Ich gebe es zu. Ich habe dem Tesla Model 3 eine Aufgabe gestellt, die er gar nicht lösen konnte. Eine Reise nach Sachsen in die Heimat der Legende Trabant. Da konnte der E-Ami nur verlieren. Mein Herz erwärmt nämlich kaum einer so wie die Rennpappe.

Dabei kommt das Model 3 mit den Anforderungen einer Reise richtig gut zurecht. Gibt es genug Supercharger auf dem Weg, reist man im Endeffekt genauso komfortabel wie mit einem Verbrenner. Klar, man steht länger beim Laden als an der Zapfsäule. Aber nicht so lange, dass es nervt. Ich spitze mal zu: Auf dem Hinweg ins Autoland Sachsen habe ich mehr Zeit im Stau verloren als am Schnelllader. Nicht schlecht!

Tesla Model 3
Überdachte Supercharger würden dafür sorgen, dass man beim Laden nicht sprichtwörtlich im Regen steht. 
Bild: Lars Hänsch-Petersen / AUTO BILD

Tesla und Trabant als perfektes Duo?

Ich würde mir ein Detail wünschen, das muss ich an dieser Stelle sagen. Überdachte Supercharger würden dafür sorgen, dass ich beim Laden nicht im Regen stehe, während in Sichtweite trockenen Fußes Kraftstoff gezapft wird. Doch wenn sich die Autos von Tesla entwickeln, dann können das die Supercharger-Standorte ja bestimmt auch.
Bald machte sich daher in mir Elektroskeptiker der Gedanke breit, dass Tesla und Trabant vielleicht kongeniale Partner sein könnten: Der elektrische Amerikaner schultert die Aufgaben des Alltags und betört mit Annehmlichkeiten wie Klimatisierung und Navigation. Der kultige Sachse sorgt am Sonntag bei gutem Wetter für ein Lächeln im Gesicht.
Tesla Model 3
Das zentrale Display steuert alle Funktionen des Model 3. Mich lenkt es alarmierend vom Verkehr ab.
Bild: Lars Hänsch-Petersen / AUTO BILD

Diese Seiten am Tesla Model 3 verstehe ich einfach nicht

Wenn da nicht diese Eigenheiten des Tesla wären, die ich einfach nicht verstehe. Zum Beispiel: Das mittig montierte Display lenkt mich vom Verkehr ab. Und zwar so, dass der Spurhalteassistent mehrmals der Meinung war, er müsse mich lautstark warnen.
Ungefähr am Tag meiner Anreise eröffnete am Flughafen in Leipzig-Schkeuditz ein neuer Supercharger-Standort. Toll! Der lag perfekt für meine geplanten Ausflüge und überschaubare 16 Kilometer weit von meinem Hotel entfernt. Leider brauchte die Software an Bord des Testwagens bis zum Tag meiner Abreise, bis sie den zusätzlichen Standort erkannte und bereit war, den Akku fürs Schnellladen dort vorzuheizen. Ich bin deshalb während meines Aufenthalts 37 Kilometer einfache Strecke zum nächsten möglichen Supercharger nach Nempitz an der A9 gefahren. Kein Drama, aber nervig.

Als das Auto eines Abends plötzlich aufgeregt loshupte, stand ich zufällig auf dem Balkon direkt über dem Parkplatz im Hinterhof des Hotels. Außer mir kein Mensch weit und breit, keine Katze und auch kein Vogel. Das vom Auto automatisch aufgenommene Video brachte keinen Aufschluss. Denn darauf war außer mir niemand zu sehen. Erst die Lektüre verschiedener Tesla-Foren ergab einen Hinweis. Dort stand: "Der Infrarotsensor des Wächter-Modus im Innenraum ist so empfindlich, dass er auf im Auto eingesperrte Insekten reagieren kann". Was soll ich sagen? Einen Beweis für die These habe ich nicht. Aber als ich eine kleine Fliege aus dem Auto befördert hatte, hörte der Tesla auf zu hupen.
Tesla Model 3
Diese Karte lag in meinem Leipziger Hotel. Meine Reise verlief andersrum: mit dem Tesla zum Trabant.
Bild: Lars Hänsch-Petersen / AUTO BILD

Dafür brauche ich keinen teuren Tesla

Das Standard-Model-3, das AUTO BILD testet, hat 325 PS an der Hinterachse. Die Versionen Long Range und Performance treten sogar mit mehr als 400 und mehr als 500 PS an, um beim Ampelspurt den Atem zu rauben. Auf langer Strecke aber trifft man viele mit nicht ganz 100 km/h auf der rechten Spur. Vermutlich, um den Akku so wenig wie möglich zu strapazieren und mehr Reichweite rauszuholen. Dafür brauche ich keine teuren Tesla. Genau das kann mein Liebling Trabant mit seinen 26 PS aus zwei Zylindern auch. Und erst recht der Viertakter Trabant 1.1, der vermutlich problemlos mit klimaneutralem E-Fuel läuft.
Tesla Model 3
Am Ziel der Reise: Hier posiert der Tesla auf dem Parkplatz des August-Horch-Museums in Zwickau in Trabis Heimat.
Bild: Lars Hänsch-Petersen / AUTO BILD

Beziehungsstatus
Pendeln: Geht auch mit dem kleinen Akku ganz entspannt.
Einkaufen: Erst beim schwedischen Einrichter stößt der E-Ami an seine Grenzen.
Transportieren: Was ein Motorradanhänger wohl mit der Reichweite macht?
Urlaub: Kein Problem, solange alle mit halbwegs leichtem Gepäck reisen.
Hobby: Könnte klappen. Der DJ in mir freut sich über den Außenlautsprecher.
Familienleben: Alle sind erwachsen. Passt also!
Kurz gesagt
Was sagen die Nachbarn, wenn ich damit vorfahre? Wie weit kommst Du wirklich? Hand aufs Herz.
Warum würde ich das Auto meinem besten Freund empfehlen? Würde ich nicht. Der hat mit dem VW Caddy Maxi das perfekte Auto für seine Familie und seine Reiselust gefunden.
Was bleibt mir im Gedächtnis? Die Unkompliziertheit. Das Model 3 lässt sich wie ein Smartphone bedienen und man muss vorher keine dicke Betriebsanleitung studieren.