Renault Symbioz (2017): Test, Infos und Bilder

Renault Symbioz (2017): Test, Infos und Bilder

Renault Symbioz (2017): Test und alle Infos

So fährt Renault in die Zukunft

Der Symbioz ist Renaults Zukunftsvision. Jetzt führt die Studie ihre autonomen Fahrkünste vor. AUTO BILD machte den ersten Test!
Vorstellung: Der Symbioz soll Teil des Alltags werden
Innenraum: Viel Komfort und reichlich Platz
Fahren: Auf autonome Fortbewegung ausgelegt
Motor: Bis zu 680 PS und 660 Nm

Vorstellung: Der Symbioz soll Teil des Alltags werden

Typisches Renault-Erkennungsmerkmal ist die C-förmige Lichtgrafik, die sich auch in der Rückansicht wiederfindet.

Video: Renault Symbioz (2017)

Renaults Zukunftsvision

Sein Name deutet es an: Der Renault Symbioz geht eine Symbiose ein, zwischen Auto und Haus. Dass er elektrisch und autonom fährt, ist für eine Studie fast schon Standard. Integrierter Bestandteil des Renault-Konzepts ist aber ein dazugehöriges Haus, in das der Wagen alleine hineinfährt. Mitten im Wohnzimmer parkt der Symbioz, und soll so die immer engere Verbindung zwischen den einzelnen Lebensbereichen darstellen. Die Idee dahinter: Autonome Autos sollen sich nahtlos in unseren Alltag integrieren. Wie das in der Praxis aussieht, hat Renault jetzt mit dem Symbioz Demo Car vorgeführt. Der Demonstrationswagen ist eine Weiterentwicklung des Showcars und sieht deutlich serienreifer aus als die IAA-Studie. Typisches Renault-Erkennungsmerkmal ist die C-förmige Lichtgrafik, die sich auch in der Rückansicht wiederfindet. Futuristisch wirken der weitgehend geschlossene Kühlergrill, die ausgestellten Windabweiser an den C-Säulen und die lange Hafischflossen-Antenne, die sich bis in die Heckscheibe zieht. Der ausfahrbare Spoiler ist erst ab 70 km/h sichtbar.
Einen konkreten Ausblick auf ein neues Modell gibt der Symbioz allerdings nicht, einer möglichen Serienfertigung hat Renault eine Absage erteilt. Aber natürlich werden Details davon den Sprung in die Serie schaffen. Das dürfte vor allem für den Unterbau gelten. Renault hat für den Symbioz eine neue Plattform entwickelt. Der 72 Kilowattstunden große Akku sitzt im Fahrzeugboden, den Antrieb übernehmen zwei Elektromotoren. Die Spitzenleistung liegt bei 680 PS und 660 Nm Drehmoment.

Neue Plug-in-Hybrid- und Elektroautos bis 2025

Hybrid- und Elektro-Neuheiten bis 2025Hybrid- und Elektro-Neuheiten bis 2025

Innenraum: Viel Komfort und reichlich Platz

Der Komfort fängt schon beim Einsteigen an, dank der absenkbaren Seitenwangen präsentieren sich die Sitze zunächst als ebene Flächen, die sich problemlos entern lässt. Erst beim Starten des Motors fahren die Seitenteile nach oben, im Dynamic-Modus bietet der Sitz noch etwas mehr Seitenhalt. Die Sitzeinstellung – aber auch die eigene Lieblingsmusik, das Wohlfühlklima und noch viel mehr – soll zukünftig auf dem Smartphone gespeichert werden, das bereits beim Einsteigen von der Fahrzeugelektronik erkannt wird.

Zusammen mit LG hat Renault eine fast nahtlose, L-förmige OLED-Fläche um das Lenkrad gebaut.

Ebenfalls schon beim Einsteigen fällt auf, wie geräumig der Symbioz ist. Mit 4,92 Metern Länge hat er die Maße einer Mercedes-E-Klasse, doch dank des fehlenden Verbrenners in der Front fällt der Innenraum deutlich geräumiger aus. Der ebene Fahrzeugboden und die fehlende Mittelkonsole sorgen für ein luftiges Raumgefühl in Reihe eins, und selbst hinter einem knapp Zweimeter-Fahrer können großgewachsene Mitreisende noch gut sitzen. Die schöne neue Autowelt besteht aber nicht nur aus viel Platz, sondern vor allem aus Hightech-Anzeigen, die sich vor dem Fahrer aufbauen: Zusammen mit LG hat Renault eine fast nahtlose, L-förmige OLED-Fläche ums Lenkrad gebaut, die die Funktionen von Kombiinstrument und Infotainmentdisplay bündelt. Ob die neue Bedienlogik, bei der auf den Anzeigen mit zwei Fingern durch die Menüs gewischt werden kann, irgendwann in Serie geht, ist offen. Aktuell hat LG das System ausschließlich für den Symbioz entwickelt.
Auf was wir uns auf jeden Fall einstellen können: Alle Anzeigen im Auto werden zukünftig je nach Fahrmodus ihre Optik ändern. Das ist häufig schon heute – und natürlich auch beim Symbioz – der Fall, wenn man vom Komfort- in den Sportmodus wechselt. Erst recht aber, wenn Autos autonom unterwegs sind, wird das Ganze noch mal eine neue Qualität bekommen. Schließlich können Anzeigen wie Tacho oder Drehzahlmesser dann vorübergehend verschwinden und beispielsweise Platz für einen TV-Screen machen. Ganz so weit ist der Symbioz noch nicht, immerhin aber taucht der "AD" genannte Selbstfahr-Modus den Innenraum in ein goldenes Licht und fährt Lenkrad und Instrumententräger um zwölf Zentimeter zurück.

