Zweiradfahren bei gutem Wetter macht Spaß. Ist man elektrisch unterwegs, wird zusätzlich noch die Umwelt geschont. Super. Doch wer darf welches elektrische Zweirad eigentlich fahren? Welcher Führerschein wird für Pedelec, Elektro-Roller, E-Motorrad und Co jeweils gebraucht?
Bei den Verbrennern ist die Sache mit den Führerscheinen klar. Sie richten sich nach Hubraum und Leistung. E-Zweiräder haben aber keinen Hubraum und gerne mal zwei Leistungsangaben. Was bedeutet das für die Fahrerlaubnis? Außerdem passen einige Elektro-Zweiräder auf dem Markt nicht so recht in etablierte Fahrzeugkategorien. AUTO BILD bringt Licht ins Dunkel.

Elektroroller

Ausgewählte Produkte in tabellarischer Übersicht
iamelectric Elektroroller
One Elektroroller
Falcon Elektroroller
Elettrico Li Elektroroller
Eagle Elektroroller

E-Scooter

E-Scooter sind für den Gesetzgeber Tretroller mit elektrischem Antrieb. Die Verordnung für Elektrokleinstfahrzeuge regelt ihren Einsatz. Sie gilt für Fahrzeuge mit einer Lenk- bzw. Haltestange, einer maximalen Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h und einer Straßenzulassung.
E-Roller in Berlin
E-Scooter wie dieser brauchen für den Straßenverkehr ein Kennzeichen. Sie sind aber Führerschein-frei.
Um E-Scooter fahren zu dürfen, braucht man weder eine Mofa-Prüfbescheinigung noch einen Führerschein. Eine Helmpflicht besteht ebenfalls nicht. Es ist aber empfehlenswert, einen Helm zu tragen. Vorschriften-freie Zone also? Keineswegs. Man muss als E-Scooter-Pilot mindestens vierzehn Jahre alt sein. Und für Alkohol gelten die gleichen Grenzwerte wie beim Auto fahren. Ausnahme: Man ist jünger als 21!

Pedelec und E-Bike

Bei Pedelec und E-Bike hängt die Frage nach dem Führerschein von der möglichen Höchstgeschwindigkeit ab. Vorweg: Beim Pedelec wird die Person im Sattel beim Strampeln elektrisch unterstützt. Ein E-Bike hat einen Gasgriff wie ein Motorrad und kann rein elektrisch fahren.
Günstige E-Bikes PROPHETE eSUV 29
Bei E-Bikes (Bild) und Pedelecs hängt es von der Geschwindigkeit ab, ob man einen Führerschein braucht.

Pedelec

Fährt ein Pedelec maximal 25 Stundenkilometer schnell, braucht man zum Fahren keinen Führerschein und keine Prüfbescheinigung. Es gibt kein vorgeschriebenes Mindestalter und keine Kennzeichenpflicht. Einen Fahrradhelm sollte man am besten freiwillig tragen.
Anders ist die Lage bei Pedelecs, die schneller als 25 km/h fahren. Sie sind Kraftfahrzeuge, für die man ein Versicherungskennzeichen braucht. Man darf sie nur fahren, wenn man mindestens den Führerschein der Klasse AM hat. Radwege sind tabu. Pedelecs bis 45 km/h gehören auf die Straße. Wie beim Motorradfahren muss man einen geeigneten Helm tragen.

E-Bike

E-Bikes unterscheiden sich rechtlich von Pedelecs. Die maximal 25 km/h schnellen Varianten werden vom Gesetzgeber wie Mofas betrachtet und verlangen daher sowohl nach einem Helm als auch nach einem Versicherungskennzeichen. Außerorts darf man mit so einem E-Bike Radwege benutzen. Im Ort geht das nur, wenn entsprechende Zusatzschilder es gestatten.
Schnelle E-Bikes entsprechen rechtlich Kleinkrafträdern und dürfen nur mit einem Führerschein der Klasse AM oder größer bewegt werden. Sie brauchen ebenfalls ein Versicherungskennzeichen und dürfen ausschließlich auf der Straße fahren. Es besteht Helmpflicht.

Elektro-Roller

Bei elektrischen Rollern sollte man die Frage nach dem Führerschein am besten wie folgt stellen: Welchen Schein für welchen Roller? AUTO BILD versteht Roller als zweirädrige Fahrzeuge mit Durchstieg vor dem Sitz. Deren Modell-Bandbreite ist ziemlich groß.
E-Roller NIU M1 Pro
Roller wie der Niu M1 Pro entsprechen 50ern und dürfen mit dem AM-Führerschein gefahren werden.
Es beginnt bei den 50er-Äquivalenten wie dem roten Niu oben. Sie sind daran zu erkennen, dass sie maximal 45 km/h schnell fahren. Um so einen E-Roller bewegen zu dürfen, braucht man mindestens einen Führerschein der Klasse AM, ein Versicherungskennzeichen und einen Helm.

