Tesla Semi kommt nach Europa: Mitfahrt im E-Lkw
So fährt es sich in Teslas Elektro-Truck
Die Highlights der IAA Transportation 2026
Tesla präsentiert den E-Lkw Semi auf der IAA Transportation 2026 – und lässt einen AUTO BILD-Reporter einige Messe-Runden mitfahren. Hier die technischen Details und Infos zum Europa-Start des Tesla-Sattelschleppers.
Bild: Tesla
Inhaltsverzeichnis
Der lange angekündigte Tesla Semi kommt nach Europa. Für die IAA Transportation 2026 (15. bis 20. September 2026, hier die Highlights) brachte Tesla schon mal zwei Vorserienfahrzeuge des Sattelschleppers nach Hannover – und gab einem AUTO BILD-Redakteur die Gelegenheit, bei mehreren Runden über das Messegelände mitzufahren.
Parallel gab es die technischen Daten sowie eine Ankündigung des Marktstarts in Europa, der für 2027 angesetzt ist. Seit neun Jahren ist der Semi im Gespräch – nun wird aus einem der langlebigsten Tesla-Versprechen tatsächlich ein Auto für die Straße.
Nach dem Öffnen der Selbstmördertür auf der linken Seite der Kabine – der nach vorne gerichtete Griff ist auf Brusthöhe – klettert der Reporter zwei Stufen hoch in die Kabine und nimmt auf einem simplen Sitz rechts hinter dem Fahrer Platz. Die Kabine ist geräumig, es hätten locker fünf Personen Platz. Aber es gibt nur zwei Sitze.

Auf den großen Bildschirmen werden alle zentralen Fahrdaten angezeigt.
Bild: Kevin Schiefler / AUTO BILD
Nach Lösen der Lkw-typischen Druckluftbremse geht es los, völlig still, man hört nur ein elektrisches Summen. Der Sattelzug rumpelt über die Bodenplatten in der Messehalle, fährt aus einer Toreinfahrt und biegt ab auf einen Messeweg. Der ist nicht allzu eben, es ist eine eher holperige Angelegenheit. Auf der Autobahn dürfte sich das sicher besser anfühlen.
Kraftvoll nimmt der Semi Tempo auf. Auf einer langen Gerade beschleunigt der Truck wuchtig bis auf Tempo 80. Man merkt: Hier sind viele Tonnen unterwegs. Beim Abbiegen zeigt die Seitenkamera dem Fahrer auf dem rechten der beiden das Lenkrad flankierenden Bildschirme an, was im toten Winkel los ist. Entsprechen heißt das Feature "Blind Spot Assistant" und dürfte Lkw sicherer machen.

Im Innenraum setzt Tesla auf ein typisch reduziertes Layout mit zwei großen Bildschirmen.
Bild: Tesla
Wir drehen eine zweite Runde, die Fahrt macht Spaß. Und doch bin ich froh, dass ich mich an einem dicken Haltegriff festhalten kann, aber das ist eher der unebenen Straße geschuldet als dem Fahrwerk. Schnell gewöhnt man sich an die fast lautlose, elektrische Fahrt. Eines ist klar: Auf leisen Pfoten erreicht die E-Mobilität den schweren Güterverkehr.
Angetrieben wird der 9,1 Tonnen schwere Semi von drei voneinander unabhängigen Elektromotoren, die alle an der hinteren Zwillingsachse angeflanscht sind: zwei an der vorderen der beiden, ein weiterer an der hintersten Achse. Insgesamt entwickeln sie eine Spitzenleistung von 800 kW (1088 PS). Sie erlaubt das Ziehen von satten 40 Tonnen Last. Es wird eine Standard- und eine Long-Range-Version geben.

