Nissan Leaf (2018): Vorstellung, Test

Nissan Leaf (2018): Vorstellung, Test

Nissan Leaf (2018): Sitzprobe, Technik, Preis

— 09.01.2018

Neuer Nissan Leaf fährt teilautonom

Der neue Nissan Leaf bekommt einen stärkeren Motor, mehr Reichweite und fährt teilautonom. Auch das Design des Stromers ist komplett neu. Fahrbericht!

Vorstellung: Leaf wird weniger verspielt

Der neue Nissan Leaf ist nicht mehr so extrovertiert gezeichnet wie sein Vorgänger.

Mit über 283.000 Einheiten seit 2010 ist der Nissan Leaf das meistverkaufte Elektroauto der Welt – und das, obwohl er nicht gerade eine Schönheit ist. Jetzt startet die zweite Generation des Stromers, und die kommt deutlich gefälliger daher. Das verspielt-futuristische Design des Vorgängers gehört der Vergangenheit an, die Neuauflage wirkt um einiges kantiger. Trotz der scharfen Linien hat der Leaf insgesamt eine bravere Optik bekommen. An der Front fallen der V-förmige Kühlergrill mit blauen Elementen und die horizontal liegenden Scheinwerfer auf, anders als beim Vorgänger reichen die Leuchten nicht mehr in die Fronthaube hinein. Der Ladeanschluss ist wie gehabt unter einer Klappe in der Schnauze versteckt. Am Heck finden sich kompakt gestaltete Leuchteinheiten auf Höhe der Fahrzeug-Taille, die sich wie beim Juke in die Flanken reinziehen. Wer will, kann das Dach farblich von der Karosserie absetzen.

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Innenraum: Konventionelles Cockpit statt Raumschiff-Brücke

Der Innenraum ist klarer und weniger verspielt gestaltet. Auf Wunsch kommt das Cockpit zweifarbig.

Größenmäßig hat der Leaf nur geringfügig zugelegt, kommt jetzt auf 4,49 Meter Länge. Der Radstand bleibt mit 2,70 Meter unverändert. Dementsprechend ist auch für die Passagiere nicht mehr Platz als bisher, und vor allem im Fond wird es für große Mitreisende eng. Das liegt nicht zuletzt an der nach wie vor etwas hohen Sitzposition, denn wie beim ersten Leaf sind die Akkus im Fahrzeugboden verbaut. Der auf Wunsch zweifarbige Innenraum wurde deutlich überarbeitet, ist aber um einiges konventioneller gestaltet als bisher. Das zweigeteilte Kombiinstrument des Vorgängers gehört der Vergangenheit an, zukünftig gibt es eine klassische Einheit aus analogem Tacho und Bildschirm. Dafür bekommt das Lenkrad einen sportlichen Touch und ist mit Griffmulden versehen. Die gefälliger gestaltete Mittelkonsole beherbergt das Infotainmentsystem, das im Navi-Modus auch Auskunft über Ladestationen gibt. Smartphones lassen sich über Apple CarPlay und Android Auto anbinden. Unter dem Touchscreen befindet sich die Bedienung der Klimaanlage. Der bekannte runde Fahrstufenhebel auf dem Mitteltunnel bleibt erhalten. In Sachen Verarbeitung und Materialauswahl hinterlassen die ersten Vorserienmodelle einen ordentlichen Eindruck. Die relativ eng geschnittenen Sitze mit den blauen Ziernähten dürften allerdings etwas straffer sein.

Fahren: Neuer Leaf hält souverän die Spur

Nach 30 Sekunden müssen die Hände wieder ans Lenkrad. Ansonsten kann der Leaf ab 50 km/h teilautonom fahren.

Mehr Saft und Kraft. Der neue Nissan Leaf kommt mit 110 kW (150 PS) und 320 Nm Drehmoment rasch vom Fleck. Die ersten Fahrbahnunebenheiten machen klar, der Leaf rumpelt nicht mehr so ungehobelt über schlechten Straßenbelag, wie es sein Vorgänger ab und an gerne mal tat. Was der Neue ebenfalls besser kann oder darf, ist das Rekuperieren. Dazu muss der E-Pedal Schalter in der Mittelkonsole betätigt werden und schon wird die Bremse zum größten Teil überflüssig. Wer den Dreh raus hat, beschleunigt und lässt den Leaf bremsen, indem er weniger Gas gibt.

Absolutes Highlight ist allerdings der ProPilot. Ein Fahrassistent, der ab 50 km/h über eine blaue Taste in der rechten Lenkradspeiche aktiviert und durch die Set-Taste bestätigt wird. Dann leuchtet das Lenkrad im digitalen Kombiinstrument grün und hält die Spur und den definierten Abstand zum Vordermann. Der Fahrer kann dann für mindestens 30 Sekunden die Hände vom Lenkrad nehmen, bevor die Digitalanzeige vorm Volant rot erstrahlt. Eine Fahrunterstützung, die sich auf längeren Autobahntrecken bemerkbar machen dürfte. Das automatisierte Fahren ist zwar in Deutschland von BMW, Mercedes, Tesla und VW bereits bekannt, kommt aber bei Nissan in ein preisgünstigeres Segment als bei der Konkurrenz. Dafür funktioniert das System auf der ersten Fahrt erstaunlich gut. Der Leaf hält ruhig und mittig die Spur. Selbst, wenn die Fahrbahnmarkierung mal nicht ganz klar ist, weiß der ProPilot, wo es langgeht. Dazu dürfte auch das Know-how von Mobileye und Intel beitragen, die beispielsweise auch den Fahrzeugen von BMW und VW Augen verleihen.