Für einen schnelleren Roller braucht man einen anderen Führerschein

Wer mit einem schnelleren Roller am Straßenverkehr teilnehmen will, muss möglicherweise nochmal die Schulbank drücken. Für Roller mit 70, 80 oder 100 km/h Höchstgeschwindigkeit braucht man mindestens einen Motorrad-Führerschein der Klasse A1, einen Autoführerschein von vor 1980 oder den Führerschein B196, den Autofahrer seit Anfang 2020 mit einer "Zusatzschulung" in der Fahrschule erwerben können.
Der BMW CE 04 ist ebenfalls ein Roller, wenn man nach der obigen Definition geht. Der Führerschein A1 reicht für den schnittigen Bayern aber nicht. Warum? Weil er mit 20 PS Dauerleistung über der maximal möglichen Leistung der Klasse A1 liegt. Deren Grenze sind 15 PS.
Apropós maximal: Für Führerschein und Versicherungseinstufung eines E-Zweirads ist die Dauerleistung maßgebend. Dazu später mehr!

Elektro-Motorrad

Hinter dem Begriff Elektro-Motorrad kann sich aktuell eine ganze Menge verbergen. Es beginnt mit dem, was Kinder der 70er und 80er vermutlich sofort als Moped einordnen würden. Metorbike aus Hamburg baut so ein schlankes, 9,4 PS starkes Zweirad. In die Fahrzeugklasse gehört aber auch die "ausgewachsene" Harley-Davidson Livewire mit ihren 105 PS und 177 km/h Höchstgeschwindigkeit.
Zero Motorcycles DSR/X
Die Zero DSR/X ist ein ausgewachsenes Motorrad und man benötigt daher den passenden Führerschein.
Zwischendrin finden sich allerlei kreative Interpretationen des Worts Motorrad. Die folgenden Beispiele helfen beim Verständnis.

eRockit ist ein elektrisches Motorrad mit Pedalen 

eRockit: Der Hersteller nennt eRockit ein "einzigartiges pedalgesteuertes Elektromotorrad". Die Mischung aus Fahrrad und Motorrad wird auf den ersten Blick klar. Der Clou ist, dass eRockit sich per Tritt in die Pedale auf fast 90 km/h beschleunigen lässt und man auf die Autobahn darf. Die Dauerleistung beträgt 6,8 PS. Daher gilt eRockit als 125er und darf ab A1 bzw. mit dem B196-Schein bewegt werden. 

Für den Führerschein zählt die Dauerleistung

Zero DS: Der Aspekt mit der Dauer- und der Maximalleistung eines E-Motorrads lässt sich besonders gut anhand der Zero DS veranschaulichen. Sie wurde speziell zu diesem Zweck von AUTO BILD getestet.
Nach Regelung Nr. 85 der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen zählt nämlich die Dauerleistung für die gesetzliche Einstufung eines elektrischen Zweirads. Unter der Dauerleistung versteht der Gesetzgeber die Leistung, die der Motor am Stück 30 Minuten lang halten kann.
Das bedeutet im Fall der Zero DS, dass 15 PS in den Papieren stehen, die Amerikanerin aber tatsächlich bis zu 56 PS hat. Faszinierend oder gefährlich? Zumindest fragwürdig. Denn klar, die Zero wird so genau wie alle anderen Vertreterinnen ihrer Klasse zu einem irren Spaßgerät. Aber sie darf auch von 16-jährigen A1-Fahrern und unbedarften Auto-Umsteigern mit B196 bewegt werden.
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Motorrad-Neuheiten (2022): Slideshow - Energica Experia - Info

Neue Top-Bikes im Überblick


Bei diesen Motorrädern ist die Führerscheinfrage klar 

Energica Experia: Die Italienerin sieht nicht nur aus wie ein ausgewachsenes Motorrad, sie ist es auch. Die Kreuzung aus Tourer und Reiseenduro soll 420 Kilometer Reichweite aus einer Akkuladung herausholen und sich als grüne Alternative zu BMW GS und Harley-Davidson Panmerica etablieren. Die Dauerleistung beträgt 80, die Maximalleistung 101 PS. Da braucht man den Motorrad-Führerschein Klasse A.