Studie zum SoH gebrauchter E-Auto-Akkus: So gut sind sie
So lange halten die Akkus dieser vier Elektroautos

Die bisher wohl größte Studie über Elektroauto-Akkus nimmt erstmals die Batterien einzelner Modelle ins Visier – und checkt sie bei 50.000, 100.000 und 150.000 km. Ergebnis: So gut sind die Akkus dieser vier getesteten E-Autos.
Bild: MICHAEL BIHLMAYER
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Die gute Nachricht zuerst: Richtig schlechte Elektroauto-Akkus gibt es nicht. "Die Batteriegesundheit am Markt ist insgesamt weiterhin robust." Aviloo, österreichischer Pionier bei der Analyse von Elektroauto-Akkus, hat seine Datenschatzkammer durchforstet. Ergebnis: eine aktuelle Einschätzung der Langzeit-Qualität von E-Auto-Energiespeichern.
Mehr als 500.000 Tests aus den Jahren 2022 bis 2026 flossen in den "EV Battery Report" ein. Er dokumentiert den Gesundheitszustand (SoH, engl. "State of Health") der Akkus von 20 gängigen Elektroauto-Modellen vom Kleinwagen bis zum SUV-Crossover. Damit zeigt die Auswertung, wie langlebig moderne E-Auto-Batterien tatsächlich sind.

Bild: Aviloo2
Je nach Zustand Dutzende Kilometer Differenz
Nach 50.000 km Laufleistung beträgt die Restkapazität über alle 20 Typen hinweg im Mittel knapp 94,74 Prozent. Der Speicherverlust (Degradation) von Akkus junger E-Gebrauchtwagen beläuft sich also auf weniger als fünf Prozent. Auch anschließend altern sie nur langsam: Nach 150.000 km beträgt der durchschnittliche Akku-Zustand noch 91 Prozent des ursprünglichen Speichervermögens.
Das ist weit vor der – inoffiziellen – Garantie, die von den meisten Elektroauto-Marken seit Langem für ihre Batterien angeboten wird. Deren Bedingungen lauten: Hat der Akku bis 160.000 km Laufleistung oder acht Jahre Nutzung weniger als 70 Prozent SoH, ersetzt ihn der Hersteller. Die Aviloo-Statistik zeigt: Diese Garantie ist veraltet, weil Batterien offensichtlich viel länger frisch bleiben.
Allerdings kann die Differenz zwischen bestem und schlechtestem Akku im Realbetrieb mehrere Dutzend Kilometer Reichweite ausmachen. Aviloo machte allerdings in seiner Gesamt-Analyse keinen Unterschied zwischen Akkugrößen. Somit handelt es sich um Durchschnittswerte aus verschieden großen Energiespeichern – die Studie stellt nur eine Annäherung dar.
Kleine Akkus altern schneller
Anders die Sonderauswertung vier weit verbreiteter Elektroautos: Hier wurden nur Fahrzeugdaten herangezogen, die mit jeweils ein- und demselben Akku ausgestattet sind. Es erlaubt einen direkten Vergleich. Zur Gruppe gehört der Nissan Leaf in der Ausführung ZE1 (2018 bis 2025) mit einem Akku, der fabrikneu bis zu 40 kWh Strom laden kann. Dass diese Batterie mit Abstand die kleinste im Vergleich ist, zeigt sich in den SoH-Werten. Denn da der Akku viel häufiger geladen werden muss, um auf einen vergleichbaren KM-Stand zu kommen, altert er schneller.
So ist der Energiespeicher vom Nissan bereits nach 50.000 km auf einen SoH von rund 90 Prozent gefallen. Bei 150.000 km Laufleistung liegt der Wert bei 85 Prozent – fast 15 Prozent weniger Strom als bei Auslieferung. Das verkürzt die Reichweite im Alltagsbetrieb von durchschnittlich 196 auf 185 Kilometer. Entspricht einem Verlust von elf Kilometern.

Das Basismodell vom Nissan Leaf der 2. Generation (Baureihe ZE1) hat einen 40-kWh-Akku, das ist relativ klein. Um auf 150.000 km Laufleistung zu kommen, sind viele Ladezyklen notwendig – das beschleunigt die Alterung.
Bild: Christoph Boerries / AUTO BILD
Auch die jeweilige Streuung zwischen schlechtestem und bestem SoH-Wert hat Aviloo ermittelt. Beim Nissan Leaf der zweiten Baureihe beträgt sie bis zu 13,5 Prozent. Unabhängig von der Laufleistung kann der Unterschied zwischen Top- und Flop-Akku also bis zu 29 km Reichweite betragen.
Gecheckt wurden auch die Akkus vom Tesla Model Y Long Range (2021 bis 2025): Der damals größte Akku mit 78,8 kWh im SUV verliert nach 50.000 km durchschnittlich 5,46 Prozent Kapazität, liegt also noch bei 94,54 Prozent. Nach 150.000 km – also im Zustand eines alten Gebrauchtwagens – verfügt die Tesla-Batterie noch über 90,05 Prozent ihres ursprünglichen Speichervermögens.

