Diese Nachricht ließ aufhorchen: 39,1 Prozent aller Neuzulassungen in Deutschland in den ersten sieben Monaten 2021 hatten einen alternativen Antrieb (Elektro, Hybrid, Plug-in, Brennstoffzelle, Gas, Wasserstoff). In absoluten Zahlen: 636.108 von insgesamt 1.627.282 verkauften Pkw. Das meldete das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) am 20. August. Und, vor allem: 368.163 Neuwagen (22,6 Prozent) waren mit einem Elektroantrieb (rein elektrisch, Plug-in, Brennstoffzelle) ausgestattet. Der Anteil der Brennstoffzelle ist praktisch zu vernachlässigen, dennoch heißt dies: Mehr als jeder fünfte – oder fast jeder vierte, je nach Sichtweise – verkaufte Neuwagen in Deutschland anno 2021 ist elektrifiziert und nutzt einen Stecker, das sind fast dreimal so viele wie noch vor einem Jahr (zur Kaufberatung Elektroautos).
Audi Q3 45 TFSI e Plug-in-Hybrid
Audi hat unter anderem den Q3 45 TFSI e Plug-in-Hybrid (offiziell 37 g/km CO2) im Portfolio.
Und die deutschen Hersteller mischen inzwischen kräftig mit auf dem Markt für E-Autos: Bei Audi fahren 70,4 Prozent aller Modelle alternativ; 22,3 Prozent (Audi e-tron, e-tron GT, Q4 e-tron; div. TFSI e) teilweise oder ganz elektrisch. Passend: Erst vor Kurzem hatten die Ingolstädter das Aus für Verbrenner für 2026 angekündigt. Auch bei BMW sind mehr als die Hälfte (54,2 Prozent) aller Modelle zumindest grün angehaucht, fast jeder vierte bislang 2021 verkaufte Bayer (BMW i3, iX3, i3s ; 2er, 3er, 5er, 7er Plug-in-Hybrid, X1, X2, X3, X5 xDrive25xe) kann per Stecker geladen werden.
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Bei Mercedes stieg der Alternativ-Anteil auf 40,2 Prozent, die allermeisten Modelle davon (29,7 Prozent vom Gesamtanteil) waren E-Autos (Mercedes EQA, EQB, EQC, EQS) oder Plug-in-Hybride (Mercedes A-Klasse, B-Klasse Sports Tourer, E-Klasse, GLA, GLC, GLE). Die Marke VW, mitten im Transformationsprozess vom Dieselbetrüger zum Vorzeigehersteller, hat immerhin 23 Prozent seiner verkauften Fahrzeuge mit einer Lademöglichkeit ausgestattet (VW E-Up, ID.3, ID.4; Golf und Passat GTE, Tiguan, Tuareg, Aerton eHybrid). Vor allem E-Up und ID.3 machten die Wolfsburger mit 41.724 verkauften E-Autos (12,8 Prozent) zum Marktführer bei den reinen E-Autos (BEV).

Kaufprämie, Steuervorteile und Leasing

Ford Explorer Plug-in-Hybrid
Ladeanschluss gleich CO2-Ersparnis? Ganz so leicht ist es nicht, er muss auch oft genutzt werden.
Aber warum sind E-Autos und Plug-in-Hybridfahrzeuge hierzuland so stark im Kommen? Zum einen wegen der Elektro-Kaufprämie (Umweltbonus) von bis zu 9000 Euro pro Fahrzeug. Bei der Innovationsprämie verschärfen sich jedoch die Anforderungen zum Jahr 2022 zumindest für Plug-in-Modelle, die dann eine Mindestreichweite von 60 Kilometern (oder höchstens 50 Gramm CO2 pro Kilometer) statt wie zuvor 40 Kilometer vorweisen müssen. Zudem gibt es weitere Vorteile wie Steuervergünstigungen und ein stark wachsendes Angebot an E-Fahrzeugen. Und es gibt drei Möglichkeiten abseits des Neukaufs, ein E-Auto ohne finanzielles Risiko zu fahren: Mieten, Auto-Abo und vor allem das immer beliebtere Leasing. Damit fällt aber ein kleiner Schatten auf der so strahlenden Elektro-Bilanz. Denn auch wenn es mittlerweile mehr private Leasingnehmer als Firmenkunden gibt: Viele geleaste Plug-in-Hybride dürften Dienstwagen sein, deren Fahrer oft weit reisen und erfahrungsgemäß dank einer Tankkarte der Firma eher Benzin oder Diesel tanken, anstatt das Fahrzeug aufzuladen. Leasingfirmen berichten immer wieder von hybriden Rückläufern, deren Ladekabel noch originalverpackt im Kofferraum liegt.

Flottengeschäft stützt und elektrifiziert

VW-Werk Emden
Das Flottengeschäft stützt den Automarkt und forciert die Elektrifizierung.
Laut einer Dataforce-Studie vom April 2021 hat das Firmen- und Flottenkundengeschäft den Autohandel zuletzt generell maßgeblich gestärkt – und gleichzeitig die Elektrifizierung vorangetrieben. So sind im Flottenmarkt mittlerweile 25 Prozent aller Fahrzeuge ganz oder teilelektrisch unterwegs. Wichtigste Argumente für die Anschaffung von E-Fahrzeugen bei Firmen sind laut Dataforce ein Imagegewinn, staatliche Förderung und der Umweltaspekt – in dieser Reihenfolge. Hauptgrund aber sei der Wunsch der Dienstwagenberechtigten. "Sie treiben vor allem in großen Flotten das Thema 'E' ordentlich an – sicher nicht zuletzt aufgrund der extremen Steuervorteile in der Gehaltsabrechnung", sagte die Managerin Katharina Wolff dem Branchendienst autoflotte.de.

Gewerbe-Neuwagen produzieren 75 Prozent des CO2

Elektroauto mit CO2 Wolke Montage
Eine Komplett-Elektrifizierung von gewerblichen Neuwagen bis 2030 fordert der Umweltverband T&E.
Wie wichtig gewerblich zugelassene Autos für die Umwelt sind, zeigt eine Analyse von Transport & Environment (T&E). Demnach sind sie für rund drei Viertel der CO2-Emissionen von Neuwagen in Deutschland verantwortlich. Der Umweltverband fordert angesichts neuer, strengerer Klimaziele die Regierung auf, alle neuen Dienstwagen bis spätestens 2030 zu elektrifizieren. Dies böte "eine Chance, den Markt für E-Fahrzeuge an Dynamik gewinnen zu lassen. Weil sie in den Gebrauchtwagenmarkt übergehen, bedeuten mehr elektrische Dienstwagen gleichzeitig Millionen erschwingliche Elektroautos für alle Autofahrer", so T&E-Deutschlanddirektor Stef Cornelis.

Förderung ermutigt Unternehmen zur PHEV-Anschaffung

Wie andere Umweltorganisationen kritisierte auch T&E die oft irreführenden Verbrauchsangaben bei Plug-in-Hybriden – und damit deren geringeren Emissionseinsparungen. Die bestehende Förderung für Elektromobilität in Deutschland ermutige Unternehmen, Kurzzeit-Stromer zu kaufen. 70 Prozent der neuen Plug-in-Hybride würden gewerblich zugelassen. Der Großteil seien Luxusmodelle und SUVs, die unter realen Bedingungen vier- bis fünfmal so viele Emissionen ausstößen wie angegeben. Cornelis: "Die Regierung muss der Förderung von umweltschädlichen Hybridfahrzeugen ein Ende setzen."