nissan ProPilot 3 (2020): Erster Test
Hände weg, der fährt selbst!
Neue E-Autos bis 2029 im Überblick
Ab 2020 will Renault-Nissan selbstfahrende Autos anbieten. Wie weit die Ingenieure sind, hat AUTO BILD im Prototyp herausgefunden!
- Stefan Grundhoff
Wie von Geisterhand fährt der Infiniti Q50 S langsam an, nimmt sicher die erste Linkskurve und kommt an der Ampelkreuzung problemlos zum Stehen. Der Blinker links schaltet sich automatisch ein – einen Fahrer braucht das Auto nicht. Erst 2020 will der Renault-Nissan-Konzern das autonome Fahren in Serie bringen – AUTO BILD hat es schon jetzt getestet!
Die Technik ist lauter als ein V6-Motor

Auch auf Schnellstraßen und in der Innenstadt soll das Auto ohne Fahrer auskommen.
Bild: Nissan
Noch ist das System nicht ausgereift
Die animierte Instrumenteneinheit zeigt in Schwarzweiß das Bild, das man beim Herausschauen aus der Frontscheibe erblickt. Eine kleine Ampel ist rot und der Tacho zeigt 0 km/h – erlaubtes Tempo 40 km/h. Als die Ampel Grün zeigt, fährt die Limousine langsam an und beschleunigt bis auf Tempo 50. Es geht über eine lang gezogene Brücke, auf der am linken Straßenrand ein paar Lastwagen parken. Das Fahrzeug verzögert scheinbar grundlos seine Fahrt, beschleunigt wieder leicht und verzögert beim nächsten Lastwagen wieder. "Hieran müssen wir noch arbeiten", erklärt Tetsuya Iijima, "die Elektronik denkt, dass hinter den Fahrzeugen Fußgänger oder spielende Kinder auf die Straße laufen könnten und bremst daher leicht ab. Aber wir sind ja auch noch nicht im Serienstand."
Autonom durch die Mautstation

Für das autonome Fahren sind zusätzliche Kameras in den vier Ecken des Daches nötig.
Bild: Nissan
Tempolimits werden exakt eingehalten
Es geht weiter Richtung Norden auf der 357, und der Verkehr rauscht links und rechts vorbei. "Unser System hält sich immer genau an die Geschwindigkeitsbegrenzungen", erklärt Herr Iijima, "hier eben an Tempo 60. Wenn die Situation oder die Umgebung undurchsichtig ist auch etwas weniger." Doch der umliegende Verkehr stört sich an dem rot umrandeten 60-km/h-Schild allzu wenig. Selbst große Lastwagen ziehen mit Tempo 80 oder 90 rechts an uns vorbei. Ein Problem, das das (teil-)automatisierte Fahren mit sich bringt: Die Elektronik hält sich an Tempolimits – mehr als die meisten Verkehrsteilnehmer. Das macht einen gerade im fließenden Verkehr langsamer als die anderen.
Das System meistert selbst schwierige Situationen

Das System hält die erlaubte Höchstgeschwindigkeit peinlich genau ein.
Bild: Nissan
Video: Nissan ProPilot 3 (2020)
Hände weg vom Steuer!
Autonomes Fahren wird Sonderausstattung
"Wir sind noch lange nicht fertig mit unserer Arbeit", sagt Tetsuya Iijima, als es über die 357 und später die B11 zurück Richtung Yokohama geht. "Wir haben noch sehr viel zu tun. Wir müssen die Technik in eine serientaugliche Größe bekommen. Dann gibt es natürlich auch eine Kamera im Innern, die überprüft, ob der Fahrer am Steuer sitzt. Wir brauchen zudem eine extrem genaue HD-Karte. Das alles wird noch eine Zeit dauern." Als es um den Serieneinsatz geht, hält er sich bedeckt – abgesehen vom Einführungszeitpunt im Jahre 2020. Es sei eher eine Sonderausstattung, räumt er ein, die in verschiedenen Modellen kommen könnte. Preis? Noch unbekannt. Nach zwei kleineren Staus rollt der Infiniti Q50 S langsam exakt auf den Platz, auf dem es losging. Tetsuya Iijima hat nicht einmal ins Steuer gegriffen – und schwört Stein und Bein, dass sich diese Testfahrt überall wiederholen ließe. Wir glauben es ihm.
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