ADAC-Test: Wallboxen

Wallbox: Elektroauto zuhause laden

Das muss man zur Wallbox wissen

Wer sein Elektroauto zu Hause aufladen will, benötigt eine spezielle Steckdose – die sogenannte Wallbox. AUTO BILD erklärt, wie das funktioniert und welche Wallbox die richtige ist. Außerdem: Ergebnisse des ADAC-Tests!
Nur 11.000 öffentliche Ladestationen für Elektroautos oder Plug-in-Hybride gibt es in Deutschland. Idealerweise lädt man sein Auto also zu Hause auf. Dafür wird eine spezielle E-Tankstelle benötigt, die sogenannte Wallbox. Übersetzt heißt das sinngemäß "Wandkasten". Und genau das ist eine Wallbox: eine spezielle Steckdose an der Wand für das schnelle und komfortable Laden von E-Autos. Sie lädt den Akku bis zu zehnmal schneller wieder auf als eine Haushaltssteckdose. Ein Beispiel: Die Ladezeit eines Renault Zoe reduziert sich von zehn Stunden an der normalen Steckdose (2,3 kW) auf bis zu 1,5 Stunden an einer 22-kW-Ladestation.

Das Laden an der Haushalts-Steckdose sollte eher die Ausnahme sein.

Für Elektroauto-Fahrer oder alle, die es werden wollen, ist eine Wallbox dringend anzuraten. Mit speziellen Kabeln ist es zwar möglich, an einer normalen Steckdose zu laden, doch die Leitungen sind für so große Strommengen über einen längeren Zeitraum nicht ausgelegt. Der Dauerbetrieb kann zur Überhitzung führen. Es besteht dann Brandgefahr! Diese Möglichkeit ist also nur eine Notladefunktion, zum Beispiel auf Reisen, wenn gerade keine spezielle Wallbox verfügbar ist.

Zwölf Wallboxen im ADAC-Test

Der ADAC hat insgesamt zwölf Wallboxen mit Ladeleistungen zwischen 3,7 und 22 kW in Sachen Sicherheit, Bedienung und Zuverlässigkeit beim Laden getestet. Das Ergebnis offenbart gravierende Unterschiede zwischen den Anbietern: Die Hälfte der Geräte wurde als nicht empfehlenswert eingestuft. Die Testkandidaten wurden nach ihrer Ladeleistung in drei Gruppen eingeteilt: Wallboxen mit 3,7 bis 4,6 kW, mit elf kW und mit 22 kW.
3,7 bis 4,6 kW: Am besten schnitt in dieser Leistungsklasse das Modell "Keba KeContact P30" ab. Die Tester vergaben die Note 1,3. Dicht dahinter mit einem Urteil von 1,7 rangiert die "Wallbe Eco 2.0". Die Testkandidaten "EV Onestop WallPod" und "Vestel EVC02-AC3" bekamen jeweils große Abzüge im Bereich Sicherheit. Beide erhielten die Note 4,5 und wurden damit vom ADAC als nicht empfehlenswert eingestuft.
11 kW: In die Gruppe der Elf-kW-Wallboxen fällt unter anderem der Testsieger "ABL eMH1" (Note 1,0). Auch die Modelle "Innogy eBox" und "Schneider Electric EVlink" sind mit Gesamtnoten von 1,6 bzw. 1,8 laut ADAC empfehlenswert. Für die beiden anderen getesteten Elf-kW-Geräte spricht der Automobilklub jedoch eine Warnung aus. Die Modelle "Annies-Carparts Simple EVSE" und "Franz Röcker Simply EVSE Bausatz" erhielten jeweils die Note 5,5. "Diese Ladeboxen schalten bei einer Fehlermeldung des Autos überhaupt nicht ab. Das ist extrem gefährlich, weil es zum Brand oder zu Personenschäden führen kann", erklärt Andreas Habermehl, Experte beim Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH), der die Tests des ADAC fachlich begleitete.
22 kW: Von den insgesamt drei 22-kW-Wallboxen im Test schnitt nur die "Mennekes Amtron Xtra 22 C2" sehr gut (Note 1,4) ab. Die Modelle "Wall Box Chargers Commander" und "Alfen Icu Eve Mini" wurden mit Noten von 4,5 und 5,0 als nicht empfehlenswert eingestuft. Auch hier waren unter anderem Defizite bei der Sicherheit der Grund für die schlechte Bewertung. Die detaillierten Testergebnisse zeigt AUTO BILD in der Galerie.
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KEBA KeContact P30 (4,6 kW)

Preis: 762 Euro*
ADAC-Urteil: 1,3

 
2.

