Fast ein normaler Allrad-T3, möchte man beim Anblick dieses Bulli denken. Doch dieser VW T3 syncro liegt seltsam hoch, die Räder wirken etwas größer als gewohnt. An den schwarzen Radlaufverbreiterungen noch am leichtesten zu identifizieren, markiert der syncro mit dem optionalen 16-Zoll-Fahrwerk (die Normalversion rollte auf 14-Zoll-Rädern) den Höhepunkt und Schlussakkord der Heckmotor-Ära beim Bulli.
Hinweis
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Das 16-Zoll-Paket erforderte substanzielle Eingriffe in Fahrwerk und Karosserie, was den syncro 16 seinerzeit um ebenso substanzielle 6321 Mark verteuerte – zuzüglich etwa 1000 Mark für eine oder 1600 Mark für beide Achssperren.
VW T3 SYNCRO 16 ZOLL (1989)
Alles andere als ein bekannter Bulli: Die Liste der Änderungen am T3 syncro 16 ist gefühlt endlos und macht das Modell sehr selten.

Steyr Puch machte den VW T3 zum Geländewagen

Die Karosserien aus dem VW-Nutzfahrzeugwerk Hannover gingen zum Allradspezialisten Steyr Puch (G-Mercedes, Pinzgauer, heute Magna Steyr) ins österreichische Graz. Hier wurde der Kasten- zum Geländewagen umgewandelt und ging anschließend wieder zurück nach Deutschland – gern mit Schlenker über den Reisemobilbauer Westfalia in Rheda-Wiedenbrück. Die Liste der bei Steyr Puch vorgenommenen Änderungen ist derart lang, dass Zweifel keimen, ob VW damit trotz der hohen Preise jemals Geld verdient hat. Die Grazer verpassten dem T3 "Gleitschutzkufen" (angeschraubter Rahmen) unter Motor und Antriebsstrang. Im Falle der 16-Zoll-Version kamen andere Achsgetriebe und die größeren Bremsen des LT 28 zum Einsatz. Hinten versahen sie die Schräglenkerachse mit längeren Schwingen, änderten die Stoßdämpferaufnahmen.
VW T3 SYNCRO 16 ZOLL (1989)
Steyr Puch ging dem T3 syncro sogar ans Blech: Es wurde angepasst, aber vor allem deutlich verstärkt.

Vom VW T3 syncro 16 entstanden nur 2138 Exemplare

Vorn blieb kein Blech auf dem anderen: komplett neue Achse mit Fahrschemel, Aufnahmen für den Vorderachsantrieb, stärkere Achslenker und Radlager mit Doppellippen-Dichtringen, indirekter übersetzte Zahnstangenlenkung und dickerer Stabi. Wer die Achssperre vorn orderte, erhielt auch dort verstärkte Gelenkwellen. Die Grazer gingen dem T3 sogar ans Blech, verstärkten B-Säule und Laderaum-Seitenteile mit Blechprofilen, flexten Innenkotflügel und Radläufe heraus und schrägten den Batteriekasten an, um Platz zu schaffen für die größeren Räder. Der Aufwand stempelte den syncro 16 zum Exoten: Nur 2138 Exemplare entstanden von 1986 bis 1992, eine Stückzahl wie bei Aston Martin und Handarbeits-Exoten.
Schon als Neuwagen teuer, lassen Seltenheit und Nimbus des Spitzenmodells die Preise für den syncro 16 mittlerweile in den Hochpreisbereich ragen. Ein niederländischer Händler bot gerade erst einen ultraseltenen 16-Zoll-Doppelkabiner zum Verkauf an – für nicht wirklich tiefgestapelte 67.000 Euro.
VW T3 SYNCRO 16 ZOLL (1989)
Der hier gezeigte T3 syncro 19 heißt "Bussolino" und hat bereits die Welt gesehen – von Ostafrika bis Neuseeland.