Die Reichweite laut NEFZ von 378 Kilometern konnten wir bei der ersten Testfahrt nicht auf den Prüfstand stellen. Real sind aber mit der neuen 40-kWh-Batterie sicherlich 250 Kilometer drin. Das sind unter normalen Bedingungen immerhin 100 Kilometer mehr als beim Vorgänger, aber auch 100 weniger als bei einem Opel Ampera-e. Dafür ist der Leaf günstiger, sollte schneller geliefert werden und kann mit einer über lange Zeit erprobten und in größerer Stückzahl produzierten Technik aufwarten. Mit ProPilot an Bord dürfte der Nissan Leaf um die 35.000 Euro kosten.

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"ProPilot Park" hilft bei kleinen Parklücken

Anders als der "ProPilot", der zukünftig auch im Qashqai und X-Trail erhältlich ist, bleibt der "ProPilot Park" vorerst dem neuen Leaf vorbehalten: Mit ihm kann der Leaf völlig selbstständig und ohne Zutun des Fahrers einparken. Vier Kameras und zwölf Ultraschallsensoren lotsen den Stromer in die Parklücke, der auf Knopfdruck Gas geben, Lenken und Bremsen übernimmt – allerdings muss man dabei immer noch im Wagen sitzen bleiben.

Motor und Reichweite: Stärkerer Motor und e-Pedal

In unter acht Sekunden sprintet der neue Leaf auf Tempo 100. Schluss ist bei 144 km/h.

In der neuen Leaf-Generation hält neben einer überarbeiteten Servolenkung und einem neuen Fahrwerk vor allem auch ein stärkerer Antrieb Einzug: 110 kW/150 PS (bisher 80 kW/109 PS) und 320 Nm (bisher 254 Nm) Drehmoment leistet der E-Motor jetzt. Die Höchstgeschwindigkeit ist wie gehabt auf 144 km/h begrenzt, allerdings verkürzt sich die Zeit für den Standardsprint merklich: Statt wie bisher 11,5 Sekunden braucht der neue, gut 1,5 Tonnen schwere Leaf nur noch 7,9 Sekunden auf Tempo 100. Neu ist das per Knopfdruck aktivierbare e-Pedal. Ähnlich wie beim BMW i3 kann auch der Leaf dann quasi nur mit dem Gaspedal gefahren werden: Hebt man den Fuß vom Gas, bremst der Nissan mit einer Verzögerungsrate von bis zu 0,2 G, ohne dass das Bremspedal betätigt werden muss. Rekuperation und die klassische Reibbremse bringen dabei gemeinsam das Fahrzeug bis zum Stillstand und selbst an steilen Steigung soll der Leaf so stehen bleiben. Die richtige Bremse braucht man bei eingeschaltetem e-Pedal nur noch zum starken Verzögern. 

Mehr Reichweite und "E+"-Modell

Als "E+"-Modell bekommt der Leaf mindestens 500 Kilometer Reichweite und einen stärkeren Motor.

Zum Marktstart wird der Leaf mit einer 40 kWh-Batterie ausgestattet sein, mit der die Reichweite auf 378 km (NEFZ) steigt (bislang 250 km NEFZ). Durch eine um 67 Prozent erhöhte Energiedichte, hat der neue Lithium-Ionen-Akku mit 192 Zellen die gleichen Abmessungen wie der bisherige 30-kWh-Stromspeicher. Die Ladezeit gibt Nissan mit 16 Stunden an der Haushaltssteckdose und acht Stunden an einer 22-kW-Ladestation an. An einem Schnellader sollen die Akkus in 40 Minuten zu 80 Prozent aufgefüllt werden können. Wie bisher beherrscht auch der neue Leaf die Vehicle-to-Grid-Technik (V2G): Das Auto kann die gespeicherte Energie also auch wieder an das Stromnetz abgeben und damit zum Beispiel Netzschwankungen ausgleichen. Über eine neue Smartphone-App kann der Ladevorgang überwacht und zeitlich gesteuert werden, außerdem lässt sich der Innenraum über die App vorklimatisieren. Noch 2018 will Nissan mit dem "E+" Upgrade auch einen stärkeren Akku nachreichen. AUTO BILD vermutet eine 60-kWh-Batterie, in Nissan-Kreisen ist von "mindestens 500 Kilometer Reichweite" die Rede. Gleichzeitig steigt die Leistung des E-Motors im Leaf Plus auf 160 kW/220 PS.

Marktstart und Preis: Ähnlicher Preis wie der Vorgänger

Bestellbar ist der neue Nissan Leaf ab Oktober 2017 in der Basisausstattung "Visia" für mindestens 31.950 Euro, noch im Januar 2018 sollen die ersten Exemplare an Kunden ausgeliefert werden. Die stärkere "E+"-Version soll circa 5000 Euro teurer sein. Aktuell kostet der Leaf mit kleinerem 30-kWh-Akku 31.265 Euro. Über die Ausstattung ist noch nicht viel bekannt, LED-Scheinwerfer sollen beim neuen Leaf aber serienmäßig an Bord sein. Auch für das neue Modell will Nissan die Möglichkeit anbieten, die Batterie zu mieten statt zu kaufen. Ob der Hersteller den Leaf-Kauf auch weiterhin zusätzlich zu den 2000 Euro E-Auto-Prämie vom Staat mit 3000 Euro fördert, ist allerdings fraglich. Wahrscheinlich beschränkt sich der Hersteller-Zuschuss für die neue Generation zukünftig auf die gesetzlich geregelten 2000 Euro.

Nissan Leaf (2018): Vorstellung, Test

Autoren: Michael Gebhardt, Andreas Huber, Elias Holdenried,

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