INNOGY eBox (11 kW)

Preis: 707 Euro*
ADAC-Urteil: 1,6

 
3.

WALLBE Eco 2.0 (3,7 kW)

Preis: 499 Euro
ADAC-Urteil: 1,7

 

ADAC-Test: Wallboxen

Welche Wallbox ist die richtige?

Je nach Fahrzeug und der Ladeleistung der Wallbox kann die Dauer eines Ladevorgangs sehr unterschiedlich sein. Der ADAC gibt dazu folgendes Beispiel: Wer einen 30-kWh-Akku an einer 3,7-kW-Wallbox (230 V, einphasig, 16 A) lädt, muss etwa zehn Stunden warten, bis er vollgeladen ist. Bei einer 11-kW-Wallbox (400 V, dreiphasig, 16 A) schrumpft die Zeit auf drei Stunden, an einer 22-kW-Steckdose (400 V, dreiphasig, 32 A) dauert es sogar nur noch 90 Minuten. Kein Wunder, dass die 22-kW-Wallbox stark im Kommen ist. Allerdings muss das Auto auch dafür ausgelegt sein, damit sich die Anschaffung lohnt. Wenn die Ladeleistung des Autos zu niedrig ist, nützt auch die leistungsfähigste Wallbox nichts. Viele Hersteller verlangen für das Schnellladen mit elf oder 22 kW einen Aufpreis. Bei einigen Fahrzeugen (etwa Plug-in-Hybride) ist das Schnellladen gar nicht möglich. Außerdem sollten bei der Auswahl der Wallbox die Kosten einbezogen werden: Bei den Anschaffungs- und Installtionskosten gibt es zwar nur geringe Unterschiede, doch für eine 22-kW-Wallbox muss der Netzbetreiber in einigen Fällen technische Änderungen vornehmen. An den Baukosten kann man beteiligt werden – das kann schnell mehrere Tausend Euro ausmachen. Der ADAC empfiehlt, bei der Installation einer Wallbox auf ein Elf-kW-Modell zurückzugreifen. Denn dieses Modell erlaubt es, sowohl einphasig mit 3,7 kW, zweiphasig mit 7,4 kW als auch dreiphasig mit elf kW zu laden. Wichtig: Für jede Wallbox ist ein Leitungsschutzschalter und ein Fehlerstrom-Schutzschalter (FI-Schalter) nötig. Bei hochpreisigen Modellen sind die Schalter oft schon integriert, bei günstigeren muss man sie hinzukaufen.

Welches Steckersystem für die Wallbox?

Bei den meisten Elektroautos wird der Typ-2-Stecker eingesetzt. Er ermöglicht auch das Schnellladen.

Bei modernen Elektroautos ist hierzulande der Typ-2-Stecker üblich. Er eignet sich für Ladeleistungen bis 43 kW – die übliche Leistung an öffentlichen Schnellladesäulen. Ältere Modelle sowie viele Autos von asiatischen oder US-Herstellern sind hingegen mit dem Typ-1-Stecker ausgestattet. Der Typ-1-Stecker ist nicht auf Schnellladen ausgelegt und erlaubt Ladeleistungen von maximal 7,4 kW. Einige japanische Modelle haben wiederum andere Steckertypen (z. B. Chademo-Stecker). Wer hier flexibel bleiben will, wählt deswegen am besten eine Wallbox, die kein fest installiertes Kabel hat, sondern ebenfalls eine Steckerbuchse. So kann gegebenenfalls auch ein Adapter-Kabel eingesetzt werden, das mit einem Typ-2-Stecker in die Wallbox eingesteckt und mit einem Typ-1-Stecker (oder einem anderen) mit dem Auto verbunden wird. Wichtig: Bei der Planung sollte auf ausreichende Länge der Kabel geachtet werden.