Beim Tesla Model Y hat Aviloo die Long-Range-Version mit 78,8 kWh großem Akku isoliert betrachtet. Nach 50.000 km wurde ein durchschnittlicher Speicher-Schwund von 5,5 Prozent ermittelt. Das bedeutet eine mittlere Rest-Reichweite von 379 km – rechnerisch rund 20 km weniger als mit neuem Akku.
Bild: Dennis Petermann / AUTO BILD
Im Check auch ein Volkswagen-E-Modell: Das Kompakt-SUV VW ID.4 mit fast ebenso großem Akku (77 kWh) schneidet noch etwas besser ab: Im Schnitt beträgt sein SoH nach 50.000 km noch 95,41 Prozent. Nach 150.000 km ist der Strom-Speicherplatz auf 90,09 Prozent gesunken.
Am besten sieht's beim Hyundai Ioniq 5 aus: Das koreanische Crossover-SUV hat nach 50.000 km noch 97,26 Prozent SoH. Mit 150.000 km Laufleistung liegt die Akku-Gesundheit bei durchschnittlich 93,37 Prozent. Und auch in der Gesamt-Statistik – in die alle Akku-Varianten pro Modell einflossen – sind Hyundai-Modelle an der Spitze.

Die Degradationsverläufe aller vier Modelle bzw. Akkus im Überblick. Am besten steht der Hyundai da, doch auch VW und Tesla verlieren nur geringfügig mehr. Abgeschlagen dagegen der Nissan, was wohl überwiegend auf die deutlich kleinere Batterie zurückzuführen ist.
Bild: aviloo
Wer baut die besten Batterien?
Legt man den Mittelwert aller untersuchten Akkus zugrunde, haben gemäß der Studie mit 20 Kandidaten die Autos der Kia Motors Corporation mit den Modellen Hyundai Kona EV und Ioniq 5 die besten Akkus. Auch in der Sonderauswertung steht der Hyundai Ioniq 5 am besten da.

Auch beim VW ID.4 kam nur die Ausführung mit größtem Akku in die Sonderauswertung: Von 77 kWh zu Beginn sinkt der SoH nach 100.000 km um 7,27 Prozent, das entspricht rund 72 kWh. Die mittlere Reichweite sinkt von rund 400 auf 373 km.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Darauf folgen – in der Gesamtstudie über 20 Modelle – das kleine Mercedes-SUV EQA und die Mittelklasse BMW i4 als jeweils einziges Modell ihrer Marken sowie der Audi Q8. Bei 150.000 km liegt der EQA sogar gleichauf mit den koreanischen Produkten. Doch unmittelbar darauf folgen fast alle anderen Produkte jeweils nahe aufeinander im dichtgedrängten Mittelfeld. Bei 150.000 km Laufleistung endet das ungefähr bei 90 Prozent – gleichwohl immer noch ein sehr guter Wert.
Hier beginnt die Abstiegszone. Teslas Model Y liegt nur leicht darunter. Deutlich schlechter sind drei Modelle: Nissan Leaf, Renault Zoe und Cooper SE. Dabei handelt es sich sämtlich um ältere Typen mit relativ kleinem Akku. Das heißt: Sie haben nicht die neueste Technik – und um auf die gleiche Laufleistung zu kommen, müssen diese Akkus mehr Ladezyklen absolvieren, altern also schneller.
Lassen die SoH-Werte einen Rückschluss auf die Batterie-Kompetenz der Hersteller zu? Eine indirekte Bestätigung geben die baugleichen Schwestermodelle, die die gleichen Akkus verbaut haben. So erreicht der Cupra Born einen mittleren SoH nahe an dem des VW ID.3, ähnlich verhält es sich bei den technisch weitgehend identischen VW ID.4, Audi Q4 und Skoda Enyaq. Nahezu gleich sind die SoH-Werte bei Corsa-e und Peugeot e-208, ebenfalls Schwestermodelle.

Der Hyundai Ioniq 5 ist ebenfalls mit verschiedenen Akkus erhältlich. Aviloo wählte das Modell mit 72,7 kWh, das allerdings nur 2021-22 verkauft wurde. Sein mittlere SoH ist bei 50.000 km auf 97,26 Prozent des ursprünglichen Werts gesunken, damit liegt die mittlere Reichweite bei 335 km. Nach 100.000 km ist sie um acht Kilometer gesunken, der SoH beträgt im Schnitt 95,14 Prozent.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Wie die Degradation bei Akkus verläuft
Wichtig für Autokäufer sind die folgenden Punkte:
- Der SoH steigt im Verlauf der Nutzung sichtbar kontinuierlich ab: Ein Akku mit bereits anfänglich relativ hoher Degradation verliert auch im weiteren Alter seine Kapazität weiterhin schnell. Und umgekehrt verläuft die Kurve bei einem relativ langlebigen Akkumodell auch im späteren Alter flach.
- Je kleiner der Akku, desto schneller die Degradation – was nur einleuchtet, weil ein kleinerer Akku automatisch häufigeres Nachladen und – daraus resultierend – mehr Zyklen bedeutet. Jeder Zyklus sorgt für eine Alterung des Akkus. Das lässt den Kauf eines Modells mit möglichst großem Akku ratsam erscheinen.
Aviloo betont, dass zwar die Degradation, also Abnutzung des Akkus, über Zeit und Zyklenhäufigkeit feststeht – nicht aber die Ursachen dafür. Es ist also völlig offen, ob Fahrstil, Pflege oder die überwiegend genutzte Ladetechnik – zu häufiges Schnellladen schadet dem Akku – ausschlaggebend für einen guten oder schlechten Batteriezustand waren.
Aber für Käufer spielt das letztendlich keine Rolle – entscheidend ist, dass sie den SoH mit einem unabhängigen Batterie-Check möglichst exakt ermitteln und bei der Preisverhandlung berücksichtigen.
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