Autos mit Zukunft
— 28.09.2012
Die Klassiker von morgen
Hier geht es nicht um den Mercedes W123, den Granada I oder den Citroën CX. Hier geht es um jene Typen, die nach den heutigen Youngtimern kommen. AUTO BILD KLASSIK zeigt die Autos mit Karriere-Potenzial.
Den Anreiz für die Geschichte lieferte ein Kollege: "Whow, ein
VW Derby I. Mit Chromstoßstangen. Genial!" Karl Auto guckte daraufhin den Jungen an wie ein Auto. Und zweifelte am Verstand des Mitarbeiters. Karl Auto ist 57, tendenziell diktatorisch – und schwärmt ausschließlich von der 50er- und 60er-Jahre-Ware, den Autos seiner Kindheit. Der Derby-Fan ist 38 und voll gierig auf die 70er- und 80er-Jahre, auf die Modelle seiner Kindheit. Und genau aus diesem Generationenkontrast erwuchs die Frage: Was wird in 20 Jahren sein? Welche Typen stehen dann in Bockhorn oder auf der Veterama? Gefragt, gerechnet und spontan erwidert: Der
Mazda MX-5 natürlich. Dass sein konzeptionelles Vorbild mal der
Lotus Elan war, weiß schon heute kaum noch einer. Der MX-5 hat sich längst von der Kopie zum Original gewandelt.
Der Mazda 121 (1991 bis 1996) verbindet japanische Zuverlässigkeit mit der Eigenwilligkeit und Offenheit einer Ente.
Das indes wird keinen wirklich überraschen, dieses schon eher: der 121 aus dem gleichen Stall. Spitzname: das Ei. Ein unterschätzter Typ. Robust wie alle
Mazda, formal eigenwillig wie die
Ente. Nur echt in ebendieser Form. Vorgänger: völlig uninteressant, der Nachfolger vom Ei ist ein
Ford Fiesta, Massenware. Fällt der Blick durch das geniale Canvas-Top auf die seltene Ausführung in Leder, ist das langfristig wie ein Fünfer im Lotto. Das fahrerische Gegenstück und bald schon fast ein Sechser werden die wenigen Mercedes 124er-Cabrios. Sie sind bis heute nie richtig billig geworden, nicht mal mit dem kleinen Vierzylinder-200er im Bug. Tipp: E 320 Cabrio (mit AMG-Felgen und dezent tiefer). Zeitlos elegant, stark, zuverlässig. Mercedes eben. Zwischen diesen beiden Extremen – dem Ei und dem Benz – liegen Welten. Welten voller langsam rostiger Raritäten, die es einfach nicht verdient haben, zwischen Büro und Baumarkt aufgerieben zu werden.
Welche Modelle wir für zukunftsfähig, sprich historisch wertvoll erachten, haben wir hier einmal in unserer Bildergalerie zusammengestellt – natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Und: Es sind durchaus einstige Problemtypen dabei. Doch das spielt spätestens mit dem H-Kennzeichen keine Rolle mehr. Hauptsache: original! Schließlich werden an Liebhaberfahrzeuge andere Ansprüche gestellt als an das Alltagsgerät. Und echte Autoliebe heißt vor allem verzeihen. Nicht wahr, Alfa?