Der VW Bulli hat als "Bussolino" die Welt gesehen

Das hier gezeigte Exemplar des Ehepaars Erika und Willi Krönke aus Wildeshausen (Niedersachsen) ist mehr als 500.000 Kilometer gelaufen und hat die Welt gesehen: Ostafrika, Sinai, Senegal, Sambia, Mauretanien, die USA, Neuseeland und mehr. Einen Namen hat dieser T3 auch: Bussolino. Seit Februar 1989 zählt er zur Familie. "2014 hat uns in Seattle ein deutschstämmiger Kfz-Meister 100.000 Dollar angeboten – wir haben abgelehnt. Das ist so etwas wie ein Kind, so etwas verkauft man nicht." Es kam noch wilder, schildert der pensionierte Kfz-Sachverständige: "In Kanada wollte uns ein Amerikaner einen Scheck ausstellen, in den wir einen Betrag unserer Wahl eintragen konnten ... auch das haben wir abgelehnt."
VW T3 SYNCRO 16 ZOLL (1989)
Der Serienmotor hielt nicht lange, der Visco-Allrad verspannte gerne: Eigenheiten hat der Spezial-Bulli so einige.

Die Eigenheiten des VW T3 syncro 16 muss man nicht lange suchen

Und das, obwohl man nach Unzulänglichkeiten nicht lange suchen müsse: "Mit dem originalen 1.6 TD aus dem Golf 2 war er untermotorisiert. Der erste flog mir bei Kilometerstand 40.000 um die Ohren." Nach dem dritten Motorschaden lag es nahe, sich nach einer Alternative umzuschauen. Aber was nehmen? Der damals angebotene, 95 PS starke 2,1-Liter-Benziner ("Wasserboxer") soff und hielt ebenfalls nicht ewig, mit den Kopfdichtungen als zentralem Schwachpunkt. Heute steckt ein 1,9-Liter-TDI aus dem Golf 3 im Bussolino-Heck – schon besser mit seinen 110 PS. Leid wurden die Krönkes auch des selbstsperrenden Visco-Allrads. Das System reagiert auf unterschiedliche Profiltiefen – unvermeidlich, wenn das Ersatzrad ran muss – mit Verhärtung, folglich gibt's Verspannungen, und die Reifen radieren. 2003 löste T3-Profi-Umbauer Bernd Jäger das Problem via Umrüstung auf Zuschalt-Allrad, per Zugknopf betätigt.
VW T3 SYNCRO 16 ZOLL (1989)
Das Fahrerlebnis ist einzigartig. Aus dem Cockpit blickt man im Cinemascope-Format auf die Welt.

Der T3 syncro bietet ein einzigartiges Fahrerlebnis

Wie sich der syncro 16 fährt? Erhebend! Kein Zweifel: Neben der Seltenheit ist das Fahrerlebnis der Schlüssel zum Kultstatus. Der Motor schiebt von hinten – wo gibt es das heute noch? Fahrer und Beifahrer sitzen über der Vorderachse und sehen im Steilhang viel mehr als in einem Geländewagen. Statt der fetten, die Übersicht raubenden A-Säulen moderner Autos gibt es einen Panoramablick durch eine steile Frontscheibe und schlanke, ebenfalls steile Dachsäulen. Der T3 präsentiert die Welt im Cinemascope-Format! Der Fahrer dreht am stattlichen, flach stehenden Lenkrad. Irgendwer muss Teig ins Lenkgetriebe gekippt haben: Die Lenkung braucht dreieinhalb Umdrehungen von Anschlag zu Anschlag – viel indirekter als heute gewohnt. Auch die De-facto-Fünfgangschaltung mit kurzem Geländegang wirkt teigig, passt aber.
Hinweis
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Wie Willi Krönke auf den T3 syncro kam? "Ich hatte zuvor einen T2 mit Heckantrieb und habe mich im Winter zu oft festgefahren." Mittlerweile hat der syncro eine Restaurierung (2001-2002) und zwei Neulackierungen hinter sich, im originalen Taubenblau. Zu syncro-16-Treffen reisen Menschen aus bis zu sieben Nationen an. Ein Problem teilen syncro-Eigner mit vielen Klassiker-Fahrern: "In den letzten Jahren sind einige Wissensträger verstorben. Deren Verlust ist nicht zu ersetzen", sagt Jürgen Hegemann von der Interessengemeinschaft syncro 16 (www.ig-16.de). Wenn sich T3-Kenner wie Krönke und Hegemann treffen, hagelt es Nerd-Wissen: "Das schwarze Puch-Logo am Bussolino muss ein Versehen sein – die schwarzen waren für die Militärversion. Die zivilen waren silber."

Von

Rolf Klein