Windschlüpfig, lang gezogen, zentraler Fahrersitz: So soll der Tesla Semi künftig emissionsfrei Güter transportieren.
Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD
Das Akkupaket, dessen Kapazität Tesla nicht kommuniziert, ermöglicht eine geschätzte Reichweite von bis zu 550 km – das Fahrzeug ist noch nicht homologiert und mit einer WLTP-Reichweite versehen. Auch zum Energieverbrauch gibt es nur eine Schätzangabe: 100 kW/100 km. Nebenaggregate lassen sich mit bis zu 25 kW betreiben.
Um Spediteuren lange Lauf- aber geringe Stehzeiten zum Laden zu ermöglichen, verspricht Tesla ein Schnellladen von unbestimmter Akkufülle auf 60 Prozent in 30 Minuten, bei einer Ladeleistung von bis zu 800 kW. Geladen wird mit Teslas Megacharger-Technik, die Ladeleistungen von bis zu 1,2 Megawatt ermöglichen soll. Ziel ist ein möglichst kostengünstiger Transport von Waren, sprich niedrige Betriebskosten dank geringen Wartungsaufwands, OTA-Updates und insgesamt großer Fahrzeugverfügbarkeit.
Seit der Vorstellung des Semi 2017 ist viel Entwicklungszeit ins Land gegangen. Doch Produktionsverzögerungen, Lieferkettenprobleme und der Fokus auf andere Fahrzeugprojekte zogen einen immer wieder verschobenen Marktstart nach sich.

Auf einer Tour rund um die IAA Transportation 2026 in Hannover.
Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD
Inzwischen läuft die Fertigung für den nordamerikanischen Markt in der Semi-Fabrik in Sparks, US-Bundesstaat Nevada, an. Dort werden später auch die Lkw für den europäischen Markt gebaut. Die ersten Fahrzeuge für den Kontinent sollen 2027 ausgeliefert werden. Aus einer Vorserienlinie stammen auch die beiden Semi-Modelle auf der IAA Transportation in Hannover. Eine erste Großbestellung ist schon bekannt: Das schwedische Logistikunternehmen Einride hat bereits 500 Tesla Semi geordert.
Der Semi trifft auf einen stetig wachsenden Markt für schwere Elektro-Lkw. Das zunehmende Angebot steht in vielen Exponaten auf der IAA Transportation 2026. Sie bieten Reichweiten zwischen 500 und 700 Kilometern, mit Akkus, die sich fast schon im Megawattbereich laden lassen. Damit werden E-Lkw erstmals für viele Fernverkehrseinsätze zur Option für Spediteure. Der aktuelle Marktanteil bei den Lkw-Neuzulassungen in der EU liegt mittlerweile bei 4,8 Prozent.
Volvo zeigt neben dem bis zu 700 Kilometer weit fahrenden FH Aero Electric eine neue Elektroversion für bis zu 80 Tonnen Gesamtzuggewicht. Mercedes-Benz setzt beim eActros 600 auf 621 kWh Batteriekapazität bei rund 500 Kilometer Reichweite, zusätzlich feiert der eActros Lowliner für Volumentransporte Premiere.
DAF erweitert seine elektrische Fernverkehrsbaureihe um XG und XG+ Electric, die mit modularen LFP-Batterien auch 550 Kilometer Reichweite knacken können. Renault Trucks wiederum schickt den neuen E-Tech T 780 ins Rennen: Seine bis zu 660 Kilometer Reichweite und knapp 28 Tonnen Nutzlast bei bis zu 700 kW Ladeleistung machen ihn zum Fernverkehrs-Flaggschiff der Franzosen.
Besonders offensiv treten die chinesischen Hersteller auf: BYD bringt mit dem ETT 44 eine 44-Tonnen-Sattelzugmaschine mit bis zu 1000 PS, 651-kWh-Blade-Batterie, rund 600 Kilometer Reichweite und bis zu 1,5 MW Ladeleistung nach Hannover. Skyworth zeigt mit dem Z9 einen schweren 6x4-E-Lkw mit zwei Motoren, 610 kW, 400-kWh-LFP-Akku und Vorbereitung für autonomes Fahren nach Level 4. Foton trumpft mit dem Plug-in-Hybriden Galaxus R9 auf, der bis zu 920 PS Systemleistung bietet.
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