Was kostet die Installation einer Wallbox?

Je nach Aufwand kann die Installation einer Wallbox bis zu 2000 Euro kosten.

Basismodelle beginnen bei ca. 500 Euro. Je nach Variante können es auch mehrere Tausend Euro sein. Hinzu kommen die Kosten für die Montage, das sind je nach Anbieter und Voraussetzungen noch mal zwischen 100 und 2000 Euro. Je nach Entfernung zum Sicherungskasten entstehen unterschiedlich hohe Mehrkosten – zum einen abhängig von der benötigten Anzahl von Wand- und Deckendurchbrüchen, zum anderen von der Wahl des passenden Kabels (Länge und Durchmesser). In der Regel vermitteln Anbieter auch einen Installations- und Wartungsservice. Die Kosten müssen Elektroauto-Besitzer aber nicht unbedingt alleine tragen. In Sachsen gibt es zum Beispiel bis zu 1000 Euro Zuschuss plus 200 Euro pro kWh beim Einbau einer Wallbox inklusive Stromspeicher. Insgesamt ist die Zahl der Sponsoren jedoch überschaubar. Außerdem sind die Prämien häufig an die Stromabnahme von bestimmten Energieversorgern gekoppelt und zudem in der Regel regional begrenzt. Bevor man sich also von einem Bonus locken lässt: Lieber genau nachrechnen, ob dazu nicht der Wechsel in einen deutlich teureren Stromtarif erforderlich ist.
Diese Zuschüsse gibt es für die Wallbox: Der Kauf von Elektroautos wird mit dem Umweltbonus von Bund und Autoherstellern schon seit 2016 unterstützt. So langsam ziehen Länder, Städte und Stromwerke mit Zuschüssen für die Planung und den Einbau privater Ladestationen nach. Der ADAC hat neun Angebote auf seinem Blog vorgestellt. Dort finden Sie auch die Links zu den Anbietern sowie die genauen Voraussetzungen für die Antragstellung. Von Düsseldorf bis Sachsen gibt es Prämien von bis zu 1000 Euro. Tipp: Auch Freiberufler und Unternehmer können von Förderprogrammen profitieren. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) etwa gewährt günstige Kredite für entsprechende Investitionen.
• Aachen: 500 Euro, Voraussetzung: Kauf eines E-Autos oder Plug-in-Hybrid (250 Euro). Mehr Infos: Stawag Aachen
• Brühl: 2000 kWh Gratis-Strom, Voraussetzung: Kauf eines E-Autos.
• Dachau: 250 Euro, Voraussetzung: Kauf eines E-Autos. Mehr Infos: Stadtwerke Dachau
• Düsseldorf: 500 Euro, Voraussetzung: Laden mit Ökostrom oder vorhandene Solaranlage. Mehr Infos: Umweltamt Düsseldorf
• Frankfurt/Main: 250 Euro, Voraussetzung: Kauf eines E-Autos. Mehr Infos: Mainova
• Frankfurt/Oder: Bis zu 1000 Euro, Voraussetzung: Kauf eines E-Autos, Laden mit Ökostrom. Mehr Infos: Stadtwerke Frankfurt a. d. Oder
• Hannover: 500 Euro, Voraussetzung: Laden mit Ökostrom. Mehr Infos: Enercity
• Karlsruhe: 500 Euro, Voraussetzung: Kauf eines E-Autos und Laden mit Ökostrom (200 Euro bei "normalem" Strom). Mehr Infos: Stadtwerke Karlsruhe
• Lindau: 200 Euro Gutschrift auf die Stromrechnung. Voraussetzung: Kauf eines E-Autos. Mehr Infos: Stadtwerke Lindau
• Merseburg: 500 Euro. Mehr Infos: Stadtwerke Merseburg
• München: Bis zu 6000 Euro. Voraussetzung: Planung und Einbau von Ladeinfrastruktur. Mehr Infos: Stadt München 
• Neuwied: 500 Euro, Voraussetzung: Kauf eines E-Autos. Mehr Infos: Stadtwerke Neuwied
• Nürnberg: 250 Euro, Voraussetzung: Bezug der Wallbox über N-ERGIE. Mehr Infos: N-ERGIE
• Merseburg: 500 Euro. Mehr Infos: Stadtwerke Merseburg 
• Sigmaringen: 150 Euro, Voraussetzung: Kauf eines E-Autos. Mehr Infos: Stadtwerke Sigmaringen
• Versmold: 300 Euro, Voraussetzung: Kauf eines E-Autos. Mehr Infos: Stadtwerke Versmold
• Zweibrücken: 500 Euro, Voraussetzung: Kauf eines E-Autos. Mehr Infos: Stadtwerke Zweibrücken

Kann man eine Wallbox selbst installieren?

