39 Modelle im Rost-Check

Aktuelle Modelle im Rost-Check

Rückkehr der Rostlauben

Korrosion war gestern. Von wegen! Schwedische Experten untersuchen seit Jahren Neuwagen und schlagen Alarm. Die Rostdetektive wissen schon heute, welche Autos morgen gammeln.
Schwedenstahl – das war einmal. Jedenfalls wenn es um die Qualität beim Korrosionsschutz geht. "Der Volvo V70 bis 2007 hat den besten Rostschutz aller von uns getesteten Autos", sagt Thomas Widström (54), der in Stockholm das Unternehmen "Rostskyddsmetoder" führt. Das bedeutet übersetzt Rostschutzmethoden. Seit 1989 untersucht Widström für die Zeitschrift Vi Bilägare (Wir Autobesitzer) Neuwagen, die durch die harten schwedischen Winter mit starkem Streusalz-Einsatz besonderen Strapazen ausgesetzt sind. "Der V70 ist für diese Bedingungen gebaut, seine Karosserie zu 85 Prozent verzinkt. Gefährdete Teile sind aus rostfreiem Material", schreibt die Zeitschrift 1999. Danach geht es bei Volvo mit dem Rostschutz bergab. Die 2018 getesteten Modelle XC40 und V60 erreichen nur noch drei von fünf möglichen Sternen. Sehen Sie in der Bildergalerie, wie es mit der Rostgefährdung für aktuelle Modelle aussieht.

39 Modelle im Rost-Check

Viele moderne Autos mit Mängeln beim Rostschutz

2 Sterne: Japanische Modelle wie der Honda Civic schneiden mehrheitlich schlechter ab als deutsche Fabrikate.

Noch viel schlechter sieht es bei vielen der für ihre technische Zuverlässigkeit gerühmten Japanern aus. Oft langt es nur zu zwei Sternen. Der 2016 untersuchte Honda Jazz bekam gar nur einen. Die Liste der Schwachpunkte umfasst schlecht abgedichtete Türecken, Hauben, Hecklappe und Überlappungen bei den Schwellern sowie fehlender Rostschutz in den Holmen. Abdeckplatten aus Filz mit einer Feuchtigkeit anziehenden Isoliermasse am Unterboden runden das schlechte Bild des Jazz ab. "Generell", so Widström weiter, "verlassen sich japanische Hersteller auf Grundierung und Decklack, während europäische Autobauer die Hohlräume gerne mit Wachs fluten." Ersteres funktioniere im rauen skandinavischen Klima nicht, sodass sich Nissan und Toyota meist mit einer Zweisterne-Bewertung begnügen müssen.

Spezieller Rostschutz für den skandinavischen Markt

5 Sterne: Audis A6 glänzt mit guter Rostvorsorge und holt fünf Sterne. Der A4 kriegt dagegen nur vier.

Besser steht Mazda da. Der Grund: Nach den Rostproblemen mit dem Mazda6 wurden die für Skandinavien bestimmten Fahrzeuge im Importhafen Zeebrügge nachgebessert. Auch Mercedes hat nach dem Rost-Desaster unter anderem bei der Baureihe W 210 die Modelle für Schweden zunächst in Werkstätten nacharbeiten lassen. Inzwischen wird Spezial-Rostschutz für Skandinavien und Kanada gleich im Werk für alle Modellreihen ergänzt. Mit erfreulichen Folgen: An der Mercedes S-Klasse fanden die Tester keinerlei Hinweise auf zukünftige Rostprobleme – fünf von fünf Sternen. Deutsche Kunden indes müssen auf diese Sonderbehandlung verzichten. Ähnlich sieht es bei Ford aus: Lange hatten die Autos einen erweiterten Korrosionsschutz. Den gibt es offenbar nicht mehr: Alle drei in diesem Jahr untersuchten Modelle – EcoSport, Focus, S-Max – sowie der 2017 überprüfte Fiesta wurden mit nur zwei Sternen abgestraft. Volle Punktzahl dagegen  erreichten Audi A8 und A6. Die anderen Autos aus dem VW-Konzern haben vier Sterne geholt. Nur drei dagegen gab es für den frischen VW T-Roc und den Skoda Karoq. Gemischtes Bild auch bei den Franzosen: Fünf Sterne für Renaults Espace, nur drei für den Peugeot 308.

Schlechteres Crash-Verhalten durch Rost

Die Rostanfälligkeit entwickelt sich laut Thomas Widström in zwei Richtungen. Bei Kotflügelkanten und Türen nimmt der Rost ab, beim Chassis zu. Dies ist auf große Abdeckplatten zurückzuführen, die für Widström eine Geißel sind. Unter ihnen sammeln sich Dreck und Feuchtigkeit, die den Rost begünstigen. Er rät Besitzern von Drei-Sterne-Autos, die in Regionen mit aggressivem Klima wohnen, zu einer Nachbehandlung. Denn Rost ist nicht nur ein kosmetisches Problem. Vi Bilägare hat einen Mazda6 Kombi von 2004 nach Euro-NCAP-Norm gecrasht. Hatte der Neuwagen einst vier Sterne, schaffte der stark angerostete Gebrauchte nur noch drei. Bei einem rostigen Golf V, Modelljahr 2006, war die Struktur bei weitem nicht so angegriffen, so dass die Crashsicherheit fast nicht beeinträchtigt war. Wer vor abnehmender Aufprallstabilität und Rost Ruhe haben möchte, sollte sich einen Audi, BMW, Renault oder älteren Volvo kaufen. So das Fazit von Vi Bilägare. Die Experten pflegen seit fast 30 Jahren ein einzigartiges Rostregister, das bis zurück ins Jahr 1998 online zugänglich ist und inzwischen rund 500 Autos enthält. Und diese brisante Datei beweist einen bedenklichen Trend: Die Rückkehr der Rostlauben ist real.

So wurde getestet

Die Tests von Vi Bilägare sind eine Prognose der Rostentwicklung. Wie sind Grundschutz und Konstruktion? Per Endoskop werden Hohlräume untersucht, Verkleidungen komplett demontiert und mögliche Schwachstellen wie Überlappungen, Hohlraumschutz und Feuchtigkeitsnester analysiert.
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Jörg Maltzan

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Kommentar

Rost! Das hässliche Wort schien von der automobilen Tagesordnung verschwunden zu sein. Elektronik-und Zahnriemenprobleme haben ihn als Sorgenkind abgelöst. Doch der Rost ist wieder da. Das beweisen Analysen schwedischer Experten. Ganz klar: Da wird definitiv am falschen Ende gespart. Statt jeden Kleinwagen mit Elektronik-Schnickschnack in einem Internet-Hotspot zu verwandeln, sollten die Hersteller ein paar Euro pro Auto in die Hand nehmen, um Hohlräume zu konservieren. Und das Auto gleich rostresistenter konstruieren.

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Rost TÜV

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