Neue Renault, Dacia und Alpine (2018, 2019)

Fahren: Auf autonome Fortbewegung ausgelegt

Im Classic-Betrieb muss man ordentlich Gasgeben, um das Schiff flott in Gang zu setzen.

Besonders deutlich wird der Unterschied zwischen Classic- und Dynamic-Modus: Während die Fahrprogramme oft nur kleine Anpassungen an Gaspedalkennlinie, Lenkung oder Feder-Dämpfer-Abstimmung vornehmen, wirkt sich im Symbioz der Druck aufs Renault-Logo im viereckigen Lenkrad deutlicher aus. Im Classic-Betrieb muss man ordentlich gasgeben, um das Schiff flott in Gang zu setzen, im Sport-Modus dagegen reagiert der Renault spitz wie Nachbars Lumpi auf jedes Zucken im rechten Fuß. Dass sich das große Glasdach dabei zusätzlich verdunkelt und sich die Beduftung ändert, ist eine nette Spielerei. Der Wechsel in den autonomen AD-Modus ist so einfach wie unspektakulär. Einmal auf dem in HD-Landkarten verzeichneten und mit diversen Antennen eigens für die Testzwecke präparierten Autobahnabschnitt angekommen, weist der Symbioz mit einer Meldung in der Instrumententafel darauf hin, dass der autonome Betrieb jetzt möglich ist. Der Fahrer muss zwei Tasten am Lenkrad gleichzeitig für zwei Sekunden drücken, und schon übernimmt der automatische Steuermann – versorgt mit Daten von insgesamt 36 Sensoren rund ums Fahrzeug.
Spürbar ist der Wechsel in den AD-Modus vor allem daran, dass der Fahrersitz in die Relax-Stellung wechselt. Wechselt man in den Lounge-Modus, drehen sich die Sitze ein wenig zueinander, und man kann besser plaudern. Wer niemanden zum Reden an Bord hat, der kann sich mit einer Virtual-Reality-Brille in andere Welten beamen. Der Clou: Die abgespielten Szenarien – beispielsweise die Fahrt durch Zukunftstädte oder ein Flug im Vogelschwarm – sind auf die Bewegungen des Fahrzeugs abgestimmt, und selbst der Autor dieser Zeilen, dem sonst bei so etwas immer schlecht wird, konnte das Entertainment-Programm problemlos genießen.

Beim autonomen Fahren wechselt das Head-up-Display in einen Augmented-Reality-Modus.

Um dem Computer nicht komplett blind vertrauen zu müssen, wechselt das Head-up-Display in einen Augmented-Reality-Modus und informiert über geplante Manöver. Bevorstehende Spurwechsel beispielsweise werden direkt auf die Fahrspur gemalt. Das Blinken, Gasgeben, Überholen, Einscheren und Bremsen erledigt der Symbioz bei der ersten Testfahrt schon erstaunlich gut. Sogar durch die Mautstation soll er alleine kommen. Auch wenn das autonome Fahren weitgehend ohne Informationen von außen funktionieren sollte, bekommt der Symbioz hierfür von einer vorgelagerten Antenne mitgeteilt, dass gleich eine Kassier-Stelle kommt. Die wiederum nimmt dann ebenfalls Kontakt zum Symbioz auf, und teilt dem Computer mit, welchen Bezahlschalter er nutzen soll. Die größte Herausforderung: Vor der Mautstation teilen sich die zuvor zwei, drei Spuren auf rund 15 Linien auf – und die Markierungen fehlen gänzlich. Der Symbioz steuert also alleine den ihm mitgeteilten GPS-Punkt an, und hält dabei immer den gesamten Umgebungsverkehr im Blick. Das Problem: Da sich der Renault strikt ans Tempolimit hält, die andere Verkehrsteilnehmer aber nicht unbedingt, wird er häufig abgedrängt oder zum Hindernis. Das aber lässt sich wohl nur dadurch lösen, dass sich alle an die Verkehrsregeln halten – oder alle autonom fahren. Was davon eher eintritt, ist fraglich.

Motor: Bis zu 680 PS und 660 Nm

Der 72 Kilowattstunden große Akku sitzt im Fahrzeugboden. Den Antrieb übernehmen zwei Elektromotoren an der Hinterachse, die ihre Kraft jeweils an ein Rad abgegeben. Zusammen leisten die beiden Aggregate 490 PS und entwickeln 550 Nm. Die Spitzenleistung liegt bei 680 PS und 660 Nm Drehmoment. In Anbetracht solcher Leistungsdaten überrascht es wenig, dass der alles in allem 2,2 Tonne schwere Symbioz nicht untermotorisiert ist. Den Sprint auf Tempo 100 erledigt er in sechs Sekunden, etwas langsamer als ein BMW 740i.

Renault Symbioz (2017): Test, Infos und Bilder

Autor: Michael Gebhardt

Stichworte:

Autonomes Fahren

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Gebrauchtwagen