Ladestationen für E-Autos benötigen Starkstrom (umgangsspr. für Dreiphasenwechselstrom/Drehstrom). Die entsprechenden Kabel mit 400 Volt Spannung sollten nur von qualifizierten Fachbetrieben verlegt werden. Von Eigenbauten ist dringend abzuraten. Sie sind lebensgefährlich, und im Schadenfall droht Ärger mit der Versicherung. Die Montage einer Wallbox sollte also nur ein zertifizierter Elektriker übernehmen. Die E-Profis sind am Logo der Elektroinnungen zu erkennen. Wichtig: Die Wallbox vor der Montage beim Netzbetreiber anmelden. Hardware-Anbieter und Energieversorger helfen, die individuell passende Lösung zu finden.

Welche Anbieter gibt es?

Um eine Wallbox zu kaufen, gibt es mittlerweile viele Möglichkeiten: Die Autohersteller selbst haben die Heimladestationen im Angebot, Stromanbieter verkaufen sie und selbst in gängigen E-Fachmärkten und -Versandhäusern (z.B. Conrad) gibt es sie mittlerweile zu kaufen. Wichtig: Die Wallbox muss kompatibel mit einer der zwei verbreiteten Steckervarianten Typ 1 und Typ 2 sein. Weitere Informationen dazu gibt es direkt vom jeweiligen Autohersteller oder beim Stromanbieter.

Wie wird die Wallbox bedient?

Je nach Modell sind Wallboxen über Smartphone oder Tablet drahtlos steuerbar. Mit den Apps können Sie den Ladevorgang jederzeit starten und stoppen. Zudem bieten die kleinen Handy-Programme einen Überblick über Betriebszustand, Energieverbrauch und die anfallenden Stromkosten der Wallbox. An den meisten Modellen gibt es außerdem ein kleines Display, auf dem sich die Informationen ablesen und Einstellungen vornehmen lassen.

Elektroautos und ihre Reichweite: Ranking

Wallbox Sharing: Eigenen Anschluss vermieten?

Die Idee des sogenannten Wallbox-Sharings ist noch recht jung. Der Gedanke dahinter: Wer eine Wallbox zu Hause hat, kann sie in der Zeit, in der er sie selbst nicht nutzt, anderen Elektroauto-Fahrern anbieten. Das Ganze geht über eine App, in der die private Ladesäule einfach über einen bestimmten Zeitraum gemietet werden kann. Den Preis für das Laden bestimmt jeder Vermieter selbst. Das Prinzip klingt simpel, ist aber noch nicht serienreif. Verschiedene Start-ups arbeiten gerade an der Entwicklung. Eines davon ist das Projekt "Peer2Peer Charging", das im Rahmen des Daimler-Programms "Startup Autobahn" noch bis Ende 2018 eine App zum Wallbox-Sharing auf den Markt bringen will. Auch RWE-Tochter Innogy oder das Schweizer Start-up Enio arbeiten an ähnlichen Projekten.

Was müssen Mieter beachten?

Gibt es einen festen Stellplatz, dann können auch Mieter eine Wallbox installieren lassen. Allerdings muss der Vermieter erst zustimmen. Und bei Gemeinschaftseigentum, zu dem etwa eine Tiefgarage gehört, müssen die eventuellen Miteigentümer gefragt werden. Damit den übrigen Bewohnern keine Zusatzkosten durch die Ladebox entstehen, empfiehlt es sich, einen Extra-Stromzähler zu installieren.
Weitere Themen: Funkgeräte im Vergleich

Autoren: Lena Trautermann, Bendix Krohn

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